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Tiermärkte: Tierleid zwischen „Ramschware“ und Geldmacherei

Viele Menschen kennen Tiermärkte nur aus dem Ausland und sind über die dortigen Zustände schockiert. Doch auch in Deutschland leiden Tiere auf dieser Art von Veranstaltungen: Bundesweit wird auf unzähligen Börsen mit allen Lebewesen gehandelt, die der „Markt“ zu bieten hat: Vögel, Reptilien, Amphibien, Pferde, Kleinsäuger, aber auch Hunde und Katzen werden wie Ramschware verscherbelt. Das Leid der Tiere zählt für Händler, Züchter und viele Besucher dabei nicht. Obgleich viele Tierfreunde nichts von der Existenz dieser Tierbörsen und dem Leid der Tiere wissen, ist das Ausmaß groß: Allein in Bayern finden jedes Jahr über 700 Tiermärkte statt. (1) Dabei bewegen sich Tierbörsen quasi in einem rechtfreien Raum, in dem sie kaum oder nur unzureichend kontrolliert werden.

Tiere sind Lebewesen und keine Ware - Tradition rechtfertig kein Tierleid. Tiermärkte müssen verboten werden.

Der Transport
Händler und Züchter transportieren ihre Tiere oft aus ganz Deutschland oder sogar ganz Europa zu den Tiermärkten. Hunderttausende Tiere müssen dabei belastende Verfrachtungen ertragen – oftmals auch unter tierschutzwidrigen Bedingungen. Hühner, Kaninchen und Tauben werden auf zugigen Anhängern, eingepfercht in den Kofferräumen von PKWs, auf Motorrollern oder sogar in den Gepäckfächern von Reisebussen transportiert. Reptilien und Amphibien, die insbesondere im Hinblick auf Temperatur und Luftfeuchtigkeit besonders empfindlich sind, etc. angeht, werden zum Teil in stundenlangen Fahrten in PKWs angeliefert; unverkaufte Tiere werden nach dem Markt oft direkt zur nächsten Börse gekarrt.

Der Markt
Auf Tierbörsen werden Tiere wie Restware verramscht, wie Ausschuss, den Züchter gewinnbringend abstoßen wollen. Gewerbsmäßige Tierhändler schlagen aus Tieren Profit. Sie fahren von Börse zu Börse und muten den Tieren dabei nicht endenden Dauerstress zu. Züchtern und Händlern sind die Bedürfnisse der Tiere gleichgültig, denn jede Börse bedeutet vermeidbares Leid und Stress.

Die Zucht
Auf Tiermärkten werden in der Regel auch Qualzuchten ausgestellt – obwohl die Zucht dieser Tiere nach § 11b Tierschutzgesetz (2) verboten ist und die Tiere nach den Tierbörsen-Leitlinien nicht auf das Veranstaltungsgelände verbracht werden dürfen (3).

Naturentnahmen/Wildfänge
Ein Großteil der Reptilien, die auf Tierbörsen verkauft werden, wird noch immer in freier Wildbahn gefangen. Selbst bei Tieren, die als sogenannte Farmzucht ausgewiesen werden, handelt es sich in Wahrheit häufig um Wildfänge. Einer Studie zufolge werden beispielsweise ca. 80 Prozent der aus Indonesien exportierten Grünen Baumpythons illegal in freier Wildbahn gefangen und über „Zuchtfarmen“ mit dem Prädikat „In Gefangenschaft gezüchtet“ weiterverkauft. (4) Weitere Informationen über sogenannte Exotenbörsen finden Sie auch unter PETA.de/Terraristika. Näheres über die Salmonellengefahr, die von solchen Veranstaltungen ausgeht, können Sie unter PETA.de/Salmonellen nachlesen.

Rechtliche Regelungen
Eindeutige und rechtsverbindliche Regelungen für Tiermärkte fehlen. Es existieren lediglich Leitlinien zur Ausrichtung von Tierbörsen unter Tierschutzgesichtspunkten, die das Bundeministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz 2006 veröffentlicht hat, die aber explizit nicht rechtsverbindlich sind. (5) Grundsätzlich sind die darin vorgegebenen Mindeststandards aus Tierschutzperspektive zudem absolut unzureichend. Neben vagen Vorgaben, z. B. bezüglich Käfiggrößen, wird außer Acht gelassen, dass diese Art der Veranstaltung und der Transport für die Tiere stets eine extreme Belastung darstellen und Tiermärkte aus Tierschutzperspektive verboten werden müssen.

Selbstverständlich gilt aber auch auf Tiermärkten das Tierschutzgesetz, das es verbietet, Tieren „ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden“ zuzufügen. (6) Zudem sieht das Tierschutzgesetz nach § 11 vor, dass Tierbörsen die Genehmigung der zuständigen Behörde erfordern. Doch Veterinärbehörden scheuen sich, die in den Leitlinien vorgegebenen Mindestanforderungen gegenüber den Börsenbetreibern und den einzelnen Ausstellern per Verfügung festzusetzen – nur dann würden diese juristisch verbindlich werden.

Zwar sind die Veterinärbehörden für die Einhaltung des Tierschutzes auf Börsen und Ausstellungen zuständig, doch in der Realität sind Tierschutzmissstände auf diesen Veranstaltungen systemimmanent – Tierqual und Tierleid stehen unter dem Deckmantel der Tierliebe alle Türen offen.

Ausnahme: Im Freistaat Thüringen sind die Tierbörsenleitlinen bereits 2008 als Rechtsverordnung erlassen worden (7). Diese Entscheidung wurde ausdrücklich mit tierschutzrelevanten Vorfällen bei der Durchführung von Tierbörsen begründet.

 

Was Sie tun können

Unterstützen Sie mit Ihrem Besuch keine Märkte, auf denen Tiere wie Ware verkauft werden. Treten Sie stattdessen mit der Stadt ins Gespräch und weisen Sie auf das Tierleid hin.

  • Sind Sie doch auf einem Tiermarkt, sehen Sie sich den Zustand der Tiere genau an und verständigen Sie gegebenenfalls das Veterinäramt. Machen Sie, wenn möglich, Fotos, um das Tierleid zu belegen.
  • Kaufen Sie niemals ein Tier auf einem Tiermarkt, auch nicht aus Mitleid. Sie kurbeln damit lediglich das Geschäft der Verkäufer an!

    Quellen:
    (1) Antwort der Bayerischen Umweltministeriums auf eine schriftliche Anfrage der Abgeordneten Barbara Rütting, 10. Mai 2005.
    (2) § 11b Tierschutzgesetz. Gutachten zur Auslegung von § 11b Tierschutzgesetz (Verbot von Qualzüchtungen)
    (3) Leitlinien zur Ausrichtung von Tierbörsen unter Tierschutzgesichtspunkten, BMELV, 1996, S. 14.
    (4) Lyons, J.A./Natusch, D.J.D.: Wildlife laundering through breeding farms: Illegal harvest, population declines and a means of regulating the trade of green pythons (Morelia viridis) from Indonesia. Biol. Conserv. (2011).
    (5) Leitlinien zur Ausrichtung von Tierbörsen unter Tierschutzgesichtspunkten, BMELV, 1996, S. 13.
    Leitlinien sind Orientierungs- und Auslegungshilfe bei der Anwendung der einschlägigen Rechtsvorschriften und nicht Rechtsgrundlage
    (6) § 1 Tierschutzgesetz.
    (7) Schreiben des Ministeriums für Soziales, Familie und Gesundheit des Freistaates Thüringen an die Landratsämter der Landkreise und Stadtverwaltungen der kreisfreien Städte und Lebensmittelüberwachungsämter, 3. April 2008.