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Gesetze schützen nicht: Tiertransporte bedeuten Leid und Tod!

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Update August 2020

Wir haben dem zuständigen Bundestagsausschuss für Ernährung und Landwirtschaft unsere Petition mit über 83.000 Unterschriften für ein Verbot von Tiertransporten in Nicht-EU-Staaten per E-Mail übergeben und die Bundesregierung aufgefordert, endlich ein EU-weites Verbot von grausamen Langstrecken-Tiertransporten in Drittländer auf den Weg zu bringen. Herzlichen Dank an alle Unterzeichner der Petition! Wir werden uns weiterhin hartnäckig für ein Verbot von Langstrecken-Tiertransporten in Nicht-EU Staaten und natürlich auch innerhalb der EU einsetzen.


Originaltext:

Viele Menschen kennen die traurigen und angsterfüllten Augen von Schweinen, Rindern, Schafen oder Hühnern, die auf den Straßen transportiert werden – meist auf dem Weg zum Schlachthof. Laut einer Kleinen Anfrage wurden im Jahr 2018 insgesamt 6.662.774 sogenannte Zuchttiere aus Deutschland in Nicht-EU-Staaten exportiert, darunter Russland, die Türkei, Usbekistan, Marokko und der Libanon. Des Weiteren wurden 3.712 als sogenannte Schlachttiere gekennzeichnete Lebewesen in diese und weitere Drittstaaten transportiert.

Alleine in Deutschland werden jedes Jahr etwa 800 Millionen Tiere in Schlachthäusern getötet. Nicht selten sehen diese Tiere auf dem Transport zum Schlachthof zum ersten Mal Tageslicht, denn sie mussten ihr entbehrungsreiches Leben bis zu diesem Tag in Zucht- und Mastfabriken fristen.

Die vollständige Übersicht zu den einzelnen Tierarten finden Sie hier.

Benennung als „Zuchttier“ ist pure Augenwischerei

In den letzten Jahren werden immer mehr Rinder als „Zuchttiere“ statt als „Schlachttiere“ verkauft und in Nicht-EU-Staaten transportiert. Das liegt vor allem an TV-Beiträgen über Transporte, Abladungen und Schlachtungen, die das ganze grausame Ausmaß der leidvollen Tiertransporte zeigen. [1] Doch statt die längst überfällige Konsequenz zu ziehen und zumindest Tiertransporte in Nicht-EU-Staaten zu untersagen, redet sich die Politik erneut heraus und schränkt lediglich den Transport sogenannter Schlachttiere ein – also Tiere, die in den Zielländern umgehend getötet werden. Dagegen steigt der Anteil sogenannter Zuchttiere. Diese Tiere sollen den Zielländern helfen, eigene Tierherden zur Selbstversorgung aufzubauen oder „frisches Blut“ in die Herden zu bringen. Fakt ist jedoch, dass Deutschland schon seit Jahrzehnten Tiere zu angeblichen Zuchtzwecken, teilweise auch schwangere Tiere, an Nicht-EU-Länder verkauft, ohne dass in diesen Ländern eine vergleichbare Herdenstruktur aufzufinden ist. Es liegt also auf der Hand, dass auch sogenannte Zuchttiere zeitnah in den dortigen Schlachthöfen getötet werden – meist ohne Betäubung.
 

Die Tierschutztransportverordnung

Diese Verordnung gilt für jeden kommerziellen Tiertransport und soll die Tiere während der Zeit des Transportes – wie der Name schon sagt – schützen. [2] Wie so oft liegen Theorie und Praxis auch hier weit auseinander, denn die meist unzureichenden Kontrollen zeigen, dass häufig nicht einmal die minimalen gesetzlichen Regelungen eingehalten werden. Eine spezifische Verkehrskontrolle der Polizeidirektion Oldenburg im Jahr 2014 zeigte beispielsweise eine erschreckende Beanstandungsquote von über 70 %. [3]

Zudem ist die Formulierung oftmals sehr schwammig, und die Verordnung wird in den europäischen Ländern unterschiedlich angewendet. So werden beispielsweise Fahrzeuge zugelassen, bei denen sich die Tiere durch falsche Trennvorrichtungen verletzen können oder in denen eine unpassende Trinkvorrichtung angebracht ist.

Aufgrund der hohen Tieranzahl auf den Fahrzeugen können Transporteure oder Kontrolleure bei Transporten meist nicht alle Tiere in Augenschein nehmen. Häufig lassen sich die vorgeschriebenen Punkte in der Praxis auch schlicht nicht umsetzen – wie beispielsweise, mehrere Hundert Kälber während der vorgeschriebenen einstündigen Ruhepause zu tränken.
Auch das vorgeschriebene Platzangebot hat nichts mit „Schutz“ zu tun. So hat ein Schwein mit einem Gewicht von rund 120 Kilogramm nur 0,55 m² Platz – also weniger als in etwa die Grundfläche einer Duschwanne. Oft verletzen sich die Tiere gegenseitig, da sie beispielsweise aus Platzmangel auf liegende Artgenossen treten.

Die Agrarlobby, die mit Tierhaltung, Tiertransporten und Tierschlachtungen viel Geld verdient, übt einen sehr starken Einfluss auf die Politik aus. Es ist unbegreiflich, dass die Tierschutztransportverordnung bei der Änderung im Jahr 2007 nicht auf den neuesten wissenschaftlichen Stand gebracht wurde. Dies zeigt einmal mehr, dass Wirtschaftlichkeit auch hier vor gelebtem Tierschutz steht.
 
Hunderte, oft sogar Tausende Puten passen auf einen Tiertransporter. In engen Kisten werden sie bei Hitze wie Kälte häufig Hunderte Kilometer zum Schlachthof transportiert.

Dauer der Tiertransporte

Laut Verordnung dürfen innerstaatliche Transporte zu einem Schlachtbetrieb nicht länger als acht Stunden dauern. Die Praxis sieht durch zahlreiche „Ausnahmen“ jedoch anders aus: Geflügel und Kaninchen dürfen zwölf Stunden transportiert werden, und theoretisch kann ein Transport endlos dauern, wenn Schweine nach 24 Stunden (Wasser muss immer vorhanden sein), Rinder nach 29 Stunden (inklusive einer Stunde Pause für Wasser und eventuell Nahrung) und Jungtiere nach 19 Stunden (inklusive einer Stunde Pause für Wasser und eventuell Nahrung) eine 24-stündige Ruhepause außerhalb des Transporters erhalten. Auf diese Weise werden Tiere oft tagelang durch Europa oder über die Grenzen hinaus transportiert. Auf einigen Routen, beispielsweise durch Russland, können die Tiere schlichtweg nicht versorgt werden. Da auf der gesamten Strecke oder in einzelnen Transportabschnitten Entlade- und Versorgungsstationen fehlen, ist es seit Jahren gängige Praxis, dass die Tiere tage- oder wochenlang auf den Transportern ausharren müssen – in drangvoller Enge und in ihren eigenen Exkrementen. Diese illegale Vorgehensweise ist der Politik, den beteiligten Unternehmen und auch vielen Veterinären oftmals bekannt – dennoch rollen die Tiertransporte weiter.
 
Kälber, die eigentlich noch die Zuwendung der Mutter bräuchten, werden oft tagelang transportiert, um im Ausland billiger gemästet zu werden.

Die häufigsten Leiden

Jeder Transport bedeutet Stress für die Tiere – oft verletzen sie sich oder sterben langsam und qualvoll auf den Transportern. Dabei spielt die Transportdauer keine entscheidende Rolle, denn auch bei kurzen Strecken sind Verletzungen und Todesfälle keine Ausnahme. Das Leiden verlängert sich aber natürlich mit der Dauer des Transportes.
Neben den teils sehr schlechten Witterungsbedingungen (Hitze, Kälte) stellen Kontrollen häufig überladene Transporter mit dehydrierten Tieren fest, oder solche mit einer zu geringen Deckenhöhe, sodass sich die Tiere den Rücken stoßen und aufscheuern. Nicht selten werden zudem eingeklemmte Körperteile sowie fehlende oder falsch angebrachte Trennwände dokumentiert, was zu Beinbrüchen, Quetschungen und anderen schlimmen Verletzungen bis hin zum Tod führen kann.

Ein weiteres Problem: Oft werden Tiere zum Schlachthof transportiert, die eigentlich nicht mehr „transportfähig“ sind. Teilweise liegt dies an Landwirten und Transporteuren, die nicht davor zurückschrecken, Tiere gesetzeswidrig gewaltvoll auf die Fahrzeuge zu zwingen. Zudem hat der Gesetzgeber hier erneut (bewusst) schwammige Aussagen formuliert, denn die Grenze zwischen „leicht erkrankt/verletzt“ und „erkrankt/verletzt“ – und somit transportunfähig – ist nicht klar geregelt und daher mehr oder weniger frei interpretierbar. Auch eine sogenannte Todesrate ist bei Tiertransporten eine einkalkulierte Größe und kann gerade beim empfindlichen Geflügel schnell einige Prozent betragen.

Theorie und Praxis könnten unterschiedlicher nicht sein

 Laut Artikel 3 der Verordnung über den Schutz von Tieren beim Transport (EG) 1/2005 darf ein Transport nur genehmigt werden, wenn „den Tieren Verletzungen und Leiden erspart werden und ihre Sicherheit gewährleistet ist“ (3). Demnach sollte es theoretisch seit Jahren keine Lebendtiertransporte mehr auf europäischen Straßen geben. Der Europäische Gerichtshof entschied 2015 zudem mit einem Grundsatzurteil, dass europäisches Tierschutzrecht bis ins Zielland eines Tiertransports gilt (6). Doch obwohl zahlreiche Vorschriften der Europäischen Tierschutztransportverordnung, wie beispielsweise die tatsächliche Transportdauer oder die Verfügbarkeit von Abladestationen, weder innerhalb noch außerhalb der EU eingehalten oder sichergestellt werden können, genehmigen deutsche Veterinäre häufig Transporte in Nicht-EU-Staaten. Kontrolliert werden die Transporte kaum. Dabei ist den Verantwortlichen in den Veterinärämtern, Zuchtverbänden und in der Politik längst klar, dass die meisten Langstreckentransporte gegen die Transportverordnung verstoßen und somit schlichtweg illegal sind. Aus wirtschaftlichen Gründen werden sie jedoch dennoch genehmigt.

Immer mehr Veterinäre verweigern seit Beginn des Jahres 2019 die Abfertigung von Langstreckentransporten. Vorgesetzte sowie mehrere Politiker setzen diese Tierärzte jedoch massiv unter Druck, die Transporte wieder freizugeben.

Was Sie tun können

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[1] ZDF: „Geheimsache Tiertransporte; Wenn Gesetze nicht schützen“, 21.11.2017, unter: https://www.zdf.de/dokumentation/37-grad/37-geheimsache-tiertransporte-100.html (zuletzt abgerufen am 13.05.2020)
[2] Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz: „Verordnung zum Schutz von Tieren beim Transport und zur Durchführung der Verordnung (EG) Nr. 1/2005 des Rates (Tierschutztransportverordnung - TierSchTrV)“, 11.02.2009. Online abrufbar unter: http://www.gesetze-im-internet.de/tierschtrv_2009/BJNR037500009.html (zuletzt abgerufen am 4.4.2019)
[3] Polizeidirektion Oldenburg: „Kontrolle von Lebendtiertransporten +++ Beanstandungsquote bei 72 Prozent“, 07.11.2014. Online abrufbar unter: https://www.presseportal.de/blaulicht/pm/62353/2874480 (zuletzt abgerufen am 4.4.2019)