Themen Tierversuche Lehre

Tiermissbrauch im Studium: Sezierkurse und Tierversuche an der Uni

Ratte seziert
2018 wurden in Deutschland fast drei Millionen Tiere für Tierversuche missbraucht – darunter Mäuse, Ratten, Katzen, Hunde und Affen. Zwei Prozent dieser Tiere, also etwa 60.000, wurden zu Lehrzwecken und Weiterbildungsmaßnahmen gequält und getötet. [1] Hierzu gehören zum einen Tierversuche, also Eingriffe an lebenden Tieren, und zum anderen der sogenannte Tierverbrauch, bei dem die Tiere schon vor dem Eingriff getötet werden und der unter anderem das Sezieren umfasst.
 

Sinnloses Sterben für Sezierkurse

Obwohl es heute bereits eine Vielzahl an verlässlichen tierfreien Methoden gibt, die sich für Übungen im Studium eignen, werden weiterhin Versuche an lebenden Tieren durchgeführt, oder im Vorfeld getötete Tiere werden in Sezierkursen aufgeschnitten und danach wie Müll entsorgt. Im Biologie- und Medizinstudium sind Sezierkurse oftmals traditioneller Bestandteil des Lehrplans, obgleich sie lediglich längst bekanntes Lehrbuchwissen demonstrieren und reproduzieren. Auch wenn Sezierübungen an bereits getöteten Tieren durchgeführt werden,  suggeriert diese Praxis Studierenden schon zu Beginn ihrer naturwissenschaftlichen Laufbahn, Tiere seien nicht mehr wert als Gegenstände, die man nach Belieben töten und für eigene Zwecke heranziehen kann. Einfühlvermögen und eine emotionale Verbindung zu Tieren werden so gezielt abgebaut, um eine kritische Einstellung zu Tierversuchen zu mindern und die spätere Akzeptanz und Beteiligung an Tierversuchen zu vereinfachen.

Tierverbrauch und Tierversuche in der Lehre: Tierarten und Methoden

Welche Tierarten für die Lehre missbraucht werden, hängt von den einzelnen Studiengängen und Universitäten ab. Das Spektrum erstreckt sich von Wirbellosen wie Bienen, Heuschrecken, Seesternen und Regenwürmern, über Frösche und Fische bis hin zu Vögeln und Säugetieren, wie etwa Mäusen. Größere Säugetiere werden vor allem im Tiermedizinstudium für Übungen unerfahrener Studenten herangezogen. Im Biologiestudium wird häufig quer durch das Tierreich seziert, vom Regenwurm bis zur Ratte. Die Tiere werden speziell für die Kurse getötet oder sind aus vorhergehenden Tierversuchen „übrig“ und werden somit wie Abfall behandelt. Sie werden wie leblose Ware gekauft, seziert und landen anschließend im Müll. Die Tatsache, dass jedes Einzelne von ihnen ein Individuum ist, das leben möchte, wird völlig ausgeblendet. In physiologischen Übungen werden verschiedene Experimente mit Tieren durchgeführt. Nach Berichten von Studenten werden Wirbellose teilweise an ihren Flügeln auf Wachsbretter gepinnt oder bei vollem Bewusstsein der Länge nach aufgeschnitten. Aufgrund der aktuellen Rechtslage sind solche Praktiken bei Wirbellosen sogar erlaubt.

Tierfreie Lernmethoden und ihre Vorteile

Immer mehr Studierende erkennen, dass der Missbrauch von Tieren im Studium nicht vertretbar ist. Lehrpläne und Kursinhalte sind oft veraltet, obgleich innovative tierfreie Lösungen zur Verfügung stehen, von denen die Studierenden doppelt profitieren können. [2] Einerseits verbessern sie ihre Fähigkeiten praxisnah und unter realistischen Bedingungen, gleichzeitig fördern diese Ansätze den Respekt gegenüber Tieren und stellen sicher, dass keinem Tier Schaden zugefügt wird.

Beim Sezieren von Tieren oder bei Experimenten am lebenden Tier haben Studierende nur eine einzige Gelegenheit, eine bestimmte Prozedur durchzuführen und die notwendigen Inhalte zu erlernen. Mit tierfreien Methoden, wie etwa lebensechten Modellen oder interaktiven Softwareprogrammen, hingegen können sie das Lehrmaterial so oft wiederholen, bis sie auf einem Gebiet wirklich sachkundig und souverän sind. Zudem sind Studierende nicht emotional abgelenkt, weil sie gerade ein Tier verstümmeln oder ihm schweren Schaden zufügen. Moderne Softwareprogramme oder Apps enthalten nicht nur Funktionen, die das Innere eines Körpers genau abbilden und erläutern, sondern auch Module, die genau erklären, wie der lebende Körper funktioniert und Informationen über Ökologie und Verhalten beinhalten. Und das Beste: Kein einziges Tier muss für diese Wissensvermittlung getötet und aufgeschnitten werden.

Verschiedene Studien haben ergeben, dass Studierende und Schüler, denen biologische Inhalte mithilfe tierfreier Methoden vermittelt wurden, gleich oder besser abschnitten als Vergleichsgruppen, für die Tiere missbraucht wurden [ 3, 4]. Eine weitere Studie ergab, dass Schüler, die anhand tierfreier Methoden unterrichtet wurden, ein „besseres Verständnis komplexer biologischer Prozesse sowie eine gesteigerte Lerneffizienz und bessere Prüfergebnisse aufwiesen“. Der Studie zufolge haben sich auch das Selbstvertrauen und die Zufriedenheit der Schüler erhöht. Zudem können die Studierenden Informationen besser abrufen und kommunizieren [5]. Das Ergebnis einer weiteren Studie zeigt auf, dass Studierende, die Ton modellierten, genauso gut abschnitten wie ihre Altersgenossen, die Tiere sezierten [6].

Tierfreie Lehrmethoden bereiten Studierende zudem besser auf Berufsfelder im medizinischen Bereich vor. 100 Prozent der medizinischen Fakultäten in den USA haben die Nutzung von Tieren im Unterricht bereits eingestellt – darunter renommierte Institute wie Harvard, Yale und Stanford. In den USA gibt es keine medizinische Fakultät, die von Studierenden das Sezieren von Tieren verlangt [7, 8, 9]. Die Ausbildung zum Chirurgen ist problemlos möglich, ohne auch nur ein einziges lebendiges oder totes Tier aufgeschnitten zu haben.

Tierfreie Lehrmethoden sind effizienter und kostengünstiger. [10, 11, 12] Einige der tierfreundlichen Programme sind sogar kostenfrei erhältlich. Auch dreidimensionale Simulationsmodelle wie SynFrog ermöglichen eine realitätsnahe Lernerfahrung – ohne dass Tiere dafür wie bloße Anschauungsobjekte behandelt werden. Eine umfassende Liste verfügbarer Ressourcen für ein tierversuchsfreies Studium finden Sie auf der Website Studieren-ohne-Tierversuche.de.

Tierversuche im Studium: Was können Betroffene tun?

Viele Studierende der Lebenswissenschaften lehnen es aus ethischen oder persönlichen Gründen ab, Tiere zu sezieren. Studierende, die nicht am sogenannten Tierverbrauch teilnehmen, erhalten an vielen deutschen Hochschulen jedoch keinen Leistungsnachweis im jeweiligen Kurs. Untersuchungen haben gezeigt, dass sich viele Jugendliche und Erwachsene unterschiedlicher Ausbildungsstufen bei der sogenannten Nutzung von Tieren unwohl fühlen. Junge Menschen Tiere sezieren zu lassen und dies als Wissenschaft zu bezeichnen, kann zu Gefühllosigkeit gegenüber Tieren und der Natur führen und junge Erwachsene sogar davon abbringen, eine naturwissenschaftliche Laufbahn einzuschlagen [13, 14, 15]. Studien zeigen außerdem, dass viele Studierende Tiere nur widerwillig sezieren – Angst vor Strafen, Ausgrenzung durch andere Kursteilnehmer oder vor dem fehlenden Leistungsnachweis sind mögliche Gründe. Nur wenige Betroffene teilen ihre ethischen Bedenken mit [16, 17].

Studierende können Tierleid vermeiden, indem sie sich an ihrer Universität für eine tierfreie Lehre einsetzen und sich von Sezierkursen befreien lassen. Auch Fachinstitute an Universitäten können den Tierverbrauch verhindern und gleichzeitig die Lernerfahrung ihrer Studierenden verbessern.

Weitere Informationen zum Thema und eine kostenlose Broschüre finden Sie hier.
 

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[1] Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (2018): Verwendung von Versuchstieren im Jahr 2018, https://www.bmel.de/DE/themen/tiere/tierschutz/versuchstierzahlen2018.html#doc69038bodyText10, (eingesehen am 15.09.2020)
[2] Dissection Alternatives For Students (2019), http://pcrm.org/research/edtraining/dissectionalt.https://www.pcrm.org/news/good-science-digest/dissection-alternatives-students
[3] Patronek, G. J., & Rauch, A. (2007: Systematic review of comparative studies examining alternatives to the harmful use of animals in biomedical education. Journal of the American Veterinary Medical Association, 230(1), 37-43.
[4] Knight, A. (2007): The effectiveness of humane teaching methods in veterinary education. Altex, 24(2/07), 91.
[5] Waters, J. R., Van Meter, P., Perrotti, W., Drogo, S., & Cyr, R. J. (2005): Cat dissection vs. sculpting human structures in clay: An analysis of two approaches to undergraduate human anatomy laboratory education. Advances in Physiology Education, 29 (1), 27-34.
[6] DeHoff, M. E., Clark, K. L., & Meganathan, K. (2011): Learning outcomes and student-perceived value of clay modeling and cat dissection in undergraduate human anatomy and physiology. Advances in Physiology Education, 35(1), 68-75.
[7] PCRM: All U.S. and Canadian Medical Schools Are Free of Live Animal Use (21.06.2019),
https://www.pcrm.org/ethical-science/ethical-education-and-training/all-us-and-canadian-medical-schools-are-free-of-live-animal-use Medical school curricula with live animal laboratories. (2013). Retrieved June 5, 2013, from .
[8] The AMSA is made up of more than 30,000 medical students, pre-medical students, interns, residents, and practicing physicians from across the U.S.
[9] House of Delegates 2020 Resolution (2020): American Medical Student Association, https://www.amsa.org/wp-content/uploads/2020/05/FY2020_21-PPP-1.pdf
[10] Dewhurst, D., & Jenkinson, L. (1995): The impact of computer-based alternatives on the use of animals in undergraduate teaching: A pilot study. ATLA: Alternatives to Laboratory Animals, 23(4), 521-530.
[11] Predavec, M. (2001): Evaluation of E-Rat, a computer-based rat dissection, in terms of student learning outcomes. Journal of Biological Education, 35(2), 75-80.
[12] Youngblut, C. (2001). Use of multimedia technology to provide solutions to existing curriculum problems: Virtual frog dissection (Doctoral dissertation).
[13] Arluke, A., & Hafferty, F. (1996): From apprehension to fascination with “dog lab”: the use of absolutions by medical students. Journal of Contemporary Ethnography, 25(2), 201-225.
[14] Solot, D., & Arluke, A. (1997): Learning the scientist’s role: Animal dissection in middle school. Journal of Contemporary Ethnography, 26(1), 28-54.
[15] Stanisstreet, M., Spofforth, N., & Williams, T. (1993): Attitudes of under-graduate students to the uses of animals. Studies in Higher Education, 18(2), 177-196.
[16] Oakley, J. (2012): Dissection and choice in the science classroom: student experiences, teacher responses, and a critical analysis of the right to refuse. Journal of Teaching and Learning, 8(2).
[17] Oakley, J. (2013): “I didn’t feel right about animal dissection”: Dissection objectors share their science class experiences. Society & Animals, 21(1).