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Tierversuche für Medikamente – sinnloses Tierleid

In Deutschland werden jedes Jahr zahllose Tierversuche für Medikamente durchgeführt, mit denen die Auswirkungen von Substanzen auf den Menschen festgestellt werden sollen. Experimente an Tieren zur Entwicklung von Medikamenten haben jedoch keine Aussagekraft. Sie sind veraltet, grausam und können für Menschen zudem gefährlich sein. Die folgenden Beispiele zeigen, dass sich Ergebnisse aus Versuchen an Tieren für Arzneimittel nicht zuverlässig auf den Menschen übertragen lassen. In mehreren Fällen haben sie nicht nur für die betroffenen Tiere, sondern auch für Menschen bereits zu verheerenden und tödlichen Folgen geführt.  

Tierversuche verhindern die effektive Entwicklung neuer Medikamente

Viele Ärzte und Wissenschaftler sprechen sich offen gegen die altmodischen Verfahren der Tierversuche aus. Sie weisen darauf hin, dass für den Menschen gefährliche Arzneimittel aufgrund der unzuverlässigen Ergebnisse von Tierversuchen auf den Markt und somit in die Hände der Allgemeinheit gelangen können. Zudem machen sie darauf aufmerksam, dass Tierversuche die Entwicklung von möglicherweise effektiven Medikamenten verhindern.  

Penicillin beispielsweise wäre wahrscheinlich nie auf den Markt gekommen, wenn es an Meerschweinchen getestet worden wäre. Meerschweinchen werden in Experimenten häufig missbraucht – und Penicillin ist für diese Tiere tödlich. Aspirin wiederum ist eines der gängigsten Medikamente für Menschen, führt bei Katzen jedoch zum Tod. Morphium wird beim Menschen als starkes Schmerz- und Schlafmittel eingesetzt, wirkt auf Katzen, Ziegen und Pferde hingegen stimulierend.

Die Reaktionen des menschlichen Körpers auf ein Arzneimittel können anhand von Versuchen an Tieren nicht vorausgesagt werden, da verschiedene Spezies völlig unterschiedlich auf Medikamente reagieren. In einer Studie von 2013 beschäftigten sich Wissenschaftler damit, die Vorhersagekraft von Tierversuchen zu untersuchen. Dabei kamen verschiedene Ergebnisse in Bezug auf die Giftigkeit und Nebenwirkungen von Substanzen zum Vorschein, die zeigen, wie gering der Nutzen von Tierversuchen tatsächlich ist: Beispielsweise identifizierte eine Untersuchung von sechs Medikamenten 48 Nebenwirkungen bei Tieren, die beim Menschen überhaupt nicht auftreten. Die Autoren weisen darüber hinaus auf die Aussage einer weiteren Studie hin, nach der viele Beispiele von Tierversuchen, die die Reaktion des Menschen angeblich „vorhersagen“, in Wirklichkeit rückblickende Untersuchungen darstellen und daher keine tatsächliche Vorhersagekraft besitzen. [1]
 

Die folgenden an Tieren getesteten Substanzen und Medikamente sind für den Menschen gesundheitsschädlich, wurden aber dennoch zugelassen:

Practocol, ein Medikament gegen Herzerkrankungen, wurde in Tierversuchen als unbedenklich eingestuft. Es musste jedoch wieder vom Markt genommen werden, denn es führte bei Menschen zu starken Nebenwirkungen, darunter ein Syndrom, das zu dauerhaften Augenschäden und Sehverlust führen kann. [2] Auch Vioxx, Phenactin, E-Ferol, Oraflex, Zomax, Suprol, Selacryn und weitere Medikamente mussten wieder vom Markt genommen werden, weil bei Menschen gehäuft starke Nebenwirkungen auftraten.

Tierversuche geben wichtige Faktoren wie persönliches Empfinden und Lebensstil nicht wieder

Bei der Entwicklung von Arzneimitteln ist es wichtig, das körperliche und seelische Empfinden eines Patienten bei der Medikamenteneinnahme einzubeziehen. Um entscheiden zu können, ob ein Arzneimittel für menschliche Patienten geeignet ist, sind diese Informationen unerlässlich. Bei Tierversuchen ist diese Rückmeldung allerdings nicht möglich, da Tiere nicht sagen können, wie sie sich fühlen. Für Experimentatoren, die ihre Forschung auf Tiere stützen, ist es daher schwierig bis unmöglich, Symptome wie Gefühlsschwankungen, Schwindel, Übelkeit und andere wichtige, aber weniger offensichtliche Zustände zu erfassen. 

Ein weiterer Faktor, der in Tierversuchen für Medikamente nicht beachtet wird, ist der unterschiedliche Lebensstil von Menschen. Wirkungen und Nebenwirkungen von Medikamenten können beispielsweise stark davon beeinflusst werden, ob eine Person raucht, übergewichtig ist und unter großem Stress steht, oder ob es sich um eine physisch und psychisch gesunde Person handelt, die Sport treibt und sich pflanzlich ernährt.

Tierversuche für Medikamente sind unnötig und dienen ausschließlich Profitzwecken

Pharmazeutische Unternehmen gehören einem Wirtschaftssektor an, der Gewinne erzielen will und zu diesem Zweck eine große Zahl nahezu identischer Medikamente auf den Markt bringt. So zeigt der Innovationsreport 2019 der Techniker Krankenkasse beispielsweise, dass von den im Jahr 2016 für den deutschen Markt neu zugelassenen Medikamenten über 82 Prozent keinen nennenswerten oder eindeutigen therapeutischen Fortschritt für die Patienten mit sich bringen – wohl aber immense Mehreinnahmen für Pharmaunternehmen. Auch in der Gesamtbewertung, die verfügbare Therapien, den (Zusatz‐)Nutzen und die Kosten berücksichtigt, wurden kaum positive Beurteilungen (grüne Ampeln) vergeben. Es dominieren, wie schon im vorherigen Report, die schlechten Gesamtbewertungen der neuen Arzneimittel. Während wirkliche medizinische Innovationen also Seltenheitswert haben, bereichern sich die Pharmakonzerne auf Kosten der Patienten – und der vielen tausend Tiere, die in den Zulassungstests auf qualvolle Weise sterben. [3]  

Moderne tierfreie Testmethoden müssen stärker gefördert werden

Um die Sicherheit und den Mehrwert neuer Arzneimittel zu gewährleisten, müssen Politik und Wirtschaft einen dringend erforderlichen Wandel vollziehen – weg von Tierversuchen und hin zu modernen tierfreien Test- und Forschungsmethoden. Solche ausgeklügelten, zuverlässigen Methoden stehen bereits seit Langem zur Verfügung, werden jedoch noch immer nicht ausreichend gefördert, obwohl die Dringlichkeit seit Jahren bekannt ist.

Was Sie tun können

Helfen Sie, das fehlerhafte System der Tierversuche abzuschaffen und setzen Sie sich für eine sinnvolle Verteilung von Fördergeldern in der Wissenschaft ein.

Wissenschaftler von PETA und PETAs internationalen Partnerorganisationen haben eine Strategie entwickelt, um den medizinischen und wissenschaftlichen Fortschritt voranzubringen und aus Tierversuchen auszusteigen: den Research Modernisation Deal. Unterstützen Sie unsere Strategie mit Ihrer Unterschrift!


[1] NCBI (2013): Systematic Reviews of Animal Models: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3558708/, (eingesehen am 12.10.2020)
[2] NCBI): Untoward Effects Associated with Practolol Administration: Oculomucocutaneous Syndrome, https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC1672788/pdf/brmedj01437-0015.pdf (eingesehen am 12.10.2020)
[3] Techniker Krankenkasse: Innovationsreport 2019, https://www.tk.de/resource/blob/2071902/3a99bebbd6d8e3775acc4aa5ed734d5b/innovationsreport-2019-data.pdf, (eingesehen am 12.10.2020)