Tierfreie Test- und Forschungsmethoden: Einführung und Beispiele

Prof. Dr. Thomas Hartung, Direktor des Zentrums für Alternativen zu Tierversuchen an der Johns Hopkins University in Baltimore, USA, brachte gegenüber der Wochenzeitung DIE ZEIT auf den Punkt, was er von Tierversuchen hält:

Der Mensch ist keine 70-Kilogramm-Ratte.


Tierversuche sind nicht nur grausam und teuer, sie führen auch zu gefährlich irreführenden Ergebnissen, die im Allgemeinen für den Menschen nicht anwendbar sind. Vor diesem Hintergrund entwickeln und nutzen die fortschrittlichsten Wissenschaftler der Welt Methoden, um Krankheiten zu untersuchen und Produkte zu testen, die die Verwendung von Tieren ersetzen und für die menschliche Gesundheit tatsächlich relevant sind.

Diese modernen Methoden umfassen anspruchsvolle Tests unter Einsatz von menschlichen Zellen und Geweben (auch als In-vitro-Verfahren bekannt), fortgeschrittene Computermodellierungstechniken (oft als In-silico-Modelle bezeichnet) und Studien mit menschlichen Probanden. Diese und weitere tierfreie Methoden werden nicht durch Artenunterschiede behindert, die die Anwendung von Tierversuchsergebnissen auf Menschen schwierig oder unmöglich machen. Zudem erfordern sie in der Regel weniger Zeit und Geld für die Durchführung tierfreier Methoden.

PETA und ihre Partnerorganisationen finanzieren die Entwicklung vieler dieser Methoden ohne Tierversuche und veröffentlichen Forschungsergebnisse zu ihrer Überlegenheit gegenüber Tierversuchen. Sie setzen sich Regierungen und Unternehmen auf der ganzen Welt gegenüber energisch für die Verwendung dieser Verfahren ein.
Nachfolgend finden Sie einige Beispiele tierfreier Forschungsmethoden auf dem neuesten Stand der Technik und ihre nachgewiesenen Vorteile:

In-vitro-Verfahren

  • Das Berliner Unternehmen TissUse und das Wyss Institute in Harvard haben „Organe auf Chips“ entwickelt. Diese enthalten menschliche Zellen, die in einem hochmodernen System gezüchtet wurden, um die Struktur und Funktion menschlicher Organe und Organsysteme nachzuahmen. Die Chips können anstelle von Tieren in der Krankheitsforschung, der Arzneimittelprüfung und der Toxizitätsprüfung verwendet werden. Es wurde nachgewiesen, dass sie die menschliche Physiologie, Krankheiten und Arzneimittelreaktionen besser reproduzieren als Tierversuche. Einige Unternehmen, wie HμRel, haben diese Chips bereits in Produkte umgewandelt, die andere Forscher anstelle von Tieren verwenden können.
  • Zur Bewertung der Sicherheit von Arzneimitteln, Chemikalien, Kosmetika und Verbraucherprodukten steht eine Vielzahl von zellbasierten Tests und Gewebemodellen zur Verfügung. So entwickelte das Auftragslabor CeeTox, das von dem britischen Unternehmen Cyprotex übernommen wurde, eine Methode zur Bestimmung des Potenzials einer Substanz. eine Hautallergie beim Menschen hervorzurufen. Dieses Model beinhaltet das Gewebemodell EpiDermTM von MatTek – ein dreidimensionales, von menschlichen Zellen abgeleitetes Hautmodell, das Schlüsselmerkmale normaler menschlicher Haut nachbildet. Es ersetzt die Verwendung von Meerschweinchen oder Mäusen, denen eine Substanz injiziert oder auf die rasierte Haut aufgetragen wurde, um eine allergische Reaktion zu bestimmen. MatTeks EpiDerm™ wird auch verwendet, um Kaninchen in schmerzhaften, langanhaltenden Experimenten zu ersetzen, die traditionell durchgeführt wurden, um Chemikalien auf ihre Fähigkeit zur Korrosion oder Hautreizung zu überprüfen.
  • Forscher des Europäischen Referenzlabors für Alternativen zu Tierversuchen (EURL ECVAM) entwickelten fünf verschiedene Tests, bei denen menschliche Blutzellen zum Nachweis von Schadstoffen in Arzneimitteln verwendet werden, die beim Eintritt in den Körper eine potenziell gefährliche Reaktion auslösen. Die nicht-tierischen Methoden ersetzen die grausame Verwendung von Kaninchen in diesem schmerzhaften Verfahren.

Computer-(In-silico-)Verfahren

  • Forscher haben eine breite Palette ausgeklügelter Computermodelle entwickelt, die die menschliche Biologie und das Fortschreiten sich entwickelnder Krankheiten simulieren. Studien zeigen, dass diese Modelle genau vorhersagen können, wie neue Medikamente im menschlichen Körper reagieren, und dass sie den Einsatz von Tieren in explorativen Studien und vielen Standardtests ersetzen können.
  • Quantitative Struktur-Aktivitäts-Beziehungen (QSAR) sind computergestützte Techniken, die Tierversuche ersetzen können, indem sie differenzierte Schätzungen der Wahrscheinlichkeit eines Stoffes, schädlich zu sein, vornehmen. Dies ist auf der Grundlage der Ähnlichkeit eines Stoffes mit anderen Substanzen und unseres Wissens über die menschliche Biologie möglich. Unternehmen und Regierungen verwenden zunehmend QSAR-Methoden, um Tierversuche mit Chemikalien zu vermeiden. PETAs Partnerorganisationen fördern und finanzieren die Verwendung dieser Verfahren auf internationaler Ebene.

Forschung mit menschlichen Probanden

  • Eine Methode, die „Microdosing“ genannt wird, kann wichtige Informationen über die Sicherheit eines potenziellen Medikaments und dessen Verstoffwechslung beim Menschen vor groß angelegten Studien am Menschen liefern. Freiwillige erhalten einmalig eine extrem niedrige Dosis, und hochentwickelte bildgebende Verfahren überwachen das Verhalten des Medikaments im Körper. Microdosing kann bestimmte Tests an Tieren ersetzen und dabei helfen, Verbindungen auszusortieren, die bei Menschen nicht funktionieren, so dass sie im nächsten Schritt in staatlich vorgeschriebenen Tierversuchen nicht unnötig getestet werden.
  • Fortgeschrittene Bildgebe- und Aufnahmetechniken, wie die funktionelle Magnetresonanztomographie (fMRT), mit menschlichen Probanden können dazu verwendet werden, archaische Experimente zu ersetzen, bei denen die Gehirne von Ratten, Katzen und Affen geschädigt werden. Diese modernen Techniken erlauben es, das menschliche Gehirn bis hin zur Ebene eines einzelnen Neurons sicher zu untersuchen (wie im Falle der intrakraniellen Elektroenzephalographie). Forscher können mithilfe der transkraniellen („durch den Schädel“) Magnetstimulation sogar vorübergehend und reversibel Hirnerkrankungen induzieren.
  • Epidemiologische Studien (die Untersuchung von Krankheiten, die natürlicherweise in Populationen vorkommen) können wichtige, auf dem Menschen basierende Informationen über die Risikofaktoren und Ursachen von Krankheiten liefern, ohne dazu Tiere in künstlichen Umgebungen experimentell induzieren zu müssen. Diese Arten von Studien haben uns über die Beziehung zwischen Rauchen und Krebs, den Mechanismus der Übertragung von AIDS und anderen Infektionskrankheiten und die Identifizierung von Risikofaktoren für Herzkrankheiten informiert, sodass geeignete Maßnahmen ergriffen werden können, um das Auftreten dieser Krankheiten zu verhindern oder zu reduzieren.

Simulatoren menschlicher Patienten

  • Es hat sich gezeigt, dass erstaunlich lebensechte Computer-Simulatoren menschlicher Patienten, die atmen, bluten, sich verkrampfen, sprechen und sogar „sterben“, besser dazu geeignet sind, Studenten die Bereiche Physiologie und Pharmakologie zu vermitteln, als Übungen, bei denen Tiere zerlegt werden. Die meisten Hightech-Simulatoren ahmen Krankheiten und Verletzungen nach und zeigen die entsprechenden biologischen Reaktionen auf medizinische Eingriffe und die Injektion von Medikamenten.
  • Für ein fortgeschrittenes medizinisches Training werden Systeme wie der TraumaMan – ein Simulator, der einen atmenden, blutenden menschlichen Torso darstellt und realistische Schichten von Haut, Gewebe, Rippen und inneren Organen aufweist – weit verbreitet verwendet, um chirurgische Notfalleingriffe zu lehren. Zahlreiche Studien haben gezeigt, dass diese Systeme lebensrettende Fähigkeiten besser vermitteln als Kurse, bei denen die Schüler auf lebende Schweine, Ziegen oder Hunde schießen oder ihnen Schnittverletzungen zufügen müssen.
PETA ist Mitglied des PETA International Science Consortium. Besuchen Sie die Website des Konsortiums für weitere Informationen über die weltweite Arbeit von PETA und ihren Partnerorganisationen zur Förderung der Entwicklung und des Einsatzes moderner tierversuchsfreier Forschungs- und Testmethoden. Eine Liste aller für den regulatorischen Gebrauch validierter Alternativmethoden finden Sie hier. Eine Liste der Organisationen, die an der Entwicklung von tierfreien Methoden beteiligt sind, ist hier einsehbar.
Wenn Sie sich an der Beendigung grausamer Tierversuche beteiligen möchten, unterstützen Sie bitte unsere Aktionsaufrufe.