Themen Tierversuche

Die größten Tierversuchsskandale Deutschlands

Alle elf Sekunden stirbt ein Tier in einem deutschen Versuchslabor – das entspricht etwa drei Millionen Tieren im Jahr. [1] Mäuse, Ratten, Kaninchen, Katzen, Hunde, Affen und andere Tiere leiden in grausamen Experimenten für die medizinische Forschung, die Kosmetik- und Lebensmittelindustrie und sogar für Tiernahrung. Immer wieder kommen dabei unfassbare Skandale ans Licht – von illegalen Tierversuchen über Verstöße gegen das Tierschutzgesetz bis hin zu besonders grausamen Experimenten. Hier finden Sie eine Chronik der bislang größten Tierversuchsskandale in Deutschland.

Juli 2020: Deutsches Primatenzentrum Göttingen – Affen illegal getötet?

Das Deutsche Primatenzentrum (DPZ) in Göttingen gehört seit Jahren zu den Versuchslaboren, die das Leid der Tiere in Experimenten herunterspielen und Tierversuche verharmlosen. Bei einer Razzia in der angeblichen Vorzeigeeinrichtung im Juli 2020 wurden Medienberichten zufolge Dokumente und Datenträger sichergestellt, die darauf hinweisen, dass zehn Weißbüschelaffen nach Tierversuchen getötet wurden, obwohl ihr Allgemeinzustand gut war. Die zuständige Oberstaatsanwaltschaft wies darauf hin, dass dies ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz sei, denn die Affen hätten einen Anspruch darauf gehabt, am Leben zu bleiben.

Januar 2019: Deutsches Krebsforschungszentrum Heidelberg – Bußgelder wegen Tierversuchen an Mäusen

Im Rahmen einer Krebsstudie sind Mäuse qualvoll an Tumoren gestorben. Die Versuche wurden ohne Genehmigung um sechs Wochen verlängert. Laut dem Verein „Ärzte gegen Tierversuche“ seien zudem einige Mäuse zu spät getötet worden, das heißt, sie wurden „länger anhaltenden erheblichen Schmerzen und Leiden“ ausgesetzt.

April 2018: Universität Münster – illegale Haltung von Mäusen für Tierversuche

Nach einem anonymen Hinweis wurde aufgedeckt, dass an der Universität Münster 78 Mäuse in einem Kellerraum vorgefunden und Mäuse zehn Jahre lang für Tierversuche illegal an der Universität gehalten worden waren. Die Experimente seien zwar genehmigt gewesen, doch aus Bequemlichkeit hielten die Forscher sie seit mindestens zehn Jahren in einem nicht genehmigten Raum der Hautklinik. Behörden und Tierschutzbeauftragte der Universität konnten somit nicht überprüfen, ob Standards eingehalten wurden. Einige der aufgefundenen Tiere waren in einem derart schlechten Zustand, dass sie getötet werden mussten. Laut Medienberichten stellte die Veterinärbehörde bei etlichen Mäusen „eindeutige Symptome fest, die auf länger anhaltende, erhebliche Schmerzen und Leiden der Tiere hinwiesen." Dies hätte erkannt und beendet werden müssen. Die Staatsanwaltschaft leitete Ermittlungen ein – dennoch darf die verantwortliche Forscherin weiter Tierversuche durchführen.

Mai 2016: Leibniz Institut Jena – Razzia wegen illegaler Tierversuche

Im Mai 2016 rückten Landeskriminalbeamte im Jenaer Institut für Alternsforschung zu einer Durchsuchung an, da Forscher ohne Genehmigung an Tieren experimentierten. Teilweise wurden hunderte überschüssige Tiere gezüchtet, die aus Platzmangel anschließend wieder getötet wurden. Infolge der Razzia wurden alle Versuchsreihen mit Wirbeltieren umgehend abgebrochen. Dem Direktor des Instituts wurde zudem grob fahrlässiges wissenschaftliches Fehlverhalten vorgeworfen. Ein Jahr später wurden erneut Versuche aufgenommen, die Staatsanwaltschaft Gera ermittelte jedoch weiter.

November 2014: Bad Nauheim – Verstöße gegen das Tierschutzgesetz

Im November 2014 konnte PETA Deutschland aufdecken, dass am Franz-Groedel-Institut der Kerckhoff-Klinik in Bad Nauheim jahrelang nicht genehmigte Tierversuche durchgeführt wurden und damit über einen langen Zeitraum gegen das Tierschutzgesetz verstoßen wurde. Bei den Experimenten wurden Mäuse radioaktiver Strahlung ausgesetzt, an sieben aufeinanderfolgenden Tagen für jeweils 150 Minuten auf dem Rücken fixiert, um Stress zu erzeugen, und anschließend getötet. Außerdem wurde den Tieren eine höhere als die behördlich genehmigte Medikamentendosis verabreicht. Das Ermittlungsverfahren wurde nach Zahlung einer Geldstrafe in Höhe von 72.000 Euro von der Staatsanwaltschaft eingestellt – jedoch unter deutlicher Kritik des Regierungspräsidiums Darmstadt, das die Einstellung trotz der hohen Geldbuße nicht befürwortete. Bereits zuvor war gegen vier Forscher der betroffenen Arbeitsgruppe zwei Jahre lang ermittelt worden, da sie von behördlichen Versuchsanordnungen abgewichen waren und ohne Genehmigung an Mäusen und Schweinen experimentiert hatten.

September 2014: Max-Planck-Institut Tübingen – grausame Versuche an Affen

Ein als Pfleger eingeschleuster Tierschützer konnte im Herbst 2014 Videoaufnahmen von Experimenten an Affen und der Haltung der Tiere am Tübinger Max-Plack-Institut für biologische Kybernetik machen. Die schockierenden Aufnahmen zeigen Affen mit Gehirnimplantaten, ein Tier mit blutverschmiertem Kopf und eine Affendame, der Speichel oder Erbrochenes aus dem Mund läuft. Die Bilder sorgten bundesweit für Entsetzen. Als Reaktion auf den öffentlichen Druck stellte der damalige Direktor des Instituts für biologische Kybernetik, Nikos Logothetis, die Primatenforschung während des Ermittlungsverfahrens ein. Für 2021 plant er, mit Teilen seines Teams nach China abzuwandern, wo niedrige Tierschutzstandards herrschen – eine Praxis, die in Wissenschaftskreisen als „ethisches Dumping“ bezeichnet wird. Das Institut in Tübingen hingegen legt seinen Forschungsschwerpunkt künftig auf den Bereich Künstliche Intelligenz.

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[1] BMEL, Verwendung von Versuchstieren im Jahr 2018, https://www.bmel.de/DE/Tier/Tierschutz/_texte/Versuchstierzahlen2018.html, (abgerufen am 01.10.2020)