Tierwohl-Label der Bundesregierung: reine Verbrauchertäuschung?

Schwein in Schweinezucht

Die Rede ist vom lange angekündigten staatlichen Tierwohllabel, das Verbrauchern mehr „Tierwohl“ verspricht. Es handelt sich jedoch nur um ein weiteres Siegel, das dem Käufer das schlechte Gewissen beim Kauf von Schweinefleischprodukten nehmen soll.

„Mehr Platz“ bedeutet in Wirklichkeit fast kein Platz

Mit einem 3-Stufen-System soll dem Verbraucher „Transparenz“ vorgegaukelt werden, was die verschiedenen Haltungsformen in der Schweinemast angeht. Es wird beispielsweise mit mehr Platz und Beschäftigungsmöglichkeiten für die Tiere geworben, die sich jedoch kaum von den gesetzlichen Mindeststandards unterscheiden.

Selbst 2 m2 Platz (in der höchsten, also dritten Stufe!) statt der gesetzlich vorgeschriebenen 0,75 m2 sind für ein 100 kg schweres Schwein schlichtweg massive Tierquälerei. Außerdem erhalten Betriebe der Stufe 1 eine „Auszeichnung“, bei denen immer noch das grausame Kupieren der Ringelschwänze erlaubt ist (1). Auch die anderen Kriterien sind schlicht marginale Verbesserungen, die am insgesamt tierquälerischen System der deutschen Schweinehaltung wenig ändern. Von Tierschutz oder gar Tierwohl kann somit kaum die Rede sein. Oder was würden Sie sagen, wenn man einen Hund so halten würde?
 

Tierwohl ist hier Auslegungssache – lassen Sie sich nicht täuschen

Was in deutschen Zuchtanlagen und Mastbetrieben wirklich passiert, kann man häufig nur erahnen. Dass ein Leben in solchen industriellen Anlagen für die Tiere aber alles andere als artgerecht ist, müsste Verbrauchern eigentlich klar sein. Zahlreiche Aufnahmen aus Schweinebetrieben haben die Medien erreicht und sollten uns den Anreiz geben, etwas an unserer Ernährung zu ändern. Denn an den kargen und kotverdreckten Buchten, in denen Schweine ihr Leben verbringen müssen, ändert keines der Siegel auf dem Markt etwas. Stattdessen tauchen immer mehr Label auf, die mit „Tierwohl“ werben und die offensichtliche Missstände in solchen Betrieben überschatten. Schaut man aber genauer hin, sieht man, dass sich kaum etwas verändert hat: Es wird mit scheinbar fortschrittlichen Tierschutzstandards geworben, die oftmals kaum die gesetzlich vorgeschriebenen Bedingungen überschreiten und nichts mit „mehr Tierwohl“ zu tun haben. Zudem ist davon auszugehen, dass auch hier die Kontrollen versagen werden, wie es seit Jahrzehnten in der landwirtschaftlichen Tierhaltung der Fall ist.


Die Bundesregierung, allen voran Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner, hat das staatliche Tierwohllabel nicht verpflichtend eingeführt. Zudem sind die Kriterien so unzureichend, dass beteiligte Tierschutzorganisationen im Entstehungsprozess teilweise aus Protest ausgetreten sind. All dies zeigt einmal mehr, dass viele Politiker stark von der Agrarlobby beeinflusst werden und wirtschaftliche Interessen weit vor dem Tierschutz stehen.

Was Sie tun können

Schweine sind sensible und intelligente Lebewesen. Helfen Sie den Tieren, indem Sie Fleisch von Ihrem Teller streichen. Hier finden Sie die 10 besten Fleischalternativen.