Totes Löwenmädchen Mira: Fehlbildungen durch Inzucht im Zoo?

Löwenmädchen Inzucht
Das Löwenmädchen Mira führte ein kurzes und leidvolles Leben: Im Alter von nur einem Jahr wurde die kleine Löwin im Juli 2019 im Frankfurter Zoo eingeschläfert. Sie litt unter einer gravierenden Schädelmissbildung, bei der knöcherne Verdickungen auf Rückenmark und Kleinhirn drückten. Die Fehlbildung führte zu Ausfallerscheinungen wie Schwindel und Lähmungen.

„Das Problem tritt gehäuft bei Zoo-Löwen auf. In freier Wildbahn nicht.“


– Dr. Irina Ruf, Sektionsleiterin für Säugetiere am Senckenberg Forschungsinstitut in Frankfurt am Main. [1]

Die Missbildung der Löwin Mira ist kein Zufall, denn das Europäische Erhaltungszuchtprogramm (EEP) für Asiatische Löwen führt zu Inzucht, da die meisten Asiatischen Löwen in europäischen Zoos miteinander verwandt sind. Viele Tiere sterben bereits in ihren ersten Lebenswochen an den damit verbundenen Fehlbildungen oder müssen eingeschläfert werden. 

Extreme Inzucht im Europäischen Erhaltungszuchtprogramm

In freier Wildbahn gibt es nur noch schätzungsweise 350 Asiatische Löwen, denn die Löwen-Unterart wurde durch Bejagung fast ausgerottet. Heute kommen die Tiere nur noch im Gir-Nationalpark in Indien vor. Um die Art vor dem Aussterben zu bewahren, wurde in den 1990er Jahren das Europäische Erhaltungszuchtprogramm (EEP) ins Leben gerufen.

Für dieses Zuchtprogramm wurden neun Asiatische Löwen als sogenannte „Gründerpopulation“ aus Indien an Zoos in London, Helsinki und Zürich geliefert. [2] Es handelte sich dabei um vier männliche und fünf weibliche Tiere, die teilweise bereits miteinander verwandt waren. [3] Im Rahmen der Zucht stieg die Population der Asiatischen Löwen in Gefangenschaft auf insgesamt 153 Tiere. Aufgrund der geringen Zahl an „Gründertieren“ ist die genetische Variabilität jedoch gering und die Inzucht führt zu einer hohen Totgeburtenrate und einer sehr hohen Sterblichkeit bei Jungtieren.

Löwe Inzucht

Über 50 Prozent der Löwen sterben kurz nach der Geburt

Zwischen 2007 und 2009 wurden insgesamt 57 Löwen im Rahmen des Zuchtprogrammes geboren, von denen 35 in den ersten 20 Lebenstagen starben. Drei weitere starben innerhalb von zwei Monaten, ein Löwenkind wurde mit vier Monaten eingeschläfert. So starben rund 70 Prozent der innerhalb von zwei Jahren neugeborenen Tiere nur wenige Tage bis Monate nach ihrer Geburt. [2]

Im Zeitraum von 2000 bis 2014 verstarben einer Studie zufolge 80 Prozent der neugeborenen Löwen, noch bevor sie ein Jahr alt wurden. Mindestens 9 Prozent der Todesfälle gingen auf angeborene Fehlbildungen zurück. [4]

Über den gesamten Zeitraum des Zuchtprogramms hinweg starben einer 2018 veröffentlichten Studie zufolge über 50 Prozent der in Gefangenschaft gezüchteten Tiere in den ersten 30 Tagen nach der Geburt. [5]

Der Mitautor der Studie, Dr. Paul O'Donoghue von der Universität Chester in Großbritannien, sagt dazu:

„Diese Studie zeigt eindeutig und unwiderlegbar, dass die Annahme, Zoos könnten einen Beitrag zum Artenschutz leisten, vollkommen irreführend ist.“ [6]

Den Zuchtwahnsinn in Zoos stoppen!

Die hohe Sterberate der Löwenbabys zeigt erneut deutlich, wie riskant Zuchtprogramme in Zoos sind und wie viel Tierleid damit verbunden ist. Erst im August 2019 begannen Forscher in Berlin mit der künstlichen Zucht von Nördlichen Breitmaulnashörnern, von denen es nur noch zwei weibliche Tiere auf der ganzen Welt gibt. Durch künstliche Befruchtung soll die Nashorn-Unterart vor dem Aussterben gerettet werden. Doch auch hier fehlt es an genetischer Vielfalt, sodass letztendlich die Tiere die Leidtragenden sein werden.

Diese Zuchtprogramme müssen gestoppt werden! Tiere, die in Gefangenschaft geboren und aufgezogen werden, lernen keine für das Überleben in der Natur wichtigen Verhaltensweisen und können daher meist nicht ausgewildert werden. Zuchtprogramme tragen somit nicht zum Artenschutz bei, sondern erzeugen nur Tierleid. Um die Tiere wirklich vor dem Aussterben zu bewahren, müssen sie frühzeitig in ihrem natürlichen Lebensraum geschützt werden, beispielsweise durch ein Verbot der Trophäenjagd und ein Importverbot von Jagdtrophäen.

Was Sie tun können

  • Bitte besuchen Sie niemals einen Zoo und klären Sie auch Verwandte und Freunde darüber auf, dass Tiere wie Großkatzen, Eisbären oder Menschenaffen aus Zuchtprogrammen meist nicht ausgewildert werden.
  • Unterschreiben Sie unsere Petitionen für ein Nachzuchtverbot von Eisbären und Menschenaffen in Zoos.


1] Bild (05.12.2019): Das Knochen-Rätsel der kleinen Zoo-Löwin, https://www.bild.de/regional/frankfurt/frankfurt-aktuell/frankfurt-mira-bei-senckenberg-das-knochen-raetsel-der-zoo-loewin-66497190.bild.html, zuletzt eingesehen am 10.12.2019
[2] Independent (28.12.2017): London Zoo lion inbreeding causing high levels of cub deaths, finds report, https://www.independent.co.uk/news/uk/home-news/london-zoo-lion-inbreeding-cub-deaths-level-rise-report-eep-asian-lions-a8131281.html, zuletzt eingesehen am 10.12.2019
[3] National Museums Scotland: The genetics of Asian lions in zoos, https://www.nms.ac.uk/collections-research/collections-departments/natural-sciences/natural-sciences-news/the-genetics-of-asian-lions-in-zoos/, zuletzt eingesehen am 10.12.2019
[4] Metz, Olivia; Williams, Jonathan; Nielsen, Rikke; Masters, Nic (10.02.2017): Retrospective study of mortality in Asiatic lions (Panther leo persica) in the European breeding population between 2000 and 2014, https://onlinelibrary.wiley.com/doi/abs/10.1002/zoo.21344, zuletzt eingesehen am 10.12.2019
[5] Atkinson, Kirsty E.; Kitchener, Andrew C.; Tobe, Shanan S.; O´Donoghue, Paul (Januar 2018): An assessment of the genetic diversity of the founders of the European captive population of Asian lion (Panthera leo leo), using microsatellite markerks and studbook analytics, https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S1616504717301878?via%3Dihub, zuletzt eingesehen am 10.12.2019
[6] Dailymail (27.12.2017): London Zoo lion family is so inbred that two out three cubs are dying, www.dailymail.co.uk/news/article-5216207/London-Zoo-lions-inbred-two-three-cubs-dying.html, zuletzt eingesehen am 10.12.2019

Unsere Autoren

Friederike Huth

setzt sich als Editor und Coordinator im Online Marketing für die Rechte der Tiere ein.