Skrupellose Tribünenflüge: 50 % der Tauben kehren niemals zurück

Qualvolle Tribünenflüge mit hohen Sterberaten

Tribünenflüge sind eine Sonderform des „Brieftaubensports“ und eine besonders verlustreiche Variante. Sie finden in der Regel einmal im Jahr statt und werden von verschiedenen Veranstaltern in Deutschland angeboten. Bei Tribünenflügen werden im Gegensatz zu anderen Wettflügen Tauben verschiedener Züchter an einen zentralen Ort gekarrt, um die Veranstaltung zentralisiert durchzuführen.
 
Ein skrupelloses Hobby


Obwohl die Tauben über Monate hinweg an den neuen Taubenschlag gewöhnt werden, finden zahlreiche Vögel nicht mehr zurück. In vielen Fällen liegen die Taubenverluste bei über 50 Prozent – auch weil Flugleiter die Tiere aufgrund wirtschaftlicher Interessen oftmals bei schlechtem Wetter starten lassen. Dies ist verhängnisvoll für die Tiere, da sie sich schon bei wolkigem Himmel nicht mehr ausreichend orientieren können und so dem Tod durch Erschöpfung bewusst ausgeliefert werden. Die Verlustraten bei den im Jahr 2017 durchgeführten und von PETA untersuchten Veranstaltungen lagen zwischen 39 und 88 Prozent. Viele der domestizierten Tiere sterben während der belastenden Flüge an Flüssigkeitsmangel, Hunger, Erschöpfung oder Verletzungen. Aus Prestigegründen und wegen der Aussicht auf hohe Gewinne nehmen Veranstalter und Züchter den Tod der Tiere billigend in Kauf.
 
Viele Tiere bezahlen die Wettflüge mit einem grausamen Tod

Taubenflüge – ein mörderisches Hobby

Rund 25.000 von insgesamt knapp 50.000 Brieftaubenzüchtern nehmen in Deutschland mit ihren Tieren an Wettflügen teil. In deutschen Taubenschlägen leben schätzungsweise 2,5 Millionen sogenannte Brieftauben [1]. Beim Brieftaubensport steht die Leistung der Vögel im Mittelpunkt, ihr Wohlbefinden spielt in der Regel keine Rolle. Viele der domestizierten Tiere sterben bei den anstrengenden Wettflügen an Erschöpfung, Hunger und Flüssigkeitsmangel, werden von Raubvögeln getötet oder stranden desorientiert auf den Straßen.

Unzählige verlorene Tauben sterben

Aufgrund ihrer Konditionierung auf Spezialnahrung haben Tauben in Städten kaum Überlebenschancen [2]. In einer Studie beziffern Dr. med. vet. Warzecha et al. Verlustraten bei Taubenflügen generell mit durchschnittlich 53 Prozent [3]. Einer Studie des Schweizer Tierschutzes (STS) zufolge liegen die Verlustraten bei untersuchten Wettflügen in der Schweiz bei rund 75 Prozent [4]. Eine Recherche von PETA USA (2012) zeigte, dass bei einigen europäischen Taubenflügen sogar bis zu 90 Prozent der Tiere das heimatliche Ziel nicht erreichen [5]. Bleiben die Vögel hinter den Erwartungen zurück und sind für die weitere Zucht ungeeignet, töten Züchter sie oftmals ohne Betäubung, indem sie am Hals der Tauben ziehen oder ihren Kopf drehen, bis die Tiere sterben. Taubenflüge widersprechen dem Tierschutzgesetz: Nach § 3 S. 1 Nr. 1 ist es verboten, Tieren Leistungen abzuverlangen, die ihre Kräfte übersteigen. Zudem legt das Gesetz in § 3 S. 1 Nr. 1 b) fest, dass Tiere im Training oder bei Wettkämpfen keinen Maßnahmen ausgesetzt werden dürfen, die mit erheblichen Schmerzen, Leiden oder körperlichen Schäden verbunden sind.

Faszinierende Flugkünstler

Tauben können etwa 20 Jahre alt werden und leben meist in einer monogamen Partnerschaft. Die Nester für die Brut werden gemeinsam gebaut und abwechselnd bebrütet. Tauben haben ein faszinierendes Sehvermögen und können sich Gesichter und Gegenstände hervorragend merken. Auf ihren Flügen orientieren sich Tauben am Magnetfeld unserer Erde. Aus diesem Grund werden die Tauben auch als „Meister der Navigation“ bezeichnet. Bereits in der Antike nutzte der Mensch die sensiblen Tiere aus, um Eilbotschaften über weite Strecken zu versenden. Durch ihren ausgezeichneten Geruchssinn können Tauben ihren eigenen Heimatschlag zudem über weite Entfernungen riechen [6].

Was Sie tun können

  • Taubenflüge sind Tierquälerei. Besuchen Sie niemals solche Veranstaltungen.
  • Informieren Sie auch Ihre Familie und Freunde über diesen tierquälerischen Sport und bitten Sie sie, diese Veranstaltungen nicht zu besuchen.

Quellen:
1) Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz e.V. (2009) Tierschutz im Brieftaubensport. Merkblatt Nr. 121. Online unter: file:///D:/Users/jana-h/Downloads/TVT-MB_121_Brieftauben__2009_.pdf , letzter Zugriff: Juni 2018
2) Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz e.V. (2009) ebd.
3) Warzecha, M., Kahlcke, K. und Kahlcke, M. (2009): Beitrag zur Ermittlung von Kennzahlen zu Verlusten bei Wettflügen von Brieftauben (Untersuchungszeitraum: 2004 – 2008). Online unter: https://www.kleintierpraxis-oering.de/files/Tierarztpraxis_Oering/pdf/downloads/Warzecha_Studie'09_Setzverluste_26.07.09_RZ-1.pdf , letzter Zugriff: Juni 2018
4) Tagesanzeiger (Schweiz) vom 3.9.2017: „Wettflug in den Tod“, online unter: https://www.tagesanzeiger.ch/sonntagszeitung/Wettflug-in-den-Tod/story/25536547 , letzter Zugriff: Juni 2018
5) PETA Deutschland e.V. (2013): Taubenflüge. Friedhof der Vögel, online unter: https://www.veganblog.de/unterhaltung/taubenwettfluge-friedhof-der-vogel/ , letzter Zugriff: Juni 2018
6) Bayrischer Rundfunk: Friedenssymbol und Hassobjekt-Die Taube - Kulturgeschichte eines außergewöhnlichen Tieres. Online unter: https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/mensch-natur-umwelt/taube-vogel-frieden-hass-symbol-100.html , letzter Zugriff: Juni 2018