Unterschätzte Gefahr: Vergiftungen bei Vögeln – PETA- Expertin gibt Tipps für den Ernstfall

Stuttgart, 26. November 2015 – Apathie, Taumeln, Rastlosigkeit: Wer bei einem Vogel ungewohntes Verhalten beobachtet, der sollte schnell handeln. Vergiftungen kommen bei diesen Tieren sehr häufig vor, werden jedoch aufgrund der Unwissenheit vieler Vogelhalter stark unterschätzt – das kann lebensbedrohlich werden! Abhängig von der aufgenommenen Menge und der Art der Substanz, sind die auftretenden Beschwerden unterschiedlich stark ausgeprägt. Für Vögel (z. B. Papageien und Sittiche) sind insbesondere Vergiftungen durch Schwermetalle wie Blei und Zink von großer Bedeutung. Darüber hinaus können auch Pflanzen sowie für Vögel giftige Nahrungs- und Futtermittel sowie diverse Chemikalien gefährliche Vergiftungen beim Vogel auslösen.
 
„Bereits eine kurze Unachtsamkeit des Menschen kann ausreichen, um Vögel während ihres Freiflugs in tödliche Gefahr zu bringen“, so Dörte Röhl, Tierärztin und Fachreferentin für Tierische Mitbewohner von PETA Deutschland e.V. „Doch mit dem nötigen Fachwissen und absoluter Vorsicht können viele gefiederte Freunde vor einem schrecklichen Vergiftungstod bewahrt werden.“
 
Die Expertin verrät, wie man gefiederte Mitbewohner schützen kann, und gibt wertvolle Tipps dazu, was im Verdachtsfall zu tun ist, um Leben zu retten.
 

So erkennt man eine Vergiftung – mögliche Symptome:
 
Plötzlich und ohne zunächst erkennbare Gründe verhält sich der Vogel anders, als man es kennt. Folgende vom Verhaltensmuster abweichende Veränderungen können sich zeigen:


Apathie: Der Vogel zeigt einen Zustand der Abwesenheit von Emotionen und Interessen, der Gleichgültigkeit bzw. Teilnahmslosigkeit – zumeist auch mit mangelnder Erregbarkeit und Unempfindlichkeit gegenüber äußeren Reizen.
Rastlosigkeit, Unruhe, Erregung aber auch Müdigkeit sowie Somnolenz: Der Vogel bewegt sich außergewöhnlich viel hin oder her oder ist sehr müde und kaum erweckbar.
Taumeln, Orientierungslosigkeit, Schwäche: Das Tier wirkt wie benebelt.
Fressunlust, Erbrechen/grünlich-gelbliche Durchfälle: Der Magen-Darm-Bereich wirkt gestört.
Lähmungen, Krämpfe, Kopfschiefhaltung und Atemnot: Der Körper entgleist bedenklich.
Plötzliche Todesfälle innerhalb einer Gruppe von Tieren sind immer ein Alarmsignal, dem gründlich nachgegangen werden sollte.

Was kann vorgefallen sein? Mögliche Vergiftungsarten:

Schwermetall-Vergiftungen
Blei: Die Aufnahme erfolgt beispielsweise aus Bleischnüren in Gardinen, Lametta, Rostschutzfarben, Keramikglasuren, Batterien, verschiedenen Dichtungsmaterialien und „Tiffanylampen“ (Blei als Glasfassung).
Zink: Zu Vergiftungen kommt es beispielsweise durch das Beknabbern galvanisierter Käfiggitter, zinkhaltiger Beschichtungen und anderer zinkhaltiger Metallgegenstände (Tränken oder Futternäpfe).

Luftverschmutzung
Besonders anfällig sind Vögel für giftige Dämpfe in der Luft, da sie ein vollkommen anders geartetes Atmungssystem als Säugetiere und Menschen haben. Ausdünstungen, die wir überhaupt nicht wahrnehmen, können für unsere gefiederten Mitbewohner tödlich enden.
Nikotin: Bereits das Einatmen von Zigarettenrauch ist für Vögel sehr schädlich. Extrem gefährlich ist jedoch die orale Aufnahme von geringsten Mengen Tabak. Das enthaltene Nikotin verursacht schwerste Vergiftungen und kann zum Tod führen.
Teflon: Das Einatmen der Dämpfe einer stark erhitzten, antihaftbeschichteten Bratpfanne kann einen Vogel das Leben kosten! Daher ist die Küche kein Lebensraum für gefiederte Tiere.
Teppichböden/PVC: Die Ausdünstungen von frisch verlegten Teppichwaren und PVC-Böden sind ernst zu nehmende Gefahren. Daher sollten die Tiere erst nach einigen Tagen, an denen gut gelüftet wurde, wieder in ein Zimmer hineingelassen werden, in dem neue Böden verlegt wurden.
Klebstoff und Farben sowie Stoffe, die Lösungsmittel enthalten (z. B. Nagellack, Nagellackentferner etc.): Diese dürfen niemals in Räumen angewendet werden, in denen Vögel leben oder sich gerade aufhalten.
Insektenspray und „Fliegenfänger“: Insektensprays sind extrem gefährlich und auch als ungiftig angepriesene Insektenfallen für die Steckdose enthalten Gifte, die das Leben von Vögeln gefährden.
 
Pflanzen
Vergiftungen durch (Zimmer-)Pflanzen: Vergiftungen durch Pflanzen sind schwierig oder gar nicht nachweisbar. Es gibt viele Pflanzen, die mit Vergiftungen bei Vögeln in Zusammenhang gebracht werden. Ob eine Pflanze giftig ist, lässt sich mit Hilfe der sehr empfehlenswerten Giftpflanzendatenbank der Universität Zürich klären.
 
Haushaltsgefahren
Vergiftungen im Haushalt: Zahlreiche gebräuchliche Stoffe können Vergiftungen beim Vogel auslösen. So gehören zum Beispiel Wasch‑ und Desinfektionsmittel, Duftkerzen, Raumspray, Deos, bestimmte Gewürze, Bohnenkaffee, Alkohol aber auch Kochsalz und achtlos liegengelassene Medikamente zu den Gefahrenquellen.

Wenn es passiert ist müssen diese Sofortmaßnahmen ergriffen werden:

Wenn der gefiederte Mitbewohner trotz größter Vorsicht etwas vermutet Giftiges in den Schnabel genommen hat, dann sollte der Mensch stets Ruhe bewahren. Wer ein begehrtes Spielzeug oder Leckerli anbietet, kann dies eventuell mit dem Tier tauschen, bevor es abschluckt.
 
Falls es doch zu einem Verschlucken kommt, sollte man unverzüglich einen vogelkundlichen Tierarzt aufsuchen – es darf keine kostbare Zeit verstreichen. Ratsam ist es, jeden Hinweis wie ein ähnliches „Corpus delicti“ sowie eventuelle Ausscheidungen wie Erbrochenes oder Kot mitzunehmen. Diese können mitunter Hinweise zur Vergiftungsart liefern. Das ist wichtig, denn eine rasche Diagnosefindung ermöglicht die schnelle Einleitung einer möglicherweise lebensrettenden Therapie. Die Suche nach einem vogelkundlichen Tierarzt ist nicht ganz einfach. Daher ist es ratsam, die Adresse und Notfallnummer eines Spezialisten immer griffbereit zu haben, um im Notfall kostbare Zeit zu sparen. Auf dem Weg zum Tierarzt sollte der Patient warm und möglichst dunkel gehalten werden, um zusätzlichen Stress zu vermeiden.
 
Wer sich für die Aufnahme eines gefiederten Freundes entscheidet, der sollte das Tier aus einem Tierheim aufnehmen. Es ist ratsam ist, im Vorfeld PETAs Tipps zur Haltung von Vögeln zu lesen. Dort erfährt der Interessierte alles Wissenswerte über die Haltung von Vögeln und kann sich vorab auf die Ansprüche des Tieres vorbereiten. Auch erfährt man, warum Vögel niemals beim Züchter oder im Zoofachhandel erworben werden sollten.
 
Weitere Informationen:
PETA.de/Vogelhaltung
PETA.de/vogelleid
Heimtierhandel.petadeutschland.de
 
Giftpflanzendatenbank der Uni Zürich: Vetpharm.uzh.ch
 
Kontakt:
Jana Fuhrmann, +49 (0)711 860591-529, [email protected]