Veitshöchheim: Bürgermeister verwendet Steuergelder für illegale Fallenjagd auf Füchse während Kinder-Aufzucht / PETA erstattet Strafanzeige gegen Jäger und Bürgermeister

Veitshöchheim / Würzburg / Stuttgart, 14. August 2019 – Die Veitshöchheimer CSU-Fraktion hatte zum Haushalt für 2019 einen Antrag auf Beschaffung von Betonrohr- und Kastenfallen zur Fuchsjagd eingereicht. Die Begründung lautete, dass die Wildtiere eine Gefahr für die Bevölkerung und deren tierische Mitbewohner darstellen würden, da sie vermehrt in Siedlungen gesichtet worden seien. Im Mai gaben Bürgermeister Jürgen Götz und weitere CSU-Politiker bekannt, dass der Antrag genehmigt wurde und sechs Prototypen der Fuchsfallen der Firma Thomas Vennekel & Georg Achten angeschafft und in Betrieb genommen wurden. Die Kosten betrugen 3.000 Euro. Daraufhin wurden während der mehrmonatigen Aufzuchtphase der Fuchskinder, die teils noch bis in den frühen Mai zur Welt kommen, mehrere Füchse getötet. Dies verstößt gegen das Verbot der Bejagung der Elterntiere in diesem Zeitraum gemäß Paragraph 38 Abs. 1 Nr. 3, 22 Abs. 4 S. 1 Bundesjagdgesetz (BJagdG). Zudem erfolgten die Tötungen vorsätzlich und ohne vernünftigen Grund und erfüllen somit den Straftatbestand des Paragraphen 17 Nr. 1 Tierschutzgesetz (TierSchG). Der Bürgermeister hat sich an der Tat durch strafbare Beihilfe gemäß Paragraph 27 Strafgesetzbuch (StGB) beteiligt. Aus diesem Grund hat PETA Ende Juli bei der Staatsanwaltschaft Würzburg Strafanzeige gegen Götz und den beteiligten Jäger erstattet. Die Tierschutzorganisation warnt vor unnötiger Hysterie bezüglich Füchsen und plädiert für eine friedliche Koexistenz mit den nützlichen Wildtieren.
 
„Die Jagd auf Füchse in Veitshöchheim ist Tierquälerei. Durch die absichtliche Tötung der Füchse während der Aufzuchtzeit wurde billigend in Kauf genommen, dass Fuchskinder verhungern. Es ist ein Skandal, dass die Steuerzahler für so etwas auch noch aufkommen müssen“, so Nadja Michler, Fachreferentin für Wildtiere bei PETA. „Füchse sind Jägern lediglich als Beutekonkurrenten verhasst, denn weder aus wildbiologischer noch aus gesundheitlicher Sicht besteht ein Grund für die Tötung der nützlichen und intelligenten Tiere.“
 
Hintergrundinformation
Ein tierfreundlicher Bürger hatte vor Ort mehrmals beim Bürgerbüro nachgefragt, was mit den gefangenen Füchsen geschehe. Zunächst bekam er die Antwort, dass die Tiere an einem anderen Ort ausgesetzt werden sollen. Nach mehrmaligem Nachfragen wurde jedoch eingeräumt, dass sie vom zuständigen Jagdpächter getötet werden sollen. Lebendfallen dienen Jägern zum Fangen von meist nachtaktiven Beutegreifern. Die Tiere werden mittels Köder oder künstlichen Duftstoffen in die Fallen gelockt und final mit Kopfschuss getötet.
 
Rechtliche Bewertung
Die geplante Fuchsjagd verstößt gegen Paragraph 22 Abs. 4 BJagdG, welcher die Zeit der Fuchsjungen von der Zeit im Mutterleib bis zur vollständigen Selbstständigkeit regelt. Dazu zählt nicht nur die unmittelbare Aufzucht, sondern auch die sich anschließende Zeit der Betreuung durch die Eltern. Selbständig sind Jungtiere nämlich erst dann, wenn sie sich selbst fortbewegen und Nahrung beschaffen können. Die Paarungszeit der Füchse ist im Januar und Februar. Die Fuchsmutter trägt die Jungen mindestens 50 Tage aus. Anschließend werden sie vier bis sechs Wochen gesäugt. Und auch danach schützen und sozialisieren die Eltern ihren Nachwuchs weiterhin, bis dieser völlig unabhängig ist. Das Töten der Tiere während dieses Zeitraums ist für Arten verboten, die keine jagdrechtlichen Schonzeiten genießen – also auch für Füchse in Bayern. Ein Verstoß gegen dieses Verbot ist strafbar gemäß Paragraph 38 Absatz 1 Nummer 4 BJagdG sowie als Tötung „ohne vernünftigen Grund“ nach Paragraph 17 Nummer 1 TierSchG. Indem Jürgen Götz die Fallen anschaffen und aufstellen ließ, machte er sich durch Beihilfe zu diesen Straftaten strafbar.
 
Die Jagd auf Füchse ist grausam und unnötig
PETA spricht sich grundsätzlich gegen die Fuchsjagd aus. Allein in Deutschland müssen wegen der Hobbyjagd jährlich etwa eine halbe Million der Tiere ihr Leben lassen. Dabei ändert die Jagd nichts an der Fuchspopulation. Verluste werden rasch durch Zuwanderung und steigende Geburtenraten ausgeglichen. Renommierten Experten wie dem Biologen Prof. Dr. Josef Reichholf zufolge regulieren sich Wildtierpopulationen durch Umwelteinflüsse wie Witterung, Nahrungsverfügbarkeit oder Krankheiten von selbst [1]. Darüber hinaus sichert der Fuchs seinen Beutearten das Überleben, indem er schwache und kranke Tiere erlegt und somit Krankheitsherde eliminiert. Der Fuchsbandwurm kann ebenfalls nicht als Begründung für die Massentötungen herangezogen werden, denn er zählt zu den seltensten parasitären Infektionskrankheiten Europas.
Füchse ernähren sich in erster Linie von Mäusen – pro Fuchs sollen es 3.000 Mäuse pro Jahr sein [2]. In der Landwirtschaft – und auch in Städten – werden Mäuse und Ratten mit großen Mengen giftiger Substanzen bekämpft, die für alle Wildtiere, aber auch für Hunde und Katzen, eine erhebliche Gefahr darstellen können.

PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Weltanschauung, die den Menschen als allen anderen Lebewesen überlegen einstuft.
 
[1] Reichholf, J. H.: Die Wahrheit über die Jagd - Evolutionsbiologe Prof. Josef Helmut Reichholf widerlegt Jägerlügen. TV-Dokumentation SWR BW. (abgerufen am 15.05.2014).
[2] Honisch, M. (ohne Datum): Mäuse im Grünland erfolgreich bekämpfen. Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Kempten (Allgäu) mit Landwirtschaftsschulen.
 
Weitere Informationen:
Fuchsjagd-stoppen.de/
PETA.de/Fuchsbandwurm-Jagd
PETA.de/faszinierendeFuechse
PETA.de/Fuchsjagd
PETA.de/Fallenjagd
 
Kontakt:
Lisa Kienzle, +49 711 860591-536, [email protected]