Verstoß gegen das Tierschutzgesetz: PETA zeigt Catch-and-Release-Angler aus Magdeburg an

Magdeburg/Stuttgart, 29. Januar 2018 – Er zappelte am Haken, dann in der Hand und rang minutenlang um Sauerstoff: In einem am 22. Januar auf dem Youtube-Kanal des Magazins Fisch & Fang veröffentlichten Video „Profi-Liga-Talk“ zieht Veit W. einen Zander an Land, hält den Fisch an den Kiemen fest, posiert mit ihm für die Kamera, misst ihn und vollführt Luftsprünge, während er ihn an den Kiemendeckeln mit einer Hand greift. Der anfangs noch agile Fisch wird im Laufe der Tortur zunehmend schwächer. In Videos auf seiner Homepage ist zu sehen, dass Veit W. regelmäßig Zander angelt und Catch & Release – das Angeln und anschließende Freilassen von Fischen – betreibt. Daher erstattete PETA Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Magdeburg gegen den Angler. Die Tierrechtsorganisation sieht in seinem Verhalten einen Verstoß gegen Paragraf 17 Absatz 2b des Tierschutzgesetzes, nach dem keinem Wirbeltier länger anhaltende Schmerzen und Leiden zugefügt werden dürfen.
 
„Könnten Fische ihre Schmerzen durch laute Schreie ausdrücken, würde niemand mehr behaupten, Angeln sei ein sportliches oder gar friedliches Hobby“, so Dr. Tanja Breining, Meeresbiologin und Fachreferentin für Fische und Meerestiere bei PETA. „Catch & Release bedeutet für Fische enormen Stress und oftmals Verletzungen – einer neuen Studie zufolge sterben etwa 40 Prozent der so traumatisierten Tiere infolge dieser Tortur [1].“
 
Durch Angeln, Wiegen, Messen, Posieren und die Luftsprünge wurde dem schmerzempfindlichen Tier starkes Leid zugefügt. Der Zander war erheblicher Qual und Todesangst über längere Zeit ausgesetzt, selbst wenn er anschließend wieder freigelassen wurde. Sogar Angler verurteilen seine sinnlose Fischquälerei, wie zahlreiche empörte Kommentare zu dem Video zeigen.
 
PETA verweist auf die Verfügungen des Amtsgerichts Lemgo vom 31. März 2011 (Az.: 25 Cs-22-Js 86/10-194/10), in denen ausdrücklich festgestellt wird, dass es sich beim Catch & Release um eine strafbare Handlung handelt, sowie auf die Ausführung des Oberverwaltungsgerichts Münster vom 3. Juli 2015 (Az.: 20 B 209/15), der zufolge beim Ausüben der Catch-and-Release-Praxis kein vernünftiger Grund besteht, den Tieren Schmerz und Leid zuzufügen, und somit ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz vorliegt. Vergangenen Dezember wurde ein Catch-and-Release-Angler aus Thüringen zu einer Geldbuße von 200 Euro verurteilt. Bereits 2016 zahlte Ex-Fußballprofi Klaus Augenthaler in einem vergleichbaren Fall mehr als 3.000 Euro Geldbuße.
 
Die britische Biologin Lynne Sneddon wies nach, dass Fische im Kopf- und Mundbereich, also genau da, wo der Angelhaken das Gewebe durchbohrt, zahlreiche Schmerzrezeptoren haben [2]. Fische zeigen Schmerzverhalten: Sie bewegen sich ruckartig, reiben ihren Mund am Beckenrand, stellen die Nahrungsaufnahme ein und ihre Atemfrequenz erhöht sich. Gibt man ihnen Schmerzmittel, stellen sie dieses Verhalten wieder ein [3]. PETA spricht sich generell gegen das Angeln und den Fischfang aus und unterstützt den für den 24. März 2018 angekündigten Welttag zur Abschaffung der Fischerei und Aquakultur [4].
 
PETAs Motto lautet in Teilen: Tiere sind nicht dazu da, dass wir sie essen, sie uns unterhalten, wir an ihnen experimentieren oder sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten.
 
[1] Shawn P. Sitar, Travis O. Brenden, Ji X. He & James E. Johnson (2017): Recreational Postrelease Mortality of Lake Trout in Lakes Superior and Huron. North American Journal of Fisheries Management Vol. 37, Iss. 4.
[2] Sneddon, L. U., Braithwaite, V. A., & Gentle, M. J. (2003): Do fishes have nociceptors? Evidence for the evolution of a vertebrate sensory system. Proceedings of the Royal Society B: Biological Sciences, 270(1520), 1115–1121. http://doi.org/10.1098/rspb.2003.2349.
[3] Sneddon, L. U. (2003): The evidence for pain in fish: the use of morphine as an analgesic. Applied Animal Behaviour Science, 83(2), 153-162. DOI: 10.1016/S0168-1591(03)00113-8.
[4] https://www.end-of-fishing.org/de.
 
Weitere Informationen
PETA.de/Fische
 
Kontakt:
Jana Fuhrmann, +49 711 860591-529, JanaF@peta.de