Verstoß gegen das Tierschutzgesetz: Wildtiere bei Drückjagd zwischen Lampertheim und Viernheim erheblichem Leid ausgesetzt

Lampertheim / Viernheim / Stuttgart, 17. Dezember 2014 – Massentötung: Am 29. November rief das Forstamt Lampertheim zu einer Drückjagd im Waldgebiet zwischen Lampertheim und Viernheim auf, an der 85 Jäger mit mehreren Hunden teilnahmen. Innerhalb weniger Stunden wurden neun Wildschweine und ein Reh getötet. Treib- und Drückjagden sind besonders erbarmungslose Formen der Jagd, die mit erheblichem Leid für die Wildtiere verbunden und weder weidgerecht noch tierschutzkonform sind. Für eine derartige Massentötung, bei der die Tiere über einen längeren Zeitraum erheblichem Stress oder Schmerzen ausgesetzt sind, erschließt sich kein vernünftiger Grund. Wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz § 17 hat die Tierrechtsorganisation PETA Deutschland e.V. nun bei der Staatsanwaltschaft Hanau Strafanzeige gegen alle Teilnehmer der Gesellschaftsjagd erstattet.
 
„Bei 85 Jägern und mehreren Hunden haben die Waldbewohner keine Chance“, so Vanessa Reithinger, Fachreferentin für Wildtiere bei PETA Deutschland e.V. „Drückjagden sind eine abartige Form der Freizeitbeschäftigung. Wildtiere werden in Todesangst vor die Gewehre der Schützen getrieben, viele von ihnen sterben durch Fehlschüsse einen langsamen und schmerzhaften Tod.“
 
Laut der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz sterben – gerade bei Drückjagden – bis zu 70 Prozent der Wildtiere nicht sofort. Auch bei der Drückjagd in Viernheim musste eine Nachsuche nach angeschossenen und verletzten Wildtieren durchgeführt werden. Es ist davon auszugehen, dass diese Tiere unter schweren Verletzungen und einem andauernden Todeskampf über einen längeren Zeitraum erheblichen Schmerzen und Leid ausgesetzt waren. Selbst ein nicht unerheblicher Teil der Jägerschaft betrachtet Treib- und Drückjagden aufgrund tierschutzrechtlicher Erwägungen als nicht weidgerecht. Die Verstörung der Wildtiere ist enorm und sorgt vor allem im Winter für einen erhöhten Energiebedarf, was zur Zunahme der sogenannten „Wildschäden“ führt.
 
Gesellschaftsjagden gefährden zudem die öffentliche Sicherheit. Da Wildtiere oft in Panik über befahrene Straßen flüchten, steigt das Risiko für Wildunfälle. Außerdem sollten Spaziergänger bejagte Gebiete unbedingt meiden. Jedes Jahr ereignen sich mehrere Dutzend „Jagdunfälle“, bei denen Menschen von Hobbyjägern verletzt und getötet werden.
 
PETA setzt sich für die Abschaffung der Jagd ein. Zahlreiche Studien belegen, dass der Abschuss von Tieren nicht dazu geeignet ist, Wildtierpopulationen dauerhaft zu regulieren. Wissenschaftler wiesen nach, dass in bejagten Wildschweinpopulationen die Geschlechtsreife der weiblichen Tiere früher eintritt, wodurch die Geburtenrate ansteigt.[1] Demnach bedingt ein hoher Jagddruck, dass in dem bejagten Gebiet die Anzahl der betreffenden Wildtiere ansteigt. Auch Prof. Dr. Josef Reichholf, ein namhafter Biologe der TU München, sieht aus wildbiologischer Sicht keine Notwendigkeit in der Jagd: Die nahezu ausgerotteten Wölfe müssen nicht durch menschliche Jäger ersetzt werden, da eine natürliche Regulation der im Wald lebenden Tierpopulationen durch Umwelteinflüsse wie Witterung, Nahrungsverfügbarkeit oder Krankheiten stattfindet.
 
[1] Servanty S., Gaillard J., Toigo C., Brandt S. & Baubet E. (2009) Pulsed resources and climate‐induced variation in the reproductive traits of wild boar under high hunting pressure. Journal of Animal Ecology 78.6 1278-1290.
 

Weitere Informationen:
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