Verstoß gegen das Tierschutzgesetz: Wildtiere bei revierübergreifender Drückjagd in Lörrach erheblichem Leid ausgesetzt

Lörrach / Stuttgart, 10. Dezember 2015 – Unzählige Tiere erschossen: Am 21. November fand auf dem Dinkelberg  im Kreis Lörrach eine revierübergreifende Drückjagd statt, an der mehrere Jäger teilnahmen. Auch zahlreiche Jagdhunde kamen zum Einsatz, um die Tiere aufzustöbern. Innerhalb weniger Stunden wurden 45 Wildschweine, 56 Rehe und zwölf Füchse getötet. Treib- und Drückjagden sind besonders erbarmungslose Jagdpraktiken, die mit enormem Leid für die Wildtiere verbunden sind. Für eine derartige Massentötung von 113 Tieren, bei der die Tiere über einen längeren Zeitraum erheblichem Stress oder Schmerzen ausgesetzt sind, erschließt sich kein vernünftiger Grund. Wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz § 17 hat die Tierrechtsorganisation PETA Deutschland e.V. nun bei der Staatsanwaltschaft Lörrach Strafanzeige gegen alle Teilnehmer der Gesellschaftsjagd erstattet.

„Gesellschaftsjagden sind eine absolut inakzeptable, brutale Form der Freizeitbeschäftigung“, so Vanessa Reithinger, Fachreferentin für Wildtiere bei PETA Deutschland e.V. „Wildtiere werden in Todesangst vor die Gewehre der skrupellosen Schützen getrieben – viele von ihnen sterben durch Fehlschüsse einen langsamen und schmerzhaften Tod.“

Laut der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz sterben – gerade bei Drückjagden – bis zu 70 Prozent der Wildtiere nicht sofort. Sogar ein nicht unerheblicher Teil der Jägerschaft betrachtet Treib- und Drückjagden aufgrund tierschutzrechtlicher Erwägungen als nicht weidgerecht. Die Verstörung der Wildtiere ist enorm und sorgt vor allem im Winter für einen erhöhten Energiebedarf, was zur Zunahme der sogenannten „Wildschäden“ in der Forst- und Landwirtschaft führt.

Die Tierrechtsorganisation setzt sich darüber hinaus für die Abschaffung der Jagd ein. Zahlreiche wissenschaftliche Studien belegen, dass die Jagd nicht dazu geeignet ist, Wildpopulationen dauerhaft zu regulieren. Wissenschaftler wiesen nach, dass in bejagten Wildschweinpopulationen die Geschlechtsreife der weiblichen Tiere früher eintritt, was die Geburtenrate ansteigen lässt. [1] Demnach hat ein hoher Jagddruck zur Folge, dass sich in dem betreffenden Gebiet die Population der Wildschweine erhöht. Auch der namhafte Biologe Prof. Dr. Josef Reichholf sieht aus wildbiologischer Sicht keine Notwendigkeit in der Jagd: Die nahezu ausgerotteten Wölfe müssen nicht durch menschliche Jäger ersetzt werden, da eine natürliche Regulation der im Wald wohnenden Tierpopulationen durch Umwelteinflüsse wie Witterung, Nahrungsverfügbarkeit oder Krankheiten stattfindet.

[1] Servanty et al. (2009): Pulsed resources and climate-induced variation in the reproductive traits of wild boar under high hunting pressure. Journal of Animal Ecology. Nr. 78, Issue 6.
 
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