Veterinäramt-Ranking 2018: Die Top 5 und die Flop 5

Veterinärämter sind für die Überwachung und den Vollzug des Tierschutzgesetzes in Deutschland zuständig. PETA meldet den Behörden jeden Monat zahlreiche Fälle von Tierquälerei und kontrolliert, ob und wie die Behörden daraufhin im Sinne des Tierschutzgesetzes tätig werden. Während wir in vielen Fällen in kooperativer Zusammenarbeit mit Amtstierärzten sehr gute Erfolge für die Tiere erzielen konnten, gibt es noch immer viel zu viele Behörden, die das Tierschutzgesetz und die entsprechenden Verordnungen und Richtlinien nicht umsetzen. Ein Grundproblem: Es fehlt eine neutrale Aufsichtsbehörde, die schlecht arbeitende Amtstierärzte kontrolliert und maßregelt.

Im folgenden Ranking haben wir die Veterinärämter aufgeführt, die im Jahr 2018 aus unserer Sicht besonders positiv oder besonders negativ aufgefallen sind.

Anmerkung: Wir nennen hier die gesamte Behörde, auch wenn oftmals einzelne Amtstierärzte positiv oder negativ hervorstachen.

Die Top 5 der deutschen Veterinärämter

1. Veterinäramt Kreis Tübingen / Goldfische Georgsbrunnen

Im Georgsbrunnen in Tübingen wurden im Oktober 2018 mehrere Goldfische ausgesetzt. PETA wandte sich mit der Bitte an das Veterinäramt Tübingen, sich um die Goldfische zu kümmern, sie zu füttern und für den Winter ein wärmeres Zuhause für die Tiere zu suchen. Die Behörde antwortete zügig und versicherte uns, dass die Goldfische anderweitig untergebracht würden. Damit hat das Veterinäramt Tübingen dafür gesorgt, dass die Tiere nun nicht im Brunnen überwintern müssen.
 
Symbolbild

2. Veterinäramt Kreis Unna / Hund in Kellerwohnung

Durch eine Whistleblower-Meldung wurde PETA im Juli 2018 darauf aufmerksam, dass sich ein Hund in einer Kellerwohnung über einen langen Zeitraum selbst überlassen war. Durch ein Kellerfenster aufgenommene Fotos zeigten das Tier in einer völlig verkoteten Wohnung, was darauf schließen ließ, dass der Hund nicht aus der Wohnung herauskam, um sich zu lösen. Zudem wurde er auch nicht regelmäßig mit Futter und Wasser versorgt.

Zwar handelte das Veterinäramt erst nach eindringlicher Aufforderung von PETA und einer engagierten Tierärztin, befreite das arme Tier aber letztendlich und brachte es sicher im örtlichen Tierheim unter. Somit sichert sich das Veterinäramt Kreis Unna dieses Jahr einen Platz unter den Top 5 der deutschen Veterinärämter.
 

3. Veterinäramt Burgenlandkreis

In der Stadt Teuchern im Burgenlandkreis in Sachsen-Anhalt findet ein jährliches Parkfest statt, bei dem in einer Tier-Tombola bislang stets etliche Kleintiere und Vögel verlost wurden – nicht selten an Kinder oder Menschen, die sich über die Aufnahme eines Tieres eventuell im Vorfeld keine Gedanken gemacht hatten. PETA wandte sich an das Veterinäramt im Burgenlandkreis und wies die Behörde darauf hin, dass das Verlosen von Tieren nach § 3 Nr. 12 des Tierschutzgesetzes verboten ist, es sei denn, die artgemäße Unterbringung ist sichergestellt. Da nicht gewährleistet werden kann, dass die Gewinner einer Tombola auf einem Parkfest ihre gewonnen Tiere entsprechend der gesetzlichen Haltungsvorgaben unterbringen können bzw. werden, baten wir darum, die Auslobung von Tieren als Tombolagewinne künftig zu untersagen. Augenzeugen berichteten zudem, dass etliche Tiere nach den Tombolas der vergangenen Jahre ausgesetzt oder frei gelassen wurden, was einen weiteren Verstoß gegen das Tierschutzgesetz darstellt. Die Tier-Tombola wird in Zukunft nicht mehr durchgeführt werden – und das Veterinäramt Burgenlandkreis erlangt einen Platz unter den Top 5 der deutschen Veterinärämter.
 
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4. Veterinäramt Ludwigsburg

PETA erstattete gegen den Betreiber eines Kosmetikstudios, der in seinem Geschäft ein sogenanntes Fisch-Spa anbot, Strafanzeige wegen des Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz. Bei einer Kontrolle stellte das Veterinäramt Ludwigsburg mehrere Missstände fest und untersagte den Betrieb der Fischpediküre ohne Genehmigung, woraufhin der Betreiber Abstand von dem Fisch-Spa nahm. Das Veterinäramt leitete zudem ein Ordnungswidrigkeitenverfahren ein. Diese tierfreundliche Entscheidung verhalf dem Veterinäramt Ludwigsburg dieses Jahr zu einem Platz unter den Top 5 der deutschen Veterinärämter.
 

5. Veterinäramt Kyffhäuserkreis

Im „Tierheim“ Sondershausen wurden Hunde unter miserablen Bedingungen gehalten: nicht-isolierte, reizarme Zwinger, vollkommen verkotete und sichtbar unterernährte Tiere. Zudem wurde mit einigen Tieren Zucht betrieben, die Tierkinder wurden über ebay Kleinanzeigen verscherbelt.

Während die Strafanzeige eingestellt wurde, veranlasste das Veterinäramt Kyffhäuserkreis sofort eine unangekündigte Kontrolle, stellte hierbei Missstände fest und erteilte entsprechende Auflagen. Die Einhaltung dieser Auflagen wurde bei zwei weiteren unangekündigten Nachkontrollen überprüft. Hierbei wurde festgestellt, dass die Hundehaltung in der konkret vorliegenden Form verboten ist und geändert werden muss. Die Zwinger sollten häufiger kontrolliert und die Hütten isoliert werden. Die Erlaubnis zur gewerbsmäßigen Zucht und zur Haltung von Hunden wurde wegen der nachgewiesenen Nichteinhaltung zweier Auflagen (Führung eines Tierbestandsbuchs und Trennung zwischen Tierheim und Hundezucht aus seuchenhygienischen Gründen) entzogen. Zudem wurde ein Belegverbot von zur Zucht geeigneten Hündinnen verfügt. Für dieses strikte Eingreifen im Sinne der Tiere sicherte sich das Veterinäramt Kyffhäuserkreis einen Platz unter den Top 5 der deutschen Veterinärämter.
 

Die Flop 5 der deutschen Veterinärämter

1. Veterinäramt Saalekreis

Kranke Welpen, völlig verwahrloste Zuchttiere: Seit vielen Jahren vermehren Züchter aus dem Saalekreis verschiedene Hunderassen und Katzen. Die Tiere werden im Internet verkauft, viele von ihnen leiden unter starkem Parasitenbefall und sind krank. Die Zuchtstätte ist dem Veterinäramt bekannt, denn Tierschützer und Welpenkäufer haben den Betrieb bereits angezeigt. Doch die Mitarbeiter des Saalekreises stellten bei mehrmaligen Kontrollen der Zucht keine Mängel fest. PETA hingegen liegen Bilder, Zeugenberichte und tierärztliche Gutachten vor, die den schlechten gesundheitlichen Zustand von Tieren belegen, die zuvor von Tierschützern aus der Zucht geholt wurden. Solche Tiere litten beispielsweise unter massivem Floh-, Milben- und Wurmbefall, manche sogar an daraus resultierender Anämie und Dermatitis. Bei einigen Hunden wurden Augenentzündungen sowie eine eitrige Gebärmutterentzündung, Herzprobleme, Schilddrüsenerkrankungen und Allergien diagnostiziert. Die meisten Tiere waren außerdem extrem ängstlich. Auch Welpenkäufer, deren Tiere aus dieser Zucht stammten, berichteten von den gleichen Problemen. Ein Chow-Chow erblindete sogar unter großen Schmerzen vor den Augen der Züchter, weil diese ihn viel zu spät einem Tierarzt vorstellten. PETA erstattete außerdem Strafanzeige gegen die Züchter.
 
Hund mit eiternde Augen
© by Jana Feister / Tierheim am See

2. Veterinäramt Kreis Karlsruhe / Esel und Rinder Ettlingen 

Die Betreiber eines Bio-Bauernhofes im baden-württembergischen Ettlingen hielten ihre Tiere unter katastrophalen Umständen und quasi unversorgt. Die Landwirte hatten im Juli 2017 zwei Kühe, einen Bullen und sieben Esel auf einer Koppel im benachbarten Malsch-Völkersbach eingesperrt und hielten die Tiere dort, ohne sie ausreichend zu versorgen. Im Februar 2018 lag einer der Esel bei Minustemperaturen stundenlang entkräftet auf der Koppel und wurde von zwei Passantinnen notdürftig mit einer Decke versorgt. Der an diesem Sonntag herbeigerufene Amtsveterinär stieg lediglich kurz aus dem Auto aus, sah sich die Koppel von außen an, ohne sie zu betreten, und sagte den Passantinnen, die die Zuspitzung des Geschehens schon seit Wochen verfolgten, der Zustand der Kuh und des Bullen sei „noch okay“.

In einem anderen Fall, für den das Veterinäramt Kreis Karlsruhe zuständig war, lagen Zeugen zufolge die Kühe eines Bauernhofs südlich von Karlsruhe in ihren sich hoch auftürmenden Ausscheidungen. In der Vergangenheit seien zudem immer wieder Tiere verschwunden oder gestorben. In Ettlingen ist bekannt, dass auf diesem Hof regelmäßig Tiere ausbrechen, da die Vernachlässigung offenbar auch das nicht ausreichend umzäunte Gelände betrifft. Durch eine in unmittelbarer Nähe verlaufende Bundesstraße und die nur durch eine Leitplanke abgetrennte Autobahn droht bei den Ausbrüchen der Tiere stets Unfallgefahr.

Der angezeigte Bauer ist Zeugen bereits in der Vergangenheit aufgefallen. Bei seiner Haltung von Eseln und Pferden in den benachbarten Orten Moosbronn und Schöllbronn wurde extreme Vernachlässigung beobachtet. Zahlreiche Spaziergänger und Reiter berichteten, dass auf der Weide nur ein verschimmelter Strohballen lag, aber kein Unterstand oder leichter Zugang zu frischem Wasser gegeben war. Die Tiere waren gezwungen, aus einem Bach unterhalb eines sehr steilen Hanges zu trinken, zu dem sie nur schwer gelangten. Eine Kuh war bereits gestürzt und musste mit einem Kran gerettet werden.

PETA hat die Betreiber des Bauernhofs, den Leiter des Veterinäramts Kreis Karlsruhe und einen weiteren Amtsveterinär wegen Tierquälerei durch Unterlassen angezeigt und ein Tierhalteverbot sowie empfindliche Strafen wegen des Verstoßes gegen § 17 des Tierschutzgesetzes gefordert. Aufgrund seiner Untätigkeit landet das Veterinäramt Kreis Karlsruhe dieses Jahr unter den Flop 5 der deutschen Veterinärämter.
 
Ettlingen Bauernhof: Staatsanwaltschaft ermittelt nicht

3. Veterinäramt Kreis Böblingen / Reptilienausstellung Fisch & Reptil

Laut den Tierbörsenleitlinien des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) sind Reptilienbörsen auf einen Tag zu begrenzen. Die Reptilienbörse „Fisch & Reptil“ in Sindelfingen wurde jedoch vom Veterinäramt Böblingen bisher für zwei Tage und im Dezember 2018 sogar erstmals für drei Tage genehmigt. Das Veterinäramt setzt sich aus rein wirtschaftlichen Gründen über die Tierschutzleitlinien des BMEL hinweg. Für die Reptilien bedeutet die Zurschaustellung großen Stress, da sie meist tierschutzwidrig in kleinen Plastikboxen präsentiert werden; hinzu kommen fehlende Rückzugsmöglichkeiten und lange Transportzeiten. Bei einem Besuch auf der Börse konnte PETA zudem zahlreiche tierschutzrelevante Mängel dokumentieren.
 

4. Veterinäramt Teltow-Fläming

Auf einer kaum umzäunten Weide mitten im Wolfsgebiet im Ortsteil Kemlitz der Gemeinde Baruth/Mark befanden sich fünf vernachlässigte und unterernährte Schafe. Die Tiere waren auf der quasi ungesicherten Wiese nicht ausreichend vor eventuellen Angriffen geschützt. PETA wandte sich diesbezüglich an das Veterinäramt Teltow-Fläming, das jedoch keinerlei Rückmeldung gab und nichts unternahm, um die Schafe zu schützen. Knapp einen Monat nach PETAs Kontaktaufnahme mit dem Veterinäramt wurden zunächst zwei Schafe, vier Tage später die restlichen Tiere von Wölfen gerissen. Die Untätigkeit des Veterinäramtes Teltow-Fläming führte somit dazu, dass die Tiere ihr Leben lassen mussten – und dass das Veterinäramt Teltow-Fläming in diesem Jahr zu den Flop 5 der deutschen Veterinärämter gehört.
 

5. Bad Tölz

Ein Hundetrainer trainierte einen Hund mittels einer Würgeleine derart, dass er den Hund während des Trainings zu Tode würgte. Zwar wurde das Verfahren gegen den Hundetrainer von der Staatsanwaltschaft gegen Zahlung einer Geldauflage eingestellt, doch der Trainerschein des Hundetrainers blieb unbeeinträchtigt.

PETA wandte sich mit der Forderung des Entzugs der Trainingserlaubnis aufgrund der Vorkommnisse an das zuständige Veterinäramt Bad Tölz, erhielt jedoch lediglich die inkorrekte Mitteilung, dass durch die staatsanwaltschaftliche „Aburteilung“ ein „endgültiges Verfahrenshindernis“ vorliege. PETA erläuterte in einem weiteren Schreiben im Juli 2018 detailliert, dass eine judikative „Aburteilung“ mit dem verwaltungsrechtlichen Entzug der Trainingserlaubnis rein gar nichts zu tun hat, und bat erneut um entsprechenden Entzug der Trainingserlaubnis. Bis heute hat PETA auf dieses Schreiben keine Antwort erhalten, und es ist davon auszugehen, dass der Trainer Hunde weiterhin mit grausamen Methoden trainieren darf. Aufgrund dieser Untätigkeit ist das Veterinäramt Bad Tölz unter den Flop 5 der deutschen Veterinärämter gelistet.
 

Was Sie tun können

Bitte melden Sie Missstände und Tierquälerei konsequent der zuständigen Veterinärbehörde Ihrer Stadt oder Ihres Landkreises. Fassen Sie Ihre Beobachtungen detailliert und sachlich zusammen. Fertigen Sie möglichst Bild- und Videomaterial an. Nach Ihrer Meldung beim Veterinäramt sollten Sie unbedingt so lange nachfassen, bis der Missstand beseitigt ist (Fallbericht). Das kann ermüdend sein, ist aber die einzige Chance für das jeweilige Tier! In dieser Übersicht finden Sie ausführliche Tipps, wie Sie vorgehen sollten, wenn Sie Zeuge von Tierquälerei werden.