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Walforscherin von Ocean Sounds unterstützt PETAs Forderung an TUI mit der Stimme freilebender Orcas: Ticketverkauf für Delfinarien wie SeaWorld und Loro Parque einstellen

Hannover / Stuttgart, 29. April 2020 – Nur in Freiheit können Orcas artgerecht leben und kommunizieren: PETA appelliert bereits seit geraumer Zeit an TUI, keine Ausflüge in Delfinarien wie SeaWorld mehr zu verkaufen. Nun bekommt die Tierrechtsorganisation Unterstützung von Dr. Heike Vester, Gründerin des Vereins Ocean Sounds, der sich der Erforschung und dem Schutz von Meeressäugern widmet. Die Walforscherin wandte sich Mitte April mit in Norwegen aufgenommenen Stimmen freilebender Orcas an TUI-Geschäftsführer Friedrich Joussen und fordert den Reiseveranstalter ebenfalls auf, den Ticketverkauf in Delfinarien wie SeaWorld, Loro Parque und andere Meereszoos einzustellen. In ihrem Schreiben bestätigt Dr. Vester, dass Wale und Delfine in Gefangenschaft nicht nur psychisch und körperlich leiden, sondern auch die Gruppenkommunikation der Tiere stark beeinträchtigt ist.
 
„Ich bin sehr erstaunt darüber, dass ein großer Touristikkonzern wie TUI solche kommerziellen Einrichtungen unterstützt, die für hochintelligente und soziale Schwertwale, die im Ozean in Familienverbänden leben und mit einem individuellen Gruppendialekt kommunizieren, wirklich sehr viel Leid bedeuten“, so Dr. Heike Vester. „Es war furchtbar, im Loro Parque [...] diese majestätischen Orcas [...] in ihren Betongefängnissen mit Meerblick erleben zu müssen! Ein Jungtier, das ich dort gesehen habe, ist gestorben – es war herzzerreißend, mit ansehen zu müssen, wie seine Mutter nach jedem vorgeführten Trick für die zahlenden Gäste direkt an den Käfig ihres Babys geschwommen ist. Das ist kein Entertainment oder Wissensvermittlung, das ist einfach nur traumatisierend, für die Tiere und auch für die Besucher.“
 
Hintergrundinformationen
Vester erklärt in ihrem Brief an TUI-Chef Joussen, dass in Gefangenschaft auch die Kommunikation der Schwertwale aufgrund der engen Betonbecken und der künstlichen Gruppenzusammenstellung stark beeinträchtigt ist. Mütter und Kinder werden oft direkt nach der Geburt voneinander getrennt, wobei sehr viele Jungtiere sterben und – falls sie überleben – später in unterschiedliche Parks gebracht werden. Meeresbiologin Dr. Tanja Breining, PETAs Fachreferentin für Fische und Meerestiere, erklärt: „Die überlebenswichtige, familiäre Sozialstruktur und Kommunikation wird unterbrochen und die Tiere haben keine Möglichkeit, die üblichen Strecken von etwa 100 Kilometern am Tag zurückzulegen.“ Vester ergänzt: „Das ist weder artgerecht noch ethisch oder moralisch vertretbar.“  
 
PETA weist darauf hin, dass es zahlreiche tierfreundliche Tourismus- und Freizeitangebote gibt – auch für Wal- und Meeresfreunde. So möchte Ocean Sounds es Interessierten beispielsweise künftig ermöglichen, via Livestream an den Forschungen auf dem offenen Meer teilzunehmen.
 
„Wir freuen uns sehr über die Unterstützung von Ocean Sounds und hoffen, dass TUI die kommerzielle Ausbeutung von Walen und Delfinen nicht länger unterstützen wird“, so Breining.
 
Aufgrund internationaler Proteste und wissenschaftlicher Studien, die das Leid von Meeressäugern in Gefangenschaft belegen [1, 2, 3], strichen Virgin Holidays, AirBnB, TripAdvisor, Booking.com und viele andere Reiseanbieter SeaWorld und andere Delfinarien bereits aus ihrem Programm. PETA USA ist zudem Inhaber einer TUI-Aktie, damit Vertreter der Tierrechtsorganisation auf Aktionärsversammlungen für die Tiere sprechen können. Seit eineinhalb Jahren steht PETA mit Briefen und Gesprächen in Kontakt mit TUI.  Mehr als 120.000 Unterstützer beteiligten sich zudem bereits an einer internationalen Petition, deren für April vorgesehene Übergabe nun aufgrund der Corona-Pandemie vorerst verschoben wurde.
 
Mindestens 41 Orcas sind bereits bei SeaWorld gestorben, unter anderem an den Folgen von Lungenentzündung oder Herz-Kreislauf-Versagen. Die Meeressäuger können in Freiheit über 100 Jahre alt werden, während ihre durchschnittliche Lebenserwartung in Gefangenschaft bei gerade einmal 14 Jahren liegt.
 
PETAs Motto lautet in Teilen: Tiere sind nicht dazu da, dass sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Weltanschauung, die den Menschen als allen anderen Lebewesen überlegen einstuft.
 
[1] Marino, L. & Rose, N. A. & Visser, I. N. & Rally, H. & Ferdowsian, H. & Slootsky, V. (2019): The Harmful Effects of Captivity and Chronic Stress on the Well-being of Orcas (Orcinus orca). Journal of Veterinary Behavior. 10.1016/j.jveb.2019.05.005.
[2] Visser, I. N., Lisker, R. B. (2016): Ongoing concerns regarding the SeaWorld orca held at Loro Parque, Tenerife, Spain. Unpublished report from Free Morgan Foundation, pp67.
[3] Anderson, R., Waayers, R., Knight, A. (2016): Orca behavior and subsequent aggression associated with oceanarium confinement. Animals, 6, 49-65.
 
Weitere Informationen:
ocean-sounds.org
Peta.de/Tui#petition
 
Pressekontakt:
Thomas Lesniak, +49 711 860591-527, [email protected]