Sind Wein, Bier, Sekt und Co. vegan? So finden Sie es heraus!

Wein vegan

Alkoholische Getränke wie Wein und Bier wirken auf den ersten Blick vegan. Meist deutet nichts auf den Etiketten darauf hin, dass bei der Herstellung von Alkohol Tierisches zum Einsatz kommen kann. Doch obwohl viele alkoholische Getränke vegan sind, sind es leider nicht alle – und das herauszufinden. ist „dank“ der Gesetzeslage schwer. Wer Sicherheit haben will, ob Bier, Wein, Whiskey und Co. vegan sind, dem hilft eine Anfrage beim Hersteller oder der Blick in spezielle Listen. Die gute Nachricht lautet aber: Wer gerne mal ein Gläschen Wein, Bier oder einen Cocktail trinken möchte, kann das meist auch vegan – vor allem mit diesen Tipps.

2 Glaeser Sekt vegan
Ein Gläschen Sekt zu einem besonderen Anlass kann man auch bei veganer Ernährung genießen.

Zutaten und Hilfsmittel – warum Alkohol manchmal nicht vegan ist

Egal, ob Hopfen, Malz und Gerste, Trauben, Äpfel oder Kartoffeln: Die Hauptzutaten für alkoholische Getränke wie Bier, Wein, Obstler, Wodka, Whiskey und Cidre sind oft pflanzlich. Der genaue Herstellungsprozess ist vielen aber unbekannt und sorgt durch den Einsatz tierischer Produkte deswegen immer wieder für böse Überraschungen.

Tierische Produkte geraten in der Regel auf zwei Arten in alkoholische Getränke. In manchen Fällen sind es die Zutaten oder Zusatzstoffe. In anderen Fällen sind es Hilfsstoffe, die während der Produktion vorwiegend zur Klärung eingesetzt und dann entfernt (unvermeidbare Spuren sind erlaubt) bzw. inaktiv gemacht werden. Die Hilfsstoffe sind meist der Grund, warum ein alkoholisches Getränk überraschenderweise nicht vegan ist.

(Darüber hinaus werden im Auftrag mancher Firmen oder Vereine leider auch immer wieder Tierversuche für alkoholische Getränke durchgeführt.)

Gesetzeslage – warum es nicht leicht ist, veganen Alkohol zu erkennen

Selbst zu erkennen, ob Alkohol wirklich vegan ist oder nicht, ist aufgrund der Gesetzeslage oft unmöglich. Auf alkoholischen Getränken mit einem Alkoholgehalt über 1,2 Volumenprozent muss laut EU-Lebensmittel-Informationsverordnung (LMIV) kein Zutatenverzeichnis aufgeführt werden. Ausgenommen davon ist Bier. Es muss allerdings einen Hinweis in Form von „enthält …“ geben für Zutaten oder Behandlungsmittel (über einem bestimmten Grenzwert), die allergische oder andere Unverträglichkeitsreaktionen auslösen können, z. B. Milch oder Ei. Auch auf bestimmte Zusatzstoffgruppen muss hingewiesen werden. [1, 2]

Grundsätzlich müssen auf allen Lebensmitteln – also auch alkoholischen Getränken – in der Zutatenliste keine Angaben zu Zusatzstoffen gemacht werden, die über eine Zutat ins Lebensmittel gelangen. Dies gilt auch für Enzyme, die im Endprodukt keine technologische Wirkung mehr haben, und für technische Hilfsstoffe, die wieder aus dem Produkt entfernt wurden. Ausgenommen sind auch hier nur die Allergene, die genannt werden müssen – und damit bleibt leider viel „Spielraum“ für den „heimlichen“ Einsatz tierischer Produkte. [3, 4]

Von Albumin bis Hausenblase – was genau Alkohol manchmal nicht vegan macht

Es gibt verschiedene Zutaten, die in alkoholischen Getränken eingesetzt werden. Leicht zu erkennen sind meist Zutaten wie Eier, Milch oder Milchprodukte wie etwa Sahne. Ebenfalls meist noch am Namen erkennbar ist Honig. Schon schwieriger wird es beim Farbstoff „Echtes Karmin“ (auch E120 – roter Farbstoff aus Schildläusen). Dieser fand sich früher in Campari und ist jetzt auch noch manchmal in Biermischgetränken zu finden.

Hilfsstoffe werden in der Alkoholherstellung meist zum „Schönen“ bzw. „Klären“ verwendet, also zum Herausfiltern von Trübstoffen. Zum Einsatz kommen u. a. Gelatine oder Hausblase (getrocknete Schwimmblase von Stören oder Welsen), aber auch Chitosan (aus dem Außenskelet von Gliederfüßern wie Krebsen), Kasein, Albumin oder Molkenproteine. [2, 5]

Ist Bier vegan?

Die gute Nachricht zuerst: In Deutschland gebrautes Bier dürfte in der Regel vegan sein. Der Deutsche Brauer-Bund e.V. sagt auf seiner Website http://www.reinheitsgebot.de/: „Deutsche Biere sind vegetarisch und vegan. Bei der Bierherstellung werden keine tierischen Stoffe eingesetzt. Das auf dem Reinheitsgebot basierende Vorläufige Biergesetz und die Bierverordnung geben klare Vorgaben für die Herstellung von Bier, wonach tierische Stoffe wie Gelatine oder Hausenblase nicht zulässig sind.“ [6]

Bier vegan
In Deutschland gebrautes Bier ist laut dem Deutschen Brauer-Bund e.V. vegan
Mit dem deutschen Reinheitsgebot hat dies aber nur bedingt etwas zu tun. (Im Original wurde nicht mal Hefe genannt, geschweige denn Hilfsstoffe.) Das Reinheitsgebot selbst ist nicht rechtlich bindend. Gesetzlich geregelt war die Bierherstellung durch das Vorläufige Biergesetz, das auf dem Reinheitsgebot basiert. (Streng genommen wurde das Vorläufige Biergesetz vollständig aufgehoben – die Vorschriften sind aber weiter anzuwenden.) Dieses Gesetz lässt zu, dass in Deutschland Biere auch nicht nach dem deutschen Reinheitsgebot gebraut werden dürfen. Außerdem sind als Klärmittel alle Stoffe zugelassen, die mechanisch oder absorbierend wirken. Das verbietet die Verwendung von tierischen Hilfsmitteln nicht explizit. Doch nicht nur der Deutsche Brauer-Bund e.V. sagt, dass deutsche Biere vegan sind, sondern auch verschiedene Hersteller äußern sich hierzu auf ihren Websites und auf Anfrage. [7, 8, 9, 10, 11, 12, 13]

Bei ausländischen Bieren kann es jedoch anders aussehen. Hier wird u. a. traditionell mit Hausenblase geklärt. Unternehmen wie Guinness, die 2017 komplett auf eine tierfreie Methode umstiegen, zeigen jedoch, dass auch hier ein Umdenken stattfindet. [5, 14, 15]

Sind Wein, Sekt und Co. vegan?

Der Einsatz sogenannter technologischer Hilfsstoffe kann ein Grund sein, wieso Wein sowie Perlwein, Portwein und Sherry nicht vegan sein können. Diese Hilfsstoffe kommen bei der Herstellung zum Einsatz, um Trübstoffe herauszufiltern und den Wein geschmacklich zu stabilisieren. Hilfsstoffe und Trübstoffe verbinden sich, setzen sich ab und werden gemeinsam herausgefiltert.

Wein vegan
Wein kann mit tierischen Hilfsstoffen geklärt werden, ist aber immer häufiger vegan und als solcher gekennzeichnet.
Hilfsstoffe tierischen Ursprungs können Eiklar, Gelatine, Kasein (Eiweißbestandteil der Milch) und auch Hausenblase (gereinigte und getrocknete Schwimmblase des Hausen, Stör oder Wels) sein. Hilfsstoffe müssen in der Regel nicht gekennzeichnet werden. Ausnahme stellen solche dar, die aufgrund der erweiterten Allergenkennzeichnung u. a. für Wein, Perlwein und Sekt auf dem Etikett angegeben werden müssen – also z. B. Hilfsstoffe auf Basis von Milch und Ei.

Manchmal kann man also nicht-vegane Weine erkennen. Noch besser ist allerdings, dass vermehrt vegane und vor allem als vegan gekennzeichnete Weine auf dem Markt sind. Sie finden sich mittlerweile im gesamten Lebensmittelhandel – vom Discounter bis zum Biomarkt. Dabei kommen als Hilfsstoffe mineralische Stoffe wie Bentonit oder Proteine auf der Basis von Erbsen, Bohnen oder Kartoffeln zum Einsatz. [2, 16]

Sind Spirituosen vegan?

Viele Spirituosen wie Whiskey oder Rum sind vegan. Eine Nachfrage beim Hersteller schafft Sicherheit.
Die meisten Spirituosen wie Wodka, Rum, Obstbrände und Liköre scheinen für Veganer geeignet zu sein. Natürlich gibt es Ausnahmen wie Eierlikör und Sahnelikör oder einige Sorten Rum und Whiskey, die mit Honig hergestellt werden. Beides ist in der Regel offensichtlich. Auch importierter Wodka, der im Rahmen der Zuckerherstellung mit Tierknochen in Verbindung kommt, scheint eher die Ausnahme als die Regel zu sein. Auch manche Whiskeysorten, die in Fässern von Sherry reifen, der eventuell nicht vegan ist, sind eher selten. Ebenso gibt es nur einige Martini-Marken, die bei einer veganen Ernährung wohl nicht geeignet sind. Produktanfragen ergeben meist, dass Spirituosen vegan sind. Darüber hinaus wächst die Auswahl an Alternativen zu Produkten, die typischerweise mit Eiern, Sahne oder Honig hergestellt werden. Auch Selbermachen ist hier eine Option.
 
Die eigene Herstellung ist übrigens auch eine gute Idee für alle, die sicher sein wollen, dass ein Cocktail vegan ist. Hier hilft auch ein genauer Blick in die Barkarte bzw. eine direkte Frage beim Barpersonal. Stolperfallen sind beispielsweise Cocktails wie Bloody Mary mit Zutaten wie Worcester Sauce, die nicht vegan ist, der Einsatz eines nicht veganen Sirups oder nicht veganer Limonaden. [5, 17, 18]

Label und Produktanfragen – wie erhalte ich Sicherheit, ob Alkohol vegan ist?

Es hat sich mittlerweile herumgesprochen, dass vegane Lebensmittel gefragt sind. Unternehmen kennzeichnen ihre veganen Produkte daher zunehmend selbst oder mit Labeln verschiedener Organisationen. Gerade bei Wein findet sich das vermehrt. Ebenfalls sicher und sinnvoll ist eine Produktanfrage. Dies signalisiert den Herstellern zudem die wachsende Nachfrage nach veganen Produkten sowie den Wunsch nach einer besseren Kennzeichnung. Damit helfen Sie auch den Tieren. Darüber hinaus gibt es im Internet oder als App entsprechende Listen von Verbrauchern und Organisationen, die verschiedene Unternehmen kontaktiert haben. Beispiele dafür sind der PETA ZWEI Einkaufsguide und die Website barnivore.com.

Nicht nur vegan ist wichtig im Umgang mit Alkohol

Wer beim Konsum von Alkohol auf Nummer sicher gehen möchte, sollte nicht nur darauf achten, dass keine Tiere zu Schaden kommen. Es ist auch wichtig, die eigene Gesundheit im Auge zu behalten.

Auch veganer Alkohol sollte in Maßen genossen werden, denn Alkohol steht im Zusammenhang mit verschiedenen Erkrankungen.
Schwangere sollten komplett auf Alkohol verzichten, damit sie kein Risiko für schwere Schädigungen des Kindes eingehen. Im Hinblick auf alle übrigen Konsumenten werden als maximal tolerierbare Alkoholzufuhr derzeit 10 g/Tag für gesunde Frauen und 20 g/Tag für gesunde Männer angesehen. Diese 10 Gramm Alkohol stecken in einem „Drink“, also zum Beispiel in einem kleinen Glas Bier, Wein oder Schnaps. Eine Empfehlung, Alkohol überhaupt zu konsumieren, gibt es nicht. Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zählt der Alkoholkonsum zu den zehn weltweit bedeutendsten Gesundheitsrisiken. Durch einen regelmäßigen Alkoholkonsum werden u. a. die Muskelleistung beeinträchtigt, Nerven und Organe wie Leber und Bauchspeicheldrüse geschädigt und die Entstehung psychischer Störungen und Krebskrankheiten begünstigt. [19, 20]

Was Sie tun können

In der Praxis ist es einfach, veganen Alkohol zu finden. Label und entsprechende Listen sowie Herstellerangaben machen es einfach. Wenn es also mal ein Bierchen, ein Glas Wein oder ein Cocktail sein soll, wählen Sie einfach die tierleidfreie Variante.
Möchten Sie mehr zum Thema vegane Ernährung wissen? Dann melden Sie sich unter www.veganstart.de zu PETAs kostenlosem Veganstart-Programm an.




Quellen:
[1] Bundesverband der Verbraucherzentralen und Verbraucherverbände – Verbraucherzentrale Bundesverband e.V.: Zutaten auf alkoholischen Getränken mit mehr als 1,2 Volumenprozent Alkohol, Beispiel Eierlikör, https://www.lebensmittelklarheit.de/produkte/eierlikoer, Stand: 11.04.2018
[2] Verbraucherzentrale Bayern e.V.: Albumin und Kasein in Wein, https://projekte.meine-verbraucherzentrale.de/DE-BY/albumin-und-kasein-in-wein, Stand: 13.05.2014
[3] Bundesverband der Verbraucherzentralen und Verbraucherverbände – Verbraucherzentrale Bundesverband e.V. (vzbv): Technische Hilfsstoffe, https://www.lebensmittelklarheit.de/forum/nicht-angegebene-zusatzstoffe, Stand: 11.01.2016
[4] Verbraucherzentrale NRW e.V.: Kennzeichnung von Lebensmitteln, https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/lebensmittel/kennzeichnung-und-inhaltsstoffe/kennzeichnung-von-lebensmitteln-5430, Stand: 16.05.2018
[5] The Vegetarian Society of the United Kingdom: Fact Sheets: Alcohol, https://www.vegsoc.org/page.aspx?pid=734 (eingesehen am 20.11.2018)
[6] Die deutschen Brauer Deutscher Brauer-Bund e.V.: Unser Reinheitsgebot - weltbekannt und in aller Munde – Fragen und Antworten, http://www.reinheitsgebot.de/startseite/reinheitsgebot/fragen-und-antworten/ (eingesehen am 20.11.2018)
[7] Neufassung des Vorläufigen Biergesetzes, eingesehen unter Bundesanzeiger Verlag GmbH: https://www.bgbl.de/xaver/bgbl/start.xav?start=%2F%2F*%5B%40attr_id%3D%27bgbl193s1399.pdf%27%5D#__bgbl__%2F%2F*%5B%40attr_id%3D%27bgbl193s1399.pdf%27%5D__1542644379349 (eingesehen am 20.11.2018)
[8] Verlag C.H.BECK oHG: B 95. Vorläufiges Biergesetz, Freytag, Erbs/Kohlhaas Strafrechtliche Nebengesetze 184. Ergänzungslieferung 2011, https://beck-online.beck.de/?vpath=bibdata/komm/ErbsKoStrafRNebG_184/BierG/cont/ErbsKoStrafRNebG.BierG%2Ehtm (eingesehen am 20.11.2018)
[9] Stiftung Warentest: 500 Jahre Reinheitsgebot: Deutsches Bier – was darf rein und was ist drin?, https://www.test.de/500-Jahre-Reinheitsgebot-Deutsches-Bier-was-darf-rein-und-was-ist-drin-4991639-0/, 16.03.2016
[10] Gretzschel, Moritz: Das Reinheitsgebot ist tot –  lang lebe das Reinheitsgebot, https://braumagazin.de/article/reinheitsgebot-ist-tot/ (eingesehen am 20.11.2018)
[11] Slow Brewing Institut – Das Brauen mit Zeit für Geschmack e.V.: Die Reinheitsgebote im rechtlichen Kontext, https://slow-brewing.com/blog_post/die-reinheitsgebote-im-rechtlichen-kontext/ (eingesehen am 20.11.2018)
[12] Bitburger Braugruppe GmbH: FAQs, https://www.bitburger.de/kontakt/faq/ (eingesehen am 20.11.2018)
[13] Badische Staatsbrauerei Rothaus AG: Frage im Gästebuch https://www.rothaus.de/de/aktuelles/gaestebuch/vegan?alter=true (eingesehen am 20.11.2018)
[14] Guinness & Co.: FAQs, https://www.guinness.com/de-de/faqs/ (eingesehen am 20.11.2018)
[15] Rogan, Aaron: My goodness, Guinness goes vegan friendly, In: The Times https://www.thetimes.co.uk/article/my-goodness-guinness-goes-vegan-friendly-gjdv7zjfhv8, 31.10.2015
[16] Verbraucherzentrale Bayern e.V.: Was ist veganer Wein?, https://projekte.meine-verbraucherzentrale.de/DE-BY/was-ist-veganer-wein-, Stand: 10.08.2016
[17] Vegan Food & Living: A vegan’s guide to ethical alcohol https://www.veganfoodandliving.com/a-vegans-guide-to-ethical-alcohol/, Stand: 11.01.2017
[18] Barnivore: Martini Rosso is Not Vegan Friendly http://www.barnivore.com/products/798-martini-rosso (eingesehen am 20.11.2018)
[19] Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V.: Referenzwerte – Alkohol, https://www.dge.de/wissenschaft/referenzwerte/alkohol/, (eingesehen am 20.11. 2018)
[20] Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V.: Mit jedem Glas Alkohol steigt das Krebsrisiko - Viele Krebsfälle sind durch weniger Alkohol vermeidbar, Presseinformation: DGE aus der Wissenschaft, 02/2011 vom 29.11.2011 eingesehen unter: https://www.dge.de/presse/pm/mit-jedem-glas-alkohol-steigt-das-krebsrisiko/