Spenden
 »  »  »  » Wenn sich alle nur für die Abschaffung der landwirtschaftlichen Tierhaltung einsetzen würden

Was wäre, wenn sich alle Menschen AUSSCHLIESSLICH für die Abschaffung der landwirtschaftlichen Tierhaltung einsetzen würden?

Themenschwerpunkt
 
Banner
 
 
Empfohlene Beiträge

Ein Kommentar von Ingrid Newkirk

Stand September 2016

Unsere Bewegung verzeichnet jede Woche neue Erfolge für die Tiere: So haben wir dafür gesorgt, dass Ringling die Elefanten aus seinem Zirkusprogramm nimmt, dass SeaWorld die Orca-Zucht einstellt, dass der Markt für Angorawolle zusammenbricht und dass Gesetze verabschiedet werden, die Tierquälerei zu einer schweren Straftat machen und die die Haltung von Tigern und sogar einige der schlimmsten Chemikalientests an Tieren verbieten! Kleine heruntergekommene Zoos schließen und ihre Schimpansen und Bären werden nach Jahrzehnten der Einsamkeit und Entbehrung an Auffangstationen überstellt. Dank des großen Angebots an synthetischer Wolle, Kunstleder und Daunenalternativen werden ABERMILLIONEN sanftmütiger Schafe, Kühe, Enten und Gänse gerettet – selbst Ferrari bietet mittlerweile Kunstleder als Upgrade für sein neues Cabrio an. Wir stoßen tatsächlich Veränderungen auf dem Markt an!
 

Sicherlich freuen auch Sie sich über diese Erfolge. Doch leider gibt es Menschen, die der Meinung sind, wir sollten unsere Zeit und unser Geld ausschließlich für den Kampf gegen die landwirtschaftliche Tierhaltung einsetzen und alle anderen Bereiche, in denen Tiere Not leiden, vernachlässigen. Wenn wir dem Rat dieser Menschen gefolgt wären, hätten wir die oben genannten Erfolge niemals verzeichnen können – nicht einen einzigen davon!
 

Wenn wir nur gegen die landwirtschaftliche Tierhaltung gekämpft hätten, dann würden die Menschenaffen nie aus den Versuchslaboren herauskommen. Jane Goodall hat in jahrelanger Arbeit nachgewiesen, dass Schimpansen quasi eine andere Art Mensch sind. Damit hat sie dazu beigetragen, ein Ende der schmerzhaften Schimpansenversuche herbeizuführen. Wenn sie ihre Bemühungen stattdessen jedoch nur auf die landwirtschaftliche Tierhaltung beschränkt hätte, dann wären die staatlichen Gesundheitsinstitute der USA (NIH) nicht dazu gezwungen worden, jeden einzelnen Schimpansen aus den Laboren freizulassen.
 

Hätten wir uns nur der landwirtschaftlichen Tierhaltung gewidmet, würden Paviane und Schweine noch immer in Crash Tests gegen die Wand geschmettert; es gäbe weder Kunstpelz noch künstliches Schlangenleder und keine Alternative zur Tötung von Mäusen für Schwangerschaftstests. Doch es gibt all diese Alternativen, weil unsere Bewegung dafür gekämpft und sie finanziert hat!
 

Natürlich sind wir eine Bewegung, die sich für die vegane Ernährung einsetzt. Aber wir sind noch viel mehr als das. Wir sind eine Tierrechtsbewegung – eine Bewegung, die Speziesismus in jeglicher Form ablehnt. Das bedeutet natürlich, dass wir gegen Tierquälerei an Hühnern und Kühen sind – aber auch gegen Tierquälerei an Hunden, Katzen, Kaninchen, Elefanten, Delfinen, Bären, Mäusen und Affen.
 

Wir können nicht einfach warten, bis alle Menschen Veggie-Burger essen, bevor wir auch anderen Tieren helfen. Das Argument gab es schon in den 1960er Jahren, als weiße Menschen sich dafür einsetzten, dass Schwarze wählen können. Man sagte ihnen damals, sie sollten sich um solche Dinge nicht kümmern, solange weiße Menschen noch Probleme hätten. Es ist das Gleiche, wenn jemand sagt, wir sollten uns nicht um Tierrechte kümmern, solange nicht alle Menschenrechtsfragen gelöst sind.
 

Ziel unserer Bewegung ist es, den Menschen aufzuzeigen, dass Tiere weder Hamburger noch Handtaschen, Versuchsobjekte mit Schnurrhaaren, billige Alarmanlagen, Fotomotive noch „Plagen“ sind: Tiere sind Individuen wie wir – und wir müssen uns für alle Tiere einsetzen.
 

Einige Menschen (und das sind gute Menschen), die gegen die landwirtschaftliche Tierhaltung kämpfen, versuchen mittels sogenannter Bewertungsgruppen den Gedanken zu fördern, dass der Kampf gegen die landwirtschaftliche Tierhaltung die einzige effektive Maßnahme ist. Diese „Bewertungsgruppen“ sollten jedoch selbst überprüft werden, denn sie leisten keine gute Arbeit und ihre Argumente sind nicht stichhaltig.

Diese Menschen sagen, Leid sei eine Frage der Mathematik, aber ihre Rechnung geht nicht auf. Sie sagen, da ein Huhn ungefähr 42 Tage lang lebt, sollte man statt eines Hundes, der ein Jahr lang leidet, lieber neun Hühner retten und den Hund einfach vergessen. Stellen wir uns aber vor, der Hund ist ein ganzes Jahr lang an einem völlig verschmutzten Ort angekettet, völlig alleine, inmitten seiner eigenen Ausscheidungen. In eisigen Winternächten zittert er vor Kälte und im Sommer ist er der glühenden Hitze ohne Schatten ausgeliefert. Er hat Durst, seine Ohren sind wund von unzähligen Insektenstichen, die Räude lässt ihm keinen Moment Ruhe und er bekommt so wenig zu essen, dass er ständig Hunger hat. Vielleicht wird er geschlagen oder sein Halsband ist so eng, dass es in seinen Hals eingewachsen ist. Ist es dann das gleiche Leid wie das der neun Hühner, die 42 Tage lang in der landwirtschaftlichen Tierhaltung leben?
 

Tiere sind keine Zahlen, sondern Individuen. Menschen, die Tiere für ihre Zwecke nutzen und missbrauchen, reduzieren sie zu Zahlen – wir sollten das nicht tun!
 

Der Einsatz für ein einziges Problem ergibt noch keine Bewegung. Unsere starke Bewegung hingegen reicht bis in all die dunklen Winkel des Tiermissbrauchs und holt die Opfer dort heraus. Sie verändert die Welt – nicht nur im Hinblick darauf, dass Kinder sich vegan ernähren. Wir sorgen auch dafür, dass Kinder nicht mit dem Gedanken aufwachsen, es sei in Ordnung, Tiere zu beherrschen, nur weil ihre Eltern mit ihnen in den Zirkus gehen. Deshalb kämpfen wir für die Schließung von Zoos und Zirkussen – und das ist uns alleine im vergangenen Jahr fünfmal gelungen.
 

Auch indem wir uns in anderen Bereichen einsetzen, fördern wir den veganen Gedanken. Wenn sich beispielsweise jemand darüber empört, dass der Löwe Cecil von einem Touristen erschossen wurde, dann besucht er unsere Website, um mehr darüber zu erfahren. Dort findet er dann auch Informationen zu anderen Themen, nach denen er bislang nicht suchte, weil es ihn nicht interessierte. Jemand hatte einmal von einem ausgesetzten Hund gehört, der in einer mit Plastik umwickelten Kiste erstickt war. Diese Person war entsetzt darüber und nahm an einer Demonstration vor dem Gericht teil, nachdem der Täter mithilfe einer von PETA ausgesetzten Belohnung ergriffen werden konnte. Bei dieser Demonstration erfuhr sie dann noch viel mehr über andere Tierrechtsthemen.
 

Auch die Aktion von Tyrann Mathieu ist ein gutes Beispiel. Mit einem aufrüttelnden Video wies der NFL-Star auf die Todesgefahr für Hunde in überhitzten Fahrzeugen hin. Besucher auf der PETA-Website, die sich dieses Video ansehen wollten, schauten sich auch andere Videos zu Themen an, über die sie sich vorher nie Gedanken gemacht hatten. Und Tyrann, der diese Aktion aus Liebe zu den Hunden durchführte, ernährt sich seit dem Dreh vegan!
 

In Asien haben wir einen Pop-up-Store eröffnet, in dem Kunden beim Öffnen einer Tasche aus Exotenleder Aufnahmen von der grauenvollen Schlachtung von Alligatoren und Schlangen sehen. Ein über das Internet veröffentlichtes Video über diesen Shop wurde von mehr als 50 Millionen Menschen angeschaut. Wenn wir uns nur für Tiere in der landwirtschaftlichen Tierhaltung eingesetzt hätten, wäre das Leid der Reptilien, die getötet werden, indem man ihnen einen Schlauch in den Hals steckt und sie mit Wasser vollpumpt, nie ans Licht der Öffentlichkeit gekommen.
 

Sollen wir uns etwa nicht mehr für den Elefanten Nosey einsetzen oder Orca Lolita in ihrem Betonbecken verrotten lassen? Nein, denn ihnen zu helfen, hat enorme Auswirkungen auf ihr Leben und auf das Leben aller anderen Tiere.
 

Ich erzähle Ihnen jetzt eine wahre Geschichte: Ein Laborassistent kannte einen Affen namens Clayton. Der Assistent verließ das Labor und als er nach acht Jahre zurückkam, war Clayton immer noch da, genau am gleichen Fleck. Der Mann sagte: „Clayton hatte ein rosafarbenes Gesicht, dunkle Augen, ein sandfarbenes Fell und einen 5 cm langen Titanstab im Schädel. Clayton war in einem Zuchtzentrum geboren worden. Er war in einer Metallbox aufgewachsen und hatte seine Jugend mit einem Loch im Kopf und einer Spule um sein Auge verbracht. Innerhalb von 10 oder 15 Jahren musste er unzählige Operationen über sich ergehen lassen, litt an Infektionen und wurde endlose Stunden auf einem Plastikstuhl fixiert. Ich zog in dieser Zeit ans andere Ende des Landes, wurde Journalist, heiratete, machte Urlaub – aber für Clayton hat sich rein gar nichts geändert. Jeden oder jeden zweiten Tag wurde er in einen anderen Raum gebracht und sein Kopf wurde mit der Stange fixiert, die noch immer aus seinem Schädel herausragt.“
 

Unsere Bewegung existiert, um an Personen wie Clayton zu erinnern – denn ja, es sind Personen! Und sie brauchen uns, um sie zu befreien.
 

Jemand, der der Meinung ist, wir sollten uns nur für den Kampf gegen die landwirtschaftliche Tierhaltung einsetzen, sagte einmal: „Die Menschen gehen vielleicht einmal im Jahr in den Zirkus oder vielleicht drei- oder viermal in ihrem Leben in den Zoo, aber jeder Mensch, der sich für die vegane Ernährung entscheidet, rettet 200 Tiere im Jahr.“ Es geht jedoch nicht darum, wie oft jemand in den Zirkus oder in den Zoo geht. Es geht um die Tiere, die dort gefangen sind, jahrein, jahraus; die schier wahnsinnig werden, im Kreis laufen, auf die Gitterstäbe beißen und irgendwie versuchen, ihre Situation zu ertragen – ganz egal, ob wir hingehen oder nicht.
 

Und auch über das Argument, es sei effektiver, jeden einzelnen Dollar in den Kampf gegen die landwirtschaftliche Tierhaltung zu stecken, lässt sich streiten. PETA hat beispielsweise 130.000 Tiere kastrieren lassen. Hätte nur die Hälfte dieser Tiere nur einmal im Leben Babys bekommen und hätte auch nur die Hälfte dieser Kinder selbst wieder nur einen einzigen Wurf bekommen, dann wären dies über 13 Millionen zusätzliche Lebewesen, die in eine Welt geboren werden, die sie nicht haben will! Und das haben wir verhindert. Das ist eine reale Statistik.
 

Selbst wenn man der Meinung ist, dass es das Wichtigste ist, das Leben von Tieren in der Nahrungsmittelindustrie zu retten, dann muss man auch Kampagnen unterstützen, die sich dafür einsetzen, die Nutzung von Tieren in der Bekleidungsindustrie zu beenden – denn die Körper all dieser Tiere enden letztlich auch auf dem Teller. Die Lebensmittelindustrie ist für zusätzlichen Profit auf den Verkauf von Daunenkissen, Wollpullis und Lederschuhen angewiesen. Jedes Mal, wenn wir einen Sieg gegen die Bekleidungsindustrie mit ihrer Nutzung von Tieren erzielen, spüren das auch die Fleisch- und die Milchindustrie.
 

Wir haben es nicht bis hierher geschafft, indem wir nur über die landwirtschaftliche Tierhaltung gesprochen haben. Es war ein langer, harter Weg. Wenn man in den 1980er Jahren nicht mit einer eigenen Flasche zum Co-op in Berkley ging, konnte man nur ein einziges Shampoo kaufen, das nicht an Tieren getestet war. Es war „Nature de France“ – importiert, teuer und nur schwer zu finden. Pelz war damals keine Tierschutzthematik, sondern ein Statussymbol. Es gab noch keine Computer Generated Imagery (CGI), um echte Wildtiere in Filmen zu ersetzen, und die Meinung von „Wissenschaftlern“ wurde nicht in Frage gestellt. Heute gibt es für alles eine Alternative: von veganen Ballettschuhen bis hin zu blutenden Modellen in der medizinischen Ausbildung. Wir haben Millionen Tiere vor Experimenten bewahrt, haben Versuchslabore geschlossen und alle Tiere herausgeholt! Mehr als 2.000 Unternehmen träufeln ihre Produkte heute nicht mehr in die Augen von Tieren oder pumpen sie in ihren Magen.
 

Wir sollten also immer alles in unserer Macht stehende tun, um allen Tieren zu helfen – ganz gleich, auf welche Weise sie misshandelt werden. Setzen wir uns für eine vegane Welt ein – mit unserer Ernährung, aber auch mit unserer Bekleidung, mit unseren Kaufentscheidungen, mit unserer Unterhaltung und mit der Art und Weise, wie wir jedes andere Lebewesen behandeln.