Wienrode: PETA deckt illegalen Handel mit verstümmelten Hunden auf

Tierschutzorganisation erstattet Strafanzeige und lobt Behörden
 

Wienrode / Stuttgart, 21. Februar 2019 – Ohren und Schwänze abgeschnitten: Eine Züchterin in Wienrode hält Dobermannwelpen in einem fensterlosen Keller. Isoliert von ihrer Mutter vegetieren die Hundekinder dort in ihren eigenen Fäkalien vor sich hin. Kurz nach der Geburt werden ihnen die Ruten abgetrennt. Bevor die Händlerin die Welpen verkauft, lässt sie ihnen von einer Bekannten aus Serbien die Ohren teilamputieren. Gefälschte Papiere sollen die illegalen Machenschaften verschleiern. PETA hat wegen Verstößen gegen das Tierschutzgesetz und das Arzneimittelgesetz Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Magdeburg, Zweigstelle Halberstadt, erstattet. Die Tiere wurden bereits beschlagnahmt. PETA fordert ein lebenslanges Halteverbot sowie die Überprüfung der wahrscheinlich involvierten Tierärztin und ihrer Approbation. Darüber hinaus soll der Fall finanzrechtlich geklärt werden.
 
Die Tierschutzorganisation lobt ausdrücklich die Zusammenarbeit zwischen dem Tierschutzbeauftragten des Landes Sachsen-Anhalt vom Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft und Energie, dem örtlichen Veterinäramt (Landkreis Harz), der Staatsanwaltschaft, und den Polizeibehörden in Halberstadt, dank der die Täter überführt werden konnten.
 
„Hunde aufgrund eines fragwürdigen ‚Schönheitsideals‘ zu verstümmeln und ihnen damit körperliche und seelische Schmerzen zuzufügen, ist in höchstem Maße tierschutzwidrig. Kein Hundefreund würde seinem Schützling eine solche Grausamkeit antun“, so Anna Walker, Fachreferentin für tierische Mitbewohner bei PETA. „Der Gesetzgeber muss in dieser Angelegenheit dringend handeln: Nur ein umfassendes Importverbot von kupierten Hunden nach Deutschland kann diese Tierquälerei ein Ende setzen.“
 
Tieren Körperteile zu amputieren, ist in Deutschland nach Paragraf 6 des Tierschutzgesetzes verboten und nur in Einzelfällen, wie medizinischen Eingriffen, zulässig. Aufgrund einer Gesetzeslücke ist es jedoch immer noch erlaubt, kupierte Hunde zu importieren; viele Menschen bringen ihre Vierbeiner ins nahegelegene Ausland und lassen die leidvolle Prozedur dort durchführen. Schwerwiegende Komplikationen, Schmerzen sowie psychische Beeinträchtigungen der Tiere nehmen sie dabei billigend in Kauf. Die Ohren werden den Welpen im Alter von acht bis zwölf Wochen, die Ruten bereits wenige Tage nach der Geburt abgeschnitten. Dieser schmerzhafte Eingriff hemmt die Tiere nicht nur in ihrer gesunden Sozialisierung, sondern kann zudem zu nachhaltigen Verhaltensstörungen führen.
 
Das Leid der „Rassetiere“
Zahlreiche der auf bestimmte Merkmale hin gezüchteten Tiere leiden unter Gesundheitsproblemen. Beispielsweise erkranken Schäferhunde oft an Hüftgelenksdysplasien, Cocker Spaniel an chronischer Bindehautentzündung und Französische Bulldoggen an Atembeschwerden sowie Anomalien der Wirbelsäule. Perserkatzen haben aufgrund ihrer sehr kurzen, flachen Nase häufig Atembeschwerden, und Scottish Folds sind durch ihre Kippohren nur zu einer eingeschränkten Kommunikation mit Artgenossen fähig.

Zucht verschärft Problem der heimatlosen Tiere
PETAs Motto lautet in Teilen: Tiere sind nicht dazu da, dass sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation weist darauf hin, dass in deutschen Haushalten aktuell etwa 13,7 Millionen Katzen und 9,2 Millionen Hunde leben [1]. Züchter „produzieren“ weiterhin reichlich Nachwuchs, obwohl jährlich allein in Deutschland insgesamt circa 300.000 Tiere im Tierheim abgegeben oder einfach ausgesetzt werden [2]. PETA fordert deshalb dazu auf, die Zucht nicht zu unterstützen und stattdessen einem hilfsbedürftigen Tier aus dem Tierheim ein Zuhause zu schenken.
 
[1] ZZF Pressemeldung vom 08.05.2018: Zahl der Heimtiere in Deutschland deutlich gewachsen. Online abrufbar unter: https://www.zzf.de/presse/meldungen/meldungen/article/zahl-der-heimtiere-in-deutschland-deutlich-gewachsen-1.html.
[2] Hochrechnung des Deutschen Tierschutzbunds 2005.
 

Dank der erfolgreichen Zusammenarbeit PETAs mit verschiedenen Behörden konnten die Hunde geborgen werden. / © PETA Deutschland e.V.
 
Die druckfähigen Motive finden Sie hier zum Download.
 
Weitere Informationen:
PETA.de/Kupieren
 
Kontakt:
Thomas Lesniak, +49 711 860591-527, ThomasL@peta.de