Wildgänse in Parks und Grünanlagen: 6 Gründe gegen die Jagd

Kanadagans

Wildgänse, insbesondere Nil- und Kanadagänse, werden in Parkanlagen, Schwimmbädern und an Badeseen zunehmend zum Störfaktor degradiert. Als Grund wird oft eine angebliche Gesundheitsgefährdung durch den Gänsekot vorgeschoben. Doch in Wahrheit werden die Tiere getötet, weil sich Badegäste gestört fühlen könnten. Auch Behauptungen über eine erhöhte Aggressivität der Gänse sind nicht haltbar.

Hier erfahren Sie, warum die Tötung der intelligenten und schönen Wildgänse keine Lösung darstellt:

1. Die Jagd auf Wildgänse ist äußerst grausam

Die Jagd geht mit erheblichem Leid für die Tiere einher. Aufgrund häufiger Fehlschüsse auf flüchtende Gänse sterben viele der Tiere langsam und qualvoll. Der Einsatz von Schrotkugeln, mit denen Wasservögel bei der Jagd getötet werden, führt oft nur zu Verletzungen und lässt die Tiere langsam und qualvoll sterben. In der Norikusbucht am Wöhrder See bei Nürnberg beispielsweise wurde eine Gans laut Augenzeugen nur angeschossen und litt eine Stunde lang unsägliche Qualen, ehe sie starb [1]. Wissenschaftlern zufolge ist bei der Jagd auf sogenanntes „Niederwild“, zu dem auch Gänse gehören, nur jeder 17. Schuss tödlich. Die restlichen 16 Schüsse fallen zu Boden, dringen ins Ökosystem ein und sorgen für Bleivergiftungen und somit häufig für einen indirekten und qualvollen Tod anderer Tiere. Wissenschaftler schätzen, dass bis zu einem Viertel aller Wasservögel in intensiv bejagten Gebieten an Bleivergiftung sterben [2].
Zudem werden bejagte Tiere scheu und benötigen durch die Flucht mehr Energie und damit letztlich mehr Futter. Darüber hinaus werden Familienverbände zerrissen, und Jungvögel verlieren den für sie überlebenswichtigen Anschluss an ihre Eltern, was meist ihren Tod bedeutet.

2. Die Jagd kann die Anzahl der Tiere nicht regulieren

Die punktuelle Jagd auf Wildgänse ist nicht geeignet, um die Tiere dauerhaft von bestimmten Gebieten fernzuhalten. Frei gewordene Gebiete werden rasch von anderen Tieren belegt, solange diese für die Gänse attraktiv bleiben. Dies zeigt die Situation am Wöhrder See in Nürnberg deutlich. Ein Jahr nach dem Abschuss von acht Tieren ist die Gänsepopulation unverändert hoch. [3]

3. Nilgänse sind nicht aggressiver als andere Vögel

Als Tötungsgrund von Nilgänsen wird unter anderem die angebliche Aggressivität der Tiere sowie das Erfüllen der EU-weit geltenden Unionsliste der invasiven Arten genannt.

Kanadagans
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Die Deutsche Ornithologen-Gesellschaft (Projektgruppe Gänse­ökologie) betont in ihrem Gutachten, dass „die vielfach behauptete übermäßige Aggression der Nilgans … bisher nicht nachgewiesen werden (konnte).“ [4]. Dem Naturschutzbund Deutschland (NABU) zufolge ist „Aufgrund des derzeitigen Erkenntnisstands … die ökologische Schädlichkeit der Nilgans in Deutschland … als gering bis nicht vorhanden einzustufen, so dass ein aktives deutschlandweites Bestandsmanagement mit dem Ziel einer Verringerung des Bestandes weder notwendig noch zu rechtfertigen ist.“ Zusammenfassend kommt auch der NABU zu dem Schluss, dass „sich Nilgänse ohne nachweisbare negative Effekte auf andere Arten in neuen Gebieten ansiedeln. […] Auch im Einzelfall vor Ort dürfte es nahezu unmöglich sein nachzuweisen, dass die gezielte Tötung von Nilgänsen gerechtfertigt, alternativlos und zielführend wäre, da eine Reihe von alternativen Maßnahmen zur Verfügung steht, deren Effektivität zunehmend nachgewiesen wird.“ [5].

4. Die Gefahr der Infektion durch Gänsekot ist gering

Dass Menschen durch den Kot von Gänsen erkranken, ist bisher nicht bekannt. In einer Antwort der baden-württembergischen Regierung (2015) heißt es [6]:

„Gänse scheiden wie alle anderen Vogelarten mit dem Kot eine Vielzahl von Bakterien, Pilzen und auch Viren aus. Genaue Zahlen über mögliche Erkrankungen beim Menschen durch Kontakt mit Gänsekot sind nicht verfügbar; die Infektionsgefahr für den Menschen ist aber als gering einzuschätzen.“

Auch die Stadt Frankfurt hat unter der Leitung der Umweltdezernentin Rosemarie Heilig und in Zusammenarbeit mit der Leiterin der Staatlichen Vogelschutzwarte, Dagmar Stiefel, vor Kurzem ein tierfreundliches Konzept erarbeitet. Dagmar Stiefel warnte vor „unnötiger Panikmache“ vor dem Tierkot. Menschen müssten mit extrem viel Kot in Berührung kommen, um zu erkranken. Dies sei der Biologin zufolge unter normalen Umständen höchst unwahrscheinlich.

5. Tierfreundliches Gänsemanagement als effiziente Lösung verfügbar

Im Essener Grugapark wurde 2016 eine bereits geplante Tötung von Tieren nach massiven Protesten aus der Bevölkerung und einer Beratung durch Dr. Homma abgesagt [7]. Seitdem hat die Stadt Düsseldorf Lösungen erarbeitet. Mitte 2019 zog die Stadt eine positive Bilanz des tierfreundlichen Gänsemanagements. Dr. Susanne Homma und Olaf Geiter, Leiter des bundesweiten Beringungsprogrammes für Gänse, halfen, das effektive und tierfreundliche Gänsemanagement umzusetzen: Betroffene Flächen wurden für Gänse unattraktiv gestaltet, etwa indem Sichtschutzzäune errichtet wurden, der den Gänsen den Überblick nimmt. Aus Angst vor natürlichen Feinden, wie Füchsen, Hunden oder anderen Beutegreifern, meiden Gänse Flächen ohne Weitblick. Auch strenge Fütterungs­verbote und Aufklärung der Öffentlichkeit zeigten Erfolg. Zudem wurden attraktive Ausweichflächen als Rückzugsorte geschaffen, auf die die Wildgänse umziehen konnten. [8][9]

Nilgans
Auf diese Weise ist ein friedliches Zusammenleben mit den Gänsen möglich.

6. Gänse sind hochintelligente und wundervolle Tiere

Gänse sind sehr soziale Tiere. Das Gänsepaar kümmert sich gemeinsam rührend um seine Küken; Eltern und Kinder erkennen sich an der Stimme. Manche Gänseeltern adoptieren sogar fremde Küken, die ihre Eltern verloren haben. Die Flugrouten der Wildgänse in Winterquartiere sind nur in etwa angeboren, die genaue Strecke wird erlernt und als Tradition an die nächsten Generationen weitergegeben. Diese Eigenschaft ist einmalig unter Vögeln [10]. Wildgänse sind faszinierend und wundervoll – ein friedliches Zusammenleben zwischen Menschen und Wildgänsen ist problemlos möglich.

Was Sie tun können

  • Klären Sie Ihr Umfeld darüber auf, dass Gänse im städtischen Umfeld kein Grund zur Sorge sind 
  • Schreiben Sie einen Brief an den Bürgermeister Ihrer Stadt, wenn Wildgänse getötet werden sollen, und bringen Sie Ihren Unmut zum Ausdruck. Oder organisieren Sie Mahnwachen gegen geplante Abschüsse
  • Melden Sie uns Tierquälerei an Wildgänsen

[1] Ute Möller (2018): Getötete Gänse am Wöhrder See: Protest wegen Tierquälerei. Tierschutzverein Noris und Deutscher Tierschutzbund erstatten Anzeige. In: Nürnberger Nachrichten. Online unter: http://www.nordbayern.de/region/nuernberg/getotete-ganse-am-wohrder-see-protest-wegen-tierqualerei-1.7973501 (zuletzt abgerufen am 21. August 2018).
[2] Schlederer, S. M. (2001): Die Benutzung von Bleischrot gefährdet Mensch, Tier und Umwelt. In: Komitee gegen den Vogelmord e. V. (CABS). Schrot- und Bleiproblematik in Deutschland. 3. Verwendung bleihaltigen Schrots bei der Jagd auf "Niederwild. Online unter: https://www.komitee.de/content/aktionen-und-projekte/deutschland/schrot-und-bleiproblematik/niederwild-und-blei (zuletzt abgerufen am 05.07.2019).
[3] Andreas Franke (2019): Wöhrder See: Gänse scheren sich einen Dreck um Sör. In: Nordbayern.de. Online unter: https://www.nordbayern.de/region/nuernberg/wohrder-see-ganse-scheren-sich-einen-dreck-um-sor-1.9236192 (zuletzt abgerufen am 08.10.2019).
[4] Dr. Johan H. Mooij, Dr. Helmut Kruckenberg, Prof. Dr. Hans-Heiner Bergmann (k.A.): Wissenschaftliche Stellungnahme zu Entwicklungen im Gänseschutz in Nordrhein-Westfalen – hier: Jagd auf Gänse, Deutsche Ornithologen-Gesellschaft (DO-G)
Projektgruppe Gänseökologie. Wilhelmshaven. Online unter: https://www.nabu-duisburg.de/app/download/4915204863/Stellungnahme_DOG_NRW.pdf.
[5] Nabu: Nilgans im Fokus. Wie gehen wir mit der neuen Art um?, Online unter: https://www.nabu.de/natur-und-landschaft/landnutzung/jagd/25852.html (zuletzt abgerufen am 03.07.2019).
[6] Drucksache 15/6789. Online unter www.landtag-bw.de/files/live/sites/LTBW/files/dokumente/WP15/Drucksachen/6000/15_6789_D.pdf
[7] Schymiczek, M. (2017): Grugapark will Kanada-Gänsen den Appetit verderben. In: WAZ. www.waz.de/staedte/essen/grugapark-will-kanada-gaensen-den-appetit-verderben-id209808191.html (zuletzt abgerufen am 29. September 2017).
[8] Homma S., Geiter O. (2004): Gänse und Menschen Bereicherung oder Problem? http://www.kanadagans.de/.
[9] Mueller-Töwe Jonas (2014): Gänsedreck sorgt für Ärger an Badeseen. In: Die Welt. www.welt.de/regionales/duesseldorf/article130001319/Gaensedreck-sorgt-fuer-Aerger-an-Badeseen.html (zuletzt abgerufen am 13. Juni 2016).
[10] Nabu Naturschutzstation Niederrhein: Wildgänse-Ökologie der Gänse
Online unter: https://www.nabu-naturschutzstation.de/de/wildgaense/oekologie-der-gaense (zuletzt abgerufen am 03. Juli 2019).