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Zahlreiche Tierschutzverstöße auf der „Fisch und Reptil“-Messe in Sindelfingen

 
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PETA zeigt Missstände an und fordert Verbot

Stand Dezember 2017
Sindelfingen / Stuttgart, 5. Dezember 2017 – Empfindliche Exoten in Plastikboxen verramscht: PETA hat bei einer Kontrolle der Terraristik- und Reptilienbörse am vergangenen Wochenende in Sindelfingen eine Reihe von Verstößen gegen Tierschutzleitlinien festgestellt.  Über mehrere Tage waren viele Tiere ohne Rückzugsmöglichkeit ausgestellt, zudem waren einige Behälter nicht ausbruchsicher. Schlangen, Bartagame und Vogelspinnen wurden unter Interessenten herumgereicht – extremer Stress für die Wildtiere, so PETA. Offenbar ließen die Aussteller ihre Tiere teilweise auch hungern. Die Tierrechtsorganisation hat heute zahlreiche dokumentierte Verstöße beim Kreisveterinäramt Böblingen angezeigt und erwartet nun die Einleitung eines Bußgeldverfahrens gegen Betreiber und bestimmte Aussteller. Zum Schutz der Tiere fordert PETA die Stadt Sindelfingen auf, Börsen für sensible exotische Tiere nicht mehr zu genehmigen.
 
„Es ist erschütternd zu sehen, dass empfindliche Tiere zu Hunderten in Plastikboxen angeboten werden und dabei nicht einmal die grundlegenden Richtlinien eingehalten werden“, so Peter Höffken, Fachreferent bei PETA. „Viele angebotene Tiere sind direkt in der Natur gefangen worden. Auf solchen Börsen werden sie an jeden, auch ohne Fachwissen, verkauft.“
 
Entgegen der Vorschriften des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft fehlten häufig Hinweise zu Herkunft, Geschlecht, Geburtsdatum, Artenschutzstatus und Haltungsansprüchen der Exoten. Die Verkaufsbehälter bei den Anbietern von Fischen waren von mehreren Seiten einsehbar, die Tiere waren so permanenter Unruhe ausgesetzt. Beobachtet hat PETA auch, wie ein Mann mit einer Schlange Fotos vor einem Käfig mit Mäusen machte und die Nager so in Panik versetzte. Hunde auf dem Messegelände stressten die fast ungeschützten Tiere zusätzlich. Tierärztliche Kontrollen, wenn sie überhaupt gemacht wurden, können nur mangelhaft durchgeführt worden sein.
 
Eine im August 2016 veröffentlichte international übergreifende PETA-Recherche offenbarte erstmals Einblicke in den skrupellosen Handel mit Reptilien, die für den deutschen Heimtiermarkt bestimmt sind. Ermittler der Tierrechtsorganisation dokumentierten massenhaft tote, verletzte oder jahrelang in Plastikboxen eingesperrte Tiere bei deutschen Großhändlern und deren internationalen Zulieferern. Viele der empfindlichen Exoten sterben bereits auf dem Transport aus ihren Heimatländern (Sterberaten von bis zu 70 Prozent) [1]. Händler nehmen ihren Tod billigend in Kauf.
 
In Passau werden bereits keine Reptilienbörsen mehr zugelassen. Im Koalitionsvertrag der Großen Koalition ist ein Verbot der Messen vereinbart – umgesetzt wurde es bisher nicht.
 
PETA appelliert an die Bevölkerung, Terraristikbörsen, Reptilienausstellungen und Exotenmessen zu meiden. Wer über die nötigen Fachkenntnisse verfügt, kann ein Tier aus einem Tierheim bei sich aufnehmen und so dazu beitragen, den Handel einzudämmen. Wissenswertes über die faszinierenden Reptilien und Exoten erlernen Kinder viel eher in entsprechenden Dokumentationen, da Tiere in Freiheit ein anderes Verhalten zeigen als in Gefangenschaft.
 
[1] Toland, Elaine / Warwick, Clifford / Arena, Phillip (2012): Pet Hate. In: The Biologist, Vol. 59 No. 3.

Weitere Informationen:
PETA.de/Exotenhandel
PETA.de/Salmonellen
PETA.de/Exotenboersen

Kontakt:
Denis Schimmelpfennig, +49 711 860591-528, DenisS@peta.de