Zahlreiche Tierschutzverstöße auf der Terraristikmesse in Karlsruhe

Karlsruhe / Stuttgart, 8. März 2018 – Tödlicher Stress für Exoten: Auf der Terraristikmesse am vergangenen Samstag dokumentierte eine PETA-Mitarbeiterin zahlreiche Missstände. Empfindliche Exoten mussten über Stunden hinweg ohne Nahrung und Wasser in kleinen Boxen voller Kot ausharren; einige zeigten stereotype Verhaltensweisen und versuchten verzweifelt, aus den Behältern zu entkommen. PETA wird sämtliche Verstöße beim Kreisveterinäramt in Karlsruhe melden und erwartet die Einleitung eines Bußgeldverfahrens gegen den Betreiber und bestimmte Aussteller. Zum Schutz der Tiere fordert die Tierrechtsorganisation die Stadt Karlsruhe auf, Börsen für sensible exotische Tiere nicht mehr zu genehmigen.

„Die Zustände auf der Börse haben mich zutiefst erschüttert. Dass empfindliche Tiere zu Hunderten – teils in völlig verdreckten Plastikboxen – angeboten und dabei nicht einmal die grundlegenden Richtlinien eingehalten werden, ist absolut unverständlich“, so Jana Hoger, Fachreferentin für tierische Mitbewohner bei PETA. „Empfindliche Exoten wurden zu Schleuderpreisen regelrecht verramscht, sodass sich viele Menschen zu Spotankäufen verleiten ließen.“
 
Die kleinen, verdreckten Behälter auf der Messe waren zum Teil nicht ausbruchsicher, sodass beispielsweise eine Schlange beinahe entkam. An einem Stand wurden Schlangen herumgereicht, was enormen Stress für die sensiblen Tiere bedeutet – bereits ein längerer Blick von einem Menschen kann bei Exoten Todesängste auslösen. Andere Tiere versuchten durch dauerhaftes Graben und Scharren, aus den Boxen zu fliehen. Entgegen den Vorschriften des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft fehlten häufig Hinweise, etwa zu Herkunft, Geschlecht, Artenschutzstatus und Haltungsansprüchen; teilweise waren gar keine Hinweisschilder vorhanden.
 
PETA fordert ein generelles Haltungsverbot von exotischen Tieren in Privathaushalten. Eine artgerechte Haltung von Reptilien ist in Gefangenschaft nicht möglich. Zudem ist die Versorgung nicht nur extrem kostspielig, sondern erfordert auch ein umfangreiches Wissen. Ein Großteil der in Deutschland gehaltenen Exoten stirbt frühzeitig, weil die Tiere nicht ihren Bedürfnissen entsprechend gehalten werden. Eine tierärztliche Fallstudie, bei der rund 150 verstorbene Reptilien untersucht wurden, kam zu dem Ergebnis, dass 51 Prozent der Tiere an durch Haltungsfehler verursachten Krankheiten litten [1].

Eine im August 2016 von PETA veröffentlichte, international übergreifende Recherche offenbarte erstmals Einblicke in den skrupellosen Handel mit Reptilien, die für den deutschen Heimtiermarkt bestimmt sind. Ermittler der Tierrechtsorganisation dokumentierten massenhaft tote, verletzte oder jahrelang in Plastikboxen eingesperrte Tiere bei deutschen Großhändlern und deren internationalen Zulieferern. Bei einem erheblichen Teil der auf Terraristik- und Reptilienbörsen angebotenen Wildtiere handelt es sich zudem um Naturentnahmen. Im Auftrag profitorientierter Händler und gedankenloser Endabnehmer werden die letzten artenreichen Naturgebiete regelrecht geplündert.

Studien zufolge übertragen die meisten Reptilien gefährliche exotische Salmonellenarten: Schätzungsweise 90 Prozent der Tiere tragen die gesundheitsgefährdenden Erreger in sich. Auf den Menschen übertragene Salmonellen können schlimmstenfalls zu Hirnhautentzündungen oder gar zum Tod des Menschen führen – vor allem Kinder und immungeschwächte sowie ältere Menschen sind gefährdet. Laut Schätzungen des Robert-Koch-Instituts ist jede dritte Salmonelleninfektion bei Kleinkindern auf den Umgang mit exotischen Tieren zurückzuführen [2].
 
In Passau werden seit Oktober 2016 keine Veranstaltungen mehr zugelassen, die der Zurschaustellung und dem Verkauf exotischer Tiere dienen. Im Koalitionsvertrag hatte die damalige Großen Koalition bereits 2013 ein Verbot der Messen vereinbart – umgesetzt wurde es bislang nicht.

PETA appelliert an die Bevölkerung, Terraristikbörsen, Reptilienausstellungen und Exotenmessen zu meiden. Wer über die nötigen Fachkenntnisse verfügt, kann ein Tier aus einem Tierheim bei sich aufnehmen und so dazu beitragen, den Handel einzudämmen. Wissenswertes über die faszinierenden Reptilien und Exoten erlernen Kinder viel eher in entsprechenden Dokumentationen, da Tiere in Freiheit ein anderes Verhalten zeigen als in Gefangenschaft.

PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten, wir an ihnen experimentieren oder sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten.

[1] Schmidt, Volker (2008): Die Bedeutung von haltungs- und ernährungsbedingten Schäden bei Reptilien. Eine retrospektive pathologische Studie. 4. Leipziger Tierärztekongress.
[2] Robert-Koch-Institut: Salmonella-Infektionen bei Säuglingen und Kleinkindern durch Kontakt zu exotischen Reptilien. Epidemiologisches Bulletin. 4. März 2013 / Nr. 9. 

Weitere Informationen:
PETA.de/Exotenhandel
PETA.de/Salmonellen
PETA.de/Exotenboersen
 
Kontakt:
Jana Fuhrmann, +49 711 860591-529, JanaF@peta.de