Spenden
 »  »  »  »  » Zucht: Tierleid für Profit und Rassenwahn

Zucht: Tierleid für Profit und Rassenwahn


Jedes Jahr landen über 300.000 Hunde, Katzen, Kaninchen, Reptilien und andere Tiere in deutschen Tierheimen – und sie müssen immer länger auf eine zweite Chance warten. (1) Manche von ihnen finden kein neues Zuhause und bleiben ihr Leben lang im Tierheim! Dessen ungeachtet züchten unverantwortliche Menschen weiterhin Tiere – für ihren Profit oder den Rassenwahn.

Tierschutzwidrige Zustände
Tierschutzwidrige Zustände in der profitorientierten Zucht sind kein Einzelfall: Recherchen von PETA haben schon häufig aufgezeigt, welch katastrophale Bedingungen hinter den Kulissen der Zuchtindustrie herrschen. Kleintiere, aber auch immer mehr Hunde, werden von Großzüchtern massenhaft „produziert“ und gewinnbringend vermarktet. Das Individuum gerät dadurch völlig in Vergessenheit. Wenn ein Tier krank oder verletzt ist, würde ein Besuch durch den Tierarzt schlichtweg zu viel kosten, als dass es sich auf die Masse gerechnet für den Züchter lohnt. Viele Tiere werden in völlig überfüllten Käfigen gehalten, wieder andere sitzen als soziale Tiere alleine hinter Gittern. Für den Nachwuchs bedeuten diese Zustände eine Tortur von wenigen Wochen – für die Mütter, die als Gebärmaschinen ausgebeutet werden, lebenslanges Leiden. Die Bedürfnisse der Tiere zählen nicht.
Kommerziellen Züchtern geht es nicht um das Wohl der Tiere, sondern um ihren persönlichen Profit.

Rassenwahn: Tierleid für menschlichen Größenwahn
Neben dem Profit geht es in der Zucht auch darum, Tiere nach bestimmten Vorstellungen und Formen zu schaffen. Hunde, Katzen, Kaninchen, Kanarienvögel und andere Tiere werden auf spezielle „Rasse“-Merkmale hin gezüchtet: Die entsprechenden Zuchtverbände stellen sogenannte Zuchtziele auf, die bestimmte Merkmalsausprägungen zu Körperform, Haar- oder Federfarbe und vielem mehr penibel vorschreiben. (2) Und Züchter wetteifern miteinander, angeblich „perfekte“ Tiere zu „schaffen“.
Das Wohl und die Gesundheit der Tiere interessiert dabei nicht – die Züchter nehmen ganz bewusst erhebliches Tierleid in Kauf. So leiden viele Tiere ihr Leben lang unter zuchtbedingten Merkmalsausprägungen. Hunde mit extrem kurzen Nasen, Katzen ohne Schwänze, Kanarienvögel, die aufgrund der Federhauben nicht sehen können, und viele mehr. Obwohl § 11b Tierschutzgesetz die Zucht von sogenannten Qualzuchten verbietet (3), also von Tieren, die unter anderem aufgrund der ausgeprägten Merkmale Schmerzen oder vermeidbaren Leiden ausgesetzt sind, wird dieses Verbot nicht effektiv umgesetzt: Völlig überzüchtete Tiere sind auf den Straßen immer häufiger zu sehen – wie französische Bulldoggen oder Möpse, die in der Regel unter Atemnot leiden.

Ungeachtet des Leids der einzelnen Tiere in der Zucht kann es vor dem Hintergrund der ohnehin bereits überfüllten Tierheime keine guten Züchter geben: Denn jeder neugeborene Welpe und jedes kleine Kätzchen nimmt einem anderen Tier, das dringend auf ein neues Zuhause wartet, die Chance auf eine Vermittlung. Auch Einzelpersonen, die ihre Tiere „nur einmal“ Nachwuchs bekommen lassen, tragen zur massiven Überzahl an Hunden und Katzen bei.

(1) Nach Angaben des deutschen Tierschutzbundes hat sich die Verweildauer der Tiere erhöht: Tierheime in Deutschland Mai 2010, S. 7.
(2) Genaue Vorgaben zu den Zuchtzielen von Kanarienvögeln sind beispielsweise auf der Homepage des DKB – Deutscher Kanarien- und Vogelzüchter-Bund e.V. unter dem Reiter „Fachgruppen“, „Fachgruppe Farben u. Positur“ zu finden: www.dkb-online.de
(3) Obwohl ein Gutachten zur Auslegung des § 11b TierSchG das Qualzuchtverbot erläutern soll, wird es nicht effektiv umgesetzt.  www.bmelv.de/SharedDocs/Downloads/Landwirtschaft/Tier/Tierschutz/GutachtenLeitlinien/Qualzucht.pdf?__blob=publicationFile