Zudar auf Rügen: Jäger tötet 35 Hockerschwäne – PETA erstattet Strafanzeige und fordert Jagdverbot

Rügen / Stuttgart, 2. Mai 2016 – Ein Jäger erschoss Ende Februar auf einem Feld bei dem Ort Groß Schoritz und der Halbinsel Zudar auf Rügen innerhalb weniger Stunden 35 Höckerschwäne. Das berichtete die Ostsee-Zeitung. Höckerschwäne unterliegen zwar dem Jagdrecht, zum Zeitpunkt der Tötung waren die Tiere aber bereits durch die Schonzeit geschützt. Die Tiere gehören zudem laut Bundesnaturschutzgesetz zu den besonders geschützten Arten. Offenbar erteilte die Jagdbehörde des Landkreises auf Verlangen der ansässigen Agrargesellschaft zuvor eine Ausnahmegenehmigung für die Jagd auf Schwäne, um übermäßigen Wildschaden durch die Vögel zu verhindern. Für eine derartige Massentötung erschließt sich kein vernünftiger Grund im Sinne des Tierschutzgesetzes – die Tiere hätten stattdessen auch mit tierfreundlichen Maßnahmen verscheucht werden können. PETA hat nun wegen des Verdachts des Verstoßes gegen § 17 Tierschutzgesetz bei der Staatsanwaltschaft Stralsund Strafanzeige gegen den Jäger und die Verantwortlichen der Jagdbehörde erstattet. Die Tierrechtsorganisation fordert die Landesregierung Mecklenburg-Vorpommerns auf, ein Jagdverbot auf Schwäne durchzusetzen.
 
„Das Abschießen der 35 Tiere auf Rügen ist bereits der zweite Fall innerhalb weniger Monate in Mecklenburg-Vorpommern, bei dem Schwäne massenweise getötet wurden“, so Vanessa Reithinger, Fachreferentin für Wildtiere bei PETA. „Der Höckerschwan unterliegt zwar dem Jagdrecht, gehört laut Bundesnaturschutzgesetz jedoch zu den besonders geschützten Vogelarten. Diese anmutigen Tiere zum Abschuss freizugeben, ist unabhängig jeglicher Schonzeiten aus Sicht des Tier- und Naturschutzes nicht tragbar.“
 
Bereits im Dezember 2015 töteten Jäger in Klausdorf bei Stralsund 50 Höckerschwäne. PETA erstattete Strafanzeige – es wurde ein Ermittlungsverfahren eingeleitet, das derzeit noch andauert.
 
PETA setzt sich darüber hinaus für die Abschaffung der Jagd ein. Wissenschaftliche Studien belegen, dass die Jagd nicht dazu geeignet ist, Wildpopulationen dauerhaft zu regulieren. Wissenschaftler wiesen nach, dass die Geschlechtsreife der weiblichen Tiere in bejagten Wildschweinpopulationen früher eintritt, was die Geburtenrate ansteigen lässt [1]. Demnach bedingt ein hoher Jagddruck, dass sich die Population der betreffenden Wildtiere in dem Gebiet erhöht. Auch der renommierte Biologe Prof. Dr. Josef Reichholf sieht aus wildbiologischer Sicht keine Notwendigkeit in der Jagd: Die nahezu ausgerotteten Wölfe müssen nicht durch menschliche Jäger ersetzt werden, da eine natürliche Regulation der im Wald wohnenden Tierpopulationen durch Umwelteinflüsse wie Witterung, Nahrungsverfügbarkeit oder Krankheiten stattfindet. Somit besteht kein vernünftiger Grund oder gar eine Notwendigkeit für die Jagd.
 
[1] Servanty et al. (2009): Pulsed resources and climate-induced variation in the reproductive traits of wild boar under high hunting pressure. Journal of Animal Ecology. Nr. 78, Issue 6.
 
Weitere Informationen:
PETA.de/Jagd
 
Kontakt:
Jana Fuhrmann, +49 (0)711 860591-529, JanaF@peta.de