Zwei Tote bei schwerem Kutschunfall in Sehmatal – PETA appellierte bereits drei Mal an Landrat Vogel, Pferdekutschen im Erzgebirgskreis zu verbieten

Sehmatal / Stuttgart, 15. Februar 2018 – Vermeidbare Tragödie: Am Mittwochnachmittag ereignete sich im Ortsteil Neudorf ein Unfall mit einer Pferdekutsche, bei dem zwei Menschen getötet und drei Menschen zum Teil schwer verletzt wurden. Medienberichten zufolge gingen die beiden Pferde durch, woraufhin die Kutsche gegen einen Baum prallte. Eine 64-jährige Frau und ihr 66-jähriger Mann erlagen ihren Verletzungen noch am Unfallort. Ein Schwerverletzter wurde mit einem Rettungshubschrauber ins Krankenhaus geflogen. Aufgrund schwerer Unfälle in den Jahren 2014 und 2016 forderte PETA Landrat Frank Vogel bereits drei Mal schriftlich auf, zum Schutz von Mensch und Tier ein Pferdekutschenverbot im Erzgebirgskreis einzuführen. 2016 antwortete die Kreisverwaltung, dass „Pferdekutschen nicht ein solches Problem darstellen, dem mit einem Verbot begegnet werden müsste.“ Die Tierrechtsorganisation kritisiert den Einsatz von Pferden vor Kutschen seit vielen Jahren. Durchschnittlich kommt es jährlich bundesweit zu rund 50 Unfällen mit zahlreichen Opfern.

„Die Tragödie war vermeidbar. Pferde sind Fluchttiere, die sehr leicht erschrecken und durchgehen können. Es ist unverantwortlich, sie vor den veralteten Gefährten einzusetzen. Wir bedauern, dass der Erzgebirgskreis trotz mehrerer schwerer Unfälle bisher nicht gehandelt hat. Den Angehörigen sprechen wir unser Beileid aus und hoffen, dass die Verletzten bald genesen“, so Peter Höffken, Fachreferent bei PETA. „Wir appellieren erneut an Landrat Vogel, Pferdekutschen endlich zu verbieten, um unnötige Unfälle künftig zu vermeiden.“ 

2017 wurden bei insgesamt 41 Unfällen in Deutschland drei Menschen getötet und 67 verletzt – viele von ihnen schwer. Darüber hinaus starben im vergangenen Jahr drei Pferde, 17 weitere Tiere verletzten sich. Die mit Abstand häufigste Unfallursache war wieder ein Erschrecken eines oder mehrerer Pferde im Straßenverkehr oder auf einem Wald- oder Feldweg. Anfang dieses Jahres forderte PETA das Bundesverkehrsministerium in einem Schreiben erneut auf, ein Verbot von Pferdekutschen zu prüfen.

Im Erzgebirgskreis wurden im Januar 2014 zwei Mädchen bei einem Kutschunfall in Breitenbrunn verletzt. Im Dezember 2014 erlitten drei Frauen teils schwere Verletzungen bei einem Unfall auf dem Weihnachtsmarkt in Oberwiesenthal. Im Juni 2016 starb in Thermalbad Wiesenbad ein 69-Jähriger, als eine Kutsche umkippte. Sechs weitere Fahrgäste wurden dabei zum Teil schwer verletzt. Insgesamt kam es nach Angaben der Kreisverwaltung zwischen 2014 und 2016 zu acht Kutschunfällen im Landkreis.

PETA weist darauf hin, dass die häufig schweren Verläufe der Unfälle vor allem auf fehlende Sicherungsvorrichtungen wie Gurte und Airbags sowie mangelhafte Beleuchtung und unzureichende Bremssysteme zurückzuführen sind. Daher ist ein Vergleich mit den Unfallzahlen aus dem Kraftfahrzeugbereich nicht zielführend: Die Sicherheit motorisierter Fahrzeuge wird im Gegensatz zu Pferdekutschen ständig weiterentwickelt und aktuellen Standards angepasst. Rothenburg ob der Tauber beschloss 2010 nach einem schweren Pferdekutschenunfall ein Kutschverbot im Innenstadtbereich, das der Bayerische Verwaltungsgerichtshof bestätigte.

PETAs Motto lautet in Teilen: Tiere sind nicht da, um uns zu unterhalten. Die Tierrechtsorganisation setzt sich auch aus Tierschutzgründen für ein Verbot von Pferdekutschen ein. Eine tiergerechte Lebensweise wird Pferden vor Kutschen verwehrt.
 
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