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Enge, Schmerzen und Kannibalismus im Schweinezuchtbetrieb – Landwirt aus Bad Boll muss Bußgeld zahlen

 
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PETA-Recherche bringt das alltägliche Leid von Schweinemüttern ans Licht

Stand Juli 2015
Bad Boll / Ulm / Stuttgart, 30. Juli 2015 – Offene Wunden, tote Ferkel und drangvolle Enge: PETA Deutschland e.V. recherchierte im Januar 2015 in einem mittelständischen Betrieb im Raum Göppingen. Das Videomaterial zeigt, wie Schweinemüttern das Gesäuge mit Metallgestängen eingeklemmt wird – die Tiere vegetieren unter nicht artgerechten Lebensumständen vor sich hin und weisen zahlreiche entzündete Verletzungen auf. Ringelschwänze werden ohne Betäubung und veterinärmedizinische Nachversorgung abgeschnitten. Trotz der schmerzhaften Prozedur sind Spuren von Kannibalismus sichtbar. Die PETA-Ermittler entdeckten weiterhin Schweine mit halb ausgerissenen Ohrmarken und blutigen Abszessen; im Zugang zur Stallung lagen tote Ferkel. Vor diesem Hintergrund stellte PETA im Februar 2015 Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Ulm gegen den Halter der Tiere. Der Landwirt aus Bad Boll musste nun wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz und die Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung ein Bußgeld in Höhe von 250 Euro zahlen. Die Tierrechtsorganisation prüft weitere rechtliche Schritte.
 
„Wie bei Tierschutzvergehen in Deutschland üblich, ist die verhängte Buße gegen den Bad Boller Landwirt viel zu gering“, so Lisa Wittmann, Fachreferentin für Tiere in der Ernährungsindustrie bei PETA Deutschland e.V. „Keine menschliche Mutter kann sich vorstellen, fast ihr gesamtes Leben eingesperrt in einem Käfig zu verbringen, der kaum größer ist als eine Badewanne, ohne jemals eine echte Bindung zu ihrem Nachwuchs aufbauen zu können. PETA geht nach wie vor davon aus, dass es sich bei den Vergehen um Straftaten handelt, und wird versuchen, diese Rechtsauffassung jetzt durchzusetzen.“
 
Die PETA-Recherche bringt erneut ans Licht, unter welch unwürdigen Bedingungen Schweinemütter und ihre Ferkel leben müssen. Das einzelne Leben zählt wenig: Auch bei dieser Recherche wurden viele tote Ferkel gefilmt, denn „Verluste“ sind eingeplant. Besonders zarte Tiere werden oftmals zwischen ihren Geschwistern eingequetscht und ersticken qualvoll, oder sie werden von Mitarbeitern aussortiert und totgeschlagen – ihre Aufzucht ist für den Mäster nicht effizient. Die Zustände in dem Betrieb in Bad Boll sind keine Ausnahme; sie zeigen vielmehr das tägliche Leid von Schweinen in der deutschen Zucht und Mast.
 
Eine sogenannte Zuchtsau dient in der Tierindustrie ausschließlich dazu, möglichst viele Ferkel zu produzieren. Die sensiblen und intelligenten Tiere werden bereits kurz nach einer Geburt erneut künstlich besamt. Per Gesetz können sie anschließend bis zu vier Wochen in einen engen „Kastenstand“ eingepfercht werden, um jederzeit prüfen zu können, ob das Schwein tragend ist oder ob erneut besamt werden muss. In dieser drangvollen Enge müssen die Schweine stehen, liegen, essen, koten und urinieren. Die Schwangerschaft von etwa weiteren zwei Monaten verbringen sie in den beengten, unhygienischen und von Rangkämpfen geprägten „Gruppenbuchten“. Zur Geburt wird das Schwein in eine „Abferkelbucht“ gesperrt. Erneut ein Metallkäfig, der es ihr nicht einmal ermöglicht, sich umzudrehen. Üblich sind hier Breiten von 70 cm bis 90 cm – je nach Größe des Tieres. Doch selbst diese beengten Verhältnisse wurden bei der aktuellen Recherche noch unterschritten: Hier hatten die Schweinemütter nur eine Boxenbreite von ca. 55 cm zur Verfügung, in denen das Hinlegen somit nur unter großen Schmerzen möglich ist. Die Stillzeit von rund drei Wochen verbringt die Ferkelmutter in diesem Gitterkäfig. Anschließend werden ihr die Kinder weggenommen und sie wird erneut besamt.
 
PETA vertritt die Ansicht, dass Tiere nicht dazu da sind, für die menschliche Ernährung ausgebeutet zu werden. Veganer führen nicht nur ein gesünderes Leben, jeder Einzelne bewahrt auch bis zu 50 Tiere pro Jahr vor dem Tod in Tierfabriken, Schlachthöfen oder in Fischernetzen. Mit dem kostenlosen Veganstart-Programm der Tierrechtsorganisation gelingt der Umstieg auf eine rein pflanzliche Ernährung spielend leicht. PETA Deutschland e.V. ist die größte Interessenvertretung vegan lebender Menschen in Deutschland.
 

Drangvolle Enge, verletze Schweinemütter, tote Ferkel: Bilder aus dem mittelständischen Zuchtbetrieb in Bad Boll / © PETA
 
Die druckfähigen Motive können hier, hier und hier heruntergeladen werden.
 
Weitere Informationen:
PETA.de/schweineleben-in-deutschland
PETA.de/FerkelaufzuchtNRW
PETA.de/themen/Ernährung
Veganstart.de
 
Kontakt:
Jana Fuhrmann, +49 (0)711 860591-529, JanaF@peta.de