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Jagdunfall: Jäger trifft Jäger bei Drückjagd in Leibertingen – PETA fordert Verbot der Hobbyjagd in Deutschland

Stand September 2016
Leibertingen / Stuttgart, 1. September 2016 – Gefährliche Schüsse: Am Dienstagabend ist ein 21-jähriger Jäger in Leibertingen bei einer Drückjagd vermutlich von einem Kollegen angeschossen worden. Die Polizei vermutet, dass ihn ein Querschläger am Oberschenkel verletzte, nachdem ein 47-jähriger Jäger auf den Boden geschossen hatte, um Wildschweine aus einem Maisfeld hinauszutreiben. 19 weitere Jäger standen um das Feld herum. Der Verletzte wurde per Hubschrauber in eine Klinik gebracht, wo ihm ein Projektil aus dem Bein entfernt wurde. Im Hinblick auf diesen und ähnliche Jagdunfälle fordert PETA  das längst überfällige Verbot der sogenannten Hobbyjagd in Deutschland. Immer wieder bringen die Weidmänner auch Passanten in Gefahr und gefährden die öffentliche Sicherheit durch fahrlässiges Handeln. Die Tierrechtsorganisation rät der Bevölkerung zudem zu erhöhter Vorsicht während der anstehenden Hauptjagdsaison von Oktober bis Januar.  
„Der aktuelle Fall in Leibertingen zeigt wieder einmal: Bei der Jagd besteht Gefahr für jedes Lebewesen, das sich in der Nähe aufhält – ob Mensch oder Tier“, so Vanessa Reithinger, Fachreferentin für Wildtiere bei PETA. „Jährlich ereignen sich Dutzende Vorfälle, bei denen Fehlschüsse oder Querschläger Menschen verletzen oder gar töten, Gewehrkugeln in Häuser einschlagen, Spaziergänger plötzlich unter Beschuss geraten oder sogar Menschen gezielt mit Jagdwaffen getötet werden. Die Hobbyjagd muss verboten werden.“

Im Jahr 2015 starben Medienberichten zufolge in Deutschland bei „Jagdunfällen“ und Gewalttaten mit Jagdwaffen elf Menschen, 18 weitere Personen wurden zum Teil schwer verletzt. Die Dunkelziffer der Fälle, die nicht an die Öffentlichkeit geraten, dürfte um ein Vielfaches höher liegen. PETA ist der Ansicht, dass die allgemeine öffentliche Sicherheit wichtiger ist als das Freizeitinteresse von Hobbyjägern. Ein Verbot des privaten Waffenbesitzes bei Jägern wäre daher eine logische und absolut notwendige Konsequenz. Aus diesem Grund appellierte die Tierrechtsorganisation im Januar dieses Jahres wiederholt in einem Schreiben an Bundesinnenminister Thomas de Maizière, die Hobbyjagd und den privaten Waffenbesitz bei Jägern in Deutschland zu verbieten.
 
Es gibt keinen nachvollziehbaren Grund für die Jagd von Privatpersonen in deutschen Wäldern. Im Gegenteil, die Hobbyjagd geht mit einer Störung des Rechtsfriedens sowie der öffentlichen Sicherheit und Ordnung einher. Wissenschaftliche Studien belegen, dass die Jagd nicht dazu geeignet ist, Wildpopulationen dauerhaft zu regulieren. Wissenschaftler wiesen nach, dass die Geschlechtsreife der weiblichen Tiere in bejagten Wildschweinpopulationen früher eintritt, was die Geburtenrate ansteigen lässt [1]. Demnach hat ein hoher Jagddruck zur Folge, dass sich die Population der Wildschweine in dem betreffenden Gebiet erhöht. Auch der namhafte Biologe Prof. Dr. Josef Reichholf sieht aus wildbiologischer Sicht keine Notwendigkeit in der Jagd: Die nahezu ausgerotteten Wölfe müssen nicht durch menschliche Jäger ersetzt werden, da eine natürliche Regulation der im Wald wohnenden Tierpopulationen durch Umwelteinflüsse wie Witterung, Nahrungsverfügbarkeit oder Krankheiten stattfindet. Rund 350.000 Hobbyjägern in Deutschland stehen nur etwa 1.000 Berufsjäger, vor allem Forstbeamte, gegenüber.
[1] Servanty et al. (2009): Pulsed resources and climate-induced variation in the reproductive traits of wild boar under high hunting pressure. Journal of Animal Ecology. Nr. 78, Issue 6.

Weitere Informationen:
PETA.de/Jagd
PETA.de/Jagdunfälle
 
Kontakt:
Jana Fuhrmann, +49 (0)711 860591-529, JanaF@peta.de