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Massenhaft tote und in Plastikboxen eingesperrte Reptilien bei deutschem Großhändler: Staatsanwaltschaft Freiburg leitet nach PETA-Strafanzeige Ermittlungsverfahren ein

 
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Stand September 2016
Freiburg / Waldkirch / Stuttgart, 6. September 2016 – Routinierte Tierquälerei: Aus den Lagerräumen eines der größten deutschen Reptiliengroßhändler und Zulieferer zahlreicher Zoofachhändler, der Peter H. GmbH aus Waldkirch in Baden-Württemberg, wurden PETA Aufnahmen massenhaft toter Tiere zugespielt, die auf den langen Transportwegen aus Asien, Afrika oder den USA gestorben sind. Die Reptilien, die den Transport überleben, leiden in Deutschland weiter: Die Peter H. GmbH hält Tiere in sogenannten Racksystemen – das sind schmale, schubladenähnliche Elemente, in denen möglichst viele Tiere platz- und kostensparend auf engstem Raum gehalten werden können. Doch von „Haltung“ kann hier nicht die Rede sein; diese Art der Lagerung bedeutet großes Leid für die sensiblen Tiere. Sie haben nicht einmal die Möglichkeit, ihre elementarsten Verhaltensweisen auszuleben: Sie können sich nicht fortbewegen, auf einen Ast klettern oder in der Sonne baden. Aufgrund der Rackhaltung hat die Tierrechtsorganisation PETA wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Freiburg gegen den Händler erstattet – diese leitete ein Ermittlungsverfahren ein (Az. 440 Js 26878/16). In einem rechtskräftigen Urteil hat das Verwaltungsgericht Düsseldorf (Az. 23 K 5500/12) bereits 2014 festgestellt, dass die dauerhafte Rackhaltung – insbesondere von Schlangen – nicht verhaltensgerecht ist.

„Die Haltung fühlender Lebewesen in winzigen Behältern ist tierschutzwidrig und absolut nicht verhaltensgerecht. Die Tiere werden bei dem Großhändler wie Massenware vorrätig gehalten – das einzelne Tier hat kaum einen Wert“, so Dörte Röhl, Tierärztin und Fachreferentin für Tierische Mitbewohner bei PETA. „Es darf nicht zugelassen werden, dass die wirtschaftlichen Interessen der  Händler vor den Schutz dieser sensiblen Exoten gestellt werden.“

PETA setzt sich für ein Verbot von exotischen Tieren in Privathand ein. Eine artgerechte Haltung von Reptilien ist in Gefangenschaft nicht möglich. Zudem ist die Versorgung nicht nur extrem kostspielig, sondern erfordert auch ein umfangreiches Wissen. Pro Jahr werden rund 600.000 Reptilien nach Deutschland eingeführt – viele von ihnen sterben, bevor sie überhaupt beim Käufer ankommen. Verlustraten von bis zu 70 Prozent gelten in der Zoohandelsbranche als üblich [1]. Doch auch in deutschen Wohnzimmern ergeht es den sensiblen Exoten kaum besser: Eine tierärztliche Fallstudie, bei der rund 150 verstorbene Reptilien untersucht wurden, brachte zutage, dass 51 Prozent der Tiere an durch Haltungsfehler verursachten Krankheiten litten [2]. In einer Beschlussempfehlung des Ausschusses für Ernährung und Landwirtschaft des Deutschen Bundestages im Juni dieses Jahres wurde der ausufernde internationale Handel mit Wildtieren, insbesondere mit Reptilien, mit der organisierten Kriminalität in Verbindung gebracht [3].

[1] Toland, Elaine / Warwick, Clifford / Arena, Phillip (2012): Pet Hate. In: The Biologist. Vol. 59, No. 3.
[2] Schmidt, Volker (2008): Die Bedeutung von haltungs- und ernährungsbedingten Schäden bei Reptilien. Eine retrospektive pathologische Studie. 4. Leipziger Tierärztekongress.
[3] Beschluss des Bundestages (2016): Drucksache 18/8940. Online unter: http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/18/089/1808940.pdf.

Bild 1: Kisten voller toter Tiere bei der Peter H. GmbH
Bild 2: So hält der Händler sensible Tiere vorrätig.
Die druckfähigen Motive können hier und hier heruntergeladen werden.
 
Weitere Informationen:
PETA.de/Exotenhandel
 
Kontakt:
Jana Fuhrmann, +49 (0)711 860591-529, JanaF@peta.de