Schwerer Jagdunfall in Lützkampen: Jäger soll Pferd mit Wildschwein verwechselt haben

PETA fordert ein Ende der Hobbyjagd in Deutschland


Lützkampen / Stuttgart, 18. Oktober 2019 – Tragischer Jagdunfall: Am 27. September hat ein Jäger in Lützkampen ein Pferd angeschossen, das er für ein Wildschwein gehalten haben soll. Der Vorfall geschah, als sich der Mann abends nahe einer Pferdekoppel auf die Lauer legte. PETA hat Informationen erhalten, die besagen, dass das Pferd nach dem Vorfall eingeschläfert werden musste. Laut Günther Klein, Pressesprecher des Jagdverbandes Rheinland-Pfalz, komme es in dem Bundesland jährlich zu Jagdunfällen – genaue Zahlen lägen jedoch nicht vor. Zudem seien bundeslandweit rund 21.000 Jäger in mehr als 3.000 Revieren aktiv. Im Hinblick auf diesen und ähnliche Unfälle fordert PETA das längst überfällige Verbot der sogenannten Hobbyjagd in Deutschland.
 
„Wie viele Lebewesen müssen noch schwer verletzt werden oder sterben, bevor die Hobbyjagd endlich verboten wird?“, so Nadja Michler, Fachreferentin für Wildtiere bei PETA. „Jahr für Jahr ereignen sich zahlreiche Tragödien, weil schießwütige Spaßjäger verantwortungslos in der Gegend herumballern. Ein Eingreifen des Gesetzgebers ist längst überfällig.“
 
PETA weist darauf hin, dass jedes Jahr nicht nur hunderttausenden Tieren erhebliches Leid durch Fehlschüsse zugefügt wird, sondern auch mehrere Dutzend Menschen von Hobbyjägern getötet und verletzt werden.
 
Erst Anfang des Monats wurde in Vaihingen an der Enz ein 25-jähriger Landwirt schwer am Bein verletzt, als der Schuss eines Jägers in die Kabine seines Traktors einschlug. Auch in den vergangenen Monaten sorgten zahlreiche schwere Jagdunfälle für Empörung. Ein Jagdpächter erlitt im August eine schwere Schussverletzung am Knie, nachdem sich versehentlich ein Schuss aus der Waffe seines Begleiters löste. Im Januar wurde eine 19-Jährige in Ettlingen getötet, als sich ein Schuss aus der Waffe ihres Vaters löste, der zur Jagd aufbrechen wollte. Im November 2018 wurde eine 86-Jährige in Dalberg in ihrem eigenen Garten durch einen verirrten Schuss eines Jägers tödlich getroffen. Im Juli 2018 wurde eine Sechsjährige im thüringischen Saara beim Spielen im Garten durch den Schuss eines Jägers schwer verletzt. Zwei Tage danach starb ein Mann bei einem Jagdunfall im nordrhein-westfälischen Ochtrup, wieder zwei Tage später kam ein Jäger durch einen Schuss bei der Vertreibung von Wildtieren auf einem Feld in Unterwellenborn in Thüringen ums Leben.
 
Wissenschaftliche Studien belegen, dass die Jagd nicht geeignet ist, um Wildpopulationen dauerhaft zu regulieren. Wissenschaftler wiesen nach, dass die Geschlechtsreife der weiblichen Tiere beispielsweise in bejagten Wildschweinpopulationen früher eintritt, wodurch sich die Geburtenrate erhöht [1]. Demnach bedingt ein hoher Jagddruck, dass in dem Gebiet die Population der betreffenden Wildtiere ansteigt.  Auch Prof. Dr. Josef Reichholf, ein namhafter Biologe der TU München, sieht aus wildbiologischer Sicht keine Notwendigkeit in der Jagd: Die nahezu ausgerotteten Wölfe müssen nicht durch menschliche Jäger ersetzt werden, da eine natürliche Regulation der im Wald wohnenden Tierpopulationen durch Umwelteinflüsse wie Witterung, Nahrungsverfügbarkeit oder Krankheiten stattfindet.
 
Den mehr als 380.000 Hobbyjägern in Deutschland stehen nur etwa 1.000 Berufsjäger, vor allem Forstbeamte, gegenüber. Eine im Auftrag von PETA in diesem Jahr durchgeführte repräsentative Forsa-Umfrage bestätigt, dass mit 49 Prozent die Mehrheit der Bundesbürger die Hobbyjagd ebenfalls ablehnt.

PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Weltanschauung, die den Menschen als allen anderen Lebewesen überlegen einstuft.
 
[1] Servanty et al. (2009): Pulsed resources and climate-induced variation in the reproductive traits of wild boar under high hunting pressure. Journal of Animal Ecology. Nr. 78, Issue 6.
 
Weitere Informationen:
PETA.de/Jagdunfaelle
PETA.de/Themen/Jagd
 
Pressekontakt:
Carolin von Schmude, +49 711 860591-528, [email protected]