Starnberg: Tierhalter von Giftschlange gebissen – PETA fordert Verbot von gefährlichen Reptilien in Bayern

Starnberg / Stuttgart, 16. Januar 2018 – Dramatische Rettungsaktion: In akute Lebensgefahr brachte der Biss einer Giftschlange vergangenen Montag einen 18-Jährigen in einem Starnberger Ortsteil. Da Medienberichten zufolge neun exotische, hochgiftige Schlangen in der Wohnung lebten, war unklar, welche Art ihn biss und wie oft. Der junge Mann schaffte es mit letzter Kraft, die Reptilien in die Terrarien zu setzen und den Notruf zu wählen. Dann brach er unter Atemnot zusammen und wurde in die Intensivstation einer Münchner Klinik gebracht, wo er beatmet werden musste. Die Polizei ermittelt, da der Mann die Schlangen mit enormem Gefahrenpotenzial ohne die in Bayern erforderliche Erlaubnis gehalten hatte. Zwei Afrikanische Speikobras, deren Gift tödlich sein kann, fünf giftige Lanzenottern, darunter zwei Venezuelaottern, eine Königspython und eine Madagaskarboa brachte die Feuerwehr in die Reptilienauffangstation München. PETA fordert die Bayerische Staatsregierung anlässlich des Vorfalls auf, ein Gesetz für ein grundsätzliches Haltungs- und Verkaufsverbot von giftigen und gefährlichen Tieren für Privathaushalte zu erlassen. Während einige Bundesländer wie Hessen oder Schleswig-Holstein die Haltung giftiger Tiere bereits weitgehend verboten haben, fehlt es in den meisten Ländern an einer Regelung. Selbst wenn die Haltung gefährlicher Tieren in Bayern unter Erlaubnisvorbehalt steht, erleichtert der unkontrollierte freie Verkauf es leichtsinnigen Haltern, die Regelung zu unterlaufen.
 
„Giftschlangen haben nichts in Wohnzimmern zu suchen. Die anspruchsvollen Exoten können in Privathaushalten nicht tiergerecht gehalten werden und stellen eine große Gefahr für die menschlichen Bewohner dar“, so Jana Hoger, Fachreferentin für Tierische Mitbewohner bei PETA. „Etliche gefährliche, exotische Tiere sind auf Tierbörsen und im Internet frei verkäuflich. Zum Schutz von Mensch und Tier sollte Bayern die Haltung und den Verkauf von diesen Tieren verbieten.“
 
PETA kritisiert, dass der Kauf von hochgiftigen Schlangen und anderen gefährlichen Tieren unabhängig von dringend erforderlichem Fachwissen erlaubt ist. In der Folge brechen jedes Jahr hunderte exotische Tiere aus ihren Terrarien aus oder werden von überforderten Laien einfach ausgesetzt. Die Tierrechtsorganisation setzt sich daher für ein grundsätzliches Verbot von exotischen Tieren in Privathand ein und weist darauf hin, dass der Handel mit Reptilien und Amphibien auch den Tod unzähliger Tiere bedeutet: Viele der empfindlichen Exoten sterben bereits, bevor sie überhaupt in den Verkauf kommen. Verlustraten von 70 Prozent gelten in der Zoohandelsbranche als üblich [1]. Bei einem erheblichen Teil der auf Terraristikbörsen angebotenen Wildtiere handelt es sich um Naturentnahmen. Im Auftrag profitorientierter Händler und gedankenloser Endabnehmer werden die letzten artenreichen Naturgebiete regelrecht geplündert. Eine tierärztliche Fallstudie, bei der rund 150 verstorbene Reptilien untersucht wurden, kam zu dem Ergebnis, dass 51 Prozent der Tiere an durch Haltungsfehler verursachten Krankheiten litten [2].
 
Auch wenn es sich um ungiftige Tiere handelt, können Exoten gefährlich für den Menschen sein: Studien zufolge übertragen die meisten Reptilien gesundheitsgefährdende Salmonellenarten – geschätzte 90 Prozent der Tiere tragen die Erreger in sich. Auf den Menschen übertragene Salmonellen können im Extremfall zur Hirnhautentzündung oder zum Tod des Menschen führen – vor allem Kinder sowie immungeschwächte und ältere Menschen sind gefährdet. Schätzungen des Robert Koch-Instituts zufolge rührt jede dritte Salmonelleninfektion bei Kleinkindern von exotischen Tieren her [3].
 
PETAs Motto lautet in Teilen: Tiere sind nicht dazu da, dass sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner Form ausbeuten.
 
[1] Toland, Elaine/Warwick, Clifford/ Arena, Phillip (2012): Pet Hate, in: The Biologist, Vol. 59 No. 3.
[2] Schmidt, Volker (2008): Die Bedeutung von haltungs- und ernährungsbedingten Schäden bei Reptilien. Eine retrospektive pathologische Studie, 4. Leipziger Tierärztekongress.
[3] Robert Koch-Institut (2013): Salmonella-Infektionen bei Säuglingen und Kleinkindern durch Kontakt zu exotischen Reptilien. Epidemiologisches Bulletin. 4. März 2013 / Nr. 9.
 
Weitere Informationen
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