Terraristikbörse in Reinickendorf noch nie behördlich kontrolliert – PETA übt scharfe Kritik am Bezirksamt

Berlin / Stuttgart, 10. August 2018 – Seit 2015 findet in Reinickendorf mehrmals im Jahr eine Terraristikbörse statt. Einer Kleinen Anfrage der CDU an das Bezirksamt Reinickendorf zufolge gab es dort jedoch noch keine einzige Tierschutzkontrolle [1]. Obwohl Augenzeugen Missstände dokumentiert und angezeigt haben, sehen die zuständigen Behörden offenbar keine Notwendigkeit, die Börse genauer zu überprüfen. In Berlin werden Tiere wie Echsen und Schlangen stundenlang in kleinen Plastikboxen ausgestellt und zum Verkauf angeboten. PETA übt nun scharfe Kritik am Veterinäramt Reinickendorf und fordert die Behörde auf, die Börse aufgrund des tierschutzwidrigen Charakters künftig nicht mehr zuzulassen.
 
„Reptilienbörsen stehen seit Jahren in der Kritik. Es ist beschämend, dass das Veterinäramt Reinickendorf sich noch kein einziges Mal dorthin bemüht hat“, so Jana Hoger, Fachreferentin für tierische Mitbewohner bei PETA. „Empfindliche Lebewesen werden auf diesen Börsen wie leblose Ware in kleinen Plastikboxen verramscht. Der Profit der Händler steht hierbei im Fokus. Zudem geben Händler auch Tiere an Besucher ab, die sich spontan – und oft ohne jegliche Fachkenntnisse – für den Kauf der Exoten entscheiden.“
 
Verbot von Exotenbörsen längst überfällig – Hintergrundinformationen
 
Als erste deutsche Stadt hat Passau im Oktober 2016 beschlossen, keine Veranstaltungen zuzulassen, die der Zurschaustellung und dem Verkauf von exotischen Tieren dienen. Damit dürfen keine städtischen Flächen mehr für sogenannte Exotenbörsen vermietet werden. Diesem tierfreundlichen Beispiel sollten weitere Kommunen umgehend folgen. Denn für die Reptilien bedeutet die Zurschaustellung großen Stress, da sie meist tierschutzwidrig in kleinen Plastikboxen präsentiert werden; hinzu kommen fehlende Rückzugsmöglichkeiten und lange Transportzeiten. Die Tierrechtsorganisation wirft den Veranstaltern und Händlern vor, den Tod unzähliger Tiere billigend in Kauf zu nehmen: Viele der empfindlichen Exoten sterben bereits, bevor sie überhaupt in den Handel kommen. Sterberaten von bis zu 70 Prozent gelten in der Zoohandelsbranche als üblich [2]. PETA appelliert an die Behörden und Kommunalpolitiker, das bereits im Koalitionsvertrag der vergangenen Bundesregierung vorgesehene, aber nicht umgesetzte Verbot gewerblicher Tierbörsen für exotische Tiere schon jetzt in Berlin zu realisieren. Passau hat gezeigt, dass es möglich ist.
 
PETA fordert ein generelles Haltungsverbot von exotischen Tieren in Privathaushalten. Eine artgerechte Haltung von Reptilien ist in Gefangenschaft nicht möglich. Eine 2016 von PETA veröffentlichte, international übergreifende Recherche offenbarte erstmals Einblicke in den skrupellosen Handel mit Reptilien, die für den deutschen Heimtiermarkt bestimmt sind. Ermittler der Tierrechtsorganisation dokumentierten massenhaft tote, verletzte oder jahrelang in Plastikboxen eingesperrte Tiere bei deutschen Großhändlern und deren internationalen Zulieferern.
 
Bei einem erheblichen Teil der auf Terraristik- und Reptilienbörsen angebotenen Wildtiere handelt es sich um Naturentnahmen. Im Auftrag profitorientierter Händler und gedankenloser Endabnehmer werden die letzten artenreichen Naturgebiete regelrecht geplündert. PETA kritisiert zudem, dass Exoten an jeden Interessenten verkauft werden – unabhängig davon, ob er über das nötige Fachwissen zur Haltung der Tiere verfügt. Eine tierärztliche Fallstudie, bei der rund 150 verstorbene Reptilien untersucht wurden, kam zu dem Ergebnis, dass 51 Prozent der Tiere an durch Haltungsfehler verursachten Krankheiten litten [3]. PETA appelliert, Terraristikbörsen, Reptilienausstellungen und Exotenmessen zu meiden. Wer über Fachkenntnisse verfügt, kann ein Tier aus einem Tierheim aufnehmen und so dazu beitragen, den Handel einzudämmen.
 
PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten, wir an ihnen experimentieren oder sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten.
 
[1] Kleine Anfrage der CDU online unter https://www.berlin.de/ba-reinickendorf/politik-und-verwaltung/bezirksverordnetenversammlung/online/vo020.asp?VOLFDNR=6230.
[2] Toland, Elaine / Warwick, Clifford / Arena, Phillip (2012): Pet Hate. In: The Biologist, Vol. 59 No. 3.
[3] Schmidt, Volker (2008): Die Bedeutung von haltungs- und ernährungsbedingten Schäden bei Reptilien. Eine retrospektive pathologische Studie. 4. Leipziger Tierärztekongress.
 
Weitere Informationen:
PETA.de/Exotenhandel
PETA.de/Exotenbörsen
 
Kontakt:
Katharina Wicke, +49 711 860591-535, KatharinaW@peta.de