Verstoß gegen das Tierschutzgesetz: PETA zeigt Angler aus Ostfriesland an

Ostfriesland / Stuttgart, 4. Dezember 2017 – Sie zappeln am Haken und im Netz, ringen nach Sauerstoff und kämpfen um ihr Leben: In Youtube-Videos, Anglerzeitschriften und auf seiner Facebook-Seite zeigt Matze K., leidenschaftlicher Hobbyangler aus Ostfriesland, keine sportliche Fairness gegenüber Fischen. Regelmäßig macht er Jagd auf kleine und große Fische, die er dann selbst als „Köderfisch“ einsetzt oder beim sogenannten Catch and Release als Trophäe in die Kamera hält. Das hat ihm jetzt eine Anzeige der Tierrechtsorganisation PETA eingebracht.
 
„Könnten Fische ihre Schmerzen durch laute Schreie ausdrücken, würde niemand mehr behaupten, Angeln sei ein friedliches Hobby“, so Dr. Tanja Breining, Meeresbiologin und Fachreferentin für Fische und Meerestiere bei PETA. „An einem Haken aufgespießt zu werden oder zu ersticken tut weh und verursacht Todesangst.“
 
Matze K. gilt als einer der bekanntesten Angler Deutschlands und verdient sein Geld damit, dass er über das Angeln schreibt und Youtube-Filme für mehr als 65.000 Fans dreht. Während er zumindest einige der großen Fische nach dem Wiegen und Messen wieder ins Wasser zurücksetzt, werden die kleinen Fische als Köder benutzt oder abends an die Katze verfüttert, so die Aussage von Matze K. in seinem Oktobervideo. Nach PETAs Auffassung verstößt er mit diesen Praktiken gegen § 17 des Tierschutzgesetzes. Demnach ist es verboten, einem Wirbeltier länger anhaltende Leiden zuzufügen. Auch muss für das Töten eines Wirbeltieres ein vernünftiger Grund vorliegen. Als solcher gilt laut Gesetz nur der Verzehr der Fische. Ihre Nutzung als Köderfisch oder zur Fütterung der Haustiere ist jedoch kein vernünftiger Grund. Beim „Catch and Release“ werden den Fischen länger anhaltende Leiden zugefügt. Sie leiden unter Stress, Atemnot und körperlichen Verletzungen.
 
PETA verweist in der Anzeige auf die Verfügung des Amtsgerichts Lemgo vom 31. März 2011 (AZ: 25 Cs-22-Js 86/10-194/10), in der ausdrücklich festgestellt wird, dass es sich beim „Catch and Release“ um eine strafbare Handlung handelt, sowie auf die Ausführung des Oberverwaltungsgerichts Münster vom 3.Juli.2015 (Az: 20 B 209/15) demzufolge beim Ausüben des „Catch and Release“ kein vernünftiger Grund dafür bestehe, den Tieren Schmerz und Leid zuzufügen, und somit gegen § 1 Satz 2 Tierschutzgesetz verstoßen werde. Ende 2016 zahlte Ex-Fußballprofi Klaus Augenthaler in einem vergleichbaren Fall mehr als 3.000 Euro Geldbuße.
 
Internationale Studien zeigen, dass Fische auch im Mund- und Kopfbereich Schmerzrezeptoren haben, positiv auf Schmerzmittel reagieren und sich an schmerzhafte Versuche erinnern [1, 2, 3]. Außerdem kommt auch das Friedrich-Loeffler-Institut, Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit, in seiner Stellungnahme für die Bundesregierung zu dem Schluss, dass „Fische zur Schmerzwahrnehmung fähig sind und entsprechend als sensible Lebewesen behandelt und geschützt werden sollten [4].“
 
Dr. Tanja Breining von PETA veranschaulicht das Leid der Tiere in der „Sport“-Fischerei mit folgendem Beispiel: „Stellen Sie sich vor, jemand bohrt Ihnen einen Metallhaken durch den Mund. Mit Ihrem ganzen Körpergewicht an diesem Haken hängend werden Sie in eine für Sie fremde Atmosphäre gezogen, in der Sie nicht mehr atmen können.“ Genau diese Qual erleiden Fische beim Angeln. Die Tierrechtsorganisation spricht sich generell gegen das Angeln und den Fischfang aus und unterstützt die 2017 ins Leben gerufene Weltkampagne zur Abschaffung der Fischerei [5].
 
[1] Sneddon, L. U., Braithwaite, V. A., & Gentle, M. J. (2003). Do fishes have nociceptors? Evidence for the evolution of a vertebrate sensory system. Proceedings of the Royal Society B: Biological Sciences, 270(1520), 1115–1121. http://doi.org/10.1098/rspb.2003.2349.
[2] Sneddon, L. U. (2003). The evidence for pain in fish: the use of morphine as an analgesic. Applied Animal Behaviour Science, 83(2), 153-162. DOI: 10.1016/S0168-1591(03)00113-8.
[3] Sneddon, L. U. (2011). Pain perception in fish: Evidence and implications for the use of fish. Journal of Consciousness Studies, 18(9-10), 209-229.
[4] Stellungnahme des FLI zu den Veröffentlichungen von Rose et al. (2012) sowie Arlinghaus und Cyrus (2013) (Berichterstatter: Dr. Michael Marahrens, Dr. Inga Schwarzlose), 2013.
[5] https://www.end-of-fishing.org/de.
 
Weitere Informationen
PETA.de/Themen/Fische
PETA.de/Fische-Schmerz-Neocortex

Kontakt:
Denis Schimmelpfennig, +49 711 860591-528, DenisS@peta.de