Verstoß gegen das Tierschutzgesetz: PETA zeigt Angler aus St. Pölten wegen Catch & Release und Angeln mit Lebendköder an

St. Pölten / Stuttgart, 10. Januar 2018 – Sie zappeln am Haken, ringen nach Luft und fürchten um ihr Leben: Laut Videos auf seiner Youtube-Seite zeigt Hobbyangler Johannes H. aus St. Pölten keine Fairness gegenüber Fischen. Johannes H. hat ein Video online gestellt, das zeigt, wie er mehrere Fische angelt und anschließend wieder zurücksetzt. Zwei der lebend wieder ins Wasser gelassenen Fische werden von einem Hecht gefangen. Daraufhin spießt der Angler einem Barsch einen Haken durch den Körper und nutzt ihn als Lebendköder, um den Hecht zu fangen. Dafür hat ihn die Tierrechtsorganisation PETA Ende Dezember bei der Staatsanwaltschaft St. Pölten angezeigt. Beim Angeln und anschließendem Freilassen von Fischen, dem sogenannten Catch & Release, werden den schmerzempfindlichen Tieren länger anhaltende, erhebliche Leiden zugefügt.
 
„Könnten Fische ihre Schmerzen durch laute Schreie ausdrücken, würde niemand mehr behaupten, Angeln sei ein sportliches oder gar friedliches Hobby“, so Dr. Tanja Breining, Meeresbiologin und Fachreferentin für Fische und Meerestiere bei PETA. „Fische, die als lebende Köder benutzt werden, erleiden lange Qualen und Todesangst.“
 
Auch beim Catch & Release werden Fischen länger anhaltende Leiden zugefügt. Sie leiden unter Stress, Atemnot und körperlichen Verletzungen. Nach Auffassung der Tierrechtsorganisation verstößt diese Praktik gegen das österreichische Tierschutzgesetz, dessen Paragrafen 5 und 6 zufolge es verboten ist, einem Tier grundlos Schmerzen, Leiden, Schäden oder schwere Angst zuzufügen oder ein Tier grundlos zu töten. Das Töten eines Fisches, um ihn als Lebendköder zu nutzen, ist kein vernünftiger Grund. Laut Paragraf 38 werden Zuwiderhandlungen mit Geldstrafe bis zu 7.500 Euro bestraft, im Wiederholungsfall mit bis zu 15.000 Euro.
 
PETA verweist auf die Verfügungen deutscher Justizbehörden, die feststellen, dass es sich beim Catch & Release um eine strafbare Handlung handelt und dass dabei kein vernünftiger Grund bestehe, den Tieren Schmerz und Leid zuzufügen. In Deutschland wurde vergangenen Dezember ein Catch-and-Release-Angler zu einer Geldbuße verurteilt. Ende 2016 zahlte Ex-Fußballprofi Klaus Augenthaler in einem vergleichbaren Fall mehr als 3.000 Euro Geldbuße.
 
Neben internationalen wissenschaftlichen Studien, die bestätigen, dass Fische Schmerzen spüren, kommt auch das Friedrich-Loeffler-Institut, deutsches Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit, zu dem Schluss, dass „Fische zur Schmerzwahrnehmung fähig sind und als sensible Lebewesen behandelt und geschützt werden sollten“ [1]. PETA spricht sich generell gegen das Angeln und den Fischfang aus und unterstützt die 2017 ins Leben gerufene Weltkampagne zur Abschaffung der Fischerei [2].
[1] Stellungnahme des FLI zu den Veröffentlichungen von Rose et al. (2012) sowie Arlinghaus und Cyrus (2013) (Berichterstatter: Dr. Michael Marahrens, Dr. Inga Schwarzlose), 2013.
[2] https://www.end-of-fishing.org/de.
 
Weitere Informationen
PETA.de/Themen/Fische
PETA.de/Fische-Schmerz-Neocortex

Kontakt:
Judith Stich, +49 30 6832666-04, JudithS@peta.de