Verstoß gegen das Tierschutzgesetz: PETA zeigt Hamburgs „Karpfenkönigin“ Claudia Darga an

Hamburg / Stuttgart, 26. Oktober 2017 – Sie zappeln am Haken, ringen nach Luft und kämpfen um ihr Leben: Hamburgs „Karpfenkönigin“ Claudia Darga war kürzlich zu Gast bei Markus Lanz. In der Fernsehsendung wurde ein Video von ihr beim sogenannten Catch and Release gezeigt: Sie setzte einen Karpfen wieder zurück, nachdem sie ihn längere Zeit in die Kamera gehalten hatte. Auch viele Bilder, Werbevideos für Angelmaterial und Blogs zeigen sie mit großen Karpfen, von denen sie einige später wieder frei lässt. Im Interview mit Lanz gab Darga zu, nicht alle der zahlreichen und bis zu 70 Kilogramm schweren Fische zu essen, die sie angelt – laut Kommentar zum Tierschutzgesetz muss der alleinige Grund des Angelns jedoch im Nahrungserwerb liegen. Nach PETAs Auffassung handelt es sich daher mindestens um einen Verstoß gegen § 17 Abs. 2b des Tierschutzgesetzes, laut dem einem Wirbeltier keine länger anhaltenden Schmerzen und Leiden zugefügt werden dürfen, was beim Catch and Release unvermeidlich der Fall ist. Gegen Claudia Darga erstattete die Tierrechtsorganisation daher nun Anzeige bei der Staatsanwaltschaft Hamburg.
 
„Fische sind kein Spielzeug, sondern empfindsame Lebewesen“, so Dr. Tanja Breining, Meeresbiologin und Fachreferentin für Fische und Meerestiere bei PETA. „Ab dem Moment, in dem sich der Angelhaken durch den Mund bohrt, bis zum Zurücksetzen ins Wasser, leiden Fische nicht nur an Schmerzen, sondern auch unter Atemnot und Todesangst.“
 
Viele der traumatisierten Fische sterben infolge dieser Tortur entweder an ihren Verletzungen oder weil sie zu einer leichten Beute für andere Fische werden. Im November 2016 zahlte der Ex-Fußballprofi Klaus Augenthaler nach einer PETA-Anzeige in einem vergleichbaren Fall eine Geldauflage von 3.000 Euro an eine Tierschutzorganisation.
 
Die britische Biologin Lynne Sneddon wies in ihren Studien nach, dass Fische im Kopf- und Mundbereich zahlreiche Schmerzrezeptoren haben – also genau da, wo der Angelhaken das Gewebe durchbohrt [1]. Auch zeigen Fische Schmerzverhalten: Sie bewegen sich ruckartig, reiben ihren Mund am Beckenrand, stellen die Nahrungsaufnahme ein und ihre Atemfrequenz erhöht sich. Erhalten sie Schmerzmittel, stellen sie dieses Verhalten wieder ein [2]. Fische können auch lernen, sich selbst Schmerzmittel zu verabreichen [3].
Neben internationalen wissenschaftlichen Studien, die bestätigen, dass Fische Schmerzen spüren, kommt auch das Friedrich-Loeffler-Institut, Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit, in seiner Stellungnahme für die Bundesregierung zu dem Schluss, dass „Fische zur Schmerzwahrnehmung fähig sind und entsprechend als sensible Lebewesen behandelt und geschützt werden sollten.“ [4]
 
PETA veranschaulicht das Leid der Tiere in der „Sport“-Fischerei mit folgendem Beispiel: „Stellen Sie sich vor, jemand bohrt Ihnen einen Metallhaken durch den Mund. Mit Ihrem ganzen Körpergewicht an diesem Haken hängend werden Sie in eine für Sie fremde Atmosphäre gezogen, in der Sie nicht mehr atmen können.“ Genau diese Qual erleiden Fische beim Angeln. Die Tierrechtsorganisation spricht sich generell gegen das Angeln und den Fischfang aus und unterstützt die 2017 ins Leben gerufene Weltkampagne zur Abschaffung der Fischerei [5].
 
[1] Sneddon, L. U., Braithwaite, V. A., & Gentle, M. J. (2003): Do fishes have nociceptors? Evidence for the evolution of a vertebrate sensory system. Proceedings of the Royal Society B: Biological Sciences, 270(1520), 1115–1121. http://doi.org/10.1098/rspb.2003.2349.
[2] Sneddon, L. U. (2003): The evidence for pain in fish: the use of morphine as an analgesic. Applied Animal Behaviour Science, 83(2), 153-162. DOI: 10.1016/S0168-1591(03)00113-8.
[3] Sneddon, L. U. (2011): Pain perception in fish: Evidence and implications for the use of fish. Journal of Consciousness Studies, 18(9-10), 209-229.
[4] Stellungnahme des FLI zu den Veröffentlichungen von Rose et al. (2012) sowie Arlinghaus und Cyrus (2013) (Berichterstatter: Dr. Michael Marahrens, Dr. Inga Schwarzlose), 2013.
[5] https://www.end-of-fishing.org/de.
 
Weitere Informationen
PETA.de/Fische

Kontakt:
Jana Fuhrmann, +49 711 860591-529, JanaF@peta.de