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Österreich beschließt Verkaufsverbot von Wildtieren auf „Exotenbörsen“ – PETA übt scharfe Kritik an CDU/CSU-Fraktion wegen ausbleibender Umsetzung des Koalitionsvertrags in Deutschland

 
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Forderung nach Verbot von Terraristika & Co

Stand März 2016
Wien / Berlin / Hamm / Stuttgart, 29. März 2016 – Wichtiger Schritt im Tierschutz: In Österreich dürfen ab dem 1. April 2016 keine Wildtiere mehr auf Börsen und Messen gehandelt werden. Dies gab das für Tierschutz zuständige Bundesministerium für Gesundheit am vergangenen Donnerstag bekannt. Mit der Maßnahme soll vor allem der unkontrollierte Handel mit Reptilien und Amphibien auf sogenannten Exotenbörsen eingedämmt werden. Die Tierrechtsorganisation PETA, die sich offiziell an der Kommentierung des Verordnungsentwurfs beteiligt hatte, begrüßt die Neuregelung in Österreich. Auf Exotenbörsen wie beispielsweise der Terraristika in Hamm werden empfindliche Wildtiere regelmäßig wie billiger Trödel an oftmals unkundige Käufer verramscht – Spontankäufe sind keine Ausnahmen. Für die Reptilien bedeutet die Zurschaustellung großen Stress, da sie meist tierschutzwidrig in kleinen Plastikboxen präsentiert werden. Veranstalter und Händler nehmen darüber hinaus hohe Sterberaten der Tiere beim Fang, Transport und im Handel billigend in Kauf – dabei gelten in der Zoohandelsbranche 70 Prozent als üblich [1]. In Deutschland sind Exotenbörsen weiterhin erlaubt – obwohl die Bundesregierung bereits vor zweieinhalb Jahren ein Verbot gewerblicher Tierbörsen im Koalitionsvertrag festlegte. Der Grund: Die CDU/CSU-Fraktion weigert sich noch immer, die Vereinbarung umzusetzen. PETA appelliert an das Bundeskabinett, das Verbot endlich durchzuführen und tierschutzwidrige Börsen wie die Terraristika zu untersagen.

„Wie schon beim Pelzfarmverbot und der landesweiten Katzenkastrationspflicht prescht Österreich beim Tierschutz erneut vor“, so Peter Höffken, Fachreferent bei PETA. „In Deutschland hingegen blockiert die CDU/CSU-Bundestagsfraktion das wichtige Börsenverbot und scheut sich dabei nicht einmal vor einem Bruch des Koalitionsvertrages.“

Bei einem erheblichen Teil der auf Terraristikbörsen angebotenen Wildtiere handelt es sich um Naturentnahmen. Im Auftrag profitorientierter Händler und gedankenloser Endabnehmer werden die letzten artenreichen Naturgebiete regelrecht geplündert. PETA kritisiert zudem, dass Exoten teilweise zu Schleuderpreisen an jeden Interessenten verkauft werden – unabhängig davon, ob der künftige Halter über das nötige Fachwissen zur Haltung der Tiere verfügt. Eine tierärztliche Fallstudie, bei der rund 150 verstorbene Reptilien untersucht wurden, kam zu dem Ergebnis, dass 51 Prozent der Tiere an durch Haltungsfehler verursachten Krankheiten litten [2].

Studien zufolge übertragen die meisten Reptilien gefährliche exotische Salmonellenarten: Schätzungsweise 90 Prozent der Tiere tragen die gesundheitsgefährdenden Erreger in sich. Auf den Menschen übertragene Salmonellen können schlimmstenfalls zu Hirnhautentzündungen oder gar zum Tod führen – vor allem Kinder und immungeschwächte sowie ältere Menschen sind gefährdet. Laut Schätzungen des Robert-Koch-Instituts ist jede dritte Salmonelleninfektion bei Kleinkindern auf exotische Tiere zurückzuführen [3].

PETA appelliert an die Bevölkerung, Terraristikbörsen, Reptilienausstellungen und Exotenmessen zu meiden. Wer über die nötigen Fachkenntnisse verfügt, kann ein Tier aus einem Tierheim bei sich aufnehmen und so dazu beitragen, den Handel einzudämmen. Wissenswertes über die faszinierenden Reptilien und Exoten erlernen Kinder viel eher in entsprechenden Dokumentationen, da Tiere nur in Freiheit die gesamte Bandbreite ihres natürlichen Verhaltens zeigen.

[1] Toland, Elaine / Warwick, Clifford / Arena, Phillip (2012): Pet Hate. In: The Biologist, Vol. 59 No. 3.
[2] Schmidt, Volker (2008): Die Bedeutung von haltungs- und ernährungsbedingten Schäden bei Reptilien. Eine retrospektive pathologische Studie. 4. Leipziger Tierärztekongress.
[3] Robert-Koch-Institut: Salmonella-Infektionen bei Säuglingen und Kleinkindern durch Kontakt zu exotischen Reptilien. Epidemiologisches Bulletin. 4. März 2013 / Nr. 9.

Reptilien auf Exotenbörsen: Als Massenware verramscht. / © PETA
 
Das druckfähige Motiv kann hier heruntergeladen werden.
 
Weitere Informationen:
PETA.de/Reptilien
PETA.de/Salmonellen
PETA.de/Exotenboersen
 
Kontakt:
Judith Stich, +49 (0)30 6832666-04, JudithS@peta.de