Presseportal Pressemitteilungen Unterhaltung Zoo

Nach Elefantengeburt im Zoo Wuppertal: PETA fordert Zuchtstopp und baldigen Umstieg auf angekündigten „geschützten Kontakt“

Wuppertal / Stuttgart, 10. März 2020 – In bedrückende Umstände hineingeboren: Im Wuppertaler Zoo brachte Elefantin Sweni am Freitag ihr Kind Tsavo zur Welt. Auch Elefantendame Tika erwartet bald Nachwuchs; sie wurde künstlich befruchtet. PETA kritisiert die Elefantenzucht scharf: Die unnatürlichen Lebensbedingungen in Zoos führen immer wieder zu gesundheitlichen Problemen bei den sensiblen Rüsseltieren. Im Zoo geborene Elefanten werden zudem nicht ausgewildert. Die Tierrechtsorganisation erneuert vor diesem Hintergrund ihre Kritik an der Elefantenhaltung in Gefangenschaft und fordert ein Zucht- und Importverbot für Elefanten in zoologischen Einrichtungen. PETA appelliert außerdem an den Zoo Wuppertal, die Haltung zeitnah auf den angekündigten geschützten Kontakt umzustellen, bei dem Tierpfleger und Elefanten zum beidseitigen Schutz durch ein Gitter voneinander getrennt sind.
 
„Die Elefantenzucht im Zoo ist eine Sackgasse. Die Haltungsbedingungen sind extrem unnatürlich, noch dazu werden viele der sensiblen Tiere mit dem Elefantenhaken unterworfen“, so Dr. Yvonne Würz, Biologin und Fachreferentin für Tiere in der Unterhaltungsbranche bei PETA. „Jährlich fließen Millionen an Steuergeldern in die Haltung der Rüsseltiere. Würde das Geld direkt in den Elefantenschutz in Afrika und Asien investiert, könnten jedes Jahr Tausende Tiere vor der Wilderei geschützt werden.“
 
Tierleid im Zoo Wuppertal – Zoodirektor kündigte schon 2019 geschützten Kontakt an
Ein im Herbst 2018 von PETA veröffentlichtes Video zeigt, wie die Tiere im Zoo Wuppertal von den Zoowärtern gewaltsam unterworfen werden, für Fotos mit Besuchern posieren, auf sich reiten lassen und Tricks zeigen müssen. Mit einer Petition hatte PETA an die Zooverantwortlichen und an die Stadt Wuppertal appelliert, die Haltung auf den „geschützten Kontakt“ umzustellen, bei dem die Tiere zumindest keine Schläge fürchten müssen. Im Januar 2019 kündigte Zoodirektor Arne Lawrenz an, dass künftig ohne Elefantenhaken gearbeitet und nach Umbauarbeiten auf den „geschützten Kontakt“ umgestellt werden soll, bisher jedoch, ohne konkrete Pläne vorzuweisen.
 
Tierkinder als Besuchermagneten: Zoos missbrauchen Elefanten für Nachwuchs
Die grauen Riesen leiden derart unter der Gefangenschaft, dass sie sich nur selten fortpflanzen. Viele Zoos helfen daher mit Gewalt nach: Unter Vollnarkose wird bei männlichen Tieren eine Elektrosonde in das Rektum eingeführt und durch Stromzufuhr eine Elektroejakulation ausgelöst. [1] Anschließend werden die weiblichen Elefanten in einer belastenden invasiven Prozedur teilweise über 100 Mal je Tier künstlich besamt, um eine Schwangerschaft herbeizuführen. [2]
Zudem untergräbt die Zucht der Tiere in Gefangenschaft die Ziele des Artenschutzes. Die Einrichtungen importieren teilweise auch heute noch in der Wildnis gefangene Elefanten und tragen so zu ihrem Verschwinden in der Natur bei. PETA fordert, dass Steuergelder künftig direkt in Artenschutzprojekte in den Herkunftsländern bedrohter Tierarten investiert werden, um ihr Überleben dort zu sichern.

PETAs Motto lautet in Teilen: Tiere sind nicht dazu da, dass sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation spricht sich grundsätzlich gegen die Elefantenhaltung in Zoos aus, da diese unabhängig von der Haltungsform nicht artgerecht möglich ist. In der Natur leben Elefanten in stabilen Sozialverbänden, wandern täglich viele Kilometer und erleben eine Vielzahl von Umweltreizen. Der Zooalltag hingegen ist geprägt von Bewegungsmangel, Beschäftigungslosigkeit und zerstörten Sozialstrukturen. Viele Elefanten in Zoos leiden unter schweren Verhaltensstörungen, was sich unter anderem im sogenannten Weben äußert, bei dem die Tiere mit Kopf und Körper hin und her schwanken. Das unnatürlich lange Stehen verursacht Fuß- und Gelenkerkrankungen; Stress und Fettleibigkeit sind die Hauptgründe dafür, dass Elefanten im Zoo durchschnittlich deutlich früher sterben als ihre Artgenossen in freier Natur [3].
 
PETA setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Weltanschauung, die den Menschen als allen anderen Lebewesen überlegen einstuft.
 
[1] Kittl, Beate: Vielen Männchen fehlt das Selbstvertrauen In: Beobachter 1/2013. Online abrufbar unter: https://www.beobachter.ch/umwelt/forschung-innovation/berlin-boys-vielen-mannchen-fehlt-das-selbstvertrauen.
[2] Berens, Michael: Experts suggest changes for zoo’s elephants In: Seattle Times. 28.08.2013. Online abrufbar unter: https://www.seattletimes.com/seattle-news/experts-suggest-changes-for-zoorsquos-elephants/.
[3] Clubb R., Moss C. et al (2008): Compromised Survivorship in Zoo Elephants., Science 12 December 2008: 1649.
 
Weitere Informationen:
PETA.de/Elefanten-Zoo-Wuppertal
PETA.de/Elefanten-in-Zoos
PETA.de/Zooelefanten
PETA.de/ZooIrrtuemer
 
Pressekontakt:
Carolin von Schmude, +49 711 860591-528, [email protected]