Haldensleben: Python auf der Flucht – PETA fordert neue Landesregierung auf, gefährliche exotische Tiere in Sachsen-Anhalt zu verbieten

Haldensleben / Stuttgart, 26. Juli 2021 – Einem Medienbericht zufolge ist gestern eine drei Meter lange Netzpython in Haldensleben entkommen. Nach dem Ausbruch des exotischen Tiers warnt die Polizei davor, bei Sichtung Abstand zu halten und die Behörden zu verständigen. Die Schlange konnte offenbar entkommen, weil sich der Halter in medizinischer Behandlung befand. Immer wieder ereignen sich ähnliche Vorfälle wie dieser. Deshalb fordert PETA die Koalitionspartner in Sachsen-Anhalt auf, ein Gesetz für ein grundsätzliches Haltungs- und Verkaufsverbot von giftigen und gefährlichen Tieren für Privathaushalte in ihre Koalitionsvereinbarung aufzunehmen. Neun von 16 Bundesländern – darunter Berlin, Hessen und Schleswig-Holstein – haben bereits Verbote oder Beschränkungen erlassen.

„Derzeit sind der Kauf und die Haltung von gefährlichen exotischen Tieren aller Art in Sachsen-Anhalt uneingeschränkt möglich – vom Löwen bis zur Würgeschlange. Jetzt haben die Koalitionspartner von CDU, SPD und FDP die Chance, die Bevölkerung durch ein Gefahrtierverbot vor solchen unnötigen Risiken zu schützen“, so Peter Höffken, Fachreferent bei PETA. „Weil exotische Tiere in Wohnzimmern nicht tiergerecht gehalten werden können, werden sie immer wieder jede sich bietende Möglichkeit zur Flucht nutzen.“

PETA fordert generelles Haltungsverbot von Exoten in Privathaushalten
Die Tierrechtsorganisation kritisiert, dass der Kauf von hochgiftigen Schlangen sowie anderen gefährlichen und anspruchsvollen Tieren unabhängig von dringend erforderlichem Fachwissen erlaubt ist. In der Folge brechen jedes Jahr hunderte exotische Tiere aus ihren Terrarien aus oder werden von überforderten Laien einfach ausgesetzt. Die Tierrechtsorganisation setzt sich daher für ein grundsätzliches Verbot von exotischen Tieren in Privathand ein und weist darauf hin, dass der Handel mit Reptilien und Amphibien auch den Tod unzähliger Tiere bedeutet: Viele der empfindlichen Exoten sterben bereits, bevor sie überhaupt in den Verkauf kommen. Verlustraten von 70 Prozent gelten in der Zoohandelsbranche als üblich [1]. Bei einem erheblichen Teil der auf Terraristikbörsen angebotenen Wildtiere handelt es sich um Naturentnahmen. Im Auftrag profitorientierter Händler und gedankenloser Endabnehmer werden die letzten artenreichen Naturgebiete regelrecht geplündert. Eine tierärztliche Fallstudie, bei der rund 150 verstorbene Reptilien untersucht wurden, kam zu dem Ergebnis, dass 51 Prozent der Tiere an durch Haltungsfehler verursachten Krankheiten litten [2].
 
Auch wenn es sich um ungiftige Tiere handelt, können Exoten gefährlich für den Menschen sein: Studien zufolge übertragen die meisten Reptilien gesundheitsgefährdende Salmonellenarten; geschätzte 90 Prozent der Tiere tragen die Erreger in sich. Auf den Menschen übertragene Salmonellen können im Extremfall zur Hirnhautentzündung oder zum Tod des Menschen führen – vor allem Kinder sowie immungeschwächte und ältere Menschen sind gefährdet. Schätzungen des Robert-Koch-Instituts zufolge rührt jede dritte Salmonelleninfektion bei Kleinkindern von exotischen Tieren her [3].

PETA setzt regelmäßig Belohnungen in Fällen von misshandelten oder ausgesetzten Tieren aus, um bei der Ermittlung der Täter zu helfen.

PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Weltanschauung, die den Menschen als allen anderen Lebewesen überlegen einstuft.
 

[1] Toland, Elaine/Warwick, Clifford/ Arena, Phillip (2012): Pet Hate, in: The Biologist, Vol. 59 No. 3.

[2] Schmidt, Volker (2008): Die Bedeutung von haltungs- und ernährungsbedingten Schäden bei Reptilien. Eine retrospektive pathologische Studie, 4. Leipziger Tierärztekongress.

[3] Robert Koch-Institut (2013): Salmonella-Infektionen bei Säuglingen und Kleinkindern durch Kontakt zu exotischen Reptilien. Epidemiologisches Bulletin. 4. März 2013 / Nr. 9.


Weitere Informationen:
PETA.de/Themen/Reptilienhandel

PETA.de/Whistleblower

PETA.de/Themen/Tierqual

PETA.de/Themen/Reptilienchronik


Pressekontakt: Julia Zhorzel, +49 711 860591-536, [email protected]