• Für eine moderne Forschung

    Wissenschaft statt Tierversuche

    Eine Strategie zur Modernisierung der Forschung und zum Ausstieg aus Tierversuchen

Alle 11 Sekunden stirbt ein Tier in einem deutschen Versuchslabor! Insgesamt werden in Deutschland jährlich etwa drei Millionen Tiere in Experimenten gequält. Dabei sind Tierversuche ethisch nicht vertretbar, sie verschwenden immense Ressourcen und sind nicht auf den Menschen übertragbar. Ein Paradigmenwechsel, weg von Tierversuchen und hin zu für den Menschen relevante Methoden, ist längst überfällig.
 

Die Corona-Pandemie ist die schwerwiegendste unserer jüngeren Geschichte. Gleichzeitig bietet sie uns jedoch die einzigartige Möglichkeit, die Forschung zu modernisieren. Zum ersten Mal wurden Impfstoffe direkt in klinischen Studien mit Menschen getestet, ohne zuvor auf die Ergebnisse langwieriger und unzuverlässiger Tierversuche zu warten. Weltweit wurden Tierversuche ausgesetzt oder abgebrochen. Anstatt nach der Krise wieder zur veralteten „Tagesordnung“ überzugehen und Tiere weiter in Experimenten zu missbrauchen und zu töten, ist es Zeit für echte Wissenschaft.

Wissenschaftler von PETA und ihren internationalen Partnerorganisationen haben eine Strategie entwickelt, um den medizinischen und wissenschaftlichen Fortschritt voranzubringen und aus Tierversuchen auszusteigen: den Research Modernisation Deal.
Das läuft falsch

Mangelnde Übertragbarkeit und Reproduzierbarkeit

Die Übertragung der Ergebnisse aus Tierversuchen auf den Menschen scheitert immer wieder in der Entwicklung wirksamer Therapien und Heilmittel für menschliche Krankheiten. Eine Vorhersage der menschlichen Reaktion auf potenziell gefährliche Chemikalien mithilfe von Tierversuchen ist äußerst problematisch.
 
  • Neu entwickelte Medikamente versagen in 95 Prozent der klinischen Studien mit Menschen, obgleich sie zuvor in Tierversuchen für sicher und wirksam befunden wurden. [1]
  • Zwischen 50 Prozent und 89 Prozent der präklinischen Studien können nicht reproduziert werden, obgleich dies ein wesentlicher Bestandteil des wissenschaftlichen Prozesses ist. Tierversuche stellen hierbei einen ernstzunehmenden Problembereich dar. [2]

Ressourcen- und Zeitverschwendung

Das derzeitige Forschungssystem ist überlastet, teuer und zeitaufwändig – und es fügt Millionen von Tieren immense Schmerzen und größtes Leid zu.

Weniger als 10 Prozent aller vielversprechenden Ergebnisse aus der Grundlagenforschung werden innerhalb von 20 Jahren in der Praxis eingesetzt. [3]
Krankheiten
Laut einer 2017 veröffentlichten Gesundheitsberichterstattung des Bundes haben in Deutschland mehr als 1,7 Millionen Menschen mindestens einen Schlaganfall in ihrem Leben erlitten. [4] Dies belastet unsere Gesellschaft mit Kosten in Höhe von mehr als 17,6 Milliarden Euro. [5] Obwohl in Versuchen mit Nagetieren über 1.000 experimentelle Behandlungen zum Schutz der Gehirnzellen bei einem akuten Schlaganfall entwickelt wurden, war keine dieser Therapien beim Menschen wirksam. [6]

Wir brauchen einen besseren Plan. Und genau den haben Wissenschaftler von PETA Deutschland und ihren internationalen Partnerorganisationen entwickelt – den Research Modernisation Deal.
Lösung: Der Research Modernisation Deal

Worum geht es beim Research Modernisation Deal?

Der Research Modernisation Deal von PETA beschreibt einen Strategieplan zur Optimierung von Forschungsinvestitionen – mit dem Ziel, die Medikamentenentwicklung und das bestehende Testsystem zu verbessern. Wir sollten jene Methoden abschaffen, die nicht funktionieren – nämlich Tierversuche. Stattdessen sollten wir in Forschungs- und Teststrategien investieren, die für Menschen und die Umwelt relevante Ergebnisse hervorbringen. PETA Deutschland und ihre internationalen Partnerorganisationen werben für dieses neue Konzept bei Regierungen, Aufsichtsbehörden, Förderinstitutionen und politischen Entscheidungsträgern in Deutschland und in anderen Ländern der Welt.

Das Konzept umfasst die folgenden Schritte:
 
  • Unverzügliche Einstellung der Verwendung von Tieren in Forschungsbereichen, in denen sich die Ergebnisse aus Tierversuchen nachweislich schlecht und unzuverlässig auf den Menschen übertragen lassen.
  • Kritische Prüfung jener Forschungsbereiche, in denen Tierversuche ebenfalls umgehend eingestellt werden können.
  • Einführung eines zuverlässigen und ethischen Bewertungssystems gemäß den rechtlichen Vorgaben zur Verwendung von Tieren. Damit sollen Transparenz, Verantwortlichkeit und Wirksamkeit des Regulierungsprozesses verbessert werden.
  • Förderung der internationalen Vereinheitlichung und Akzeptanz von tierversuchsfreien Verfahren bei nationalen und internationalen Aufsichtsbehörden und Forschungsinstitutionen.
  • Kürzung von Geldern für Tierversuche und Aufstocken der Fördergelder für die Entwicklung tierfreier Methoden.
Strategieplan Download: Research Modernisation Deal



PETA lehnt Tierversuche konsequent ab und setzt sich für ein sofortiges und uneingeschränktes Ende der Verwendung von Tieren ein. Aufsichtsbehörden und wissenschaftliche Institutionen müssen die Erfolglosigkeit von Tierversuchen anerkennen und in einem ersten Schritt die Verwendung von Tieren in Bereichen der Krankheitsforschung, in denen Tierversuche erwiesenermaßen keine für den Menschen förderlichen Ergebnisse erzielen, unverzüglich beenden. Alles andere ist ethisch nicht zu rechtfertigen, erschwert eine gute wissenschaftliche Praxis, verschwendet Ressourcen und fügt Tieren großes Leid zu.

Es ist Zeit für den Research Modernisation Deal!

  • Die EU hat sich das ultimative Ziel gesetzt, alle Tierversuche zu ersetzen. Nur die wenigsten nationalen oder internationalen Einrichtungen haben einen konkreten Plan zur Erreichung dieses Ziels. Unsere Strategie bietet den zuständigen Behörden Unterstützung.
  • Der Markt für tierfreie Technologien verzeichnet ein rasantes Wachstum. In den vergangenen 25 Jahren wurde die Art und Weise, wie Chemikalien getestet werden, revolutioniert. Grausame Tierversuche werden zunehmend mit überlegenen tierfreien Testverfahren ersetzt.
  • Die wissenschaftliche Literatur ist voller Beispiele von Widersprüchen zwischen den Ergebnissen aus Tierversuchen und den Auswirkungen beim Menschen. Zahlreiche Wissenschaftler erkennen mittlerweile die Vorteile, die eine Umstellung der Forschung hin zu einer tierfreien Wissenschaft bietet.
  • Die Mehrheit der EU-Bürger ist gegen Tierversuche. In einer Umfrage, die in sechs EU-Ländern durchgeführt wurde, sprachen sich 89 Prozent [7] der Befragten aus Deutschland für ein Verbot aller Versuche aus, bei denen Tiere starken Schmerzen und Leiden ausgesetzt sind.
  • Das gescheiterte System der Tierversuche muss endlich abgeschafft werden. Um die biomedizinische Grundlagenforschung weiter voranzubringen, müssen die zahlreichen bereits vorhandenen tierfreien Verfahren genutzt bzw. weiterentwickelt werden. Bereits heute stehen uns verschiedenste moderne Methoden zur Verfügung, darunter beispielsweise hochentwickelte Verfahren, bei denen menschliche Zellen und menschliches Gewebe zum Einsatz kommen, sowie fortschrittliche Computersimulationen. Diese Ansätze sind nicht nur zuverlässiger und genauer als Tierversuche, sie können sogar kostengünstiger sein. Es ist nicht zu leugnen: Die Zukunft innovativer Forschung ist frei von Tieren.
Mitgefühl und wissenschaftlicher Fortschritt sind keine Gegensätze. Im Gegenteil: Eine gute Wissenschaft vereint mit ethisch korrekten Prinzipien kann uns zu unserem gemeinsamen Ziel – der Förderung der Gesundheit – hinführen.
 
Aktiv werden

Wissenschaft statt Tierversuche

Unterstützen Sie den Research Modernisation Deal für Deutschland! Helfen Sie uns, die grausamen und unnötigen Tierversuche zu beenden.

Die meisten Studien, die nicht mit COVID-19 in Zusammenhang stehen, sind aktuell ausgesetzt. Deutschland hat jetzt die Möglichkeit, seine Spitzenposition in der biomedizinischen Forschung und im Bereich der gesetzlich vorgeschriebenen Tests zu stärken. Es ist Zeit, sich vom gescheiterten System Tierversuch abzuwenden und einen Paradigmenwechsel zu vollziehen, um die Entwicklung von Impfstoffen, Medikamenten und Behandlungsmethoden voranzubringen.

 

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FAQ
Wir haben die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema Tierversuche für Sie zusammengefasst.

Es gibt mehrere Gründe, warum noch immer Tierversuche durchgeführt werden: Zum einen sind Tierversuche einfach zur Gewohnheit geworden, sie sind ein klassischer Fall von „das wird schon immer so gemacht“. Teilweise sind Tierversuche auch gesetzlich vorgeschrieben, beispielsweise bei der Medikamentenentwicklung – obwohl 95 von 100 Medikamenten, die im Tierversuch erfolgreich sind, beim Menschen scheitern! [8] Hinzu kommt, dass Tierversuche in der Forschung leider noch fest verankert und damit an Forschungsgelder und Publikationen geknüpft sind. Somit dienen sie Wissenschaftlern oftmals als Mittel zum Zweck, wenn es darum geht, auf der Karriereleiter vorankommen. Ein weiterer Grund ist die gewaltige Industrie, die hinter Tierversuchen steckt: Alleine der Inselstaat Mauritius, der weltweit zweitgrößte Exporteur von Affen zu Versuchszwecken, verdient jährlich 17 Millionen Euro mit dem grausamen Handel. [9]

Tierversuche finden im falschen Organismus statt, denn die Ergebnisse lassen sich kaum auf den Menschen übertragen. Die Lösung sind humanrelevante Methoden, also Verfahren, die für den Menschen aussagekräftige Ergebnisse hervorbringen. Dazu zählen beispielsweise sogenannte In-vitro-Methoden mit menschlichen Zellen oder Computersimulationen. Es gibt sogar Mini-Organe mit menschlichen Zellen oder Systeme wie „Human-on-a-chip“, welche die Funktion wesentlicher menschlicher Organsysteme nachstellen. So kann zuverlässiger als im Tierversuch getestet werden, welche Auswirkungen Substanzen auf den menschlichen Organismus haben. Es gibt bereits viele tierfreie Methoden, doch leider wird deren Weiterentwicklung und Etablierung viel zu wenig finanziell unterstützt. Die Fördergelder für Alternativmethoden müssen endlich gerechter verteilt werden.

Auch in der Forschung zum Coronavirus gibt es vielversprechende Beispiele, die ohne Tierversuche auskommen. 
 

Tierversuche bieten für den Menschen keine Sicherheit. Die Weiterentwicklung und Verwendung von tierfreien, für den Menschen relevanten Methoden hingegen würden die Medikamentenentwicklung effizienter und sicherer machen. Ein Beispiel für eine solche Methode ist der sogenannte „Human-on-a-chip – ein Modell des menschlichen Organismus, das mehrere sogenannte Organoide (Mini-Organe aus menschlichen Zellen) vernetzt. Solche Modelle werden beispielsweise von dem Berliner Unternehmen TissUse entwickelt. Mit deren Zwei-Organ-Chip konnte u. a. ermittelt werden, dass ein Diabetes-Mittel schädliche Auswirkungen auf die Leber hatte [10] – das Medikament war einige Jahre zuvor vom Markt genommen worden, weil sich diese Nebenwirkungen im Tierversuch nicht gezeigt hatten.

Da sich die Ergebnisse aus Tierversuchen unzuverlässig auf den Menschen übertragen lassen, ist jede klinische Studie – also der Einsatz eines neuen Wirkstoffs am Menschen vor seiner Zulassung – im Grunde ein „Menschenversuch“. Humanrelevante Methoden hingegen liefern aussagekräftige Ergebnisse und bieten daher mehr Sicherheit für den Menschen.

Um einen Tierversuch durchführen zu können, muss dieser bei einer Genehmigungsbehörde angezeigt oder genehmigt werden. Anzeigepflichtige Tierversuche müssen nur gemeldet und dürfen – ohne Rückmeldung – nach Ablauf einer Frist durchgeführt werden – dazu zählen beispielsweise Giftigkeitstests und Tierversuche für die Aus-, Fort- und Weiterbildung. Doch auch die Genehmigung bietet keinen ausreichenden Kontrollschritt: In Deutschland werden mehr als 99 Prozent der beantragten Tierversuche genehmigt! [11] Bei der Genehmigungspraxis verstößt Deutschland sogar gegen EU-Vorgaben, weswegen ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland eingeleitet wurde. Einer der gröbsten Verstöße besteht darin, dass die Genehmigungsbehörde einen Tierversuchsantrag nicht selbstständig auf Unerlässlichkeit und ethische Vertretbarkeit prüfen darf, sondern sich auf die Informationen verlassen muss, die der Antragsteller ihr mitteilt. Skandale wie jene, die sich im LPT-Labor in Hamburg ereigneten, zeigen zudem, dass Kontrollen oft versagen.

Die EU-Richtlinie 2010/63, die Tierversuche regelt, besagt: „[…] Tiere [sollten] stets als fühlende Wesen behandelt werden, und ihre Verwendung in Verfahren sollte auf Bereiche beschränkt werden, die letztendlich einen Nutzen für die Gesundheit von Mensch und Tier oder für die Umwelt nach sich ziehen können. Der Einsatz von Tieren […] sollte deshalb nur dann erwogen werden, wenn es keine tierversuchsfreie Alternative gibt.“ Auch das deutsche Tierschutzgesetz legt fest: „Bei der Entscheidung, ob ein Tierversuch unerlässlich ist, sowie bei der Durchführung von Tierversuchen sind folgende Grundsätze zu beachten: […] Es ist zu prüfen, ob der verfolgte Zweck nicht durch andere Methoden oder Verfahren erreicht werden kann.“ [12] Also ja, das ist gesetzlich vorgeschrieben – die Realität sieht allerdings oft anders aus: Tierversuche werden oft aus reiner Neugierde durchgeführt, auch in Fällen, wo längst tierfreie Methoden vorhanden sind.





[1] National Center for Advancing Translational Sciences (NCATS). About NCATS. https://ncats.nih.gov/about. Aufgerufen am: 23.04.2020.
[2] Freedman LP, Cockburn IM, Simcoe TS. The economics of reproducibility inpreclinical research. PLoS Biol. 2015;13(6):e1002165.
[3] Contopoulos-Ioannidis DG, Ntzani E, Ioannidis JP. Translation of highly promising basic science research into clinical applications. Am J Med. 2003;114(6):477-484.
[4] Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft. Weltschlaganfalltag 2017. https://www.dsg-info.de/presse/pressemeldungen/481-weltschlaganfalltag-2017-hirninfarkt-bei-jungen-menschen-akutbehandlung-neues-zu-thrombektomie-und-nachsorge.html. Aufgerufen am: 23.04.2020.
[5] Robert Koch Institut. Gesundheit in Deutschland 2015. https://www.rki.de/DE/Content/Gesundheitsmonitoring/Gesundheitsberichterstattung/GesInDtld/GesInDtld_inhalt.html. Aufgerufen am: 23.04.2020.
[6] Roth S, Liesz A. Stroke research at thecrossroads – where are we heading? Swiss Med Wkly. 2016;146:w14329.
[7] Statista. Einstellung der Bevölkerung ausgewählter europäischer Länder zu Tierversuchen. https://de.statista.com/statistik/daten/studie/252053/umfrage/investitionen-von-kosmetikherstellern-fuer-tierversuchsfreie-forschung/. Aufgerufen am: 23.04.2020.
[8] National Center for Advancing Translational Sciences (NCATS). About NCATS. https://ncats.nih.gov/about. Aufgerufen am: 23.04.2020.
[9] FAZ. Vertreibung aus dem Paradies. https://www.faz.net/aktuell/wissen/leben-gene/tierversuche-auf-mauritius-vertreibung-aus-dem-paradies-15647058.html. Aufgerufen am: 23.04.2020.
[10] SZ. Raus aus dem Labor. https://www.sueddeutsche.de/wissen/biomedizin-raus-aus-dem-labor-1.4751550. Aufgerufen am 23.04.2020.
[11] Strittmatter S.: Applications for animal experiments are rarely rejected in Germany. ALTEX 2019; 36(3): 470-471.
[12] Richtlinie 2010/63/EU des Europäischen Parlaments und des Rates vom 22. September 2010 zum Schutz der für wissenschaftliche Zwecke verwendeten Tiere. https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/PDF/?uri=CELEX:32010L0063&from=DE. Aufgerufen am 23.04.2020.
 



Wir unterstützen die Kampagne Ausstieg aus dem Tierversuch von Ärzte gegen Tierversuche und Menschen für Tierrechte.