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Forschung zum Coronavirus: 5 Beispiele ohne Tierversuche

Alternativen zu Tierversuchen

Die Welt ist fest im Griff der COVID-19-Pandemie. Wissenschaftsteams arbeiten unermüdlich daran, die so dringend benötigten Heilmittel und Impfstoffe gegen das Virus zu entwickeln. Alleine in den vergangenen Wochen hat die Bundesregierung die finanzielle Unterstützung der Forschung zum Coronavirus und zu COVID-19 um über 300 Millionen Euro erhöht. [1]

Die Pandemie bringt viele Unsicherheiten mit sich, aber eines ist sicher: Tierversuche sind nicht nur ethisch nicht vertretbar, sondern auch aus wissenschaftlicher Perspektive nicht zu rechtfertigen. Laut den US National Institutes of Health (NIH) versagen 95 von 100 Medikamente, die Tierversuche erfolgreich durchlaufen, beim Menschen – weil sie entweder nicht sicher oder unwirksam sind. Mäuse können beispielsweise gar nicht an COVID-19 erkranken, wenn man sie nicht vorher dementsprechend genetisch manipuliert – und selbst dann zeigen sie nur leichte Symptome. Dr. Stanley Perlman, Corona-Virologe an der University of Iowa, sagt zu diesem Vorgehen: 

„Das verrät einem nicht wirklich viel darüber, wie das Virus Krankheiten auslöst.“ [2]


Um die Entwicklung eines potenziellen Impfstoffs gegen das Coronavirus zu beschleunigen, haben sich die NIH bereits dafür entschieden, nicht auf langwierige und unzuverlässige Tierversuche zu warten. Stattdessen testen sie einen Impfstoff direkt an Freiwilligen. Bei der Größenordnung der aktuellen Pandemie kann es sich die Forschung schlichtweg nicht leisten, Zeit für nutzlose Tierversuche zu verschwenden.

Nicht nur die NIH haben sich gegen Tierversuche entschieden – hier einige weitere Beispiele für die Corona-Forschung mit innovativen, für den Menschen relevanten Methoden.

1. Lungenmodell von PETAs Wissenschaftsteam

Mit 3-D-Modellen des menschlichen Atemwegsgewebes können COVID-19-Infektionen studiert und potenzielle Behandlungsmöglichkeiten getestet werden. Solche Modelle werden z. B. von Epithelix Sàrl und MatTek Life Sciences hergestellt – Unternehmen, die PETAs Wissenschaftskonsortium seit Langem unterstützt. Unter anderem konnte das Konsortium schon die Entwicklung eines neuartigen Lungenmodells durch MatTek Life Sciences finanzieren.

2. Hochmoderne Computersimulation

Wissenschaftler der indischen Gauhati University untersuchten mittels hochmoderner Computersimulationen, welche Teile des Virus am ehesten eine Immunreaktion beim Menschen hervorrufen. Ihre Arbeit könnte zur Entwicklung eines sicheren und wirksamen Impfstoffs gegen COVID-19 beitragen.

3. Züchtung des Virus in Zellen

An der britischen University of Bristol züchten Wissenschaftler das Virus in Zellen, um zu erfahren, wie es sich verbreitet und die Krankheit auslöst. Mit dieser Technik erfahren sie, ob das Virus unter bestimmten Bedingungen mutiert. So werden hochrelevante Informationen produziert – anstatt Zeit damit zu verschwenden, Mäuse zu infizieren.

4. Vorhandenes Malariamedikament

Nachdem ein Team aus China zeigen konnte, dass das Malariamedikament Chloroquin das Virus in infizierten Zellen abtöten kann, wurden mehrere kleine Testläufe in chinesischen Krankenhäusern ins Leben gerufen. Dort konnte die Effizienz von Chloroquin bei der Behandlung menschlicher COVID-19-Patienten getestet werden, das Mittel erwies sich als sicher und wirksam. Aktuell läuft an der britischen University of Oxford eine klinische Studie, in der Chloroquin an 10.000 menschlichen Patienten getestet wird.

5. Stärkster Supercomputer der Welt

Ein Forschungsteam im amerikanischen Oak Ridge National Laboratory arbeitet mit dem stärksten Supercomputer der Welt: Summit. Mit seiner Hilfe möchten die Wissenschaftler herausfinden, welche bereits bekannten Medikamente bei COVID-19 helfen könnten. Der Computer sagt voraus, wie das jeweilige Medikament mit dem Virus interagieren könnte. Sein Wissen basiert dabei auf den physikalischen Eigenschaften des Medikaments und des Virus. Danach kann die Wirksamkeit vielversprechender Medikamente an Zellen getestet werden, die mit dem Virus infiziert wurden.

Immer mehr innovative Wissenschaftler arbeiten mit Forschungsmethoden, die dem Menschen helfen, ohne auch nur einem einzigen Tier zu schaden. Wir setzen uns dafür ein, dass dieser Paradigmenwechsel weg von Tierversuchen und hin zu effektiven, für den Menschen relevanten Methoden schnellstmöglich umgesetzt wird.

Was Sie tun können 

[1] Karliczek zu Corona: „Wir tun alles, was in unserer Macht steht.” – BMBF, online:  https://www.bmbf.de/de/karliczek-zu-corona-wir-tun-alles-was-in-unserer-macht-steht-11249.html. (Zuletzt abgerufen am 02.04.2020).
[2] Callaway, Ewen: „Labs rush to study coronavirus in transgenic animals – some are in short supply.“ – nature, online: https://www.nature.com/articles/d41586-020-00698-x. (Zuletzt abgerufen am 02.04.2020).

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Unsere Blogbeiträge zu den Themenbereichen Tierrechte und Veganes Leben werden von Mitarbeitern von PETA Deutschland und externen Co-Autoren verfasst.