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Tierversuche: Antworten auf die wichtigsten Fragen zum Thema

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Alle zehn Sekunden stirbt ein Tier in einem deutschen Versuchslabor.[1] Dass sich die Ergebnisse aus Tierversuchen häufig nicht auf den Menschen übertragen lassen, ist längst kein Geheimnis mehr. Warum werden Tierversuche dann überhaupt noch durchgeführt? Und was bedeutet das genau? Welche Alternativen gibt es? Hier finden Sie alle Informationen rund um das Thema Tierversuche, Forschung und tierfreie Methoden.

Inhaltsverzeichnis:

Ohne Tierversuche gäbe es doch keinen wissenschaftlichen Fortschritt?

Hochmoderne tierfreie Methoden erzielen eindeutige Fortschritte. So konnten Wissenschaftler:innen beispielsweise durch die Nutzung sogenannter „Hirn-Organoide“, also 3D-Modellen aus menschlichen Zellen, eine potenzielle Ursache für tödliche Hirnmissbildungen finden, die durch eine seltene genetische Störung ausgelöst werden. Die als Miller-Dieker-Syndrom bekannte Störung war zuvor bereits erfolglos an Mäusen erforscht worden.[2] Tierversuche untersuchen den falschen Organismus, denn die physiologischen Unterschiede zwischen Menschen und anderen sind gravierend.

Warum werden noch immer Tierversuche durchgeführt?

Es gibt mehrere Gründe, warum noch immer Tierversuche durchgeführt werden: Zum einen sind Tierversuche zur Gewohnheit geworden, also ein klassischer Fall von „Das wurde schon immer so gemacht“. In der Medikamententestung werden Tierversuche oft noch immer als Standard gelistet, beispielsweise im Europäischen Arzneimittelbuch – obwohl 95 von 100 Medikamenten, die im Tierversuch erfolgreich sind, beim Menschen scheitern![3] Die mangelnde Übertragbarkeit der Ergebnisse vom Tier auf den Menschen ist dabei ein wichtiger Faktor. [4] Hinzu kommt, dass Tierversuche in der Forschung leider noch fest verankert und damit an Forschungsgelder und Publikationen geknüpft sind. Somit dienen sie Wissenschaftler:innen oftmals als Mittel zum Zweck, wenn es darum geht, auf der Karriereleiter voranzukommen. Ein weiterer Grund ist die gewaltige Industrie, die hinter Tierversuchen steht: Alleine der Inselstaat Mauritius, der weltweit zweitgrößte Exporteur von Affen zu Versuchszwecken, verdient jährlich 17 Millionen Euro mit dem grausamen Handel.[5]

Gibt es genügend Alternativen, um Tierversuche zu ersetzen?

Tierversuche finden am falschen Organismus statt, denn die Ergebnisse lassen sich kaum auf den Menschen übertragen. Die Lösung sind humanrelevante Methoden, also Verfahren, die für den Menschen aussagekräftige Ergebnisse hervorbringen. Dazu zählen beispielsweise sogenannte In-vitro-Methoden mit menschlichen Zellen oder Computersimulationen. Es gibt sogar Mini-Organe aus menschlichen Zellen oder Systeme wie „Human-on-a-chip“, welche die Funktion menschlicher Organsysteme nachstellen. So kann zuverlässiger als im Tierversuch getestet werden, welche Auswirkungen bestimmte Substanzen auf den menschlichen Organismus haben. Es gibt bereits viele tierfreie Methoden, doch leider wird deren Weiterentwicklung und Etablierung viel zu wenig finanziell unterstützt. Die Fördergelder für Alternativmethoden müssen endlich gerechter verteilt werden.

Auch in der Forschung zum  SARS-CoV-2 gibt es vielversprechende Beispiele, die ohne Tierversuche auskommen. 

Werden Versuche an Menschen durchgeführt, wenn es keine Tierversuche mehr gibt?

Tierversuche bieten für den Menschen keine Sicherheit. Die Verwendung von tierfreien, für den Menschen relevanten Methoden hingegen würde die Medikamentenentwicklung effizienter und sicherer machen. Das würde nicht bedeuten, dass künftig an Menschen experimentiert würde. Vielmehr würden keinerlei Lebewesen mehr in Versuchen ausgebeutet.

Ein Beispiel für eine solche Methode ist der sogenannte „Human-on-a-chip“ – ein Modell des menschlichen Organismus, das mehrere Mini-Organe aus menschlichen Zellen vernetzt. Solche Modelle werden beispielsweise von dem Berliner Unternehmen TissUse entwickelt. Mit deren Zwei-Organ-Chip konnte u. a. ermittelt werden, dass ein Diabetes-Mittel schädliche Auswirkungen auf die Leber hatte [4] – das Medikament war einige Jahre zuvor vom Markt genommen worden, weil sich diese Nebenwirkungen im Tierversuch nicht gezeigt hatten.

Da sich die Ergebnisse aus Tierversuchen unzuverlässig auf den Menschen übertragen lassen, bergen auch klinische Studien weiterhin Risiken für Menschen – humanrelevante Methoden hingegen liefern aussagekräftigere Ergebnisse und bieten daher mehr Sicherheit für den Menschen.

Wer darf Tierversuche überhaupt durchführen und werden diese nicht streng kontrolliert?

Um einen Tierversuch durchführen zu können, muss dieser bei einer Genehmigungsbehörde genehmigt werden. Einige Tierversuche unterliegen einem vereinfachten Genehmigungsverfahren. Dazu zählen beispielsweise Giftigkeitstests oder andere regulatorische Versuche, z. B. in der Medikamentenzulassung. Doch das Genehmigungsverfahren bietet keinen ausreichenden Kontrollschritt: In Deutschland werden mehr als 99 Prozent der beantragten Tierversuche genehmigt![6] Bei der Genehmigungspraxis verstieß Deutschland in der Vergangenheit sogar gegen EU-Vorgaben, weswegen ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland eingeleitet wurde. Einer der gröbsten Verstöße bestand darin, dass die Genehmigungsbehörde einen Tierversuchsantrag nicht selbstständig auf Unerlässlichkeit und ethische Vertretbarkeit prüfen darf, sondern sich auf die Informationen verlassen muss, die die Antragsteller:innen ihr mitteilen. Skandale wie jene, die sich im LPT-Labor in Hamburg ereigneten, zeigen zudem, dass Kontrollen oft versagen.

Ist es gesetzlich vorgeschrieben, dass Tierversuche nur durchgeführt werden dürfen, wenn keine Alternativmethoden genutzt werden können?

Die EU-Richtlinie 2010/63, die Tierversuche regelt, besagt: „[…] Tiere [sollten] stets als fühlende Wesen behandelt werden, und ihre Verwendung in Verfahren sollte auf Bereiche beschränkt werden, die letztendlich einen Nutzen für die Gesundheit von Mensch und Tier oder für die Umwelt nach sich ziehen können. Der Einsatz von Tieren […] sollte deshalb nur dann erwogen werden, wenn es keine tierversuchsfreie Alternative gibt.“ Auch das deutsche Tierschutzgesetz legt fest: „Bei der Entscheidung, ob ein Tierversuch unerlässlich ist, sowie bei der Durchführung von Tierversuchen sind folgende Grundsätze zu beachten: […] Es ist zu prüfen, ob der verfolgte Zweck nicht durch andere Methoden oder Verfahren erreicht werden kann.“[7] Also ja, das ist gesetzlich vorgeschrieben – die Realität sieht allerdings oft anders aus: Tierversuche werden auch dort durchgeführt, wo längst tierfreie Methoden vorhanden sind, ein gutes Beispiel hierfür ist der Kaninchen-Pyrogentest.

Verhindert die sogenannte Ethikkommission Tierquälerei an den Einrichtungen nicht?

Tierversuchskommissionen bestehen meist nur zu einem Drittel aus Vertreter:innen des Tierschutzes. Die übrigen zwei Drittel sind Vertreter:innen der Wissenschaft, die oft selbst Tierversuche durchführen, Teil der Tierversuchsindustrie sind und kein Interesse an einer Reduktion von Tierversuchen haben. Selbst als Tierschutzvertreter:innen werden oft Personen rekrutiert, die selbst direkt in Tierversuche verwickelt sind. Da kritische Stimmen somit zahlenmäßig unterlegen sind, stimmt die Kommission nur selten gegen einen Tierversuchsantrag. Außerdem trifft die eigentliche Entscheidung die Genehmigungsbehörde, die Kommission hat lediglich beratenden Charakter, wodurch auch Versuche, die die Kommission ablehnt, von der Behörde dennoch zugelassen werden – weniger als ein Prozent der Anträge werden abgelehnt.[9]

Hinzu kommt, dass die Kommissionsmitglieder einer strikten Schweigepflicht unterliegen – sowohl die Besetzung der Kommissionen als auch der Genehmigungsprozess an sich sind dadurch sehr intransparent und Fehlentscheidungen gelangen nicht an die Öffentlichkeit. Bei einzelnen Genehmigungsanträgen gelingt es den Kommissionen vielleicht, die Anzahl der Tiere zu reduzieren oder deren Leid zu verringern. Die derzeitige Genehmigungspraxis hat jedoch wenig mit einer tatsächlichen ethischen Abwägung zu tun – weshalb auch die umgangssprachliche Bezeichnung als „Ethikkommission“ irreführend ist.

Helfen Sie, Tierversuche zu beenden: Fordern Sie eine moderne, tierfreie Forschung!

Helfen Sie mit, grausame Experimente an Tieren zu beenden, und unterstützen Sie uns, indem Sie den Ausstieg aus Tierversuchen fordern. Unser Strategiepapier enthält einen detaillierten Plan, wie moderne und effektive Forschung ohne Tierversuche etabliert werden kann. Denn Tierversuche sind nicht nur moralisch falsch, sondern auch sinnlos, da sich die Ergebnisse nicht zuverlässig auf den Menschen übertragen lassen. Mit Ihrer Unterschrift können Sie helfen, das Leid der Tiere zu beenden!

  • Quellen

    [1] Deutsches Zentrum zum Schutz von Versuchstieren (Bf3R). Verwendung von Versuchstieren im Berichtsjahr 2024. Accessed April 28, 2026. https://www.bf3r.de/angebote/versuchstierzahlen/versuchstierzahlen-2024/

    [2] Bershteyn M, Nowakowski TJ, Pollen AA, et al. Human IPSC-Derived cerebral organoids model cellular features of lissencephaly and reveal prolonged mitosis of outer radial glia. Cell Stem Cell. 2017;20(4):435-449.e4. doi:10.1016/j.stem.2016.12.007

    [3] National Center for Advancing Translational Sciences. New Therapeutic Uses. November 5, 2024. Accessed April 28, 2026. https://ncats.nih.gov/research/research-activities/ntu

    [4] Marshall LJ, Bailey J, Cassotta M, Herrmann K, Pistollato F. Poor translatability of biomedical research using animals — A narrative review. Alternatives to Laboratory Animals. 2023;51(2):102-135. doi:10.1177/02611929231157756

    [5] Loll AC. Tierversuche auf Mauritius: Vertreibung aus dem Paradies. Frankfurter Allgemeine. https://www.faz.net/aktuell/wissen/leben-gene/tierversuche-auf-mauritius-vertreibung-aus-dem-paradies-15647058.html. Published June 22, 2018. Accessed April 28, 2026.

    [6] Schwenkenbrecher J. Raus aus dem Labor. Süddeutsche Zeitung. 10. January, 10, 2020, Accessed on April 28, 2026. https://www.sueddeutsche.de/wissen/biomedizin-raus-aus-dem-labor-1.4751550.

    [7] Strittmatter S. Low rejection rate for animal experiments in Germany despite legal reform. ALTEX. 2026;43(2):345-346. doi:10.14573/altex.2512081

    [8] Richtlinie 2010/63/EU des Europäischen Parlaments und des Rates vom 22. September 2010 zum Schutz der für wissenschaftliche Zwecke verwendeten Tiere. https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/PDF/?uri=CELEX:32010L0063&from=DE. Accessed on April 23, 2026.

    [9] Rücker M. Tierversuche in Berlin: „Finale Narkose und Tötung des Tieres durch Entbluten“. Berliner Zeitung.  08.07.2023. Accessed on April 28, 2026. https://www.berliner-zeitung.de/article/machste-patho-das-medizinische-leid-der-tiere-366261.