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Tierversuche in Deutschland: Zahlen, Fakten und weitere Infos

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In Deutschland werden jährlich Millionen Tiere für „wissenschaftliche“ Zwecke missbraucht: Im Jahr 2024 sind insgesamt 3.063.569 Tiere in deutschen Versuchslaboren gequält und meist getötet worden. Die Zahl ist im Vergleich zum Vorjahr das erste Mal seit langem spürbar gesunken – die Forschungsaktivität in Deutschland blieb jedoch gleich hoch. [20] Damit wird endlich deutlich: Wissenschaft ohne Tierversuche ist die Zukunft. Die harte Arbeit von Tierschützer:innen und progressiven Wissenschaftler:innen weltweit zeigt demnach nun auch messbar eine Wirkung. Dabei zeigen sowohl die Anzahl der in Versuchen, für Organ- und Gewebeentnahmen „verwendeten“ und getöteten Tiere als auch die Anzahl der sogenannten „Überschusstiere“ einen Rückgang.

Diese positiven Nachrichten sind längst überfällig und es muss nun weiter schnell voran gehen: Denn trotz des Rückgangs bleibt die Zahl der Tiere, die in deutschen Versuchslaboren gequält und getötet werden, hoch – in Europa bilden Deutschland und Frankreich die traurige Spitze.

In Deutschland leiden und sterben unzählige Tiere in grausamen Experimenten.

Inhalte im Überblick

Millionen Tiere werden in Deutschland in Versuchen und Experimenten missbraucht

In deutschen Versuchslaboren werden immer noch unzählige Tiere in Giftigkeitstests von Chemikalien, in Tierversuchen für die Entwicklung von Medikamenten und für andere Zwecke wie Aus- und Weiterbildungen missbraucht. Fast die Hälfte aller Tiere wurde jedoch in der Grundlagenforschung missbraucht. [1]

2024: Offizielle Zahl der missbrauchten Tiere für „wissenschaftliche“ Zwecke liegt bei 3 Millionen

Die Zahlen der für „wissenschaftliche“ Zwecke missbrauchten Tiere ist im Vergleich zum Vorjahr deutlich gesunken. Im Jahr 2024 wurden insgesamt 3 Millionen Tiere im Namen der „Wissenschaft“ missbraucht, im Vorjahr noch knapp über 3,5 Millionen. Im Vergleich zu 2022 sank die Zahl um mehr als eine Million Tiere. [2] Das sind gute Nachrichten, die zeigen, dass die Zukunft der Wissenschaft tierversuchsfrei ist.

Der prozentual größte Rückgang ist auf die Verringerung der sogenannten „Überschusstiere“ zurückzuführen. Also solche Tiere, die gezüchtet und getötet werden, ohne je in einem Versuch „verwendet“ worden zu sein (Rückgang von 19 Prozent). Die Zahl der für Versuche missbrauchten Tiere ging von 2.128.520 Tieren im Jahr 2023 auf 1.954.469 Tiere im Jahr 2024 um circa 8 Prozent zurück. Der Anteil lebender Tiere, die in Versuchen eingesetzt wurden, sank um 9 Prozent, während der Anteil der Tiere, die für Organ- oder Gewebeentnahmen getötet wurden, um etwa 7 Prozent zurückging.

Online-Petition

Wissenschaft statt Tierversuche – für eine moderne Forschung

Forder Sie den Ausstieg aus Tierversuchen!

Bitte setzen Sie sich für eine Strategie mit klaren Zielen zur Beendigung aller Tierversuche ein.

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

das aktuelle Forschungssystem der Biomedizin ist von Grund auf fehlerhaft. Soll ein neues Medikament auf den Markt gebracht werden, kann das über 1,7 Milliarden Euro kosten und bis zu 15 Jahre lang dauern. Doch trotz dieser enormen Investitionen kommen ganze 95 Prozent aller Medikamente, die es bis in die klinischen Testreihen an Menschen schaffen, nie auf den Markt – obwohl sie anhand von Tierversuchen als sicher und effektiv eingestuft wurden. So bleiben Patienten sowie deren Familien ihrem Leid überlassen. Ohne die dringend benötigten Reformen wird das bestehende Forschungssystem wieder und wieder versagen.

Höherwertige, tatsächlich für den Menschen relevante Methoden haben das Potenzial, verlässlichere, genauere und kostengünstigere Ergebnisse zu liefern. Zudem sind sie im Vergleich zu Tierversuchen ethisch vertretbar. Zu solchen Methoden gehören beispielsweise klinische und epidemiologische Studien, Forschung auf Basis menschlicher Zellen und Gewebe, hochmoderne, lebensechte Patientensimulatoren oder auch Computermodelle. Doch leider stehen diese Methoden, was ihre Finanzierung angeht, noch immer mit den fehlerbehafteten tierbasierten Ansätzen in Konkurrenz.

Es ist an der Zeit für einen Paradigmenwechsel. PETAs Research Modernisation Deal identifiziert Bereiche, in denen Tiere mit sofortiger Wirkung durch innovative, humane Ansätze ersetzt werden könnten. Zudem enthält er eine Übergangsstrategie hin zur Nutzung tierfreier Methoden in der biomedizinischen Forschung und in behördlich vorgeschriebenen Versuchen.

Als Unterzeichnende fordern wir die Verantwortlichen auf, im Sinne der im Research Modernisation Deal empfohlenen Prioritäten zu handeln. Zudem sollten umgehend Schritte zur Einführung einer Gesetzgebung eingeleitet werden, die Tierversuchen ein Ende setzt. Zur Erreichung dieses Ziels müssen eine klare Strategie und ein Zeitplan vorgelegt werden.

Wenn wir von unzuverlässigen, unethischen Tierversuchen auf bessere, tierfreie Methoden umsteigen, profitieren davon Menschen, Tiere und die Zukunft der Wissenschaft.

Mit freundlichen Grüßen

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Rückgang im Bundesländervergleich und bei der Bundeswehr

In den meisten Bundesländern ist der Missbrauch von Tieren für die Wissenschaft gesunken. Traurige Spitze für Tierversuche bleiben weiterhin Bayern (395.000 Tiere), Nordrhein-Westfalen (341.000 Tiere) und Baden-Württemberg (312.000 Tiere) Die deutlichsten Rückgänge in den Zahlen sah man in Sachsen-Anhalt (Rückgang von 35 Prozent), in Hamburg und in Brandenburg (Rückgang von 23 bzw. 20 Prozent). Den größten Anstieg verzeichnete Mecklenburg-Vorpommern mit 46 Prozent mehr missbrauchten Tieren.

Bei der Bundeswehr ging die Zahl der für wissenschaftliche Zwecke missbrauchten Tiere von 395 im Jahr 2023 auf 294 im Jahr 2024 zurück.

Wissenschaft und Politik müssen nun alles tun, damit die Zahlen weiter und deutlich stärker sinken und die Forschung nachhaltig modernisiert wird — langfristiges Ziel der EU ist es, so bald wie möglich Tierversuche zu ersetzen. Deutschland sollte mit gutem Beispiel vorangehen. Für einen bedeutenden Rückgang der Zahlen brauchen wir eine verbindliche Ausstiegsstrategie.

Die letzte Bundesregierung hatte im Herbst 2024 begonnen, eine solche Strategie zur Reduktion unter Beteiligung von Wissenschaft, Industrie und Tierschutzorganisationen zu entwickeln, diese wurde jedoch nie veröffentlicht. Die schwarz-rote Regierung unter Friedrich Merz verkündete im Dezember 2025, keine nationale Strategie mehr zu verfolgen und stattdessen die Verantwortung an die EU zu übertragen. Diese Pläne hinterlassen jedoch vor allem in dem Bereich mit dem höchsten Bedarf eine große Lücke: Die EU Roadmap zum Ausstieg von Tierversuchen bezieht sich nämlich nur auf gesetzlich vorgeschriebene Tests für Produktprüfungen. EU-Initiativen zur Förderung von tierversuchsfreien Methoden in der Forschung bedürfen dennoch das Engagement aus den Mitgliedstaaten. Dazu sind national verstärkte Förderprogramme für tierfreie Methoden essenziell, und gemeinsam mit der Etablierung eines deutschen „ressortübergreifenden Kompetenznetzwerks“ wäre dies ein erster wichtiger Schritt für eine zukunftssichere Strategie zur Modernisierung der Wissenschaft und zum Ausstieg aus Tierversuchen.

Mehr Katzen, Pferde, Esel, Ziegen und Fische – weniger Mäuse, Hunde und Affen

Die Zahl einiger im Labor missbrauchter Spezies ging zurück. Darunter Ratten, Hamster, Kaninchen, Schweine, Reptilien und Vögel – insbesondere Truthühner um 77 Prozent. Sogar 8 Prozent weniger Mäuse wurden missbraucht – die mit 1,5 Millionen Individuen immer noch am häufigsten „genutzte“ Tierart. Die Zahl der Affen ging um über 30 Prozent zurück, die der Hunde um mehr als 10 Prozent. 

Der Missbrauch anderer Tierarten hat sich allerdings erhöht: Im Vergleich zum Vorjahr wurden mit 700 Individuen fast 30 Prozent mehr Katzen missbraucht, 75 Prozent mehr Pferde und Esel (fast 900 Tiere) und sogar 94 Prozent mehr Ziegen „verwendet“. Auch bei Schafen (27 Prozent), Rindern (63 Prozent), Frettchen (11 Prozent), Halbaffen (60 Prozent), Krallenfröschen (65 Prozent) und Fischen (5 Prozent) stieg die Zahl der missbrauchten Individuen.  

  • Getötete Tiere pro Jahr:
    2023 2.128.520 Tiere
    2022 2.437.794 Tiere
    2021 2.503.682 Tiere
    2020 2.533.664 Tiere
    2019 2.902.348 Tiere
    2018 2.825.066 Tiere
    2017 2.807.297 Tiere
    2016 2.854.586 Tiere
    2015 2.799.961 Tiere
    2014 2.798.463 Tiere
    2013 2.997.152 Tiere
    2012 3.080.727 Tiere
    2011 2.911.705 Tiere
    2010 2.856.316 Tiere
    2009 2.786.331 Tiere
    2008 2.692.890 Tiere
    2007 2.609.483 Tiere
    2006 2.518.267 Tiere
    2005 2.412.678 Tiere
    2004 2.265.489 Tiere
    2003 2.112.341 Tiere
    2002 2.212.376 Tiere
    2001 2.126.561 Tiere
    2000 1.825.215 Tiere

Hinweis: „Überschusstiere“ in Tabelle nicht abgebildet. Seit 2014 wird die Anzahl der Tiere leicht verändert erfasst als zuvor.

  • 2023: 3.501.693 missbrauchte Tiere insgesamt

    Im Jahr 2023 sind insgesamt 3.501.693 Tiere in deutschen Laboren missbraucht worden. Die Zahl ist im Vergleich zum Vorjahr das erste Mal seit langem spürbar gesunken – insgesamt um circa 17 Prozent. Der prozentual größte Rückgang war dabei auf eine Verringerung der sogenannten „Überschusstiere“ zurückzuführen.

    Die Zahl der missbrauchten Katzen lag mit 544 Tieren bei 6 Individuen mehr als im Vorjahr. Dafür wurden 2023 deutlich weniger Versuche an Hunden (-11 Prozent), Fischen (-20 Prozent), Primaten (-24 Prozent), Rindern (-37 Prozent), Schafen (-38 Prozent) und Ziegen (-62 Prozent) durchgeführt. Bei Pferden war mit 77 Prozent der größte Rückgang zu verbuchen.

    Jedoch gibt es auch einige Spezies, die vermehrt zu wissenschaftlichen Zwecken missbraucht wurden: Meerschweinchen (+18 Prozent), Truthähne (+45 Prozent), Reptilien (+88 Prozent) und Kopffüßer, bei denen die Zahl sogar um das Fünffache anstieg.

  • 2022: 4.207.231 missbrauchte Tiere insgesamt

    Im Jahr 2022 sind mehr als 4,2 Millionen Tiere in deutschen Versuchslaboren für „wissenschaftliche” Zwecke missbraucht und meist getötet worden. Darunter waren 2,4 Millionen Tiere, die in Versuchen oder für Organ- und Gewebeentnahmen „verwendet“ sowie 1,8 Millionen Tiere, welche gezüchtet, getötet, aber nicht „verwendet“ wurden. Beide Zahlen sind im Vergleich zum Vorjahr gesunken – jedoch ist der größte Rückgang auf eine Verringerung der 1,8 Millionen sogenannten Überschusstiere zurückzuführen. Die Zahl der tatsächlich in Versuchen missbrauchten Tieren ging von 2.503.682 Tieren (2021) auf 2.437.794 Tiere (2022) nur leicht zurück.

    Mehr Affen, Hunde, Schafe

    Die Zahl der missbrauchten Katzen lag bei 538 Tieren, etwa gleich hoch wie vor zwei Jahren und ein Rückgang von 37 Prozent im Vergleich zu 2021. Dafür wurden 2022 wieder deutlich mehr Versuche an Affen (von 1.915 in 2021 auf 2.267 Tiere in 2022; +18 Prozent), Schafen (von 2.843 auf 3.393) und Kaninchen (von 63.124 auf 67.466) durchgeführt. Auch litten 2022 erneut mehr Hunde von 2.658 auf 2.877) in deutschen Versuchslaboren

  • 2021: 5.058.242 missbrauchte Tiere für die „Wissenschaft“

    Im Vergleich zum Vorjahr sank die Zahl der für Versuche „verwendeten“ Tiere um etwa ein Prozent auf 2.503.682 Individuen. [3] Wie bereits im Vorjahr sind vermutlich Einschränkungen durch die Corona-Pandemie Hauptgrund dafür, dass die Zahlen erstmals seit langem nicht bei fast 3 Millionen liegen. Die diesjährige Statistik erfasste außerdem erstmalig weitere 2,55 Millionen Tiere, die gezüchtet und getötet, aber nicht „verwendet“ wurden. Insgesamt wurden also über 5 Millionen Tiere im Namen der „Wissenschaft“ missbraucht und meist getötet.

    Zudem litten 2021 mehr Katzen, Hunde und Mäuse im Namen der „Wissenschaft“, auch die Anzahl der schweren Tierversuche stieg an: Die Zahl der missbrauchten Katzen stieg um 33 Prozent auf 862 Tieren, die der Mäuse auf 1.877.409 (Vorjahr: 1.846.274) und die der Hunde auf 2.658 (Vorjahr: 2.562). Tierversuche mit Schweregrad „schwer“, die also die höchstmögliche Belastung für die Tiere mit sich bringen, sind im Vergleich zum Vorjahr von ca. 72.000 auf fast 80.000 angestiegen. Mehr Tiere 

    • mussten starke Schmerzen erleiden,
    • komplett isoliert eingesperrt ausharren,
    • schwere Ängste erfahren.
  • 2020: 2.533.664 missbrauchte Tiere

    Mit 2,5 Millionen missbrauchten Tieren in Deutschland war die Zahl im Jahr 2020 im Vergleich zu den Vorjahren rückläufig – doch das sind nur scheinbar gute Nachrichten: Denn der Grund ist vor allem die Corona-Pandemie. Aufgrund der Beschränkungen während des Lockdowns wurden viele Forschungsaktivitäten, die nicht die COVID-Forschung betreffen, zurückgefahren und somit auch viele Tierversuche ausgesetzt oder abgebrochen. Von einer Trendwende kann leider nicht ausgegangen werden.

    Im Jahr 2020 verdoppelte sich die Zahl der missbrauchten Hamster auf über 2.100 Tiere, und auch die Zahl der Meerschweinchen, Frettchen, Rinder und Schafe stieg an. Von ihnen litten 2020 insgesamt 27.420 in deutschen Versuchslaboren. Die Anzahl der missbrauchten Pferde und Esel lag bei 2.200 Tieren – im Vergleich zum Vorjahr ein Anstieg von 180 Prozent. [1, 4]

  • 2019: 2.902.348 missbrauchte Tiere

    Die Zahl an missbrauchten Tieren lag bei fast 3 Millionen [4] – ein Anstieg von fast 100.000 Tieren im Vergleich zum Vorjahr. Hinzu kommen unzählige weitere Tiere, die gezüchtet und als „Überschuss“ getötet wurden, die in Statistiken nicht erfasst werden.

    Mehr Affen, Katzen, Kaninchen, Vögel und Fische

    Die Zahl der missbrauchten Affen lag 2019 bei mehr als 3.400 Tieren – damit waren es etwa 100 Affen mehr als im Vorjahr. Während die Zahl der Hunde auf etwa 3.500 Tiere sank, im Vorjahr waren es noch knapp 4.000, stieg die Zahl der Katzen auf fast 1.000 von knapp 800 im vorherigen Jahr. Auch mehr Kaninchen (von 85.645 auf 94.679) und Vögel (von 39.745 auf 43.783) litten 2019 in deutschen Versuchslaboren. Die Zunahme 2019 bei der Anzahl missbrauchter Fische ist besonders auffällig: Von knapp 230.000 Tieren im Jahr 2018 stieg die Zahl nun auf fast 400.000 Tiere – das entspricht einem Anstieg von 73,3 Prozent!

  • 2018: 2.825.066 missbrauchte Tiere

    Für „wissenschaftliche“ Zwecke wurden 2018 mit einer Zahl von rund 2,83 Millionen fast 3 Millionen Tiere missbraucht und zu großen Teilen auch getötet. [5] Im Vergleich zu 2017 zeigt sich ein leichter Anstieg der Zahlen: 2017 lag die Gesamtzahl der Tiere noch bei 2.807.297. Die Zahl der missbrauchten Hunde und Katzen ist im Vergleich zum Vorjahr ebenfalls gestiegen: Fast 4.000 Hunde und über 750 Katzen fristeten 2018 ihr Dasein im Tierversuchslabor. Auch die Zahl der „verwendeten“ Primaten ist mit etwa 3.300 immer noch erschreckend hoch.

  • 2017: 2.807.297 missbrauchte Tiere

    Zu verschiedenen Zwecken wurden 2017 rund 2,8 Millionen Tiere auf verschiedenste Weisen in Versuchen und Experimenten gequält und getötet.

Welche Tierarten werden für Tierversuche in Deutschland missbraucht?

In Deutschland werden Tierversuche am häufigsten an Nagetieren durchgeführt – vor allem an Mäusen und Ratten. Doch auch zahlreiche andere Tierarten leiden für Versuche und in Experimenten, denn wirklich sicher vor Tierversuchen sind hier lediglich Menschenaffen:

  • Affen
  • Fische
  • Frösche
  • Esel
  • Hamster
  • Hunde
  • Kalmare und Kraken [1]
  • Kaninchen
  • Katzen
  • Mäuse
  • Meerschweinchen
  • Pferde
  • Ratten
  • Schafe
  • Schweine
  • Vögel
  • Würmer
  • Reptilien wie Bartagamen [6] und Schlangen [7]
  • Verschiedene Insekten

Tiere sind fühlende Lebewesen, die sich ein unversehrtes Leben ohne Leid und Schmerz wünschen. Der Missbrauch von Tieren zu „wissenschaftlichen Zwecken“ ist unmoralisch und speziesistisch.

Tierversuche an verschiedenen Tierarten
Viele Tierarten werden in grausamen und unnötigen Experimenten gezüchtet, missbraucht und getötet.

Warum sind Tierversuche in Deutschland erlaubt?

In Deutschland dürfen Tierversuche laut dem Tierschutzgesetz offiziell nur durchgeführt werden, wenn es für sie keine Alternative gibt – doch ob tierversuchsfreie Methoden ein geeigneter Ersatz wären oder nicht, ist Auslegungssache. Für Medikamente sind Tierversuche gesetzlich vorgeschrieben.

  • Gesetzlich vorgeschriebene Tierversuche

    Versuche, mit denen sichergestellt werden soll, dass Chemikalien, Medikamente und andere Substanzen unschädlich für die menschliche Gesundheit und die Umwelt sind, werden immer noch vor allem an Tieren durchgeführt. Diese machen ungefähr 17 % der gesamten Tierversuche in Deutschland aus. [8]

    Für diese Sicherheitsprüfungen gibt es genaue Vorgaben, wie ein Versuch durchgeführt werden muss und welche Erkenntnisse daraus auch wirklich verwendet werden. Entsprechend kann die Entwicklung neuer, tierfreier Methoden strategisch erfolgen und konkrete Ziele anstreben.

    Früher wurden z. B. Kaninchen routinemäßig in solchen Versuchen eingesetzt. Man injizierte ihnen Chemikalien in die Ohren, gab die Substanzen in ihre Augen oder trug sie auf ihre rasierte Haut auf. Zum Glück wurden solche grausamen Tests in vielen Teilen der Welt in den vergangenen Jahren durch tierversuchsfreie Methoden ersetzt.

    Doch bis diese tierversuchsfreien Methoden wirklich akzeptiert waren, hat es lange gedauert. In der Abschaffung des sogenannten „Rabbit Pyrogen Test“ beispielsweise liegen zwischen Entwicklung und vollständiger Implementierung bereits über 30 Jahre. [9] In dem Test injiziert man Kaninchen Medikamente oder Wirkstoffe aus Medizinprodukten und misst stundenlang rektal ihre Körpertemperatur, um festzustellen, ob sie Fieber bekommen. Obwohl die Methode seit 2010 offiziell von den Behörden akzeptiert wird, ist in Europa ein endgültiges Auslaufen des Tests erst bis 2026 anvisiert. Aktuell kommt er nach wie vor in Deutschland zum Einsatz. [10]

    Förderung neuer Methoden von Forschung bis Anwendung

    Die gute Nachricht ist: Die Entwicklung neuer, tierfreier Methoden wird heute immer mehr gefördert. Leider schafft es dennoch die überwiegende Mehrzahl dieser neuen Tests niemals auf die nächste Stufe. Sie werden hauptsächlich in der akademischen Forschung entwickelt und dann nicht weiterverfolgt, weil ihre Überführung in die Anwendung zeitraubend, teuer und nicht strategisch gefördert und priorisiert wird. Den Entwickler:innen mangelt es teils an Ressourcen oder bürokratischem Wissen (oder schlicht Interesse), um die Methoden weiterzutragen. Den Anwender:innen hingegen ist die Investition oftmals noch zu riskant, da zu diesem Zeitpunkt unklar ist, ob Daten, die mit den neuen Methoden gewonnen wurden, überhaupt von den Behörden akzeptieren werden.

  • Gesetzlich nicht vorgeschriebene Tierversuche

    Neben den gesetzlich vorgeschriebenen gibt es demnach freiwillig gewählte Tierversuche, z. B. in der Grundlagen-, translationalen und angewandten Forschung. Zudem werden viele Tiere in der Ausbildung oder zur „Erschaffung“ genmanipulierter Tiere missbraucht. Insgesamt entspricht das 83 % der Gesamtzahl an Tierversuchen, also mehr als 2 Millionen Tiere, die in Experimenten leiden. Dazu kommen jährlich noch etwa 2,5 Millionen Tiere, die gezüchtet und getötet werden, ohne in Versuchen eingesetzt zu werden. [8]

    Der Ansatz, wie man diese enorme Anzahl an Tieren reduziert und ersetzt, muss jedoch ein anderer sein als bei Tierversuchen, die vom Gesetzgeber tatsächlich verlangt werden. Die Ziele sind hier nur durch einen fundamentalen Paradigmenwechsel des wissenschaftlichen Systems zu erreichen. Denn aktuell orientiert sich biomedizinische Forschung unter anderem an zwei Punkten:

    • Wissenschaftliche Publikationen: Der Wert einer Forscherin oder eines Forschers bemisst sich daran, wie stark die jeweilige Arbeit öffentlich und innerhalb der Welt der Wissenschaft gesehen wird. Erfolg hängt maßgeblich von der Anzahl an wissenschaftlichen Veröffentlichungen ab und davon, in welchen wissenschaftlichen Magazinen publiziert wurde.
    • Fördergelder: Akademische Forschungsprojekte (und häufig auch Gehälter der Forschenden) werden aus öffentlichen oder privaten Mitteln finanziert. Die Konkurrenz ist groß und die Förderperioden sind kurz. Forschende müssen Geldgeber:innen beeindrucken und der Schlüssel dazu liegt wiederum in der Veröffentlichung von Studien und experimentellen Daten.

    Priorisierung humanrelevanter Methoden in der biomedizinischen Forschung

    Der Druck, so schnell und hoch angesehen wie möglich zu veröffentlichen, ist groß. Deshalb steht Innovation bei der Auswahl der Methoden oftmals hintan, da für deren Entwicklung zunächst Geld und Zeit investiert werden müssen. So verlässt man sich häufig auf die altbekannten tierbasierten Methoden, die problemlos verfügbar und in der Anwendung vertraut sind. [11]

    Verstärkt wird diese Entscheidung zum Teil durch mangelndes Bewusstsein und fehlende Ausbildung in neuen Methoden sowie durch die Forderung nach tierbasierten Daten seitens Geldgeber:innen, Herausgeber:innen, Vorgesetzten und anderen. [12, 13] In solchen Finanzierungs- und Autorisierungsprozessen von Projekten ist die Anwendung des sogenannten 3R-Prinzips (replace=ersetzen, reduce=reduzieren, refine=verbessern) vorgeschrieben. Doch es steht den Forschenden frei, die „Verbesserung“ gegenüber dem Ersetzen von Tierversuchen zu priorisieren und damit dennoch den rechtlichen Vorgaben nachzukommen. [14] Allerdings wird das erklärte Ziel des zuständigen Ministeriums, Tierversuche langfristig zu ersetzen [15], nur erreicht werden, wenn das Hauptaugenmerk und die Priorität auf „replace“ gelegt wird, während „reduce“ und „refine“ nur als kurzfristige und letzte Optionen betrachtet werden.

    Insgesamt ist das aktuell herrschende Paradigma nicht förderlich für die Entwicklung neuer, auf der menschlichen Biologie basierender Methoden. Doch viele Forschende investieren keine Zeit in neue Ansätze, weil damit mitunter die nächste Veröffentlichung oder gar ihre finanzielle Förderung auf dem Spiel steht.

    Förderung und Anreize für Forscher:innen

    Das Forschungsparadigma muss sich ändern. Zunächst könnten z. B. mehr Gelder zur Verfügung gestellt und längere Projektzeiten ermöglicht werden, wenn Forschende damit neue Modelle basierend auf menschlichen Zellen, Gewebe oder Daten entwickeln und nutzen. Es braucht solche Anreize, damit Forscher:innen nicht einfach auf Tierversuche zurückgreifen, nur weil diese weit verbreitet sind oder „man das schon immer so gemacht hat“.

    Die Generation junger Forscher:innen unterstützt den Übergang zu innovativen, tierfreien Methoden. [16, 17, 18] Das muss gefördert werden. Neue humanrelevante Methoden müssen in der Aus- und Fortbildung Priorität haben. Gleichzeitig braucht es einen verstärkten interdisziplinären Austausch, damit neue Methoden ihren Weg von der Entwicklung in die Anwendung finden. Akademische Forschende sollten zudem über Institute und gemeinsame Arbeitsgruppen mit Expertise in den relevanten tierfreien Technologien besseren Zugang zu wissenschaftlichen Informationen bekommen.

Obwohl die Wissenschaft sich weitgehend einig ist, dass Tiere Gefühle haben und Schmerz empfinden, werden weltweit unzählige von ihnen in Tierversuchen missbraucht. Auch in Deutschland sind Tierversuche mit lebenden Tieren zu den verschiedensten Zwecken weiterhin erlaubt:

  • Grundlagenforschung
  • Forschung zu Krankheiten und gesundheitlichen Zuständen von Mensch und Tier – auch hinsichtlich Haltungsbedingungen von landwirtschaftlichen „Nutztieren
  • Umweltschutz im Interesse der Gesundheit von Menschen und Tieren
  • Sicherheitsprüfung von Arzneimitteln, Lebensmitteln usw.
  • Prüfung der Wirksamkeit von Stoffen gegen tierische „Schädlinge
  • Forschung zur Artenerhaltung
  • Aus-, Fort- und Weiterbildung
  • Gerichtsmedizinische Untersuchungen [19]

Dass hierzulande überhaupt Tierversuche durchgeführt werden, bekommen viele Menschen nur mit, wenn Tierschützer:innen Tierversuchsskandale aufdecken.

Wir brauchen einen verbindlichen Plan für den Ausstieg aus Tierversuchen

Für einen nachhaltigen Rückgang der Zahlen brauchen wir eine verbindliche Ausstiegsstrategie.

Gemeinsam mit unseren internationalen Partnerorganisationen setzen wir von PETA Deutschland uns bereits seit Jahren dafür ein. Die derzeitige Bundesregierung hat diesbezüglich auch viel versprochen: eine Strategie zur Reduktion von Tierversuchen sowie die Schaffung eines ressortübergreifenden Kompetenzzentrums zur Förderung tierfreier Methoden. Damit diesen Worten auch Taten folgen, sind wir bereits mit Vertreter:innen von Regierung und Parlament in Kontakt und haben konkrete Vorschläge gemacht, um das Regierungsvorhaben voranzubringen, z. B. wer Teil des ressortübergreifenden Kompetenznetzwerks sein sollte.

Gif Wissenschaft statt Tierversuche

Auch auf EU-Ebene haben wir uns im vergangenen Jahr für einen Ausstieg aus Tierversuchen eingesetzt: Mit der Europäischen Bürgerinitiative gegen Tierversuche konnten wir über 1,4 Millionen Stimmen von EU-Bürger:innen sammeln, die sich für das Ende von Tierversuchen aussprechen. Momentan werden die Unterschriften von den EU-Staaten geprüft. Die Politik kann sich angesichts so vieler Stimmen aus 27 Ländern jedoch nicht mehr aus der Verantwortung ziehen: Es braucht endlich konkrete gesetzliche Schritte, um Tierversuche nachhaltig zu reduzieren und langfristig zu beenden.

Der europaweite Protest zeigt aktuell erste Schritte in die richtige Richtung: Die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) und die Europäische Kommission haben angekündigt, dass Tierversuche für Industriechemikalien beendet werden sollen. Der nächste Schritt muss nun die Anwendung eines Fahrplans für die Wissenschaft der Zukunft sein

Jetzt Ausstieg aus Tierversuchen fordern & Leben retten

Tierversuche sind ethisch und wissenschaftlich nicht zu rechtfertigen. Wissenschaftler:innen von PETA Deutschland und unseren internationalen Partnerorganisationen haben daher unzählige wissenschaftliche Studien zusammengetragen, die das Scheitern von Tierversuchen verdeutlichen.

Gleichzeitig haben sie eine Strategie zum Ausstieg aus Tierversuchen entwickelt, um den medizinischen und wissenschaftlichen Fortschritt voranzutreiben: den Research Modernisation Deal. Damit bieten wir den Behörden und politischen Entscheidungsträger:innen wissenschaftliche Unterstützung zur Umsetzung einer längst überfälligen Ausstiegsstrategie aus verschwenderischen Tierversuchen – zugunsten von tierfreien Methoden, die für den Menschen relevante Ergebnisse hervorbringen.

Unterstützen Sie jetzt mit Ihrer Stimme unser detailliertes Strategiepapier – und üben Sie damit Druck auf die Politik aus, Tierversuche endlich abzuschaffen. Die theoretische Grundlage ist mit dem RMD gelegt – jetzt heißt es handeln. Helfen auch Sie!