Tierversuche: Diese Alternativen ohne Tierleid gibt es

Obwohl es heute zahlreiche innovative und bewährte tierfreie Forschungs- und Testmethoden gibt, leiden weltweit immer noch schätzungsweise 70 Millionen Tiere jährlich in grausamen und sinnlosen Tierversuchen. [1] Vor allem in der medizinischen Forschung und in der Produktentwicklung werden Tierversuche durchgeführt, beispielsweise Giftigkeitsprüfungen bei der Entwicklung von Medikamenten oder Kosmetika. Hierbei flößen Experimentator:innen den wehrlosen Tieren giftige Chemikalien ein, fixieren sie stundenlang in speziellen Vorrichtungen und infizieren sie mit Krankheiten. Erfahren Sie hier mehr über tierfreie Alternativen zu diesen grausamen Experimenten.

Inhaltsverzeichnis

Tierversuche: Welche Alternativmethoden gibt es?

Tierversuche stehen seit Langem in der Kritik. Zum einen werden regelmäßig Missstände und Tierquälerei aufgedeckt, zum anderen ist die Übertragbarkeit der Studienergebnisse auf den Menschen in den wenigsten Fällen gewährleistet. Heute steht eine Vielzahl verlässlicher tierfreier Forschungs- und Testmethoden zur Verfügung, darunter Computermodelle, Organoide und 3D-Gewebe aus menschlichen Zellen für Chemikalientests. Weitere Möglichkeiten sind

Simulation in Computermodellen

Computergestützte Techniken können Tierversuche ablösen, indem sie die Schädlichkeit eines Stoffes berechnen oder das Fortschreiten von Krankheiten simulieren. 2018 wurde beispielsweise eine Software für Toxizitätstests entwickelt, die die Giftigkeit von Substanzen schon vor deren Entwicklung voraussagen kann. Dafür greift der Algorithmus auf Unmengen an Daten über die Molekülstruktur und Wirkungsweise chemischer Substanzen zurück. Diese Methode liefert zuverlässigere und genauere Ergebnisse als Tierversuche. [2] Es ist sogar möglich, einen digitalen Zwilling von Patienten anzulegen und verschiedene Behandlungsmethoden durchzuspielen, um die wirksamste herauszufinden – so kann beispielsweise die Behandlung von Krebs optimiert werden.

Simulatoren menschlicher Patienten

Im Biologie- und Medizinstudium üben Studierende in Sezierkursen oft an Tieren. Auch in OP-Kursen missbrauchen Mediziner:innen oftmals Schweine oder Schafe als Übungsobjekte. Mittlerweile gibt es verschiedene Simulatoren zur Darstellung der tierischen und menschlichen Anatomie, an denen in der Aus- und Fortbildung geübt und gelernt werden kann. Studien zeigen, dass lebensechte Simulatoren menschlicher Patienten, die atmen, bluten, sich verkrampfen, sprechen und sogar das Sterben simulieren, Mediziner:innen besser ausbilden. Zudem sind sie kostengünstiger [3] als sogenannte Live-Tissue-Trainings, bei denen Tiere aufgeschnitten und getötet werden. So verfügt etwa das Simulationsmodell TraumaMan über Haut- und Gewebeschichten, Rippen, Organe und sogar aufblasbare Lungen und ein Herz, das mit künstlicher Körperflüssigkeit gefüllt werden kann. Damit können unter anderem lebenserhaltende Maßnahmen geübt werden. 

Traummamann
Simulationsmodell TraumaMan

In-vitro-Verfahren: Forschung in der Petrischale

In-vitro-Verfahren sind Testsysteme außerhalb eines lebenden Organismus. Mit der Verwendung von Gewebemodellen mit menschlichen Zellen beispielsweise lässt sich die Auswirkung von Substanzen untersuchen. Diese Gewebemodelle dienen dazu, die Reaktionen einzelner Organe zu prüfen. Beispielsweise haben Medikamente oft eine schädigende Wirkung auf die Leber – um eine toxikologische Risikobewertung durchzuführen, sind In-vitro-Testsysteme eine weitaus zuverlässigere, humanrelevante Methode. [4, 5]

Ob eine Substanz zu Hautallergien oder Hautreizung führen kann, lässt sich beispielsweise mit dem Gewebemodell EpiDermTM von MatTek testen. Anstatt Kaninchen oder Meerschweinchen eine möglicherweise allergieauslösende oder sogar reizende Substanz auf die Haut zu reiben, kann der Versuch an dem dreidimensionalen Hautmodell mit menschlichen Zellen durchgeführt werden. [6] Im Rahmen der Diabetesforschung beispielsweise wurden aus menschlichen Stammzellen voll funktionsfähige Blutgefäße gebildet. Diese sind nur etwa einen Millimeter groß und ermöglichen erstmals die Erforschung von Erkrankungen der Blutgefäße an menschlichem Gewebe.

Mini-Organe

Auch die Entwicklung miniaturisierter menschlicher Organe trägt dazu bei, die grausamen Toxizitätstest mit Tieren zu ersetzen. Mithilfe von 3D-Organoiden und In-vitro-Verfahren entwickelten Wissenschaftler:innen der Universität Duisburg-Essen „Mini-brains“, an denen Wirkstoffe gegen Schlaganfälle getestet werden können. Wenn sich diese Methode bewährt, kann sie 20.000 Mäusen pro Jahr das Leben retten. [7]

Auch die Jenaer Firma Dynamic42 entwickelte eine Technologie, in der Mini-Organe zum Einsatz kommen: Einen Chip, in dem die Zellen von Leber, Lunge oder Darm wachsen und der somit wichtige Fragestellungen in der Medikamentenentwicklung behandeln kann. An diesem Organmodell kann getestet werden, wie menschliches Gewebe auf einen Wirkstoff reagiert und ob es beispielsweise abstirbt oder es zu Nebenwirkungen kommt. Dabei ist besonders die Reaktion der Leber entscheidend, da sie 75 Prozent der Stoffe aufnimmt. Die menschlichen Zellen für das Modell stammen von Spender:innen, beispielsweise von Körperspenden. [8]

Multi-Organ-Chips

Vernetzt man solche Gewebemodelle, auch Organoide genannt, so erhält man Multi-Organ-Chips, mit denen das Wechselspiel von Organen simuliert werden kann, prinzipiell bis hin zur Nachahmung eines kompletten menschlichen Organismus. Dieser sogenannte Human-on-a-chip kann Tierversuche im Bereich von Toxizitätsprüfungen oder bei der Untersuchung der Wirkung von Medikamenten ersetzen – und liefert Ergebnisse, die tatsächlich auf den Menschen übertragbar sind. Pioniere dieser Technologie sind beispielsweise das Berliner Biotechnologie-Unternehmen TissUse und das Wyss Institute in Harvard. [9]

Forschung mit menschlichen Probanden

In epidemiologischen Studien mit menschlichen Teilnehmer:innen werden Krankheiten untersucht, die natürlicherweise in der menschlichen Bevölkerung vorkommen. Sie liefern wichtige, auf dem Menschen basierende Informationen über die Risikofaktoren und Ursachen von Krankheiten. Gerade bei der Bekämpfung von Infektionskrankheiten konnten durch epidemiologische Studien große Erfolge erzielt werden. [10]  

Tierversuchsfreie Forschungs- und Testmethoden zu etablieren und Tierversuche abzuschaffen, heißt gleichzeitig, das Risiko für menschliche Probanden zu senken. Denn egal wie oft ein neues Medikament an Tieren getestet wurde: Der menschliche Körper kann völlig anders reagieren, denn Menschen sind keine überdimensionalen Mäuse. Um die Risiken für die ersten menschlichen Probanden zu senken, muss der Fokus vermehrt auf humanrelevante Methoden gesetzt werden – also Methoden, die den menschlichen Organismus abbilden, menschliches Material nutzen und mögliche Gefahren besser vorhersagen können als Tierversuche.

PETA Science Consortium International fördert tierfreie Methoden

Das PETA Science Consortium International unterstützt die Weiterentwicklung und behördliche Akzeptanz tierfreier Methoden und arbeitet mit zukunftsorientierten Wissenschaftler:innen, Behörden und politischen Organen zusammen. Die Zukunft der Wissenschaft liegt in humanrelevanten Methoden, die für den Menschen aussagekräftige Ergebnisse hervorbringen und gleichzeitig Tierleben retten.

Deshalb zeichnet PETAs Konsortium vielversprechende Nachwuchswissenschaftler:innen für ihre Leistungen aus und stellt damit sicher, dass die nächste Generation von Toxikolog:innen moderne tierversuchsfreie Tests vorantreiben. Das Konsortium hat bereits Millionen Euro für die Entwicklung und Verbesserung von tierversuchsfreien Testmethoden gespendet und kostenlose Workshops, Webinare und Schulungsmöglichkeiten für Wissenschaftler:innen organisiert.

Was Sie gegen Tierversuche tun können

Wir müssen die Forschung mit tierfreien Methoden vorantreiben: Es ist Zeit für den Research Modernisation Deal (Titel: Jetzt Ausstiegsplan aus Tierversuchen fordern)!

PETAs Research Modernisation Deal ist ein lösungsorientierter Leitfaden für die Bundesregierung, der detailliert darlegt, wie grausame und unnötige Tierversuche in der Forschung durch moderne, tierfreie Methoden ersetzt werden können. Davon würden nicht nur wir Menschen profitieren – auch das unvorstellbare Leid von Millionen Mäusen, Hunden, Katzen, Affen und anderen Tieren hätte ein Ende. Bitte unterschreiben Sie unsere Petition (Titel: Jetzt RMD unterstützen!), mit der wir die Verantwortlichen und Entscheidungstragenden auffordern, eine verbindliche Strategie zum Ausstieg aus Tierversuchen zu erarbeiten und die Forschung zu modernisieren.