DRINGEND: Uns läuft die Zeit davon – Tierversuche in Europa beenden

Tierversuchsskandale: Illegale Versuche, Verstöße & Tierquälerei

Jährlich werden weltweit unzählige Mäuse, Ratten, Affen, Katzen, Hunde und andere Arten für Tierversuche missbraucht. Allein in Deutschland sind es jedes Jahr rund drei Millionen Tiere, die in grausamen Experimenten für die medizinische Forschung, die Kosmetik- und Lebensmittelindustrie und sogar für Tiernahrung gequält und getötet werden. [1]

Immer wieder kommen dabei unfassbare Skandale ans Licht: von illegalen Tierversuchen über Verstöße gegen das Tierschutzgesetz bis hin zu besonders absurden und tierquälerischen Experimenten. Hier finden Sie neben einer Chronik der bislang größten Tierversuchsskandale in Deutschland auch eine Auflistung internationaler Skandale.

Inhaltsverzeichnis

Die größten Tierschutzskandale in Deutschland

In Deutschland gibt es ein Tierschutzgesetz, dass Tiere vor Leid bewahren soll. Dennoch sind Tierversuche erlaubt, und wie in der gesamten EU und weltweit werden Tiere auch hierzulande auf grausamste Weise in Tierversuchen missbraucht. Die Verantwortlichen halten sich dabei nicht immer an die ohnehin dürftigen Vorschriften und Gesetze.

Juli 2020: Deutsches Primatenzentrum Göttingen – Affen illegal getötet?

Das Deutsche Primatenzentrum (DPZ) in Göttingen gehört seit Jahren zu den Versuchslaboren, die das Leid der Tiere in Experimenten herunterspielen und Tierversuche verharmlosen. Bei einer Razzia in der angeblichen Vorzeigeeinrichtung im Juli 2020 wurden Medienberichten zufolge Dokumente und Datenträger sichergestellt, die darauf hinweisen, dass zehn Weißbüschelaffen nach Tierversuchen getötet wurden, obwohl ihr Allgemeinzustand gut war.

Die zuständige Oberstaatsanwaltschaft wies darauf hin, dass dies ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz sei, denn die Affen hätten einen Anspruch darauf gehabt, am Leben zu bleiben.

Anfang Mai 2022 wurde das Verfahren gegen zwei Beschuldigte nach umfassenden Ermittlungen gegen eine Geldauflage in Höhe von 3.000 Euro eingestellt. Der Betrag soll an „entsprechend tierschutznah arbeitende gemeinnützige Einrichtungen“ geleistet werden.

Januar 2019: Deutsches Krebsforschungszentrum Heidelberg – Bußgelder wegen Tierversuchen an Mäusen

Im Rahmen einer Krebsstudie sind Mäuse qualvoll an Tumoren gestorben. Die Versuche wurden ohne Genehmigung um sechs Wochen verlängert. Laut dem Verein „Ärzte gegen Tierversuche“ seien zudem einige Mäuse zu spät getötet worden, das heißt, sie wurden „länger anhaltenden erheblichen Schmerzen und Leiden“ ausgesetzt.

April 2018: Universität Münster – illegale Haltung von Mäusen für Tierversuche

Nach einem anonymen Hinweis wurde aufgedeckt, dass an der Universität Münster 78 Mäuse für die Verwendung in Tierversuchen zehn Jahre lang illegal in einem Kellerraum gehalten worden waren. Die Experimente seien zwar genehmigt gewesen, doch aus Bequemlichkeit hielten die Forscher:innen sie seit mindestens zehn Jahren heimlich in einem nicht genehmigten Raum im Keller der Hautklinik.

Behörden und Tierschutzbeauftragte der Universität konnten somit nicht überprüfen, ob Standards eingehalten wurden. Einige der aufgefundenen Tiere waren in einem derart schlechten Zustand, dass sie getötet werden mussten. Laut Medienberichten stellte die Veterinärbehörde bei etlichen Mäusen „eindeutige Symptome fest, die auf länger anhaltende, erhebliche Schmerzen und Leiden der Tiere hinwiesen“. Dies hätte erkannt und beendet werden müssen. Die Staatsanwaltschaft leitete Ermittlungen ein, doch die verantwortliche Forscherin darf weiter Tierversuche durchführen.

Mai 2016: Leibniz Institut Jena – Razzia wegen illegaler Tierversuche

Im Mai 2016 rückten Landeskriminalbeamt:innen im Jenaer Institut für Alternsforschung zu einer Durchsuchung an, da Forscher ohne Genehmigung an Tieren experimentierten. Teilweise wurden hunderte überschüssige Tiere gezüchtet, die aus Platzmangel anschließend wieder getötet wurden.

Infolge der Razzia wurden alle Versuchsreihen mit Wirbeltieren umgehend abgebrochen. Dem Direktor des Instituts wurde zudem grob fahrlässiges wissenschaftliches Fehlverhalten vorgeworfen. Ein Jahr später wurden erneut Versuche aufgenommen, die Staatsanwaltschaft Gera ermittelte jedoch weiter.

November 2014: Bad Nauheim – Verstöße gegen das Tierschutzgesetz

Im November 2014 konnte PETA Deutschland infolge einer Whistleblower-Meldung aufdecken, dass am Franz-Groedel-Institut der Kerckhoff-Klinik in Bad Nauheim jahrelang nicht genehmigte Tierversuche durchgeführt wurden und damit über einen langen Zeitraum gegen das Tierschutzgesetz verstoßen wurde. Bei den Experimenten wurden Mäuse radioaktiver Strahlung ausgesetzt, an sieben aufeinanderfolgenden Tagen für jeweils 150 Minuten auf dem Rücken fixiert, um Stress zu erzeugen, und anschließend getötet. Außerdem wurde den Tieren eine höhere als die behördlich genehmigte Medikamentendosis verabreicht.

Das Ermittlungsverfahren wurde nach Zahlung einer Geldstrafe in Höhe von 72.000 Euro von der Staatsanwaltschaft eingestellt. Gegen die vier Forschenden der betroffenen Arbeitsgruppe war zwei Jahre lang ermittelt worden, da sie von behördlichen Versuchsanordnungen abgewichen waren und ohne Genehmigung an Mäusen und Schweinen experimentiert hatten.

September 2014: Max-Planck-Institut Tübingen – grausame Versuche an Affen

Ein als Pfleger eingeschleuster Tierschützer konnte im Herbst 2014 Videoaufnahmen von Experimenten an Affen und der Haltung der Tiere am Tübinger Max-Plack-Institut für biologische Kybernetik machen. Die schockierenden Aufnahmen zeigen Affen mit Gehirnimplantaten, ein Tier mit blutverschmiertem Kopf und eine Affendame, der Speichel oder Erbrochenes aus dem Mund läuft. Die Bilder sorgten bundesweit für Entsetzen.

Als Reaktion auf den öffentlichen Druck stellte der damalige Direktor des Instituts für biologische Kybernetik, Nikos Logothetis, die Primatenforschung während des Ermittlungsverfahrens ein. 2021 wanderte er nach China ab, wo niedrigere Tierschutzstandards herrschen – eine Praxis, die in Wissenschaftskreisen als „ethisches Dumping“ bezeichnet wird. Am Institut in Tübingen gibt es nach wie vor Tierversuche mit Fischen, Mäusen und Ratten.

Internationale Skandale: Vernachlässigung, Tierquälerei und andere Tierschutzverstöße

Experimentator:innen verstümmeln und quälen Tiere. Ein Großteil des Tierleids wird durch pure Nachlässigkeit verursacht: zum Beispiel, wenn Tiere in Käfigen verbrüht, nicht angemessen medizinisch versorgt, absichtlich unnötigen Leiden ausgesetzt oder besonders qualvoll getötet werden. Auch renommierte internationale Institute sind immer wieder in Skandale verwickelt.

  • Ratten, Katzen und Affen im Versuchslabor verbrüht und verstümmelt

    Laborkäfige werden häufig mit leistungsstarken Reinigungsmaschinen gesäubert, die mit hohem Druck und heißem Wasser arbeiten. Selbst in namhaften Einrichtungen wie der Princeton University und der Vanderbilt University wurden schon Tiere in ihren Käfigen durch die siedend heißen Hochleistungs-Reinigungsmaschinen geschickt.

    Immer wieder werden Tiere in Käfigen bei der Reinigung „übersehen“ und schwer verletzt oder sogar getötet:

    • Bei dem Tiernahrungshersteller Nestle Purina Global Resources Inc. wurde ein Kater getötet, weil er während der Reinigung in seinem Käfig gelassen wurde.
    • An einem Krebsforschungszentrum der Universität von Texas ließ man einen Nachtaffen einfach in seinem Käfig, während dieser von einem Hochdruckreiniger mit heißem Wasser gesäubert wurde. Der Körper des Affen war dadurch derart verstümmelt, dass sich keine genaue Todesursache mehr feststellen ließ.
    • 2008 wurde bekannt, dass ein Makak in einem Labor im US-Bundesstaat Washington quasi zu Tode gebrüht wurde, als der Käfig 20 Minuten lang bei 80 Grad in eine riesige Reinigungsmaschine gestellt wurde.
    • Mitarbeitende des Pharmariesen Bristol-Myers Squibb ließen 2012 eine Ratte und einen Affen in ihren Käfigen, während diese den Waschvorgang durchliefen.
    • Eines der größten Versuchslabore der USA sind die Charles River Laboratories. Dort ließen Mitarbeitende 2008 einen Affen in seinem Käfig sitzen und schleusten ihn durch die brühend heiße Käfigreinigungsmaschine.
    • Im Jahr 1996 durchlief in einem Primatenforschungszentrum ein Totenkopfäffchen eine heiße, tödliche Maschine. Auch 2010 saßen noch drei Affen in einem Käfig, die in letzter Sekunde entdeckt wurden, bevor die Maschine eingeschaltet wurde.

    Quellen:

    Costa, Samantha (2011): Allegations of animal mistreatment at Princeton University surface, https://www.nj.com/mercer/2011/09/allegations_of_animal_mistreat.html (eingesehen am 07.06.2022)

    Budkie, Michael A. : The Abuse of Non-human Primates in Federally Regulated Laboratoies, https://www.all-creatures.org/saen/articles-2011-abuse.pdf (eingesehen am 07.06.2022)

  • 32 Affen in Labor in Massachusetts zu Tode „gebacken“

    In einem Labor der Charles River Laboratories wurden 32 Affen bei lebendigem Leib buchstäblich gebacken, als ein Thermostat ausfiel. Es gab kein Alarmsystem, das die Mitarbeitenden auf die sterbenden Affen hätte aufmerksam machen können. Erst am nächsten Morgen wurde der Vorfall bemerkt.

  • 2020: Lebendig zerquetschte Ratten in Einrichtung von Charles River Laboratories nahe Edinburgh

    PETA UK erhielt 2020 eine Meldung darüber, dass Ratten in einem Tierversuchslabor von Charles River Laboratories im schottischen Elphinstone lebendig zerquetscht wurden: Etwa 100 bis 120 Ratten in Boxen wurden mit einem Gabelstapler in eine Müllpresse gestellt. Die teilweise schwangeren Tiere waren erst kurz zuvor angeliefert und einfach ausgemustert worden. In der Müllpresse wurden zwischen 50 und 54 Ratten zerquetscht, die Überlebenden wurden später von Mitarbeiter:innen durch Genickbruch getötet.

    Das Labor fiel mit weiteren Vorfällen auf: So wurden Ratten in einer Röhre fixiert und gezwungen, giftiges Gas einzuatmen. Bei hoher Konzentration kann das Gas geistige Verwirrtheit, Sehstörungen, Muskelzuckungen, Blausucht und Krämpfe auslösen. Fünf Tiere wurden versehentlich einer zu hohen Dosis ausgesetzt – die Ratten litten so sehr, dass sie an ihren eigenen Gliedmaßen kauten. Ein Tier biss sich aus Stress sogar einen kompletten Zeh an einem seiner Vorderfüße ab.

  • 2020: Aufgeschnittene Schädel und heraushängende Organe in Cleveland Clinic

    Sechs Monate lang recherchierte PETA USA verdeckt in den Laboren der Cleveland Clinic. Dabei wurden grausame Experimente offengelegt: Die Experimentator:innen der Cleveland Clinic nennen es ein „kraniales Fenster“: Was sie meinen ist ein Loch im Kopf einer Maus, das mit einer Glasscheibe abgedeckt ist, durch das ihr Gehirn sichtbar ist. Dafür wird den Tieren in den Schädel gebohrt und das Gehirn freigelegt, um Teile davon abzusaugen und so einen bestimmten Bereich des Gehirns zugänglich zu machen. Darüber wird ein Deckglas platziert und eine Abdeckung aus Edelstahl auf den Schädel der Maus geklebt. Schmerzmittel erhalten die Tiere nur am Tag der Operation und am Folgetag.

    Außerdem züchteten die Experimentator:innen gezielt Mäuse, die zu einem sogenannten Beckenorganprolaps neigen. Dabei verschieben sich Uterus, Blase und Rektalgewebe und hängen sogar aus dem Körper heraus. Eine Maus, die der Ermittler von PETA USA Daisy nannte, litt unter einem blutenden Rektalprolaps. Die Maus war mindestens zehn Wochen lang gezwungen, ihr hervorstehendes Rektalgewebe hinter sich her durch die Einstreu zu ziehen. Ihre Hinterbeine hielt sie beim Laufen auf unnatürliche Weise gespreizt, da sie anscheinend kein Gewicht auf den Unterleib legen wollte.

    In der Cleveland Clinic wurden bis zu fünf ausgewachsene Mäuse oder zwei ausgewachsene Tiere und mehrere Babys in Käfige von der Größe eines Schuhkartons gepfercht. Andere Mäuse mussten ganz alleine in ihrem Käfig ausharren. Die Mitarbeitenden entfernten früher geborene Mäusekinder oder überzählige ausgewachsene Tiere teils nicht aus den Käfigen, bevor neue Babys zur Welt kamen. Unter diesen völlig unnatürlichen und unzumutbaren Bedingungen wurden die Babys teilweise von ihren extrem gestressten Eltern zu Tode getrampelt – es kam auch zu Kannibalismus.

  • 2017: Miserable Zustände an der University of Pittsburgh

    Ein in den Laboren der University of Pittsburgh aufgenommenes Video zeigt, wie die Bäuche  von Ratten aufgeschnitten werden, Affen sich aus Panik selbst verletzen, Kaninchen mit entzündeten Beinen herumliegen und Mäuse qualvoll verdursten.

  • 2020: In US-Tierversuchslabor wird Wunde eines Pavians mit Waschmittel „gereinigt“

    Die Liste der Zustände, unter denen Affen im US-amerikanischen Xenotransplantationslabor von David K.C. Cooper leiden, ist lang: Im Labor der University of Alabama-Birmingham (UAB) werden die Organe genmanipulierter Schweine in Paviane transplantiert – doch als wäre das nicht schon schlimm genug, berichtete nun ein Informant von diversen Verstößen gegen das Tierschutzgesetz. Unter anderem ist von Tieren die Rede, die unsagbare Schmerzen und Stress erleiden mussten, weil Angestellte entweder unaufmerksam oder schlichtweg unqualifiziert waren.

    In einem Fall trugen Angestellte ein Waschmittel auf die offene OP-Wunde des Pavians Laja auf. Man hatte Laja im Januar 2019 eine Schweineniere transplantiert – im September war die Pavian-Dame tot. Bereits im Juni 2019 war Laja recht dünn und hatte wegen stereotyper Verhaltensweisen Fell verloren – ein klares Anzeichen für starkes psychisches Leid.

    Mit der Zeit verschlechterte sich Lajas Zustand, und sie schien starke Schmerzen zu haben. In ihrem Bauchraum und entlang der eitrigen Transplantationsnarbe sammelte sich Flüssigkeit. Laja hatte außerdem eine Wunde am Oberschenkel. Einem Informanten zufolge trugen die Experimentator:innen an beiden Stellen ein Waschmittel auf, um den schlechten Zustand ihrer Haut zu verschleiern.

    Bis September 2019 ging es Laja immer schlechter, bis sie schließlich eingeschläfert wurde. Dem Informanten zufolge erfolgte dies lediglich, weil das Transplantat von Lajas Körper abgestoßen wurde – sonst hätte man die Affendame weiter leiden lassen, um noch mehr Daten zu sammeln.

    In einem anderen Versuch wurde einem Pavian ein Schweineherz transplantiert. Dann sperrte man den Pavian in eine Sauerstoffkammer. Ein Bild zeigt nicht nur den schrecklichen Zustand des Tieres nach der Operation, sondern auch, dass der intravenöse Zugang undicht war. Zwei Tage später war der Pavian tot.

    Dem Informanten zufolge verliefen die Blutabnahmen oft so unprofessionell, dass die Paviane Blutergüsse und schlimmere Verletzungen davontrugen, als nötig gewesen wäre. Zudem sollen abgelaufene oder unpassende Medikamente verwendet worden sein und Angestellte des Labors Aufzeichnungen gefälscht haben. Damit wurde vorgetäuscht, die Tiere früher tierärztlich versorgt zu haben, als in Wirklichkeit der Fall war – um Fehlverhalten zu verschleiern.

Helfen Sie, dass Europa tierversuchsfrei wird!

Unterschreiben Sie bitte unsere EU-Bürgerinitiative gegen Tierversuche. Mit der Kampagne soll erreicht werden, dass sich die Politik mit dem Thema auseinandersetzen muss, tierfreie Methoden in den Fokus rücken und Tierversuche in Europa endgültig verboten werden.

  • Quellen

    [1] BMEL, Verwendung von Versuchstieren im Jahr 2018, https://www.bmel.de/DE/Tier/Tierschutz/_texte/Versuchstierzahlen2018.html, (abgerufen am 01.10.2020)