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Tierversuche: So werden Mäuse und Ratten missbraucht

Mäuse und Ratten gehören zu den Tieren, die am häufigsten in Tierversuchen missbraucht werden. Im Jahr 2020 lag ihr Anteil an den in Experimenten eingesetzten Tieren bei 78 Prozent. [1] Erfahren Sie hier, wie die Tiere gequält werden und warum diese Tierversuche nicht nur veraltet, sondern auch kaum auf den Menschen übertragbar sind.

Inhaltsverzeichnis

Mäuse und Ratten sind die häufigsten Opfer von grausamen Tierversuchen

In Deutschland wurden 2020 über 1,3 Millionen Mäuse und Ratten in Versuchen eingesetzt – damit machen die Nagetiere den größten Teil der missbrauchten Tiere hierzulande, [1] aber auch weltweit aus. Eine genaue Nennung der Zahlen ist nicht möglich, weil die Daten in den verschiedenen Ländern unterschiedlich erhoben werden. [2] Allein in den USA werden jedoch schätzungsweise 100 Millionen Mäuse und Ratten in Versuchslaboren missbraucht. [3]

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Mäuse und Ratten haben als Säugetiere gewisse anatomische, physiologische und genetische Ähnlichkeiten zum Menschen. Daher gehören sie seit langem zu den Arten, die in Tierversuchen eingesetzt, gequält und getötet werden. Gleichwohl lassen sich selbst Ergebnisse aus Versuchen zwischen Mäusen und Ratten nicht übertragen – geschweige denn von Nagetieren auf den Menschen. Doch ihre kleine Körpergröße, ihre vergleichsweise leichte Pflege und ihr kurzer Lebenszyklus machen die Tiere zu millionenfachen Opfern der Forschung. [4]

Wie ein 2018 aufgedeckter Skandal zeigt, begünstigt dies auch die illegale Haltung der Tiere und ihren Einsatz in Versuchen. So wurden an der Universität Münster zehn Jahre lang Mäuse für Tierversuche illegal gehalten. [5]

Der Mensch ist keine 70 Kilogramm schwere Maus

Die Gene von Menschen, Mäusen und vielen anderen Säugetieren stimmen in großen Teilen überein. [6] Doch ganz gleich, wie ähnlich der Organismus von Mäusen und anderen Tieren dem des Menschen auch ist: Es ist der falsche Organismus. Denn Menschen und Tiere unterscheiden sich in Anatomie, Physiologie und Stoffwechsel in entscheidenden Bereichen. Selbst Tiere verschiedener Arten können unterschiedlich auf Chemikalien und Arzneimittel reagieren.

Es ist nicht möglich, anhand von Ergebnissen aus Tierversuchen vorherzusagen, ob ein Mensch ähnlich oder völlig anders als die eingesetzten Tiere reagieren wird. Im Gegenteil: Die Unterschiede zwischen den Arten sind oft so groß und die Wirkungen so entgegengesetzt, dass die Übertragung von Ergebnissen aus Tierversuchen auf den Menschen ein enormes Risiko birgt. [7]

Nackte Ratte im Kaefig
Tierversuche sind qualvolle Experimente, die meist nicht auf den Menschen übertragbar sind.

Vergleichende wissenschaftliche Studien haben beispielsweise ergeben, dass Tiere keine guten Modelle sind, wenn es um die Erforschung von Rückenmarksverletzungen beim Menschen geht. Dies wird deutlich an dem einzigen Medikament für Rückenmarksverletzungen, das derzeit verfügbar ist. Das Arzneimittel wurde an zahllosen Tieren getestet, doch aufgrund der enormen physiologischen Unterschiede zwischen den verschiedenen Spezies haben die Experimente völlig unterschiedliche Ergebnisse hervorgebracht. [8]

Die US-Gesundheitsbehörde (NIH) räumt selbst ein, dass 95 Prozent aller neuen Medikamente, die sich in Tierversuchen als sicher und wirksam erweisen, in klinischen Studien mit Menschen versagen. [9] Dadurch werden bei der Entwicklung von Behandlungsmöglichkeiten wertvolle Zeit und Geld verschwendet.

Woher kommen die Tiere für Tierversuche?

Teilweise werden Tiere, die in Tierversuchen zum Einsatz kommen, aus ihren Herkunftsländern importiert – beispielsweise Makaken aus Kambodscha. [10] Meist werden nicht-menschliche Primaten und andere Tiere jedoch speziell für Tierversuche gezüchtet, auch in Deutschland. [11]

Die Zucht ist für Versuchslabore von Vorteil, weil die Tiere dabei genetisch so verändert werden können, dass sie sich vermeintlich eher als Modelle für menschliche Erkrankungen eignen. Das trifft vor allem auf Mäuse und Ratten zu, die zahlenmäßig häufiger als andere Tierarten in Tierversuchen missbraucht werden.

Besonders grausame Beispiele gibt es bei der Zucht von Mäusen zu Versuchszwecken.

  • Knockout-Mäuse: Hervorquellende Gedärme, Immundefizite und angezüchtete Verstümmelungen

    Bei sogenannten Knockout-Mäusen werden die embryonalen Stammzellen genetisch manipuliert, indem ein oder mehrere Gene gezielt deaktiviert werden. Je nach Art der Genmanipulation leiden die Tiere unter verschiedensten Symptomen: So können sich beispielsweise bei Interleukin 10 Knockouts ab einem Alter von wenigen Lebenswochen Geschwüre im Darm bilden. Teilweise quillt der Dickdarm aus dem After der Tiere hervor, und die Mäuse leiden unter einer chronischen Darmentzündung. [12-14] Sie haben ständig Durchfall [15], oft treten entzündliche Hautveränderungen aufgrund von Infektionen und Irritationen auf. [16] Derart genmanipulierte Mäuse erreichen trotz dauerhaften Leidens das fortpflanzungsfähige Alter und werden daher zur Weiterzucht verwendet.

    Sogenannte SCID-Mäuse und RAG1 Knockouts werden aufgrund der Genmanipulationen bereits mit einem schweren Immunitätsdefizitsyndrom geboren. [17] Damit sie überhaupt überleben können, wird versucht, ihre Umgebung steril oder zumindest „semisteril“ zu halten. Nahrung, Trinkwasser, Käfigstreu und Käfige müssen daher sterilisiert und damit keimfrei gemacht werden. Die Käfige sind mit sterilen Luftfiltern ausgestattet. Diese Tiere sind von Geburt an apathisch und haben ein hohes Sterblichkeitsrisiko – oft sterben sie an Infekten.

    „Knockout-Tiere“ zeichnen sich teilweise durch schwere Verhaltensstörungen aus, denn sie sind entweder apathisch oder extrem aggressiv. Auch weibliche Mäuse, die ihren Geschlechtsgenossinnen gegenüber eigentlich ein sanftes Verhalten zeigen, greifen Artgenossen an – sogar ihre Geschwister. [18] Teilweise fehlt ihnen auch der Mutterinstinkt, und sie vernachlässigen ihre Babys oder töten sie mitunter. [19]

Arten von Tierversuchen mit Mäusen und Ratten

Meist werden Mäuse und Ratten im Rahmen der Krebs- und Genomforschung, zur Erforschung von Stoffwechselerkrankungen sowie zur Sicherheits- und Wirksamkeitsprüfung von Medikamenten missbraucht. Dabei werden die Tiere auf unvorstellbare Weisen gequält.

  • Forced Swim Test: Beim erzwungenen Schwimmtest oder auch Verzweiflungstest werden Nagetiere wie Ratten oder Mäuse absichtlich in eine ausweglose Lage versetzt, damit ihr Verhalten untersucht werden kann. Oft erfolgt dies unter Einfluss von Medikamenten wie Antidepressiva. Viele Wissenschaftler:innen sehen diese Versuche kritisch, denn das Experiment hat nichts mit einer Depression beim Menschen zu tun und kann nicht zuverlässig vorhersagen, ob ein Medikament als Antidepressivum beim Menschen wirksam ist. Der Test generiert positive Ergebnisse bei Präparaten, die bei Menschen nicht als Antidepressiva gelten, und negative bei als Antidepressiva zugelassenen Wirkstoffen. Wirkstoffe, die beim Menschen funktionieren könnten, werden so möglicherweise frühzeitig ausgeschlossen.
Schwimmtest mit Ratte
Beim Schwimmtest müssen die Tiere in einem Wasserbehälter ums Überleben schwimmen.
Foto: Ärzte gegen Tierversuche
  • Giftigkeitstests: In Toxizitätstests soll die Auswirkung von Chemikalien auf den Menschen prognostiziert werden. Dazu werden potenziell giftige Testsubstanzen entweder auf die Haut aufgetragen oder über einen Schlauch in den Magen oder die Lungen von Tieren geleitet, meist von Mäusen oder Ratten. Tiere, die die höchste Dosis erhalten, leiden oft an Bauchschmerzen, Krämpfen, Durchfall und Lähmungserscheinungen. Es kann auch zu Blutungen aus Nase, Mund und Genitalien kommen. Ein Beispiel ist der Rodent Cancer Bioassay-Test, bei dem Mäuse oder Ratten gezwungen werden, zwei Jahre lang täglich Chemikalien zu schlucken und einzuatmen. Anschließend werden die Tiere getötet, um die Wirkung der Chemikalien auf ihren Organismus zu untersuchen.
  • Grundlagenforschung: An der Ruhr-Universität Bochum aufgenommenes Videomaterial zeigt, wie Mäuse ihre gelähmten Hinterbeine verzweifelt hinter sich herziehen. Die Aufnahmen entstanden, nachdem Experimentator:innen neugeborenen Mäusen die Kopfhaut aufgeschnitten, Substanzen in ihr Gehirn injiziert und sieben Wochen später einen Teil des Rückenmarks abgedrückt hatten, um sie zu lähmen. Am Ende des Experiments wurden die Mäuse getötet und seziert. [20] Versuche zur Grundlagenforschung, wie die hier geschilderten zur Erforschung von Querschnittslähmung, führen nicht zu Ergebnissen, die auf menschliche Patient:innen übertragbar sind – sie verschwenden nur Zeit und andere Ressourcen.

Mäuse und Ratten haben Gefühle – wie wir

Sowohl Menschen als auch andere Tiere sind in der Lage, komplexe Emotionen zu empfinden. Ratten und Mäuse etwa sind Säugetiere, deren Nervensystem dem des Menschen ähnelt. Genau wie wir empfinden sie Schmerz, Angst, Einsamkeit und Freude. Die hoch sozialen Tiere kommunizieren miteinander über hochfrequente Töne, die Menschen nicht hören können. Mäuse und Ratten gehen soziale Bindungen mit Artgenossen ein – teilweise auch mit Menschen. Ratten reagieren empathisch, wenn eine ihnen bekannte Ratte oder ein bekannter Mensch in Not ist. Um anderen zu helfen, verhalten sie sich selbstlos und begeben sich selbst in Gefahr.

Obwohl Ratten und Mäuse auf die gleiche Weise Schmerz empfinden und leiden wie Hunde, Katzen, Kaninchen und andere Tiere, sind die Nagetiere in vielen Regionen der Welt gesetzlich weniger geschützt. In den USA müssen Experimentator:innen Mäusen und Ratten nicht einmal Schmerzmittel zur Verfügung stellen.

Unabhängig davon, dass Ergebnisse aus Tierversuchen nicht zuverlässig auf den Menschen übertragbar sind, haben wir kein Recht, andere fühlende Lebewesen für Experimente zu missbrauchen und zu quälen, weil wir Menschen uns dadurch einen Vorteil erhoffen. Die Annahme, Tiere seien dazu da, Menschen einen „Nutzen“ zu bieten, ist grundsätzlich moralisch falsch und speziesistisch.

Tierversuchsratte
Die Denkweise, wir dürften an Tieren experimentieren und sie für unsere Zwecke ausbeuten, ist speziesistisch.

Tierfreie Methoden werden noch zu wenig genutzt

Eine ethisch vertretbare Forschung und fortschrittliche Testverfahren gehen Hand in Hand. Zu solchen Methoden gehören unter anderem Gewebezüchtungen mit menschlichen Stammzellen, Organoide oder Bioprinting [21]. Diese und andere tierfreie Forschungs- und Testverfahren können wissenschaftlichen Fortschritt und damit die Entwicklung neuer Behandlungsmethoden und Medikamente ermöglichen. Sie sollten daher verstärkt gefördert werden, damit sie weiterentwickelt und flächendeckend etabliert können – denn momentan fließt ein Großteil der Fördergelder in Tierversuche, statt in tierfreie Ansätze.

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