Schneckenschleim: Tierquälerei für Schneckencreme-Kosmetik?

Kosmetik aus Schneckenschleim wird seit einigen Jahren immer beliebter. Angeblich soll sogenannte Schneckencreme die Zellerneuerung unterstützen, Akne abmildern und die Haut zart machen. Die wenigsten Konsument:innen wissen jedoch, wie der Inhaltsstoff Schneckenschleim erzeugt wird und dass die ausbeuterische Produktion für die betroffenen Tiere immensen Stress bedeutet. Wir von PETA Deutschland beantworten in diesem Beitrag alle Fragen zum Thema Schneckenschleim in Kosmetik.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Schneckensekret?

Schneckensekret ist nichts anderes als der Schleim, den Schnecken absondern, um ihre Körper feucht zu halten und sich fortzubewegen. [1] Für die Tiere ist die Produktion sehr anstrengend und aufwendig, denn sie müssen viel Wasser aufnehmen, um ausreichend Schleim zu erzeugen. Neben der Fortbewegung schützt der Schleim die Tiere vor Verletzungen und fördert die Wundheilung. Außerdem beugt er Krankheiten vor, indem er Keime und Bakterien abwehrt, die zu Infektionen führen können.

Schnecken besitzen spezielle Drüsen, in denen sie den Schleim bilden und ausscheiden – je nach Belastung kann sich das Sekret von klebrig zu gleitend verändern. [2] Dank der natürlichen Schutzwirkung ihres Schleimes können die Tiere sogar problemlos und ohne Schnittverletzungen über scharfe Rasierklingen kriechen. [3]

Schnecke auf einem Holzbrrett
Der Schleim hält den Körper der Schnecke feucht und schützt das Tier vor Krankheiten.

Wie wird Schneckenschleim gewonnen?

Schneckenschleim für Kosmetik wird auf Farmen, also in Massentierhaltung, hergestellt. Die Schnecken leben größtenteils in kleinen Käfigen und werden vorsätzlich starkem Stress ausgesetzt. Dies hat einen Grund, denn Stress ist die Voraussetzung dafür, dass die Tiere Schleim produzieren. Dafür werden die Schnecken beispielsweise zentrifugiert, also geschleudert, damit sich der Schleim nach außen absetzt. Außerdem werden die Tiere in Chemikalien getaucht, mit Salz bestreut oder mit Säure beträufelt, um sie zu verbrennen. Je mehr Stress die Schnecken empfinden, desto mehr ihres Schutzfilms produzieren sie. [6]

Manche Hersteller behaupten, die Schnecken würden einzeln per Hand eingesammelt und mit einem kleinen Stäbchen „entschleimt“. [6] Der Großteil der Hersteller äußert sich jedoch nicht dazu, wie genau der Schleim „gewonnen“ wird. Es ist davon auszugehen, dass die meisten konventionellen Schneckenfarmen stressbasierte Methoden wie die oben genannten nutzen, um an den Schneckenschleim zu gelangen.

Bedeutet die Produktion von Schneckenschleim Tierquälerei?

Die Industrie wendet zusätzliche Methoden an, um die Schnecken zu stressen, damit sie Schleim mit den gewünschten Wirkstoffen produzieren. Dazu gehört, die Tiere mit kaltem Wasser zu übergießen, mit Stöcken zu stoßen und mit Stromstößen zu reizen. In manchen Fällen werden die Schnecken durch die Gabe von Salzwasser dehydriert. Offiziell gilt dies nicht als Tierquälerei, da die Tiere dabei angeblich keinen Schaden nehmen und nicht sterben. Außerdem fallen Schnecken als wirbellose Tiere nicht unter das Tierschutzgesetz.

Aus ethischer Sicht kann es jedoch niemals akzeptabel sein, ein empfindungsfähiges Lebewesen dauerhaftem Stress auszusetzen, um an ein Körpersekret zu gelangen, das Verbraucher:innen für fragwürdige Schönheitsideale auf ihre Haut auftragen können. Ganz gleich, ob Schnecken, Hühner oder Hunde: Tiere sind Individuen und nicht dazu da, von uns Menschen gequält zu werden, schon gar nicht für Kosmetik.

Schnecke
Auch wirbellose Tiere wie Schnecken haben es nicht verdient, Stress und Leid durch den Menschen zu erfahren.

Ist Schneckenschleim gut für die Haut?

In den 1960er-Jahren setzte der spanische Krebsarzt Rafael Abad Iglesias Schnecken im Rahmen einer Studie radioaktiver Strahlung aus, um Krebszellen abzutöten. In den Tierversuchen wurde eine gesteigerte Selbstheilung beobachtet. Dies führte Iglesias zu der Schlussfolgerung, dass sich das Sekret auch zur Anwendung beim Menschen eignen könnte, etwa um Verbrennungen, Hautentzündungen, Ekzeme und andere Hautkrankheiten zu behandeln.

Im Jahr 2009 griff Korea schließlich die Idee auf, Weichtiersekret in der Herstellung von Kosmetik zu verwenden. Makellose Haut gilt in Korea als Schönheitsideal – und Schneckenschleim mit seinen zugesprochenen Eigenschaften und regenerationsfördernden Inhaltsstoffen, darunter auch Mineralien und Antioxidantien, kam der Kosmetikindustrie sehr gelegen. Experten weisen jedoch darauf hin, dass es keine aussagekräftige Forschung dazu gibt, wie sich diese Stoffe letztendlich auf die menschliche Haut auswirken. [4]

Die Wissenschaftsjournalistin Katja Nellissen dazu: „Mediziner in Athen haben die Creme zur Wundheilung bei Verbrennungen getestet. 43 Patienten haben an der Studie teilgenommen. 27 haben den Schneckenschleim bekommen. Es hat sich kein signifikant besseres Ergebnis rausgestellt.“ [5]

Frau mit Schnecke auf dem Gesicht
Ein Trend in der Beautybranche ist eine Gesichtsbehandlung mit Schneckenschleim.

Welche Wirkung versprechen Kosmetikfirmen?

Kosmetikhersteller verkaufen Produkte mit Schneckenschleim als „natürliche“ Anti-Aging-Mittel. Das Sekret der Weichtiere soll den Alterungsprozess aufhalten und die menschliche Haut vor äußeren Einflüssen wie Austrocknen, Bakterien und UV-Strahlung schützen – alles Faktoren, die zur Hautalterung beitragen. [6]

Vor allem Gesichtspflegeprodukte wie Hautcremes, Masken oder Seren enthalten daher immer öfter Schneckenschleim [7], aber auch in Seife wird das Schneckensekret verarbeitet. Die Preise bewegen sich zwischen 15 und 600 Euro. Marktanalysen prophezeien ein weltweites Umsatzwachstum von Kosmetik mit Schneckenschleim. [6]

Kosmetikfirmen verschweigen gerne, dass es sich bei dem oft verwendeten Schleim mit dem wissenschaftlichen Namen „Helix Aspersa Müller“ um das Sekret handelt, das Gartenschnecken zur Fortbewegung aussondern und das nachweislich keine wertvollen Wirkstoffe für die Haut enthält.Als potenzieller Wirkstoff für Kosmetikprodukte ist hingegen das gefilterte und gereinigte Schneckensekret „Snail Secretion Filtrate“ (SSF) registriert. Dieses Sekret scheiden Schnecken nur dann aus, wenn sie großem Stress ausgesetzt sind. Produzenten von Schneckenschleim wenden also gezwungenermaßen unterschiedlichste Methoden an, um die Schnecken zu stressen – denn sonst kommen sie nicht an deren Sekret.

Ist Schneckencreme vegan?

Obwohl Schneckenschleim als natürlicher Inhaltsstoff vermarktet wird, ist er – genau wie Bienenwachs – nicht vegan, denn er stammt von Tieren. Ganz gleich, ob es um den Schleim geht, der Schnecken schützt, oder das Wachs, das Bienen zum Ausbau ihrer Kinderstuben erzeugen: Die Tiere produzieren diese Stoffe nicht für den menschlichen Gebrauch.

Wenn wir Tiere zur Massenproduktion ausnutzen, um einen fragwürdigen Markt zu bedienen, dann ist das in keinem Fall vegan – denn die Tiere werden oftmals unter artwidrigen Bedingungen zu reinen Profitzwecken gezüchtet und ausgebeutet. Es ist davon auszugehen, dass viele Schnecken während der Produktion für Schleim qualvoll sterben.

Reihen von Schneckengehaeusen
Vegane Kosmetik ist frei von allen Inhaltsstoffen, für die Tiere ausgebeutet werden – ob mit oder ohne Massenproduktion.

Was Sie gegen das Tierleid für Kosmetik tun können

Bitte kaufen Sie niemals Schneckencremes oder Produkte, die Schneckenschleim oder andere tierische Inhaltsstoffe enthalten. In den meisten Fällen sind keinerlei Informationen dazu vorhanden, wie die Tiere auf den Farmen gehalten werden oder was sie bei der Produktion ertragen müssen. Bitte entscheiden Sie sich daher immer für vegane und tierversuchsfreie Kosmetik. Eine nützliche Orientierung zu tierversuchsfreien Marken bietet unsere Kosmetikliste.