4 Gründe, warum Tierversuche noch immer durchgeführt werden

Die Tatsache, dass Tierversuche noch immer durchgeführt werden, lässt sich durch mehrere Faktoren erklären.

Tierversuche sind leider zur Gewohnheit geworden

Zum einen sind Tierversuche ein Routine-Vorgehen und ein klassischer Fall von „das wird eben schon immer so gemacht“. Deswegen werden Tierversuche oftmals immer noch als erstes Mittel der Wahl herangezogen, obwohl zunehmend Alternativmethoden zur Verfügung stehen.

In einigen Bereichen sind Tierversuche leider gesetzlich vorgeschrieben. Beispielsweise ist es bei der Medikamentenentwicklung oder für Giftigkeitstests verpflichtend, Tests an Tieren durchzuführen. Die Ergebnisse sind jedoch so gut wie nie auf den Menschen übertragbar, was die Ergebnisse aus diesen Tests wenig aussagekräftig macht. Für viele solcher Versuche gibt es bereits Alternativmethoden! Das Problem hier ist jedoch, dass der Zulassungsprozess langwierig und teuer ist – die nötigen Gelder hierfür fehlen oft, weil die finanzielle Förderung zum Großteil in Tierversuche fließt.

Tierversuche als Stufe auf der Karriereleiter

In der wissenschaftlichen Forschung kommt noch ein weiterer Faktor hinzu: Erfolg in der Wissenschaft baut auf einem fehlgeleiteten Karrieresystem auf. Um sich in der Forschung einen Namen zu machen, muss man publizieren – viel publizieren. Je mehr Paper in renommierten Fachzeitschriften veröffentlicht sind, desto besser. Tierversuche sind ein recht einfacher Weg, statistische Ergebnisse zu erzielen und Veröffentlichungen voranzutreiben. Sie werden finanziell gefördert und müssen praktisch keinerlei Hürden überwinden, um genehmigt zu werden. Ob die Forschungsergebnisse nun überhaupt auf den Menschen übertragbar sind, ist zweitrangig. Tierversuche sind also Teil eines Teufelskreises, um in einem überholten Forschungssystem die Karriereleiter zu erklimmen.


Studierende wachsen von Beginn an in dieses überholte System hinein: Schon im Studium werden Sektionen und Tierversuche von der Uni vorgegeben und gehören zum Alltag. Dabei wird komplett übergangen, dass Tierversuche ethisch nicht zu rechtfertigen sind und die Tiere hier als „Messinstrumente“ missbraucht werden, während sie oft erheblichen Schmerzen ausgesetzt sind und ihr Dasein in einem Labor fristen müssen.

Millionenschwere Industrie

Was viele nicht wissen: Hinter Tierversuchen steckt eine gewaltige Industrie. Alleine Mauritius, weltweit nach China zweitgrößter Exporteur von Affen zu Versuchszwecken, verdient jährlich 17 Millionen Euro mit dem grausamen Handel. 2016 fielen 8.245 Makaken aus Mauritius der Profitgier zum Opfer und wurden an Labors verschachert, in welchen sie dann grausamen Experimenten unterzogen werden und schlussendlich sterben. (1) Auch hinter der Zucht von Mäusen, Ratten und anderen Tieren, die in der Forschung missbraucht werden, steckt eine solche Industrie – und diese hat selbstverständlich Interesse daran, dass weiter Tierversuche durchgeführt werden. Sie profitiert millionenfach von der Ausbeutung von Lebewesen.

Dieses Leben steht den empfindsamen Primaten bevor – von den quälerischen Versuchen einmal abgesehen. Das Tageslicht wird dieser Makake nie wieder zu sehen bekommen.

Gesetzlicher Tierschutz versagt

Sogenannte Forscher, die Tierversuche durchführen, berufen sich auf die gesetzlichen und behördlichen Regelungen: Alles sei in gesetzlichem Rahmen und behördlich genehmigt, heißt es oft. Dabei wird völlig übergangen, dass die Bundesregierung nicht einmal die ohnehin unzulänglichen Vorgaben der EU umsetzt bzw. erfüllt. Das Tierschutzgesetz besagt eigentlich, dass „niemand […] einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen [darf]“ – Tierversuche sind jedoch davon ausgenommen, selbst wenn sie nur der Befriedigung wissenschaftlicher Neugierde dienen. Hinzu kommt, dass in den sogenannten Ethikkommissionen, die für das „Wohl“ von Tieren in der Tierversuchsindustrie zuständig sind, Tierschutzbeauftragte in der Minderheit sind – den größeren Anteil machen Wissenschaftler aus, die ihre eigenen Interessen vertreten.

Tierversuche – dürfen wir das überhaupt?

Was von Forschern, die Tierversuche durchführen, rigoros ignoriert wird, ist der ethische Aspekt: Tiere sind schlichtweg nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren. Es steht uns ganz einfach nicht zu, Leben gegen anderes Leben aufzuwiegen und qualvolle Tierversuche mit einem vermeintlichen Nutzen zu rechtfertigen – es ist falsch, Tiere in kleine Käfige zu sperren, ihnen ein Leben ohne adäquate Sozialkontakte aufzuzwingen und sie in Experimenten zu quälen, um sie schlussendlich zu töten. Somit – NEIN, wir dürfen das nicht: Kein Tier, egal ob Affe, Hund oder Maus, verdient es, in einem Labor eingesperrt und schrecklichem Missbrauch ausgesetzt zu sein, der außerhalb eines Labors illegal wäre.

Was Sie tun können

Deutschland und fünf weitere Länder verweigern noch immer die Umsetzung der EU-Tierversuchsrichtlinie: Fordern Sie die jeweiligen Länder mit Ihrer Unterschrift dazu auf, alle Tierversuche zu beenden und stattdessen in tierfreie Alternativmethoden zu investieren.


Bitte unterzeichnen Sie auch unsere Petition zum Zulassungsstopp von Tierversuchen in der EU.


Quellen:
(1) https://www.swr.de/wissen/affen-mauritius-handel/-/id=253126/did=21905846/nid=253126/21jilj/index.html

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Die Blogartikel zu den Themen Tierrechte und veganem Lifestyle sind von und mit den Mitarbeitern von PETA Deutschland e.V. und weiteren Co-Autoren.