Haben Tiere Gefühle? Infos zu Liebe, Freude, Trauer & Co.

Tiere sind fühlende Lebewesen: Sie fühlen Freude, Angst, Zuneigung und viele weitere Emotionen. Einige Tiere zeigen sogar Anzeichen für Trauer, wenn ein Artgenosse stirbt oder wenn sie eine Bezugsperson verlieren. Nicht-menschliche Tiere verdienen genau wie wir Menschen Respekt und Mitgefühl – ihre vielfältige Gefühlswelt muss daher verstärkt ins gesellschaftliche Bewusstsein rücken.

Inhaltsverzeichnis

Können Tiere fühlen?

Tiere sind emotionale Lebewesen, das heißt, sie sind zu Emotionen fähig. Auch wenn es nicht immer leicht nachzuweisen ist, ist dieses Wissen in der Forschung mittlerweile anerkannt. Wenn sie in Not sind, empfinden Tiere Angst, wenn es ihnen gut geht, empfinden sie Wohlbehagen. Darüber hinaus konnten auch Einfühlungsvermögen, Bereitschaft zur Kooperation und uneigennütziges Handeln beobachtet werden. [1] Viele Tiere empfinden auch Freude, Angst, Liebe, Scham, Respekt, Erleichterung, Ekel, Traurigkeit, Verzweiflung und Trauer. [2]

Fühlen Tiere wie Menschen?

Bei vergleichenden neurowissenschaftlichen Untersuchungen wurde festgestellt, dass die beim Menschen für das Entstehen von Emotionen verantwortlichen Hirn-Areale nicht erst in den letzten Schritten unserer Evolution entstanden sind. Diese Hirnstrukturen teilen wir mit allen anderen Säugetieren, bei denen sie die gleichen Aufgaben erfüllen. Auch Fische, Amphibien, Reptilien und Vögel haben entsprechende Hirn-Areale. So zeigt eine Studie, dass Emotionen bei Fischen durch die individuelle Wahrnehmung von Umweltreizen reguliert werden. [3, 4]

Säugetiere können damit Vorfreude, Angst, Wut und Einsamkeit empfinden. Bei manchen Arten wurde Selbstbewusstsein, Aufmerksamkeit, räumliche und zeitliche Orientierung sowie abstrakteres Denken nachgewiesen – bei Walen sind diese kognitiven Leistungen am ausgeprägtesten. [5, 6]

„Je mehr wir über die Tiere wissen und nachvollziehen können, zu welchen kognitiven Leistungen sie imstande sind und was sie empfinden, desto mehr kommen uns unsere Alleinstellungsmerkmale als Menschen abhanden.“ [1]

Tanja Warter, Tierärztin

Weil nicht-menschliche Tiere unsere Sprache nicht sprechen, kann zwar nicht geklärt werden, ob sie beispielsweise Schmerz genauso empfinden wie Menschen. Das bedeutet jedoch nicht, dass sie ihn nicht fühlen. [7]

Welche Tiere können fühlen?

  • Säugetiere: Kühe, Hunde, Katzen, Elefanten, Löwen, Wale und alle anderen Säugetiere sind zu Emotionen und Gefühlen fähig. [8, 9]
  • Vögel: Vögel haben Schmerzrezeptoren und fühlen genau wie Säugetiere Schmerzen. [10]
  • Andere Wirbeltiere wie Fische [4] und Reptilien [11] fühlen nicht nur Schmerz, sondern können auch Emotionen kognitiv verarbeiten.
  • Insekten: Insekten empfinden Schmerzen und fühlen sogar chronische Schmerzen – auch wenn viele Menschen zu Unrecht davon ausgehen, dass sie gar kein Schmerzempfinden haben. [12]
  • Neben Insekten wurde auch bei anderen Wirbellosen, vor allem bei Krebstieren und Weichtieren, ein Schmerzempfinden nachgewiesen. [13-15]

Nicht-menschliche Tiere verfügen – genau wie der Mensch – über Emotionen. Eines haben jedoch alle Lebewesen gemeinsam: Sie können Schmerz fühlen und möchten ihn möglichst vermeiden.

Wie zeigen Tiere Gefühle?

Tiere zeigen ihre Gefühle auf ganz unterschiedliche Weisen. Wenn wir sie aufmerksam beobachten, können wir an ihrem Verhalten erkennen, ob sie fröhlich oder traurig sind oder vielleicht Schmerzen haben.

  • Katzen

    Bei Katzen verrät vor allem die Körperhaltung viel über ihren Gemütszustand: Mit einem aufgestellten Schwanz und aufgeregtem Hin- und Herlaufen zeigen sie beispielsweise Freude. Wenn Katzen Angst haben, erkennt man dies häufig an ihrer geduckten Körperhaltung, ihren vergrößerten Pupillen und den angelegten Ohren. Den Schwanz ziehen die Katzen hierbei meistens ein und halten den Kopf geduckt. Oft stellen sie auch ihre Schwanzhaare auf, wenn sie Angst haben.

    Zuneigung zeigen Katzen durch freundliches und langsames Anblinzeln, um die Beine streichen und Köpfchen geben. Auch ein aufrechter Schwanz, der am Ende eingeknickt ist, ist ein Zeichen für Freude. Wenn Katzen Körpernähe suchen, zeigen sie ihrem Gegenüber, dass sie ihn mögen. Ist ein Katzenschwanz mit herunterhängender Schwanzspitze aufgestellt, ist dies ein weiteres Zeichen, dass sie sich freut, einen Artgenossen oder Menschen zu sehen. Wenn Sie bei Ihrer Katze Veränderungen im Verhalten feststellen, kann das ein Hinweis darauf sein, dass sie krank ist und tierärztliche Hilfe braucht.

  • Hunde

    Angst äußert sich bei Hunden ganz unterschiedlich und ist immer abhängig vom Hundetyp. Sie kann angeboren oder erlernt sein. Wird durch einen angstauslösenden Reiz eine Stressreaktion im Körper des Hundes ausgelöst, wird der Körper auf Erstarren, Kampf oder Flucht vorbereitet. Dies zeigt sich bei Hunden, indem ihr Herzschlag und die Atemfrequenz beschleunigt werden, die Pupillen sich weiten, keine Nahrung mehr aufgenommen werden kann, die Analdrüsen entleert werden sowie Schweißpfotenabdrücke entstehen. Zudem zeigen sie häufig eine stärkere Muskelanspannung in Kombination mit Zittern, eine geduckte Körperhaltung, angelegte Ohren, eine Rute, die unter den Bauch geklemmt ist, und weit geöffnete Pupillen. Es gilt: Lernen Sie Ihren tierischen Mitbewohner richtig kennen, versuchen Sie die Körpersprache zu beobachten und richtig deuten zu lernen. Hier kann auch ein Hundetraining hilfreich sein. Über eine gute Beziehung kann einem Hund durch seinen Menschen Sicherheit auch in angstauslösenden Situationen vermittelt werden. [16]

    Wenn Hunde glücklich sind, zeigen sie das in den meisten Fällen sehr deutlich: Eine wedelnde Rute zeigt einen Erregungszustand des Hundes an und kann ein Zeichen für Freude oder auch als Indikator für Spiellaune gedeutet werden. Doch ist die wedelnde Rute auch ein Zeichen für Aufregung. Sie ist immer im Gesamtkontext der Körpersprache des Hundes zu werten. Möchte Sie ein Hund zum Spiel auffordern, streckt er meist die Vorderpfoten nach vorne und geht mit dem Vorderkörper tief auf den Boden. Der Mund ist dabei leicht geöffnet und die Augenpartie entspannt. Der Hinterkörper bleibt dabei aufrecht stehen. Auch ein freudiges Wälzen auf dem Teppich kann als Zeichen für Freude gedeutet werden. Fühlen sich Hunde wohl, seufzen sie tief, nachdem sie es sich an ihrem Lieblingsplatz gemütlich gemacht haben.

  • Kaninchen, Mäuse und Ratten

    Kaninchen:

    Sollte Ihr Kaninchen Sie oder Artgenossen sanft anstupsen, dient das als Begrüßung oder Aufforderung zum Schmusen. Anstupsen kann auch eine Aufforderung zum Spielen oder gegenseitigen Putzen verstanden werden – meist möchte das Tier dann irgendeine Form von Aufmerksamkeit.

    Kaninchen, denen viel Fläche zur Verfügung steht, laufen manchmal plötzlich auf und ab oder im Kreis. Teilweise schlagen sie übermütig Haken und schütteln vergnügt ihren Kopf. Kaninchen, die so herumtoben, genießen ihre Freiheit. Kaninchen, die ihre Halter:innen oder etwas Essbares entdecken, verhalten sich manchmal ähnlich. Sie kommen fröhlich auf ihren Menschen oder die Nahrung zugelaufen und springen dabei in die Luft und schütteln ihren Kopf.

    Wenn Kaninchen leise mit ihren Zähnen knirschen, ist das ein Anzeichen dafür, dass sie entspannt sind. Sehr starkes Knirschen oder sogar Mahlen der Zähne kann ein Hinweis auf Angst oder Schmerzen sein. Kaninchen, die ausgestreckt liegen und sich dabei vielleicht sogar wälzen, ruhen sich aus und sind tiefenentspannt – ein ausgestrecktes Kaninchen fühlt sich sicher.

    Anders sieht es aus, wenn Kaninchen Artgenossen oder Menschen zwicken, denn damit drücken die Tiere Unbehagen aus – sie möchten dann ihre Ruhe haben, empfinden Schmerz oder Angst.

    Während das Hakenschlagen Kaninchen und Hasen in der Natur hilft, Feinden zu entkommen, kann es vor allem bei tierischen Mitbewohnern auch Spielverhalten sein. Wenn Kaninchen springen, signalisieren sie entweder Freude oder Angst – beobachten Sie das Tier also ganz genau, um den Grund herauszufinden. Im Gegensatz dazu sind schreiende Kaninchen nicht misszuverstehen: Kaninchen schreien nur in äußersten Notsituationen wie bei körperlichen Schmerzen oder großer Angst.

    Ratten

    Ratten zeigen wie Menschen Mitgefühl und selbstloses Handeln. Wenn sie gekitzelt werden, lachen und springen sie vor Freude. Nach Fehlentscheidungen zeigen sie Reue und Ratten verzichten sogar auf einen Leckerbissen, wenn sie damit einem Artgenossen in einer Notsituation helfen können.

    Mäuse

    Mäuse sind soziale Tiere – Mäusemütter verteidigen ihre Babys beispielsweise um jeden Preis.

  • Schweine

    Schweine fühlen wie Menschen Schmerz, Leid, Freude und Trauer. Schweine haben ein ausgeprägtes Spielverhalten: Für möglichst viel Spaß denken sie sich Spiele mit Spielzeug oder anderen Tieren aus. Schweine tricksen sich bei der Nahrungssuche teilweise gegenseitig aus, können sich aber auch in die Lage eines Artgenossen versetzen.

  • Rinder: Kühe, Kälber und Ochsen

    Wenn Kühe, Kälber und Ochsen von ihren Familien, Freunden oder menschlichen Gefährt:innen getrennt werden, trauern sie über diesen Verlust – Rinder können dann sogar Tränen vergießen.

  • Schafe

    Schafe sind zu einer ganzen Reihe von Emotionen fähig: Sie empfinden beispielsweise Langeweile, Wut, Ekel und Zufriedenheit. Wenn sie eine Belohnung erwarten, aber nicht erhalten, sind sie enttäuscht.

  • Vögel: Hühner, Raben & Co.

    Viele Vögel sind zu Empathie fähig. Außerdem ist von vielen Vogelarten bekannt, dass sie gerne spielen. Rabenvögel zeigen sogar organisiertes Spielverhalten – eine komplexe soziale Interaktion, die ein Zeichen von Empathie ist.

    Stare und Sperlinge reagieren emotional, wenn sie andere Vögel singen hören. Krähen und andere Rabenvögel trauern ähnlich wie Menschen um verstorbene Artgenossen. Wenn ihre Küken gestresst sind, machen Hühner sich Sorgen und tun alles, um sie zu beruhigen.

  • Fische

    Der Irrglaube, dass Fische keine Angst und Schmerzen empfinden würden, hielt sich relativ lange. Doch mittlerweile zeigen Studien und Videos, dass Fische enge Freundschaften schließen, Artgenossen in Not helfen, auch wenn sie dabei selbst in Gefahr sind, sich bei der gemeinsamen Jagd mittels Körpersprache absprechen, teils wochenlang neben ihrem Gelege sitzen, um ihren Nachwuchs zu schützen, und Jungtiere bei Gefahr in den Mund nehmen. Fische sind auch schmerzempfindliche Lebewesen, die ängstlich und gestresst, aber auch fröhlich, verspielt und neugierig sind.

  • Krokodile

    Auch wenn über die Gefühlswelt von Reptilien noch relativ wenig bekannt ist, zeigen Krokodile beispielsweise einen ausgeprägten Sinn für Spaß und Spiel. Krokodile lieben es, zu surfen, mit im Wasser herumtreibenden Objekten wie Bällen, Blumen und Holzstücken herumzuspielen und sich gegenseitig herumzutragen. [17]

Trauern Tiere?

Es galt lange als umstritten, ob nicht-menschliche Tiere trauern können. Mittlerweile wurde bei Tieren vermehrt Verhalten beobachtet, dass auf eine Art von Trauer hindeutet. [18]

  • Trauer bei verschiedenen Affenarten: In Großbritannien wurde 2008 eine Gruppe Schimpansen beobachtet, wie sie einen gerade verstorbenen Artgenossen streichelte und wiederholt versuchte wachzurütteln. Danach sollen die Affen in eine Lethargie verfallen sein. [12] Außerdem wurden Schimpansen dabei beobachtet, wie sie verstorbene Gruppenmitglieder mit Blättern und Zweigen bedecken. [19] Bei vielen Affenarten wurde außerdem beobachtet, dass die Mütter ihre toten Kinder wochenlang mit sich herumtrugen und sich so um sie kümmerten, als wären sie noch am Leben. Gorillas bleiben oft nah bei ihren verstorbenen Artgenossen, berühren sie und pflegen ihr Fell. [19]
  • Wale trauern um Artgenossen: Wenn ein Artgenosse verstorben ist, berühren manche Wale das tote Tier vorsichtig mit den Flossen, schmiegen sich an und tragen es mit sich, teilweise bringen sie es sogar an die Wasseroberfläche. Je stärker die soziale Bindung zwischen Walen ist, desto wahrscheinlicher ist es, dass sich Wale so verhalten. Orcas und Pottwale gehören zu den sechs Walarten, bei denen diese Zeichen von Trauer beobachtet werden konnten. [18] Wale zeigen depressive Gemütszustände und scheinen Nahrungssuche, Fortbewegung und soziale Interaktionen einzustellen, um für eine Weile bei dem verstorbenen Gruppenmitglied zu sein. [20]
  • Trauerverhalten bei Elefanten: Bei Elefanten wurde Trauerverhalten vermehrt beobachtet. Am häufigsten wurden das Berühren und die Annäherung an verstorbene Elefanten dokumentiert. Viele Tiere nutzen auch ihren Geruchssinn – vermutlich um die Verstorbenen zu identifizieren. [18]

Bei Menschen führt Trauer zu einem Anstieg von Stresshormonen. Diese Art von Stress lässt sich nach dem Verlust von Artgenossen bei Tieren ebenfalls chemisch nachweisen, obwohl es sich dabei auch um Verlustangst statt um Trauer handeln kann. [12]

Speziesismus: Alle Lebewesen verdienen Respekt und Mitgefühl

Tiere sind emotionale Lebewesen – genau wie Menschen. Sie empfinden Emotionen wie Angst und Schmerz und oft Gefühle, die darüber hinaus gehen. Auch nicht-menschliche Tiere verdienen daher Respekt und Mitgefühl.

Die Annahme, dass einige Tiere weniger wert sind als andere und dass der Mensch über allen anderen Lebewesen steht, ist grundlegend falsch und speziesistisch. Jedes Lebewesen verdient ein glückliches und möglichst selbstbestimmtes Leben –ohne Leid und Schmerz.

„Es wäre wünschenswert, wenn diese Anerkennung von Gefühlen auch auf andere Tierarten übertragen werden könnte. Wir müssen uns genauer damit auseinandersetzen, wie emotionale Reaktionen unter anderen Lebewesen als dem Menschen ablaufen. Fraglich ist nicht mehr, ob Tiere Gefühle haben. Sondern, wie wir damit umgehen.“ [8]

Cord Riechelmann, Journalist, Biologe und Philosoph

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