Skip to Content

Das Schaf: 10 faszinierende Fakten über Schafe

Teilen:

Schafe sind weit mehr als „Wolllieferanten“ oder „Rasenmäher”: Sie erkennen Gesichter, schließen Freundschaften, treffen bewusste Entscheidungen und besitzen ein erstaunlich gutes Gedächtnis. Dennoch werden sie häufig unterschätzt – und vor allem für ihre Wolle und ihr Fleisch ausgebeutet.

Schafe sind so clever, dass sie sogar Strategien entwickeln können, um große Absperrungen zu überwinden, wenn sie das Gemüse im Garten nebenan essen wollen. Eine Gruppe von Schafen überwand einen drei Meter breiten Zaun, indem sich die Tiere einfach flach auf den Boden legten und darüber hinwegrollten. [1]

Was Sie über die cleveren und einfühlsamen Tiere wissen sollten, erfahren Sie in diesem Beitrag.

Inhaltsverzeichnis

1. Schafe erkennen Gesichter und vergessen sie jahrelang nicht

Schafe verfügen über ein erstaunliches Erinnerungsvermögen. Sie können sich die Gesichter von Menschen sowie von bis zu 50 Artgenossen über einen Zeitraum von mindestens zwei Jahren merken und vertraute von unbekannten Gesichtern unterscheiden. [2, 3]

Möglich wird dies durch spezialisierte Bereiche im Gehirn, die denen des Menschen erstaunlich ähnlich sind. Forschende konnten außerdem zeigen, dass Schafe sogar Gesichter auf Fotos erkennen und bekannten Personen eindeutig zuordnen können. [3]

Diese Fähigkeit hilft ihnen dabei, enge soziale Beziehungen aufrechtzuerhalten, ihre Familienmitglieder wiederzuerkennen und zwischen vertrauten und fremden Individuen zu unterscheiden. [2, 3]

Können Schafe Gesichter erkennen?

Ja. Schafe erkennen sowohl andere Schafe als auch Menschen an ihren Gesichtern und können sich diese über Jahre hinweg merken. Damit besitzen sie eine ähnlich ausgeprägte Fähigkeit zur Gesichtserkennung wie viele Primaten.

Ein Schaf schaut in die Kamera vor blauem Himmel.
Schafe haben mit Menschen vergleichbare fortgeschrittene Fähigkeiten zur Gesichtserkennung.

2. Schafe haben unterschiedliche Bezeichnungen – abhängig von Alter und Geschlecht

SchSchafe erhalten vor allem in der ausbeuterischen „Nutztierindustrie“ verschiedene Bezeichnungen, abhängig vom Alter und dem Grad ihres vermeintlichen „Werts“ für den Menschen – beispielsweise Lammfleisch, das Muskelgewebe gewaltsam getöteter Babyschafe.

  • Als Lamm gelten Schafkinder unter einem Jahr.
  • Unkastrierte männliche Schafe werden Bock oder Widder genannt.
  • Weibliche Schafe werden als „Mutterschafe“ zur Zucht ausgebeutet und abhängig von der Region auch Au, Aue oder Zibbe genannt.

Die Bezeichnungen sollen von der Gewalt ablenken, die sich hinter Tierprodukten versteckt. Würden Produkte ehrlich bezeichnet, würden sich vermutlich mehr Menschen dazu entscheiden, keine tierischen Erzeugnisse mehr zu konsumieren.

3. Schafe können sich „medizinisches Wissen“ aneignen

Schafe lernen nicht nur, welche Pflanzen ihnen schmecken – sie können sich auch merken, welche Nahrung ihnen bei gesundheitlichen Beschwerden geholfen hat.

In einer wissenschaftlichen Untersuchung lernten die Tiere, verschiedene Geschmacksrichtungen mit bestimmten Wirkungen zu verknüpfen. Waren sie krank, suchten sie anschließend gezielt Pflanzen auf, deren Inhaltsstoffe ihnen zuvor geholfen hatten. [4]

Dieses Verhalten wird als Selbstmedikation bezeichnet und ist auch von anderen Tierarten bekannt. Es zeigt, dass Schafe Erfahrungen speichern und dieses Wissen später gezielt nutzen können.

Die Studie verdeutlicht einmal mehr, wie vielseitig und lernfähig Schafe sind.

Eine Herde Schafe steht auf der Wiese vor einem Wald.
Schafe heilen sich selbst: Laut Studie können die Tiere, die für sie passende Medizin erkennen.

4. Schafe lernen aus Fehlern und haben ein hervorragendes Gedächtnis

Schafe können deutlich mehr, als viele Menschen ihnen zutrauen:

  • Forschende der Universität Cambridge zeigten, dass die Tiere Farben und Formen unterscheiden, Entscheidungen treffen und sich über lange Zeit an diese erinnern können. [5]
  • In einem Experiment lernten Schafe innerhalb kurzer Zeit, welcher von mehreren unterschiedlich aussehenden Nahrungsbehältern gefüllt war. Selbst sechs Wochen später fanden sie den richtigen Behälter wieder. Trafen sie zunächst eine falsche Entscheidung, korrigierten sie ihren Fehler und lernten daraus. [5]
  • Eine weitere Studie zeigte sogar, dass sich Schafe vergleichbare Informationen über mindestens 22 Wochen merken können. [6]

Diese ausgeprägte Lernfähigkeit hilft ihnen in freier Wildbahn dabei, sich Plätze mit schmackhaften Gräsern, sichere Wege oder vertraute Artgenossen dauerhaft einzuprägen.

5. Schafe treffen bewusste Entscheidungen und entwickeln Gewohnheiten

Das Gehirn von Schafen ist komplex aufgebaut und weist zahlreiche Gemeinsamkeiten mit dem Gehirn anderer Säugetiere – darunter auch Primaten – auf. Forschende beschreiben ihre kognitiven Fähigkeiten deshalb als deutlich höher entwickelt, als lange angenommen wurde. [7]

Schafe entwickeln Gewohnheiten, treffen bewusste Entscheidungen und können bereits Erlerntes auf neue Situationen übertragen. Sie beobachten ihre Umgebung aufmerksam und passen ihr Verhalten an neue Herausforderungen an.

Diese Fähigkeiten machen deutlich, dass Schafe intelligente Individuen sind, die Erfahrungen sammeln, Probleme lösen und flexibel auf ihre Umwelt reagieren.

Damit gehören Schafe zu den kognitiv leistungsfähigsten Huftieren und überraschen Forschende immer wieder mit ihren Fähigkeiten.

Zwei Schafe auf einer Wiese.
Schafe können aus ihren Fehlern lernen und Erlerntes auch auf neue Situationen übertragen.

6. Schafe sind einfühlsam und zeigen Zuneigung

Schafe sind empfindungsfähige Tiere, die

  • Freude,
  • Angst,
  • Stress
  • und Trauer

empfinden können. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass sich ihre Gefühle unter anderem in Herzfrequenz, Atmung und anderen körperlichen Reaktionen widerspiegeln. Positive und negative Erlebnisse wirken sich also ähnlich auf sie aus wie auf viele andere Säugetiere – auch auf den Menschen. [8]

Innerhalb ihrer Herde suchen Schafe den Kontakt zu vertrauten Artgenossen, verbringen viel Zeit miteinander und geben sich gegenseitig Sicherheit. Sie pflegen enge soziale Beziehungen und reagieren sensibel auf die Gefühle anderer Tiere.

Wie zeigen Schafe Zuneigung?

Schafe zeigen Zuneigung, indem sie

  • die Nähe vertrauter Tiere suchen,
  • gemeinsam ruhen oder grasen
  • und sich gegenseitig beschnuppern.

Innerhalb ihrer Herde entstehen oft enge soziale Bindungen, die über viele Jahre bestehen können.

Wie zeigen Schafe Zuneigung zu Menschen?

Machen Schafe positive Erfahrungen mit Menschen, können sie Vertrauen aufbauen. Manche Tiere folgen vertrauten Personen, lassen Berührungen zu oder suchen freiwillig ihre Nähe.

7. Schafe schließen Freundschaften und erkennen ihre Familien wieder

Wenn es ihnen durch die industrielle Tierhaltung nicht verwehrt wird, bilden Schafherden komplexe Beziehungen untereinander aus. Diese werden von den individuellen Persönlichkeiten der Tiere beeinflusst.

In einer Studie konnte gezeigt werden, dass Charaktereigenschaften der Tiere wie Schüchternheit oder Kühnheit dazu führen können, dass sich innerhalb einer Herde Untergruppen bilden. Die Mitglieder bevorzugten es, lieber mit ihren Freunden zusammen zu sein, statt weit entfernt nach besserer Nahrung zu suchen. [1]

Auch Familienbindungen spielen eine wichtige Rolle: Schafe erkennen nahe Verwandte wieder und orientieren sich häufig an ihnen.

8. Lämmer und ihre Mütter verbindet eine enge Beziehung

Lämmer und ihre Mütter haben ab dem Moment ihrer Geburt eine außerordentlich starke Bindung zueinander. Bereits zwölf Stunden nach der Geburt erkennen Lämmer ihre Mütter an ihrem Aussehen und ihrer Stimme. Im Alter von sechs bis zwölf Monaten setzt die Pubertät ein.

Auch wenn die Jungtiere dann immer unabhängiger werden, neigen auch erwachsene Tiere noch dazu, die Nähe zu ihren Müttern zu suchen und sich zu ihnen zu gesellen. [9]

9. Schafe sind eng mit Ziegen verwandt

Schafe und Ziegen gehören beide zur Familie der Hornträger und haben gemeinsame Vorfahren.

Schafe und Ziegen sind eng miteinander verwandt und gehören beide zur Unterfamilie der Ziegenartigen, aber zu unterschiedlichen Gattungen. Deshalb ähneln sie sich in vielen Merkmalen, unterscheiden sich jedoch unter anderem in ihrem Verhalten, ihrer Körperform und ihrem Fell.

Sowohl Schafe als auch Ziegen werden beispielsweise für Wolle und Milch als sogenannte Nutztiere ausgebeutet.

Das Fell der meisten Schafe wächst ständig weiter. Deshalb müssen sie regelmäßig geschoren werden – allerdings ist dies eine Folge jahrhundertelanger Zucht auf „Hochleistung” durch den Menschen und kein natürlicher Zustand.

Welche Schafe muss man nicht scheren?

Nicht alle Schafe müssen geschoren werden. Sogenannte Haarschafe – etwa Kamerunschafe oder Barbados Blackbelly – verlieren ihr Fell von selbst. Dass viele „Wollschafe“ heute ohne menschliches Eingreifen nicht mehr genügend Wolle verlieren, ist die Folge gezielter Zucht auf möglichst hohe Wollerträge.

Weil es der Wollindustrie primär um Profitmaximierung geht, werden Lämmer im Alter zwischen zwei und vier Monaten – und damit viel zu früh – von ihren Müttern getrennt. Wissenschaftliche Untersuchungen konnten zeigen, dass diese Trennung bei Mutter und Lamm starkes emotionales Leid verursacht: Mutter und Kind versuchen tagelang, zueinanderzufinden, laufen nervös und aufgeregt umher und rufen verzweifelt nacheinander. [10]

10. Für Wolle und Schaffell werden Schafe ausgebeutet und getötet

Obwohl Schafe intelligente, soziale und empfindsame Tiere sind, werden jedes Jahr Millionen von ihnen für Wolle, Schaffell und Fleisch ausgebeutet.

Ungeachtet dieser faszinierenden Tatsachen und Erkenntnisse werden Schafe in der weltweiten Wollindustrie zu Profitzwecken ausgebeutet, gequält und getötet:

PETA und ihre internationalen Partnerorganisationen konnten mit bahnbrechenden Undercover-Recherchen in der Vergangenheit mehrfach aufzeigen, welch schockierende Misshandlungen die Tiere vor ihrem Tod erleiden, darunter die blutige Lämmerverstümmelung, die grausame Kastration ohne Betäubung und die tierquälerischen Lebendexporte

Werden Schafe für Schaffell getötet?

Ja. Schaffell stammt immer von toten Tieren. Deshalb werden Schafe und auch Lämmer für die Herstellung von Schaffellprodukten getötet.

Auch Wolle ist nicht tierleidfrei. Sogenannte Wollschafe wurden durch Zucht so verändert, dass ihre Wolle ständig nachwächst und sie regelmäßig geschoren werden müssen. Während der Schur kommt es immer wieder zu Verletzungen und erheblichem Stress. Wer Schafen helfen möchte, greift deshalb zu tierfreundlichen Alternativen aus pflanzlichen oder synthetischen Materialien.

Grafik Qualzucht Schaf

Sie können Schafen helfen

Sie können noch heute und direkt dazu beitragen, Schafe vor dem alltäglichen Leid durch die Wollindustrie zu schützen, indem Sie keine Produkte mit Wolle von Schafen oder anderen Tieren kaufen.

Der Handel bietet zahlreiche tierfreundliche Textilien aus pflanzlichen oder synthetischen Materialien wie Baumwolle, Lyocell, Viskose, Modal, Polyester oder Acryl. Achten Sie auf entsprechende Kennzeichnungen.

Häufig gestellte Fragen zu Schafen

  • Sind Schafe intelligent?

    Ja. Schafe sind deutlich intelligenter, als viele Menschen vermuten. Sie können Gesichter von Menschen und Artgenossen über Jahre hinweg erkennen, aus Fehlern lernen, Probleme lösen und sich langfristig Informationen merken. Außerdem treffen sie bewusste Entscheidungen, schließen Freundschaften und zeigen komplexes Sozialverhalten.

  • Wie alt werden Schafe?

    Schafe können bei guter Haltung 10 bis 12 Jahre alt werden, manche Tiere erreichen sogar ein Alter von bis zu 20 Jahren. In der Woll- und Fleischindustrie werden die meisten Schafe jedoch im Kindesalter bereits nach wenigen Jahren oder sogar als Lämmer getötet und erreichen ihre natürliche Lebenserwartung nicht.

  • Warum blöken Schafe?

    Schafe blöken, um miteinander zu kommunizieren. Sie rufen nach ihren Lämmern oder Artgenossen, warnen vor Gefahren oder drücken beispielsweise Hunger, Stress oder Unwohlsein aus. Besonders Mutterschafe und ihre Lämmer erkennen sich an ihren individuellen Lauten.

  • Schlafen Schafe im Stehen?

    Schafe können im Stehen dösen, den eigentlichen Tiefschlaf verbringen sie jedoch meist im Liegen. Als Fluchttiere schlafen sie nur wenige Stunden am Tag und bleiben dabei stets aufmerksam, um bei Gefahr schnell fliehen zu können.

  • Wie viele Mägen haben Schafe?

    Schafe haben einen Magen, der aus vier Abschnitten besteht: Pansen, Netzmagen, Blättermagen und Labmagen. Dieses Verdauungssystem ermöglicht es ihnen, Gras und andere faserreiche Pflanzen besonders effizient zu verwerten.

  • Können Schafe schwimmen?

    Ja. Schafe können schwimmen und bei Bedarf Flüsse oder andere Gewässer überqueren. Sie sind jedoch keine Wassertiere und gehen meist nur ins Wasser, wenn es notwendig ist. Viele Schafe meiden tiefe Gewässer, solange sie einen anderen Weg finden.

  • Quellen

    [1] BBC (30.07.2004): Crafty sheep conquer cattle grids, http://news.bbc.co.uk/2/hi/uk_news/3938591.stm (eingesehen am 03.07.2026)

    [2] Kendrick, KM; da Costa AP; Leigh, AE; Hinton, MR; Peirce, JW (2001): Sheep don’t forget a face. Nature 414: 165–6.

    [3] Knolle, F; Goncalves, RP; Morton, AJ (2017): Sheep recognize familiar and unfamiliar human faces from two-dimensional images. University of Cambridge. Royal Society Open Science, doi: 10.1098/rsos.171228.

    [4] Villaba, Juan Provenza, Frederick Shaw, Ryan (Mai 2006): Sheep self-medicate when challenged with illness-inducing foods (2006), https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0003347206000406 (eingesehen am 03.07.2026)

    [5] Morton, Jennifer (2001): Executive Decision-Making in the Domestic Sheep, https://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0015752 (eingesehen am 03.07.2026)

    [6] Hunter, D. S., Hazel, S. J., Kind, K. L., Liu, H., Marini, D., Owens, J. A., Pitcher, J. B., & Gatford, K. L. (2015): Do I turn left or right? Effects of sex, age, experience and exit route on maze test performance in sheep. Physiology and Behavior, 139, 244-253

    [7] Morton, Jenny (2015): On sheep, http://www.cam.ac.uk/research/features/counting-on-sheep (eingesehen am 03.07.2026)

    [8] Reefmann, Nadine; Bütikofer Kaszàs, Franziska; Wechsler, Beat; Gygax, Lorenz (2009): Physiological expression of emotional reactions in sheep, https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0031938409002169 (eingesehen am 03.07.2026)

    [9] Nowak, R; Poindron, P.; Le Neindre, P; Putu, I.G. (1987): Ability of 12-hour-old Merino and crossbred lambs to recognise their mothers, Applied Animal Behaviour Science, Volume 17, Issues 3–4.

    [10] Cockram, M.S.; Imlah, P; Goddard, P.J.; Harkiss, G.D.; Waran N.K (1993): The behavioural, endocrine and leucocyte response of ewes to repeated removal of lambs before the age of natural weaning, Applied Animal Behaviour Science, Vol. 38, Ausgabe 2, S.127-142.

Hinweis: PETA lehnt Tierversuche grundsätzlich ab. Zwar können die oben genannten Ergebnisse dazu beitragen, dass sich der Blick der Menschen auf unsere Mitgeschöpfe ändert und somit langfristig Hoffnung auf eine bessere Zukunft für Tiere besteht. Dennoch ist die Durchführung dieser oder ähnlicher Tierversuche ethisch nicht zu rechtfertigen. Unserer Ansicht nach haben Forschende die ethische Verantwortung, solche Erkenntnisse nicht in Versuchen an Tieren, sondern durch Beobachtungsstudien in der natürlichen Umgebung der Tiere zu erlangen.

Trotz alledem ist den Tieren nun am meisten damit geholfen, die Ergebnisse publik zu machen, denn sie zeigen, wie faszinierend Tiere sind. Und sie verdeutlichen, dass es falsch ist, Tiere in Versuchslaboren einzusperren und in Experimenten zu missbrauchen.