Bei vielen Menschen haben Ratten einen eher schlechten Ruf – zu Unrecht. Dabei gehören die intelligenten Nagetiere zu den anpassungsfähigsten Säugetieren der Welt. Sie sind intelligent und hochsozial: Sie pflegen enge soziale Beziehungen, können Probleme lösen und zeigen sogar Mitgefühl für Artgenossen. Dennoch werden Ratten für grausame Experimente missbraucht und oft als „Schädlinge“ bezeichnet.
Erfahren Sie hier mehr über die intelligenten Tiere, weshalb es falsch ist, ihnen beispielsweise in Tierversuchen Leid zuzufügen und warum die Tiere mehr Verständnis statt Vorurteile verdienen.
1. Ratten gehen tiefe soziale Bindungen ein
Ratten sind sehr anhänglich – innerhalb der Familie, aber auch bei befreundeten Artgenossen. [1] Ratten lieben es beispielsweise, zusammengeknuddelt auf einem Haufen zu schlafen –dieses Verhalten wird auch „huddling“ genannt. [2]
Genauso entwickeln Ratten, die als tierische Mitbewohner mit Menschen zusammenleben, schnell tiefe Bindungen zu ihren menschlichen Bezugspersonen. Wer den Tieren mit Zuneigung begegnet, bekommt diese auch zurück.

2. Ratten kommunizieren über Ultraschall und Gerüche
Wie Mäuse kommunizieren auch Ratten vor allem über hochfrequente Töne im Ultraschallbereich, die für Menschen nicht wahrnehmbar sind. Eine große Rolle spielt die Kommunikation über Gerüche: Mittels Duftstoffen mit Signalfunktion, den sogenannten Pheromonen, können sie sich unter anderem gegenseitig vor Gefahr warnen. [3] Auch Berührungen und Körpersprache sind wichtig. [4] Forschungen deuten zudem darauf hin, dass Ratten die Gesichtsausdrücke und damit auch die Stimmung ihrer Artgenossen erkennen können. [5]

3. Ratten lachen, wenn sie glücklich sind
Wenn Ratten gekitzelt werden, geben sie Laute von sich, die einem menschlichen Lachen verblüffend ähneln. Auch im Spiel machen sie diese Laute. In der entsprechenden Studie traten sie auch in soziale Interaktion mit dem Menschen, der sie kitzelte – sie forderten sogar dazu auf, noch mehr gekitzelt zu werden. Das Kichern der Ratten findet im Ultraschallbereich statt und ist somit für uns nicht hörbar. [6]
Was machen Ratten, wenn sie glücklich sind?
Glückliche Ratten geben für Menschen unhörbare Ultraschalllaute von sich. Besonders beim Spielen oder Kitzeln stoßen sie diese „Lachlaute“ aus. Forschende werten dies als Zeichen positiver Emotionen.
4. Ratten sind verspielt und neugierig
Ratten spielen gerne miteinander, werden sie als tierische Mitbewohner gehalten, interagieren sie auch mit ihren menschlichen Partner:innen. Sie sind neugierig, entdecken und lernen gerne Neues. Über positive Verstärkung kann man ihnen viel beibringen: So erkennen Mäuse und Ratten schnell ihre Namen. Werden sie gerufen, antworten sie sogar und kommen herbeigelaufen.

5. Ratten sind hilfsbereit
Studien zeigen, dass Ratten sich gegenseitig helfen: Kommt beispielsweise eine Ratte nicht an Nahrung, wie eine Haferflocke, hilft ihr eine andere Ratte dabei – selbst wenn sie selbst keinen Vorteil davon hat. [7]
6. Ratten sind Omnivore
Die Nahrung von Ratten in der Natur setzt sich sowohl aus pflanzlichen als auch aus tierischen Bestandteilen zusammen. Ratten bevorzugen in der Regel pflanzliches Essen.
Was fressen Ratten?
Ratten essen pflanzliche Lebensmittel wie
- Samen,
- Körner,
- kleine Früchte,
aber auch tierische Produkte – wenn sie Hunger haben, essen sie alles, was sie finden können. Teilweise kann auch beobachtet werden, wie sie Papier und Drähte zerkauen, doch dieses Material nutzen sie meist, um Nester zu bauen und verzehren es nicht.

7. Unzählige Ratten werden in Tierversuchen gequält
Neben Mäusen gehören Ratten weltweit, auch in Deutschland, zu den Tieren, die am häufigsten in Tierversuchen gequält werden. [8] Ratten empfinden genau wie wir Schmerz und Leid und wie wir Menschen sind sie auch Säugetiere – dennoch sind die biologischen Unterschiede zum Menschen so groß, dass Ergebnisse aus Tierversuchen nicht zuverlässig auf den Menschen übertragbar sind.
Sie sind klein, vergleichsweise pflegeleicht und haben einen relativ kurzen Lebenszyklus – aus diesem Grund werden die Tiere zigfach Opfer von Tierversuchen. [9] 2024 wurden knapp 120.000 Ratten in Experimenten und für Organentnahmen missbraucht. [8]

8. Ratten sind viel sauberer, als ihr Ruf vermuten lässt
Das Gerücht Ratten seien dreckige Tiere, ist weit verbreitet. Doch genau das Gegenteil ist der Fall – Ratten sind sehr reinlich: Sie putzen sich häufig und pflegen auch das Fell ihrer Artgenossen.
Der Mythos basiert darauf, dass Wanderratten häufig in Kanalsystemen oder Kellern leben, weil sie sich in dunklen und engen Räumen sicher fühlen. Auch in der Nähe von Abfallregionen wie Komposthaufen, Mülltonnen oder Mülldeponien sind die Nagetiere häufig zu sehen. Dort finden sie ausreichend Nahrung, denn als Omnivore ernähren sich Ratten gerne von verschiedensten herumliegenden Resten. Daher sind sie auch in der Gastronomie zu finden, wenn Essensreste nicht beseitigt oder verdorbenes Essen nicht richtig entsorgt wird. [10]
9. Ratten haben Angst vor Menschen
Bei vielen Menschen haben Ratten zu Unrecht einen schlechten Ruf – doch auch Ratten meiden Menschen meist, weil diese viel größer als sie sind.
Wovor haben Ratten Angst?
Ratten sind vorsichtige Tiere. Sie meiden
- Menschen,
- laute Geräusche
- und viele Beutegreifer wie Greifvögel, Schlangen, Hunde oder Katzen.
Neue Gegenstände werden häufig zunächst misstrauisch untersucht, bevor sie sich ihnen nähern. Sie haben einen ausgeprägten Geruchssinn und reagieren daher empfindlich auf verschiedene Gerüche wie Ammoniak, Pfefferminzöl und zerstoßenen Cayennepfeffer. Ratten haben außerdem Angst vor Lärm, da sie ein ausgezeichnetes Gehör haben.
10. Ratten sind wahre Überlebenskünstler
Ratten leben auf allen Kontinenten, mit Ausnahme der Antarktis. Sie können hervorragend klettern, schwimmen und sich unterschiedlichsten Lebensräumen anpassen – von Wäldern über Felder bis hin zu Städten.
Ihre Anpassungsfähigkeit ist einer der Gründe, warum sie seit Jahrhunderten eng mit dem Menschen zusammenleben. Trotzdem sind sie keine „Schädlinge“, sondern fühlende Wildtiere, die – wie alle anderen Tiere auch – ein Recht auf ein Leben frei von Leid haben.
Ratten im Haus: Tipps, um die Tiere tierfreundlich zu vertreiben
Wenn Sie Ratten im Haus haben, sollten Sie die intelligenten Nagetiere niemals töten: Die Tiere werden zu Unrecht als „Schädlinge“ bezeichnet und häufig vergiftet oder in Fallen qualvoll zerquetscht. Erfahren Sie hier, wie Sie Ratten und Mäuse tierfreundlich vergrämen können.
Weitere Fragen zum Thema Ratten
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Warum gibt es im Moment so viele Ratten?
Ratten vermehren sich dort besonders erfolgreich, wo sie leicht Nahrung und Unterschlupf finden. Offene Mülltonnen, Essensreste und milde Winter können dazu beitragen, dass lokal mehr Tiere zu sehen sind.
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Woher kommen plötzlich Ratten?
Häufig leben Ratten bereits in der Umgebung und werden erst sichtbar, wenn sich ihre Lebensbedingungen ändern – etwa durch Bauarbeiten, Hochwasser oder neue Nahrungsquellen.
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Welcher Geruch hält Ratten fern?
Einen wissenschaftlich belegten Geruch, der Ratten dauerhaft vertreibt, gibt es nicht. Am wirksamsten ist es, Nahrungsquellen zu beseitigen, Müll sicher zu verschließen und mögliche Zugänge abzudichten.
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Sind Ratten auf dem Grundstück meldepflichtig?
Eine allgemeine Meldepflicht für Ratten auf Privatgrundstücken gibt es in Deutschland nicht. Je nach Bundesland oder Kommune können jedoch besondere Regelungen gelten.
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Quellen
[1] Ethik Guide: Mäuse und Ratten: Nur im Rudel, https://www.animalfair.at/infothek/maeuse-und-ratten-nur-im-rudel/ (eingesehen am 07.07.2026)
[2] Schneider, Barbara et al., 2017: Verhaltensberatung bei kleinen Heimtieren, Kap. 7: Ratte. DOI: 10.1055/b-0038-158758
[3] Lafeber Company: Rat Communication: How Your Rats Talk To Each Other, https://lafeber.com/mammals/rat-communication-how-your-rats-talk-to-each-other/ (eingesehen am 08.07.2026)
[4] Ebbesen, Christian L. & Froemke, Robert C (30.06.2021): Body language signals for rodent social communication in rodents, https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/33582455/ (eingesehen am 07.07.2026)
[5] https://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371%2Fjournal.pone.0166446&utm_source=chatgpt.com (eingesehen am 16.07.2026)
[6] Spiegel (01.04.2005): Gekitzelte Ratten kichern, https://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/evolution-des-lachens-gekitzelte-ratten-kichern-a-349077.html (eingesehen am 07.07.2026)
[7] Bayrischer Rundfunk (13.06.2017): Experiment (bei Rotlicht): Wie sozial sind Ratten?, https://www.br.de/mediathek/video/experiment-bei-rotlicht-wie-sozial-sind-ratten-av:584f8fa53b46790011a49cf8 (eingesehen am 07.07.2026)
[8] Deutsches Zentrum zum Schutz von Versuchstieren (2025): Verwendung von Versuchstieren im Jahr 2024, https://www.bf3r.de/angebote/versuchstierzahlen/versuchstierzahlen-2024/ (eingesehen am 07.07.2026)
[9] Bryda, Elizabeth C. (2013): The Mighty Mouse: The Impact of Rodents on Advances in Biomedical Research, https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3987984/ (eingesehen am 07.07.2026)
[10] rnd RedaktionsNetzwerk Deutschland (2019): „Fiese Ratte“ – Sind Ratten wirklich eklig und gemein?, https://www.rnd.de/wissen/fiese-ratte-sind-ratten-wirklich-eklig-und-gemein-5EDHKLKMH6KYTEFW4QYKGJWLOU.html (eingesehen am 07.07.2026)
Hinweis: PETA lehnt Tierversuche grundsätzlich ab. Zwar können die oben genannten Ergebnisse dazu beitragen, dass sich der Blick der Menschen auf unsere Mitgeschöpfe ändert und somit langfristig Hoffnung auf eine bessere Zukunft für Tiere besteht. Dennoch ist die Durchführung dieser oder ähnlicher Tierversuche ethisch nicht zu rechtfertigen. Unserer Ansicht nach haben Forschende die ethische Verantwortung, solche Erkenntnisse nicht in Versuchen an Tieren, sondern durch Beobachtungsstudien in der natürlichen Umgebung der Tiere zu erlangen.
Trotz alledem ist den Tieren nun am meisten damit geholfen, die Ergebnisse publik zu machen, denn sie zeigen, wie faszinierend Tiere sind. Und sie verdeutlichen, dass es falsch ist, Tiere in Laboren einzusperren und in Experimenten zu missbrauchen.