Wolle: Was Sie über die Tiere in der Wollindustrie wissen sollten

Bei Wolle denken die meisten von uns vermutlich zunächst an Schafwolle. Bei einer Milliarde Schafe, die weltweit in der Woll- und Fleischindustrie gezüchtet und ausgebeutet werden, ist das nicht verwunderlich. Das größte Exportland für Wolle ist Australien, wo 68 Millionen Schafe im Jahr geschoren werden. [1] Weitere große Wollexporteure sind China und Neuseeland.

Neben Schafen werden aber auch andere Tiere für die Wollproduktion millionenfach gezüchtet, ausgebeutet, gequält und getötet: Ziegen für Kaschmir und Mohair, Kaninchen für Angorawolle und Alpakas für Alpakawolle. Hier erfahren Sie mehr über die grausame Wollindustrie und die Missstände rund um das Tierqualprodukt Wolle.

Inhaltsverzeichnis

Woher kommt Wolle?

Um aus dem Fell von Schafen Wolle herzustellen, wurden die Haare der Tiere früher während des natürlichen Fellwechsels ausgezupft. Da der Mensch die Tiere jedoch noch besser „nutzbar“ machen wollte, züchtete er dem Wildschaf diesen Fellwechsel einfach weg. Nach der Erfindung des Schermessers wurde den Tieren zudem ein ständiges Vlieswachstum angezüchtet, um möglichst viel weiche Unterwolle nutzen zu können. [2]

Neben Schafen wurden auch Alpakas, Angoraziegen (Mohair) und das Angorakaninchen durch die nun notwendige Schur vom Menschen abhängig gemacht. Bei vorzeitigen Hitzewellen können die Tiere durch ihr unnatürlich starkes Haarwachstum an Hitzschlag sterben. Schert man zu früh, besteht die Gefahr, dass sie bei unerwarteten Kälteeinbrüchen erfrieren.

Tiere die in der Wollindustrie leiden

Leiden Tiere für Wolle?

Ja, für die Wollproduktion leiden Millionen Tiere. Schafherden in der Wollindustrie bestehen gewöhnlich aus Tausenden von Tieren. Dadurch wird es unmöglich, den individuellen Bedürfnissen der Schafe nachzukommen oder Krankheiten wie Schmeißfliegenbefall, Fußfäule und Infektionen zu behandeln. Durch die mangelnde Pflege sind die Todesraten bei Schafen teilweise extrem hoch.

In Australien betrifft das bis zu 77 Prozent der neugeborenen Tiere innerhalb einer Herde. Etwa 15 Millionen Lämmer sterben dort jedes Jahr bei der Geburt, verhungern oder erfrieren ungeschützt auf der Weide. [3, 4] Ein Grund dafür sind Mehrlingsgeburten aufgrund von Überzüchtung, bei denen es den Betrieben nur um die Qualität des Felles geht.

Zwar erfolgt die Haltung von Alpakas und Ziegen meist in kleineren Herden, aber auch hier kommt es regelmäßig zu hohen Todesraten. Aufgrund mangelnder Infrastruktur in vielen Ländern werden die Tiere nicht angemessen untergebracht, gepflegt oder tierärztlich versorgt. [5]

Angorawolle stammt zu etwa 90 Prozent aus China, wo die sozialen Angorakaninchen auf Farmen oftmals in winzigen Einzelkäfigen und isoliert von ihren Artgenossen gehalten werden. Alle drei Monate werden die Kaninchen aus ihren Käfigen gezerrt, um ihnen das Fell gewaltsam abzuschneiden oder aus der Haut zu reißen. Dabei erleiden sie nicht nur massive Verletzungen, viele Angorakaninchen sterben auch an Herzversagen.

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laemmer

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Tiere werden schmerzhaft verstümmelt

Fast alle Tiere müssen in der Wollindustrie schmerzhafte Standardprozeduren über sich ergehen lassen. Meist wird direkt nach der Geburt eine Ohrmarke angebracht, die mit einem Tacker durch die Haut der Tiere gestochen wird. Männliche Lämmer und Kitze werden zudem ohne Betäubung kastriert. Hierfür werden entweder Gummiringe um die Hodensäcke gelegt, um die Blutzufuhr abzutrennen, oder die Samenleiter sowie die angrenzenden Blutgefäße und Nervenstränge werden direkt mit einer Metallzange abgequetscht.

Die Tiere laufen aufgrund der Schmerzen oftmals stark gekrümmt, verkriechen sich in Ecken oder können sich nicht ohne Leid bewegen. Zudem werden die Hornansätze von neugeborenen Schafen und Ziegen mit einem glühenden Eisen oder mittels einer ätzenden Chemikalienpaste entfernt.

Folterinstrumente der Wollindustrie
Mit Werkzeugen wie diesen werden Schafe standardmäßig verstümmelt.

Der angezüchtete lange Schwanz der Schafe führt zudem oft dazu, dass der Bereich rund um Schwanz und Anus schnell verschmutzt und sich Fliegenmaden in das umliegende Gewebe einnisten können. Anstatt die qualvolle Zucht einzustellen, wird Lämmern standardmäßig mit einem heißen Brenneisen der Schwanzwirbel abgetrennt.

Häufig wird der Schwanz auch durch ein sehr enges Gummiband abgeschnürt, wodurch der abgestorbene Schwanzteil nach zwei bis drei Wochen abfällt. Beide Methoden sind äußerst schmerzhaft und führen dazu, dass die jungen Schafe immer wieder unruhig aufspringen und sprichwörtlich versuchen, ihren Schmerzen davonzulaufen. [6]

Tierleid bei der Schur: Wie wird Wolle gewonnen?

Bei der Schur kommt es häufig zu Verletzungen der Tiere. Arbeiter:innen werden gewöhnlich nach der Zahl geschorener Tiere bezahlt und fertigen daher bei hoher Geschwindigkeit bis zu 250 Tiere am Tag ab. Schafe, Alpakas, Ziegen und Kaninchen sind jedoch Fluchttiere und wehren sich mit aller Kraft gegen diese Prozedur, weshalb sie gewaltsam fixiert werden. Dies führt bei den Tieren zu enormem Stress und panischer Angst. Zudem verursacht das Scheren immer wieder blutige Wunden.

Zahlreiche internationale Undercover-Recherchen von PETA deckten auf, dass Arbeiter:innen Schurwunden einfach vor Ort mit Nadel und Faden vernähten, ohne den Tieren dabei Schmerzmittel zu verabreichen. Tiere wurden während der Schur geschlagen und verstümmelt. Verletzte und „unprofitable“ Schafe wurden vor den Augen ihrer Artgenossen einfach erschossen und zerhackt.

Nach einer Strafanzeige von PETA USA im Jahr 2016 wurden Scherer in Australien für derartige Misshandlungen erstmals von einem Gericht mit einer Geldstrafe und einem Tierhaltungsverbot verurteilt. [8, 9] Ähnliche schockierende Misshandlungen stellten PETA und ihre internationalen Partnerorganisationen auch bei der Produktion von Mohair, Kaschmir, Alpakawolle oder Angorawolle fest.  

Schaf blutet bei der Schur
Ziege tot auf dem boden
ziege wird geqaelt
mann haelt alpaka fest
Kaninchen wird geschert

Mulesing: Merinoschafen werden Hautstücke abgeschnitten

Die in Australien meistverbreitete Schafrasse ist das Merinoschaf, eine speziell gezüchtete Rasse mit sehr feiner Wolle. Damit jedes einzelne Tier noch mehr Wolle erzeugen kann, wurde den Merinoschafen eine besonders faltige Haut angezüchtet. In diesen Hautfalten sammeln sich Urin und Feuchtigkeit an – vor allem am Hinterteil. Von der Feuchtigkeit angezogene Fliegen legen in den Hautfalten ihre Eier ab, deren ausgeschlüpfte Larven die Schafe bei lebendigem Leib aufessen.

Um das zu verhindern, schneiden australische Farmer:innen den Lämmern beim sogenannten Mulesing ohne Betäubung große Fleischstreifen am Hinterteil ab. Dadurch soll eine glatte, vernarbte Fläche entstehen und der Fliegenbefall vermieden werden – statt einfach die Qualzucht von Merinoschafen zu beenden. 2019 wurden noch immer 89 Prozent der australischen Schafe durch das Mulesing verstümmelt. [7]

Tierleid für Wolle und Lammfell in Deutschland

Auch in Deutschland berichten Schafhalter:innen von Schlägen, Gewalt oder gar Genickbruch von Schafen bei der Schur. [10] Gewalt und die Vernachlässigung ganzer Herden sind auch hierzulande keine Seltenheit. Verletzte Tiere humpeln über die Weide, schwitzen im Hochsommer unter einer dicken Wolldecke oder scharen sich um leere Wassertröge, bis sie qualvoll verdursten.

Im internationalen Vergleich produziert Deutschland mit knapp 1,6 Millionen Schafen jedoch sehr wenig Wolle. Da sie zumeist grob und kratzig ist, wird sie oftmals im Ausland zu Filz, Teppichen, Pellets oder Dämmmaterial weiterverarbeitet und nicht in der Bekleidungsindustrie eingesetzt. [11, 12] In Deutschland werden vor allem Lämmer für ihr Fleisch und die Lammfellproduktion gezüchtet und getötet, da der Wollverkauf meist unrentabel ist. 2019 wurden 980.000 Lämmer von ihren Müttern getrennt und in deutschen Schlachthöfen getötet. [13] Nach der Tötung wird ihnen die Haut vom Körper geschnitten und ihr Pelz als Lammfell oder Babydecken verkauft.

schaf liegt auf einem transporter
Kein Tier überlebt die Wollindustrie.

Tiertransporte und Tötung im Schlachthaus

Wenn die Wollproduktion der Tiere nachlässt, werden sie mit etwa sechs Jahren im Schlachthof getötet. Ihre natürliche Lebenserwartung hingegen liegt je nach Tierart zwischen 20 und 25 Jahren. [14] Im Schlachthof müssen die Fluchttiere mitansehen, wie ihre Artgenossen an den Vorderbeinen aufhängt werden und ihnen die Kehle durchgeschnitten wird. Bis zu 100.000 Schafe sind allein in Deutschland noch bei vollem Bewusstsein, während sie ausbluten, da die Betäubung häufig fehlschlägt. [15] Auch Alpakas, Ziegen oder Kaninchen werden oftmals ohne Betäubung getötet.

Abermillionen Schafe und Ziegen werden jedoch nicht in einem nahegelegenen Schlachthaus getötet, sondern auf LKW und Schiffen ins Ausland transportiert. Australien ist weltweiter Exportmeister im Lebendtransport von Schafen. Das Verladen und die anschließende Reise auf dem Schiff sind für die Tiere enorm stressig und verursachen Aggressionen und Angst. Dicht gedrängt werden bis zu 75.000 Schafe auf ein Schiff gesperrt. [16]

Transportschiff mit lebenden Schafen
Mehr als 1,1 Millionen Schafe werden jedes Jahr von Australien in die ganze Welt exportiert. 

An Bord stehen die Tiere teils mehrere Wochen in ihren eigenen Fäkalien, sind Temperaturen von bis zu 40° Celsius ausgeliefert und bekommen ungewohnte Nahrung in Form von Pellets, die sie häufig ablehnen. Viele Tiere sterben unterwegs an den Folgen eines Hitzschlags oder erliegen Stress, Traumata und Erkrankungen. [17]

Wer die Reise überlebt, endet fast immer in Afrika oder den Ländern des Mittleren Ostens wie Kuwait, Katar und Jordanien. Dort werden die Tiere unter Schlägen und Tritten verladen und zu Schlacht- oder Hinterhöfen gekarrt, wo ihnen ohne Betäubung und mit teils stumpfen Messern die Kehle aufgeschnitten wird. Dieser qualvolle Tod wäre in Australien oder Deutschland illegal und verletzt die Standards der Weltorganisation für Tiergesundheit (OIE) über den Umgang, den Transport und das Schlachten von Tieren. [18] Dennoch wurden allein 2019 über eine Million Schafe von Australien aus verschifft. [19]

Welche Wolle ist am umweltfreundlichsten?

Tierische Wolle hat eine enorm schlechte Umweltbilanz. Nicht ohne Grund schneidet die Produktion tierischer Wolle auf ökologischen Vergleichsportalen wie dem Higg Index, welche die Produktion herkömmlicher Textilfasern untersuchen, oft am schlechtesten ab. [20, 21]

Durch ihre Ausscheidungen produzieren Schafe, Alpakas und Ziegen jede Menge Methan und fördern dadurch die globale Erwärmung. Die massenhafte Zucht der Tiere verschlingt eine Menge Ressourcen in Form von Nahrungsmitteln, Wasser und Land. Abgrasung, Bodenerosion und die Verwandlung ganzer Landstriche in Wüsten sind die Folge dieser intensiven Tierhaltung. Auch der massive Einsatz von Pestiziden verschmutzt Böden und Gewässer. So werden viele Schafe und Ziegen zum Schutz vor Parasiten und Pilzen mit sogenannten Chemiebädern behandelt, die enorm umweltschädlich sind.

Tierische Wolle ist speziesistisch

Während viele Menschen Mitleid haben, wenn Katzen oder Hunde gequält werden, empfinden sie meist nicht das Gleiche, wenn sie das Leid der Schafe bei der Schur sehen. Doch immer mehr Menschen erkennen, dass es falsch ist, ein Tier als „Wolllieferant“ für Kleidung auszubeuten und ein anderes Tier zu streicheln. Denn diese Ansicht nennt sich Speziesismus und sorgt dafür, dass Milliarden Tiere auf der Welt für ihr Fleisch, ihre Haare, ihre Haut oder ihre Federn ausgebeutet und getötet werden.

Es wird Zeit, dass der Speziesismus aus den Köpfen der Menschen verschwindet, denn Schafe, Alpakas, Ziegen und Kaninchen wollen wie alle Tiere ein selbstbestimmtes Leben in Frieden führen und nicht eingesperrt, gequält und getötet werden.

Welche Wolle ist tierfreundlich?

Nur vegane Wolle, wie beispielsweise Baumwolle, ist tierfreundlich. Zum Glück müssen wir Menschen keine Wolle von Tieren tragen. Der Handel bietet heute eine Fülle an ausgezeichneten, tierleidfreien Alternativen zu Wolle an. Klassische Stoffe wie Baumwolle, Leinen, Sisal oder innovative Materialien wie Lyocell (z. B. Tencel, Modal), Polyestervlies oder Sojaseide sind nur eine kleine Auswahl des breiten Angebots.

Prüfen Sie in Modegeschäften und Strickwarenläden die Etiketten gezielt nach diesen tierfreundlichen Materialien und fragen Sie regelmäßig aktiv bei Herstellern und Händlern nach solchen Produkten.